Coys Auktion: Rasen betreten kostet 10 Euro

Für die Techno Classica hatte ich mich mal wieder als Besucher verkleidet. Dort fand wie alle zwei Jahre in Frankfurt eine Massenveranstaltung unterschied-lichster Zeitgenossen statt, die dadurch behindert wurde, dass überall ein paar Autos herumstanden.

Irgend wann Spätnachmittags wurde ich von den unberechenbaren Strömungen gegen einen Stand gespült, bei dem auffällig viele Besucher drumherumliefen, innen aber so gut wie niemand sich die vielen zum Teil schönen Autos ansah. Der Grund war einfach: Am einzigen Eingang des rundherum mit dicker Kordel gegen neugierige Messebesucher streng verschlossenen  Messestandes, stand man vor einem auf einem Stuhl hockenden Stand-Vogt mit einem ebensolchen Gesicht.

Beim Auktionshaus Coys – wegen eines Fauxpas 2004, als man bei Coys nur mal ‘vergaß’, den Verkäufern von Oldtimern hinterher auch ihre 2 Mio. Euro zu auszuzahlen, einem heutigen Nachfolgeunternehmen, ist es nicht erwünscht, Oldtimer anzuschauen, ohne vorherigem tiefem Griff ins Portemonai und die Schwarte von Auktionskatalog für 10 Euro zu kaufen. “Eintritt nur mit Katalog” spulte das Jüngelchen erbarmungslos im 20 Sekundenrythmus Leuten entgegen, die die Autos mit den Augen gerne etwas angefasst hätten. Liebend gerne würden die feinen Coys-Herrschaften an allen 4 Seiten des Messestandes auch noch Schilder aufstellen in der Art “Blick über den Zaun… ähmmm… die Kordel verboten” oder “Fotographieren unserer Autos nur mit vorheriger an der Kasse abzuholender Genehmigung erlaubt”.

Ich habe Verständnis dafür, wenn auf einer Frankfurter Frühjahrsmesse die Aussteller ihre Neuheiten hinter 3 Meter hohen Wänden gegen digitalkamera-bewehrte Plagiatoren aus Asien abschirmen. Aber ich hatte wie tausende anderer normaler Messebescher am Eingang 18 Euro Eintritt bezahlt. Wenn das so weiter geht, verstecken die Messeaussteller in ein paar Jahren ihre Autos hinter Oleander-Hecken und sehen zu, wie sich vor den Hecken die Leute die Hälse recken um Oldtimer zu Gesicht zu bekommen. In meiner Gallerie-Seite 3, das weiße Sunbeam-Cabriolet, habe ich über die Absperrkordel hinweg fotographiert. Ich hoffe doch nicht, dass da demnächst Post vom Gelben mit einer Rechnung von Coys kommt…

Ich habe mich da eben wieder mal und nur dem Umstand zuliebe, dass mich ein Rechtsanwalt Joachim Külschbach nicht bei nächster Gelegenheit wieder in einem seiner ermüdend langen Schriftsätze als Fäkal-Rhetoriker bezeichnet, so zurückhaltend ausgedrückt, dass es mich fast zerreißt.

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10 Gedanken zu “Coys Auktion: Rasen betreten kostet 10 Euro

  1. Detlef,
    ich habe genau das gleiche gedacht, als ich den Stand betreten wollte und Sheriff Coys mit todernster Mine sagte “Betreten nur mit Katalog”. Es ist ein Witz wenn ein 10×20 Meter Messestand rundherum offen ist und man soll nur um die letzten 5 Meter an die Autos heranzukommen 10 € berappen. Das Foto von dem Wegbeißer am Eingang hättest Du nicht besser treffen können.
    Silvio

  2. Ich habe es zwar am Samstag wahrgenommen, aber jetzt wo ich es hier lese ärgert mich das genauso. Wenn Coys auf dem Nürburgring ein eigenes Auktionszelt aufstellt und Eintritt verlangt, ist das halbwegs ok. Auf einer Oldtimermesse mit zahlenden Besuchern den Menschen einen Billigstkatalog reinzudrücken um ein paar Meter näher an die Autos zu dürfen,ist eine unverschämte Abzockerei.

  3. Das mit der Pleite von Coys in England hab ich damals garnicht mitgekriegt gehabt.

    Auch wenn dase hier ausstellende Auktionshaus nur weitläufig mit den englischen Pleitiers verwandt ist, unter dem Aspekt ist das ein super Beitrag. Abgesehen davon, wr das diesjährige Angebot von Coys in meinen Augen ziemlich mickrig.

    PitvZ

  4. Interessanter Presseartikel über Coys. Man findet dazu tatsächlich noch einiges anderes im Web. Erstaunlich. Die Noblesse Oblige wie Martin Halder fällt immer wieder weich auf die Füße.

  5. wer bezahlt ist selbst schuld, ärgern tut mich sowas nicht, eher verwundert-amüsiert den Kopf schütteln lassen. Ich bin einfach über die Absperrung “reingelatscht” keiner hat mich aufgehalten. Das “Exclusivgehabe” der allseits bekannten Verdächtigen selbsternannten “Edel” händlern ist seit Jahren gleich und entbehrt nicht einer gewissen Komik. Händler die mit diesen Prädikaten wie “Edel” “Exclusiv” etc. werben, sind ohnehin i.d.R. so aufgestellt, dass sie eine Klientel ansprechen die es eigentlich ohnehin verdient über den Löffel balbiert zu werden wenn sie auf das Geschwafel herinfällt :-)……………….

  6. Irgendwo hat ein schlauer Mensch mal geschrieben:

    “….Neid, nehme ich an, wenn sie nur einen Funken Verstand hätten. Nicht den Neid des nicht Besitzenden, nicht den Neid, der zum Raub führt. Sondern den dummen Neid der Ahnungslosen, die alles hassen, die über alles herziehen, was sie nicht verstehen, weil sie sich ausgeschlossen fühlen…”

    Wo war das bloß?

  7. WaM

    warte ab. Ich schreib noch mal was drüber. Aber halt mal ein Glas Wasser und eine Asprin bereit, Du wirst es vielleicht brauchen.

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  8. Den kannte ich noch nicht. Ist ja Spitze. Vielleicht verlangt Mercedes auf der nächsten TC auch einen extra Eintritt in seine Bereiche … den man sich hinterher beim Kauf eines Neuwagens anrechnen lassen kann.

  9. Pingback: Pagoden – Schnäppchenkauf nicht ausgeschlossen | MotorBlöckchen

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