Handwaschpaste Dr. Zetsche

Na, da schau an: Mercedes hat jahrelang weltweit Schmiergelder bezahlt.  Ausgerechnet die.

Siemens, VW, MAN… ein Stück fast alltägliche Wirtschaft, von der ich ja privat eine gar nicht so schlechte Meinung habe. Kartelle, Preis- und Regional-absprachen sowie relativ feste Preise, sind die nicht immer das Schlechteste, wer mal andererseits erlebt hat, wie superbilliger Wohnungsbau mit italienischem Eisen und bosnischem Zement, drei Gibraltar-Subunternehmern mit 2 Euro Jobbern aus dem Balkan, nach 10 Jahren aussieht, versteht vielleicht, was ich meine.

Nun also Mercedes-Benz. Haha. Ausgerechnet. Wo die doch mit ihren tollen mit Zetsche-Anglizismen vollgebutterten Märchen über Qualitätsoffensiven und dem Ziel das jeder Kunde wieder I-love-my-Mercedes sagen soll, jahrelang den Marktplatz für Finanznachrichten, sterbende Automobil-Gazetten und Blogs beliefert haben. Bei ihnen sei alles so grossartig gut, wie früher, und innovativ, die Strategie die besten Autos der Welt zu bauen, dabei die Kosten zu minimieren, gemeint war in Wirklichkeit, wenn sich die Zulieferer eine gnadenlose Preisschlecht um jeden Auftrag lieferten und zehntausende von Mitarbeitern aus Angst um ihren Job hohe Lohnverzichte in Kauf nehmen mussten.

Wie fanden das die Johurnalisten, all die PRolls und Hypeschreiber in von Daimler gesponserten Blogs und Internet-Foren toll.

Und jetzt stellt sich raus, dass das größtenteils nur Humbug, Verarschung der Aktionäre und Öffentlichkeit gewesen war. Ich sag´s ja immer: Ehrlichkeit, Ethik und Moral, Transparenz und vollkommen freie Märkte sind Gift für den Standort Deutschland. Es ging viele Jahrzehnte ohne Handwaschmittel. Da hat Qualität und technische Fortschritt die Menschen noch überzeugt, manchmal mehr Autos kaufen zu wollen, wie Mercedes-Benz bauen konnte und auch mal zwei Jahre zu warten, bis der Doimler vor der Haustüre stand.

Nun gut, Zetsche & Co, wohl beindruckt von der Siemens-Bestechungsaffäre und den millionenschwern Folgen für die früheren Vorstände, haben sich in New York vor den Strafermittlern auf den Rücken gelegt, Hals nach oben, ein paar Bauernopfer aus dem Management waren schnell gefunden. Die spannende Frage ist nur, wie damals auch bei Siemens, wie Bestechung in zweistelliger Millionenhöhe eigentlich an einem angeblich bombensicheren Controlling-System vorbei, passieren kann… und warum man Finanzvorstände mit millionenteueren Contollingstäben unterhält, wenn Aufträge trotzdem über das klassische Famiglia-System an Land geholt werden und jahrelang merkts keiner?

.

7 Gedanken zu “Handwaschpaste Dr. Zetsche

  1. Nach dem was man die letzten Wochen tagtäglich über Kinderschänder berichtet bekommt, sind diese Handwaschmittel-Typen eigentlich Kleinstkriminelle.

    Mercedes-Benz mit dem früheren Charisma eines der besten Autos zu bauen gibts nicht mehr. Ist sehr schade, was eine Handvoll Raffkes in wenigen Jahren draus gemacht hat.

  2. Der Laden ist abgewirtschaftet. Nicht schon schlimm genug, dass die nicht mehr in der Lage sind einen Kleinwagen selbst auf die Beine zu stellen und einen halben Renault drunterbauen. Jetzt wird schon über Überkreuzbeteiligungen mit Renault und Nissan verhandelt.

    Ich fahr mein Mädchen und wenn ich an einem Sternautohaus vorbeifahre, versuch ich zu vergessen, dass das die Markenmutter ist.

  3. Irgendwie wundert mich ihr Bericht.
    Waren sie noch nie im Ausland?
    Haben sie dort schon mal Geschäfte gemacht?
    Ist Deutschland wirklich noch ‘heile Welt’?

    Lebe seit 16 Jahren in Südamerika und kann ihnen versichern, hier geht ohne Schmiergeld garnichts. Die Zahlungen fangen oben an und hören unten auf. Auch Amis zahlen, vor allem aber die Spanier.

    Unser ex President, Lagos, war der korrupteste Präsident in der jüngeren Geschichte Lateinamerikas. Heute arbeitet er als Sonderbeauftragter, für die UN.

    Man darf sich nur nicht erwischen lassen und keinen ‘Grossen’ verärgern.

    Gruss
    Jörg

  4. Bei der Strafaktion der USA gegen Daimler geht es doch gar nicht darum, irgendein Rechtsgut zu schützen.

    Es geht ausschliesslich darum, mit den hohen Geldstrafen einen ausländischen Konkurenten zu schädigen, wenns geht sogar aus dem Markt zu drängen und die heimische US-Wirtschaft zu schützen und zu stärken.

    Dieses System haben die Amis nach dem 11. September erfunden und verfeinern es jetzt immer weiter.

    Und wir blöden EU-Idioten lassen uns Stück für Stück demontieren.

    BMB

  5. Ich habe mal erlebt, wie gegen einen früheren Arbeitgeber von mir, in den USA ermittelt wurde. Wenn ich das hier lese, kann ich mich nur wundern, welche sich selbstüberschätzenden Vollidioten von Daimler da offenbar in Amerika sitzen. Die Amis fackeln nicht lange. Unser damaliger GF konnte gar nicht so schnell gucken, wie er von der IRS abgeholt wurde.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,685964,00.html

    Das Management weiß seit Monaten von diesem Ermittlungsverfahren und kannte die finanziellen Risiken für den Konzern genau so, wie ihn der Aufsichtsrat gekannt haben musste. Ob das in der Bilanz für 2009 drinsteht? Die Leichtigkeit, mit der die Vertragsverlängerung von Zetsche vom Aufsichtsrat so als selbstverständliche Formsache durchgeunken wurde, erstaunt.

    Ich bin mal gespannt, wann die erste Strafanzeige eines Aktienrechtlers eintrudelt?

    Daniel

  6. Pingback: 13.12.2010: Bookmarks, Zetsche’s schwäbische Aufklärung

  7. Pingback: Daimler Benz AG im Sonderangebot

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>