Grupp, der, der Zetsche in den Hintern trat

Also wenn ich mir demnächst mal wieder einen Swetshirt kaufe, dann von Trigema. Der Meinungsmainstream ist Einiges gewohnt – mit harscher Kritik eines echten Leistungsträgers und Mitglieds der gesellschaftlichen Elite kann er allerdings nicht umgehen. Besonders dann nicht, wenn mal wieder  Trigema-Boss Wolfgang Grupp in der Runde von Sandra Maischberger sitzt.

Ihr da oben, Ihr da unten – wer sind die wahren Asozialen?   Bei der Frage von Sandra Mischberger hatte es ein FDP-Mann schwer – und Wolfgang Grupp leicht, leicht insofern, dass gesellschaftlicher Wandel von Leuten die gar keinen mehr brauchen, entspannt diskutiert werden kann. Und man kann über ihn sicherlich eine Menge Witze reißen: moralisierender Familienpatriarch mit Villa neben der Fabrikshalle, in der die versammelte Familie des Abends zum gemeinsamen Müsli-Fassen verdonnert wird… diese und zahlreiche andere Facetten des Burladinger Textilunternehmers verleiten in unseren knallharten Zeiten der globalen Megacorporations zur heiteren Herablassung des Publikums.

Aber Grupp verkörpert all das, was mal für mich das gute am rheinischen Kapialismusverkörperte. Je mehr ich von Schumpeter gelesen habe und das war, seit ich hier vor zwei Monaten mal hier was von ihm schrieb, nicht wenig, um so mehr bin ich der Meinung, dass der Weltökonom Schumpeter Menschen wie Grupp im Sinn gehabt haben muss, als er den Unternehmern ein Denkmal setzte.

Grupp verbreitet zwar nach außen nicht gerade das Flair des “kreativen Zerstörers” – aber dennoch: eisern durchzuhalten, während alle anderen von der Bildfläche verschwinden, und dabei noch die traditionellen Werte hochzu-halten…  und auch mal einem Versager Zetsche & Co vor Millionenpublikum richtig fest einen in den Hintern treten (das Video ab 15.45 hat es in sich), so was verdient Respekt und je mehr ich drüber nachdenke: Ich werde mir nicht nur einen, sondern zwei Trigema Swetshirts kaufen.

Ich fürchte nur, dass Grupp so oder so eines der letzten Exemplare einer aussterbenden Gattung ist – eben genau so, wie es Schumpeter seinerzeit vorausgesagt hat. Die Unternehmerehre verschwindet, wenn auch der letzte Laden von Leuten gesteuert wird, wie diese Type neben Grupp, 140 Millionen – Absahner und Pleitier Thomas Kramer,  Typen wie er, die nur noch der Klau-was-du-kannst-und-hau-ab-Methode agieren oder sich als “leitende Angestellte” begreifen und sich ja “nur den Marktzwängen anpassen müssen”. Die Folgen sehen wir heute: Das Land der Pessimisten.   Damit eben nicht die jungen Generationen das Vertrauen und damit das Bürgertum seine Funktionen und der Kapitalismus über kurz oder lang seine Fundamente verliert, bräuchte es viele, viele Wolfgang Grupp’s.

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15 Gedanken zu “Grupp, der, der Zetsche in den Hintern trat

  1. War die erste Sendung, die ich auf der Deutschen Welle hier in Chile nach dem Erdbeben gesehen habe.
    Hut ab vor Herrn Grupp.

    Werde mich auch mit seiner Wäsche eindecken, wenn ich wieder in Deutschland bin.

    gruss
    jorg

  2. Ich habe mir heute vormittag das Video genüsslich angeschaut. Wie FDP-Scharfmacher Fischer da saß und den Mund nur noch zum Wassersaufen aufbekam wenn Grupp redete, war zu köstlich. Alleine aus Dankbarkeit dafür, dass Herr Grupp mal den deutschen Managern so richtig nach Strich und Faden den Marsch geblasen hat, mache ich auch eine Trigema Online-Order.

  3. Los kaufen, marsch-marsch!

    Testbild
    [IMG]http://img229.imageshack.us/img229/2259/img0866x.jpg[/IMG]

  4. Mir fällt auf Anhieb noch ein erfolgreicher Unternehmenslenker ein, der seinen Aktionären seit 1996 keine Dividende mehr gezahlt hat, heute auf einem Berg
    Cash und Cash-Equivalents von knapp 40 Mrd. USD sitzt und kürzlich trotz sprudelnder Gewinne verkündet hat, dass er auch weiterhin keine Notwendigkeit sieht, von seiner bisherigen Dividendenpolitik abzurücken. Ja, das ist die Firma mit dem angebissenen Apfel…

    Es gibt sie also noch, aber sie sind wohl vom Aussterben bedroht…

    Friedrich H.

  5. Bei mir um die Ecke gibt es eine “Von Meister Straße” und in der steht die Villa Meister. Deshalb ist mir auch einer mit einem Statement eingfallen, was heute ziemlich weltfremd klingt:

    “Wir treiben unsere Dividendenpolitik so, daß wir unsere Aufgaben in erster Linie darin sehen, die Gesellschaft gesund zu erhalten (…) Ich sehe eine viel größere moralische Verpflichtung darin, den 125.000 Menschen, die unsere Firma mit den indirekt zugehörigen Firmen jetzt beschäftigt, eine gesicherte Existenz zu gewährleisten, als der schwankenden Konjunkturpolitik oder den schwankenden Einnahmen folgend, einfach immer die Dividende auszuschütten, soweit das möglich ist.“

    Es handelt sich dabei um eine Aussage des früheren Vorsitzenden der IG Farben, Karl Bosch, zitiert nach Pritzkoleit, aus dem Buch “Bosse, Banken, Börsen”. Man stelle sich einmal vor, bspw. ein Dr. Reithofer (BMW) würde sich mit so einer Ansage vor die Analysten, die Presse oder noch besser, vor Susanne Klatten wagen.

    Oder – wie meine Oma immer zu sagen pflegte: Es war halt doch nicht alles schlecht, früher.

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  6. Herr Grupp hat Stil und Verantwortungsbewusstsein – verlangt viel von seiner Familie und seinen Mitarbeitern. Ist sicherlich nicht immer einfach und schiesst auch mal über das Ziel hinaus. Seine Mitarbeiter können sich aber wohl auf ihn verlassen.
    Er zahlt seine Steuern in Baden-Würtemberg und das Land dankt es ihm. Anlässlich der Werbekampagne “Wir können alles aus Hochdeutsch” wurden T-Shirts benötigt – das Land fragte nicht einmal an! Es wurde von Beamten das Geld der Bürger in den Import und die Sicherung ausländischer Arbeitsplätze investiert.

  7. Letzten Sonntag saß bei Maybrit Illner genau das Gegenteil von Grupp auf dem Sofa. Stefan Schwarz, Gebäudereiniger aus Berlin, der angeblich 100 Beschäftigte sucht, von der Arge nur Faulenzer geschickt bekommt und das, “obwohl er im Gegensatz zu Konkurrenten, die manchmal unter 5,00 € bezahlen, er einen Mindestlohn von fast 9,00 € bezahlt”.

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/988236/Polemik-oder-Politik%253F#/beitrag/video/988236/Polemik-oder-Politik%3F

    Mal abgesehen davon, dass eine Talkrunde, in der Westerwelle fast 1 Stunde lang plabbern durfte, eine Witznummer ist, ist so eine Aussage von einem Gebäudereiniger eine Verar… Ich kenne persönlich Beschäftigte in der Reinigungsbranche auf Ffm-Airport, die nach vertraglichen Soll-Stunden 8,00 € + verdienen, wenn man aber mal die abverlangten Ist-Stunden kennt, sogar unter 5,00 € liegen. Das dürfte in Berlin eher noch schlimmer sein als hier.

    Solche lohngedumpten Leute würden doch in Scharen zu diesem Herrn Schwarz überlaufen, wenn dem so wäre wie er im Fernsehen glauben machte.

    Ich kann diese ganzen Talk-Runden nicht mehr sehen. Angesichts der Aussichtslosigkeit an diesem systemischen Problem etwas zu lösen, halte ich auch den Auftritt von Talktingler Grupp, nur für eine Werbeveranstaltung für Trigema.

    Anton F.

  8. Gruppe muss für einen Mindestlohn sein, denn sonst kann keiner mehr seine T-Shirts kaufen, auch nicht im Werksverkauf, wo es 50% auf alles gibt. Sorry, nicht ganz ernst gemeint…

    Den Tritt nach Zetsche fand ich klasse. Es ist für zehntauende Mitarbeiter schon mehr als nur ein Tritt von Zetsche, wenn der den Menschen Lohnverzicht und Mehrarbeit abverlangt, 2008 noch 1,4 Milliarden Gewinn macht, demutsvoll angesichts magerer nur 1,4 Milliarden Gewinn auf Gehalt und Boni in 2008 verzichtet und dann aber in 2009, 2,6 Milliarden Verlust macht und bei Gehalt und Boni mal wieder den Arm bis an die Schultern in die Kasse streckt. Die Wut in Untertürkheim und Sindelfingen bei Daimler Beschäftigten ist groß.

    Auch das Harald Schmidt Video ist doch Spitze. Solche Männer braucht das Land.

    Hans M.

  9. Krawallshow ohne wirklichen Erkenntnisgewinn. Das einzig positive, was man dem Grupp anrechnen kann ist, dass er mit seiner gespielten „Nachdrücklichkeit“ in seinem ersten Redebeitrag die Runde dort – mehr aus Versehen(?) – gleich zu Beginn in echte Aufregung versetzt hat. Kramer, was für ein Arschloch, hat dieses rhetorische Mittel (wahrscheinlich konnte er in seiner Aufregung auch gar nicht anders?) dann notdürftig aufgegriffen und herrlich grottig eingesetzt. Dafür wurde er am Ende von dem kaum intelligenteren FDP-Spacken sogar als „Idiot“ bezeichnet. Geistiges Prekariat an der Arbeit!

    Entschuldigt, aber aus so einem Talkshow-TV-Theater konnte ich noch nie irgendwas “mitnehmen” und das ganze irre Gepolter war auch nur begrenzt unterhaltsam. Hätte ich mir sparen können. Grupp gegen Ackermann & Co, chancenlos.

    Michael F.

  10. Grupp ist tatsächlich ein interessanter Typ. In gewisser Weise nutzt er natürlich tatsächlich seinen ihm vorauseilenden Ruf des streitbaren Unternehmers weidlich zu Werbezwecken aus, wenn man mal die Trigema-Webseite ansieht. Das Publikum, welches ihm aufmerksam zuhört und sich solidarisiert, dürfte in Zeiten des Schneeschippenliberalismus nicht eben kleiner werden.

    Aber er hat mit dem meisten recht. Hier hab ich noch zwei Presseartikel gefunden. Der zweite hat mich beeindruckt.

    http://www.suedkurier.de/region/hochrhein/loerrach/-bdquo-Gier-und-Groessenwahn-ldquo-;art372612,4040723

    http://www.trigema.de/shop/page/nwnews11092009_page/detail.jsf

    Antonio M.

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