Hybridantrieb für aus der Form geratene Herren

In Folge mich seit Monaten immer wieder mal plagender Ischiasanfälle und auch des viel zu milden, fast schneefreien Winters, fielen fußläufige Erlebnisse mit Spechten auf verschneiten Felberganstiegen,  aus. Das hat natürlich Folgen. Inzwischen vermeide ich es, mich vor den Spiegel zu stellen und fühle mich unwohl. Was ich im Spiegel sehe: Eine Skulptur aus Schmalz, die von Beuys stammen könnte. “DickerGeknickter, alter Mannälterer Herr” heißt das Ausstellungsstück. Entstehungsjahr: 2012.

Bis zu vier Kilo pro Monat würde man mehr oder weniger von selbst abnehmen, wenn es wieder wärmer wird, habe ich irgendwann von früher in Erinnerung. Bei mir mit 60+ scheint das allerdings nicht mehr hinzuhauen und unerbittlich klammert sich mein Körper an sein angefressenes Winterfett.  Der erste Versuch erst vor ein paar Tagen, hier mit Technik nachzuhelfen und mit dem Fahrrad eine klitzekleine 5 Kilometerrunde zu fahren, endete kläglich mit einem… hüstel… zeitlupenartigen,  schmerzverzerrten Herunter fallenlassensteigen vom Fahrrad, wobei ich glaubte, mir fliegt der Schädel weg, danach einem fast auf allen Vieren (Affenhaltung) Verschwinden hinter einer Scheune und einem für Ischiasanfälle in der Satteltasche mitgeführten 100 mg Voltaren – Zäpfchen… huaaa.

Meine Copilotin hatte mir vor über 20 Jahren einmal gestanden, dass ihr in Gegenwart ihres dicken Chefs manchmal das Essen in der Kantine nicht mehr schmeckte. Das fällt mir unerklärlicherweise grade jetzt ein, und obwohl mir das Unangemessene dieser Reaktion deutlich vor Augen steht, fühle ich mich augenblicklich schuldig. Soviel steht deshalb fest: Es müssen andere Saiten aufgezogen werden. Ab jetzt gehe ich jeden Morgen um 6.30 Uhr wieder eine gedruckte Zeitung holen, in dem 1580 Laufschritte entfernten Kiosk, dort, wo der Inhaber, ein Italiener, der mir in meiner verfressenen Zeit, als Kellner in meinm damaligen Lieblingsrestaurant Da Giovanni, die leckeren Pasta’s, mal mit Ochsenschwanz-, mal mit Kaninchenragout, servierte, mir morgens am Tresen seines Kiosk und  damit ich wenigstens 10 Minuten bei ihm stehenbleibe und mich mit ihm unterhlte, einen Gratis-Kaffee (ohne Zucker und Latte, ist klar) servieren wird, in dem der Löffel stehen bleibt. 

Und ansonsten: Hinfort ihr kleinen, dummen Gedanken über Formen des Selbstbetrugs, ab jetzt wird die Voltaren prophylaktisch Nachmittags eingenommen und sich Abends langsam an die Wochenmarke von mindestens 80 Fahrradkilometern rangequält.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Obwohl sich die Torturen damit wohl über Jahre hinziehen würden, hatte ich heute Abend als ich ein Werbe-E-Mail öffnete, an die überfallartigen Ischiasschmerzen und als Alternative zu  Rektaltorpedos in Notfällen, einen Moment lang doch tatsächlich an so was gedacht.

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