Kleingedrucktes

Ich glaube im Übrigen nicht an den ganz grossen Euro-Crash. Gut, es gibt da ein paar echte Probleme, und vielleicht wird man den Euroraum spalten müssen. Aber solange es den Briten immer noch dreckiger geht und in den USA die Subprimekrise gerade wieder den Kopf hebt und AIG weiterhin Miese macht, ist Deutschland relativ gesehen, immer noch eine stabile und sichere Nummer, wie gesagt, relativ.

Griechenland ist als Staat in etwa das, was die Frankfurter Bankster und ihre gelben Kaufmich-Politiker als Kriminelle sind: Dreckige Zyniker, die für Geld von anderen jede Schandtat zu tun bereit ist und, sobald sie es haben, jeden anderen am Wegesrand verhungern liessen. Die Griechen und die Bankster haben jahrelang betrogen und Zahlen gefälscht, wo es nur ging – die werden sich nicht ändern. Wie immer, geht es nicht um die Rettung der Griechen, es geht wieder mal nur um die Rettung der Banken, speziell der (D)deutschen Bank(en), die den Griechen Geld geliehen haben.

Rund 1.019 Milliarden Dollar, also mehr als eine Billiarde Dollar Kredite wurden an Portugal, Italien, Griechenland und Spanien ausgeliehen. Der Großteil davon ging an Spanien und nur 119 Milliarden an Griechenland. Dabei haben deutsche und französische Banken ungefähr die Hälfte dieses Betrages ausgeliehen. In Griechenland sind übrigens wieder die üblichen Verdächtigen freudig vereint wie Frank Meyer auf seinem Blog berichtet:

Selbst die Bankenaufsichtbubis fürchten, dass die Entwicklung für deutsche Banken zur Gefahr werden könnte, da in diesem Problemfeld von deutschen Banken insgesamt Papiere im Volumen von 522,4 Milliarden Euro gehalten werden und dies ungefähr 20 Prozent des Geldes ist, das Deutsche im Ausland verliehen haben. Natürlich sieht es anderswo noch schlimmer aus, aber das ist ja bekannt.

Professor (Un)Sinn vom Ifo-Institut hat die Gefahr für die Weltwirtschaft zwar erkannt, denn ganz bestimmt hat er von Dr. Alexander von Paleske gelesen,  wie Bankster mit Credit Default Swaps die Krise in Griechenland verschärfen,  gelesen.  Genau deshalb hat der in Berlin gern gehörte Prof. Unsinn wie immer die Lösung. Die Armen sollen sparen und die Löhne müssen runter, sein altes und vor allem gemeines  Stammtischlied der Neokons.

Vorbeugen ist bekanntlich besser als heilen.  Die von der Citi-Group erfolgte Benachrichtigung an alle Kunden, nur im Kleingedruckten natürlich, weckt bei mir Zweifel über die Stabilität des Finanzsystems. Die 3,5 Millionen deutschen Kunden der “City die niemals schläft” sind nun mit dem Hinweis konfrontiert, dass die Citigroup berechtigt ist, Auszahlungen fristgebunden zu verweigern. Dieser Spruch findet sich gegenwärtig auf ihren Kontoauszügen. Ohne vorherige Anmeldung gibts keine Kohle, wann gabs so was schon mal in den letzten 50 Jahren, dass selbst eine “Financial Times Deutschland”  schreibt, dass durch diese Benachrichtigung der Eindruck hervorgerufen würde, dass die Bank einem etwaigen Sturm der Kunden auf ihre Gelder vorzubeugen beabsichtigt. Na, dafür braucht man kein großartiger Hellseher sein, darauf würde jeder sofort tippen.

Ganz ehrlich, selbst wenn man heute eine Schrifttafel ganz groß irgendwo in den Städten aufstellen würde, drauf schriebe – “Banken sind am Ende, Sparer holt euer Geld ab” – es würden vielleicht eine Handvoll älterer Menschen aus ihrem Fernsehschlummer erwachen, aber bald darauf wieder einnicken und weiterhin die “persönliche Trance” genießen …

Soweit haben sie’s gebracht, die Menschen sind dermaßen abgestumpft und zu Konsummaschinen verkommen, das nicht mehr viel zu ihnen durchdringt. Und es mag ja sein gutes haben, denn auf diese Weise bleiben die Gelder auf den Banken. Jeder, der jetzt noch sein Geld dort lässt, tut dies auf – sowieso – eigene Gefahr. Und warum man in Tageszeitungen, ausser der Financial Times, so gut wie nichts über “Kleingedrucktes” der Citi-Bank findet, mag sich jeder seinen Reim selbst machen.

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7 Gedanken zu “Kleingedrucktes

  1. Grade die kleinen Nachrichten die man oft überliest haben es in sich. Ich habe sofort noch mal die alte FT aus dem Papierkorb geholt.
    Hartmut W.

  2. Ohne Konsummaschinen geht es aber nur noch weniger, Detlef. Entschuldige, ja, das gehört noch zum BGE, aber ist hier nun wieder der Punkt: Exportweltmeister ist man nicht unter Exportweltmeistern. Das ist man nur unter Olivenölproduzenten, die einem Autos, Apparate, U-Boote, Jagdflugzeuge und Panzer abkaufen.

    Vgl. ‘Konkret’ 03/2010 zum desorientierten Griechenlandbashing:
    “4,3 Prozent ihresBruttoinlandsprodukts (BIP) geben die Hellenen für die Verteidigung aus,..”
    Oder: “Der deutsche Handelsüberschuß gegenüber Griechenland stieg 2008 [..] auf fast sechs Milliarden Euro.”
    “Man nennt das [i]beggar your neighbour policy[/i] — eine Politik, die den Nachbarn zum Bettler macht.”

    Oder quer durch die Artikel der letzten Jahre bei Robert Kurz’ ‘Exit’ zu defizitfinanzierter Nachfrage in der Warengesellschaft.

    Die Mittel fehlen rundum nicht auf unerklärliche Weise. Ihr Verbleib stellt seit je gerade den Abstand her, die Deklassierung zu EU-intern Letzten, Vorletzten usw. usf. — den Armen, die nun ihren Armen das Licht auszumachen haben.
    http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=aktuelles&index=0&posnr=460

    Ganz “realwirtschaftlicher” melt down, Detlef. Nicht umsonst beklagt sich schon länger die halbe Welt Jahr um Jahr mehr gerade über Deutschland. Wir können z.B. nicht mit unseren exportierten Fleischabfällen die afrikanische und asiatische Viehhaltung, Schlachtung und Verarbeitung abschaffen und dann vor Ort auf dem Markt die Nase darüber rümpfen. Wie alles, tun wir aber selbst das noch, damit sich nirgends nie nichts mehr rührt, ohne daß einer von uns den Finger darauf hat.
    Genervt von Transferleistungen & Co? Die gehören als Randerscheinungen dazu, ob nun GTZ und Weltbank gerade möglichst reibungslos weltweit Trinkwasser unter die Kontrolle unserer Konzerne bringen sollen oder Westerwelle/Niebel den Hintertupfinger Bratwurst- oder A400M- und Eurofighterbau und -absatz sichern und ausweiten sollen. Und v.a. die Führungsrolle im Ganzen.
    http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=31937

    Alles für die Banken? Nichts für die Realwirtschaft? Die Arbeitsplätze? Den Mittelstand? Das Püldungspürgertum?

    Ciao,
    moritz

  3. -und die Banken zocken auf den Bankrott der Griechen und den Wertverlust des Euros…profitieren also in beide Richtungen?

    -Prof.Sinn: ist dies nicht der, der mit seinem Institut und seinen Prognosen eigentlich immer daneben liegt?

    In welcher Welt leben wir? Zählt nur noch Lug, Trug und Beschiss?
    Thomas

  4. Ackermann war am letzten Wochenende in Griechenland. Es geht um eine aufzulegende Staatsanleihe in Höhe von 6 – 10 Milliarden Euro. Wenn die Griechen eine Sechskomma davorschreiben, gibt es genug Deppen, die den Dreck kaufen wie Popcorn, mit dem Wissen, dass sie ihr Geld nie mehr zurückbekommen.

  5. Ganz so sicher sollte man sich nicht Deutschland vielleicht nicht fühlen, denn viele Risiken sind noch gar nicht aufgespürt und modern fröhlich weiter hinter vielsagenden Begriffen oder tauchen gar nicht auf kraft neuer Freiheiten in der Bank-Bilanzierung.

    Die ganze Krise halte ich aber für sinnbildlich für den Werteverfall unserer Gesellschaft: Wie kann es sein, dass Verbraucher etwa Konsumentenkredite gar nicht mehr hinterfragt haben? Baufinanzierungen ohen Eigenkapital, das Füllhorn existiert!

    Und warum sind die Banken mangelhaft beaufsichtigt? Jede Gesellschaft bekommt den Kapitalmarkt, den sie verdient, ist der Volkswirt versucht zu sagen. Und das juristische System. Und das Steuersystem. Der deutsche Michel muss sich vor allem selbst an die Nase fassen bei so Trägheit und Ignoranz. Nicht die Politiker, die Bankster, die Alle da oben, sondern eben jeder.

    In der Garage rumort es auch schon. Oldtimerbesitzer sind meist konservative und bodenständige Kollegen, aber der Kauf auf Kredit reißt auch hier ein – sogar wachsend gegen den Branchentrend – als Sicherheit hat man ja noch das Auto, was einem vermeintlich gehört. Wer möchte, kann mal hier nachlesen:
    http://www.carsablanca.de/Magazin/kaufberatung/den-will-ich-haben

  6. Da muss ich widersprechen, Jan A.,

    Zitat:
    …Konsumentenkredite gar nicht mehr hinterfragt haben? Baufinanzierungen ohen Eigenkapital…
    Zitatende:

    100% Baufinanzierungen (für Privat) gibt es nur, wenn Immobilenverkäufer den Kaufpreis höher ansetzen und somit Egenkapital vortäuschen. Der Bankmitarbeiter muss dann auch noch mitspielen, weil ihm eigentlich der überhöhte Kaufpreis auffallen müsste. Seit Basel II die einzige Möglichkeit zu tricksen.

    Nenneswerte Darlehen gibt es eh nur noch gegen Sicherheiten bzw. Bürgschaft.

    Und genau diejenigen, die sich bei Investitionen immer auf Basel II rausgeredet haben, haben sich mit faulen US-Immobilen einedeckt

    Gruß

    Uli aus S

  7. “Der deutsche Michel” blickt nicht nur nicht durch, er wird bewusst vera…! Das Verbriefungsgeschäft – mit nachfolgendem Bailout II – ist doch wieder voll im Gange, so gewollt sogar von der staateigenen KfW.

    http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~E1D07B8CE8E024D418E17FCB760E014F8~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Dazu zählt bspw. auch die Verbriefung (Müllrecycling) von BMW-Leasingverträgen über 800 Millionen Euro (die Auto-Banken sind meistens auch die Refinanzierer der Oldtimer-Leasing Anbieter). Die Transaktion mit dem Titel „Bavarian Sky 2“ wurde Anfang Februar bei den Investoren mit einem Risikoaufschlag wie Popcorn plaziert. Die Party ist wieder voll im Gange.

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