Mon Dieu, die FAZ goes Stamokap

Ich bin beim Lesen der FAZ schockiert. Echt. Da stehen in Gerald Braunbergers Kommentar zu Griechenland Sätze wie dieser:

“Für die notwendige Entschuldung müssen die Gläubiger Griechenlands, sprich die Besitzer griechischer Staatswertpapiere, bluten. Zu diesen Gläubigern zählen Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und Privatanleger nicht nur, aber überwiegend in Europa.”

Sag ich doch schon seit zwei Jahren, also: “What’s news, pussy cat?”

Nach den Erfahrungen mit den Banken-Bailouts der letzten 24 Monate war ja nun wirklich nichts anderes zu erwarten. Nein. Das wirklich Revolutionäre  findet sich ein paar Zeilen tiefer:

“Die Politik darf nicht als Büttel des Finanzkapitals erscheinen, sondern muss sich als Sachwalter der Interessen der Steuerzahler verstehen.”

FINANZKAPITAL… also die alexandrinische Bibliothek unserer Epoche, Wikipedia, kennt für diesen Begriff überhaupt nur zwei Verwendungen: eine marxistische und hui… eine antisemitische.

Könnte das vielleicht was mit der NRW – Wahl zu tun haben… “seht her Kumpels, euer Kumpel Jürgen passt auf, dass die Bankster nicht noch mehr in den A…. hüstel… reingeschoben bekommen..”?

Also doch nicht geschockt, weil typischer Fall von: Embedded Asskriecherism

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P.S. Fotos: Wolga M21…   2008 in Baden Baden

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23 Gedanken zu “Mon Dieu, die FAZ goes Stamokap

  1. “Jaja, immer das gleiche Spiel, DeutscheLand und seine aufrechten Steuerzahler”

    Deutscheland wird doch immer schwarzarbeitender, korrupter und dümmer: Gibt sein Geld an die Banken, die geben es den Amis und kriegen wertlose Zertifikate und bei der EU, für allgemeines Wohlwollen ab.

    Nee, Deutschland kann nur erlöst werden, wenn es griechischer wird. Griechenland ist die deutsche Zukunft!

  2. Man, muss es der Mittelschicht schon mies gehen, wenn die FAZ so was schreibt.

  3. Ich verstehe die Aufregung nicht. Bei den Griechen ist die deutsche Penunze doch viel besser aufgehoben. Bei 250 Tagen Sonnenschein im Jahr macht Rente mit 45 viel mehr Sinn. Zudem die Arbeitsleistung vorher auch nicht berauschend war. Eigentlich die perfekte Symbiose, der deutsche Michel und die Mediterraneans!

    Gruss aus dem Sueden.

  4. Herrlicher Beitrag! So herum hatte ich den FAZ Beitrag noch garnicht gesehen. Du solltest öfter mal mit dem linken Fuss aufstehen, wenn dann solche amüsant-bissigen Beiträge kommen.

  5. Keine guten Nachrichten heute morgen. Portugal scheint sich nahtlos an den Griechencrash anzuschließen. Und egal wohin man schaut, die Schlauschwätzer haben Hochkonjunktur und wissen alle mal wieder, was vorher falsch gemacht wurde.
    Es ist in der Tat interessant, dass die ansonsten recht konservative Presse mehr und mehr auf Distanz zu Merkel &Co geht.
    Uwe

  6. Die Spekulationen und Forderungen Griechenland aus den Euro wegzunehmen, heizen doch den jetzt einen Bankrun richtig an. Wer als Grieche noch ein bißchen was auf der Bank hat, wird seine Euros jetzt so schnell wie möglich cash abheben oder ins Ausland tranferieren.
    Habhib

  7. Lach. Die Griechen sind doch nicht blöd. Sie werden das Geld von der EU und vom IWF nehmen und sich um die auferlegten Bedingungen und Beschränkungen einen Kehricht kümmern. Die Griechen wissen noch wie eine Revolution geht.

    Während Kohl wollten wir alle Europäer sein, jetzt sind wirs. Alle für Einen, Einer für alle.

  8. Zitat:
    Während Kohl wollten wir alle Europäer sein, jetzt sind wirs. Alle für Einen, Einer für alle

    Nein, wollten wir nicht – wie es auch die Umfargeergebnisse aus den alten Zeiten zeigen.

    Auch ich war und bin EU-Gegner – zwar aus anderen Gründen, die aber jetzt eine gewichtige Rolle spielen.

    Laut Grundgesetz geht alle Macht vom Volk aus. Davon ist bei der EU-Beamten-Diktatur keine Rede.

    Die Politik wird in der Kommission in Brüssel gemacht (z.B. u.a von Kommissar Oettinger, den ich dort überhaupt nicht sehen möchte und auch nicht legitimiert habe) und vom EU-Parlament in Straßburg abgenickt. Falls dort einmal ausnahmsweise nicht abgenickt wird, spielt das auch keine Rolle.

    Beispiel?
    Als das Parlament die verantwortlichen für den BSE-Skandal zum Teufel jagen wollte stellte sich heraus, dass das Parlament dies gar nicht kann.

    Jetzt sind wir Opfer einer (Wirtschafts-) Politik von Ländern, deren parlamentarische Zusammensetzung wir nicht beeinflussen können.

    Dass es bei der Gestaltung des europäischen Hauses an Hirn fehlt zeigt schon allein die Tatsache, dass erst 10 neue Länder hinzugeholt werden und dann an einer Verfassung gewerkelt wird, die einstimmig beschlossen werden muss. Logisch wäre, erst die Verfassung zu erstellen und es dann den neuen Mitglieder zu überlassen, ob sie diese akzeptieren und beitreten oder es bleiben lassen. Das hätte uns viel Arger und faule Kompromisse (z.B. gegenüber den ‚Kartoffeln’) erspart.

    Wer glaubt denn noch, dass dieser Dilettantenverein in der Lage ist, die Probleme zu lösen?

    Ich habe jedenfalls meine staatsbürgerlichen Rechte und Möglichkeiten genutzt und eine entsprechende Petition an den Deutschen Bundestag mitgezeichnet

    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=10985

    Gruß

    Uli aus S

  9. Die Zahl des Tages: 130

    Milliarden.

    Und wofür haben die 6 Wochen gebraucht, um uns die Wahrheit zu sagen?

  10. Da komm ich aber jetzt nicht mehr ganz mit. Heike Göbel hält in der FAZ die Griechenland-Rettung für unverantwortlich. Sie weist vor allem darauf hin, dass eine Hilfe, wie sie jetzt gewährt wird, keinerlei gesetzliche Basis hat, schlimmer noch eigentlich explizit ausgeschlossen wurde (Anm.: “Maastricht-Verträge”). Auch müssten die Gläubiger Griechenland mit einem Haircut mit ins Restrukturierungsboot geholt werden. Nur das wäre die Sprache, die die Spekulanten verstehen würden und dafür sorgen würde, dass beim nächsten Mal das Geld sinnvoller investiert würde.

    Das ist kaum mehr zu verstehen, denn die Käufer von griechischen Staatsanleihen (zumindest die, die die Papiere etwas länger als ein paar Wochen halten) als Spekulanten (fast) zu verunglimpfen und im Gegenzug den CDS-Zockern, die in den letzten Wochen massiv gegen Griechenland spekuliert haben, das gewünschte Ereignis (den Default) zu geben, ist ziemlich neben der Schiene.

    Ich würde die Argumentation auf der Basis auch komplett umdrehen und sagen, dass man alles vermeiden müsse, was den CDS-Spekulanten hilft… und die Spekulanten, die uns die Finanzkrise eingebrockt haben, wenigstens mal in Deutschland, endlich mal zur Kasse bittet.

    http://www.faz.net/s/Rub3ADB8A210E754E748F42960CC7349BDF/Doc~EC6E0AB3C8C11401A9E5F0E41518275FD~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Bleibt tapfer.

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  11. Merkel macht mit ihrer Rumeierer das Paket nur noch größer und viel teurer, als es hätte sein müssen. Das Volumen hängt GANZ KLAR mit der Verzögerungstaktik von Merkel zusammen. Gestern war man bei 120 Milliarden, ich schätze in 4 Wochen hören wir das doppelte. Und wofür?
    Der Bailout kommt größer und teurer, es ist nichts wirklich geklärt (die Bedingungen), Griechenland hat nicht ein einziges Zugeständnis gemacht (auch wenn das der IWF schon schaffen wird).
    Am schärfsten ist, der Bailout kommt jetzt doch noch vor der Wahl in NRW, weil Merkel in einem Geistesblitz aufgefallen ist, dass nach der NRW-Wahl die Zustimmung des Bundesrates für das Gesetz kritisch werden könnte… Mannomann… Viel Zuversicht was die NRW – Wahlen angeht, strahlt Merkel nicht grade aus. Nicht mal das Taktieren war überlegt (das konnte Helmut besser…)

  12. Zitat:
    Das ist kaum mehr zu verstehen, denn die Käufer von griechischen Staatsanleihen (zumindest die, die die Papiere etwas länger als ein paar Wochen halten) als Spekulanten (fast) zu verunglimpfen und im Gegenzug den CDS-Zockern, die in den letzten Wochen massiv gegen Griechenland spekuliert haben, das gewünschte Ereignis (den Default) zu geben, ist ziemlich neben der Schiene
    Zitatende

    Das wundert mich jetzt aber, Detlef.
    Eine (Staats-) Anleihe ist immer eine Spekulation – ob kurz- oder langfristig. Das prognostizierte Ausfallsrisiko wird über den Zinssatz abgebildet. Wenn nun die Zinssätze für diese Anleihen steigen, gleichzeitig Versicherungen für diesen Ausfall gehandelt werden – u.a. auch von einer Sparkasse in Athen :-) ist das doch die Erfindung des Perpetuum Mobile.

    Die Geldgeber haben nun alle Trümpfe in der Hand. Entweder tritt der Staatsbankrott ein, dann kann man sich über die CDS sanieren – die zeche zahlen dann die institutionellen Anleger (zu denen ich mit Sicherheit durch einen meiner Altersversorgungsfonds auch gehöre) oder jemand anderes springt mit einer Bürgschaft ein. Somit kann der Geldgeber 8,9,10% Zinsen einstecken, ohne dass dem irgend ein Risiko gegenüber steht.

    Ich bin in beiden Fällen der dumme.

    Es sind dieselben Probleme, wie bei der Finanzkrise – die Investmentbank gewinnt immer.

    Dem muss ein Riegel vorgeschoben und ein Exempel statuiert werden. So leid es mir tut, dass es die sympathischen Griechen trifft. Hier kann es m.E. nur ein klares Njet zu Finanzhilfen an Griechenland geben, die Banken müssen ihre Verluste aus ihren Gewinnen abdecken – dann ist mal nichts mit Boni und der Begriff Systemrelevanz kann dann an neue Bedingungen geknüpft werden.

    Hier bietet sich die (seit 2 Jahren verschnarchte) Chance, Geschäfts- und Investmentbanking kategorisch zu trennen. Geschäftsbanken sind relevant, Investmentbanken sind Spielcasinos und können somit gerne pleite gehen.

    P.S. meine Fonds sind sowieso Underperformer

  13. Die Griechen brauchen das Geld, egal wie man es betrachtet. Und natürlich wird der Euro die Griechen-, Italien- und Spanienkrise überleben. Schliesslich darf/kann die Notenbank so viel neues drucken, wie gebraucht wird.

    Aber das Leben wird verdammt teurer werden. Für uns. Ich bin mir sicher, nach der Krise werden die Steuern erhöht werden und die Gebühren für dit und dat werden steigen. Benzinpreis >1,50 noch dieses Jahr, sehr wahrscheinlich, Auto-Maut, nicht mehr auszuschließen.

    Wer boxt eigentlich die Kommunen raus, wenn sie pleite sind? Hamburg hat schon jetzt fast ein Drittel geringere Steuereinnahmen als 2009 (1 Quartal).

    http://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article1441134/Das-kommt-jetzt-auf-Hamburger-Familien-zu.html

    Beispiel Kindergartenkosten bis 500Euro und in den Schulen und Universitäten fehlt das Geld an allen Ecken.

    http://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article1441134/Das-kommt-jetzt-auf-Hamburger-Familien-zu.html

    Wenn die bis dato lammfromme Mittelschicht erst mal gesteckt hat, das die Krise bis an die Küchenarbeitsplatte und den Eisschrank herangekommen ist und das Angela sie die letzten 3 Jahre verar…. hat, dürften uns ein paar unruhige Jahre bevorstehen.

    Michael

  14. Also gut. Wenn schon eine FAZ wegen der Griechenland-Krise in Weltuntergangsstimmung verfällt, will ich mich dem nicht verschließen. Der Untergang des Weltfinanzsystems soll schließlich ein Gemeinschaftsprojekt werden, ansonsten hätte ja “Ssocial Media” seinen Zweck verfehlt. Hier also – via FT Alphaville – was ich jedem erneut ans Herz lege, dort Informationen zu saugen, was besseres gibt es nicht, mein eigener kleiner Beitrag zum kommenden Disaster:

    http://ftalphaville.ft.com/blog/2010/04/29/215296/sovereigns-you-had-it-coming/

    Schaut Euch mal genau den Chart an. Was er bedeutet, wird dankenswerter Weise von GLG Partners gleich mit hervorgehoben, nämlich: Bankenkrisen gehen seit 100 Jahren typischerweise Hand in Hand mit Staatschuldenkrisen. Und eine ausgewachsene Bankenkrise hatten wir eben gerade, gleichzeitig ist die Zahl der fallierenden Sovereign-Schuldner auf Rekord-Tief … was schließen wir also daraus? Ganz klar: Massig Staatsbankrotte. Global. Weltweit. Alle werden betroffen. Alle werden ihr Geld verlieren. Kann gar nicht anders sein: die hellblaue Kurve muss hoch, hoch, verdammt noch mal hoch. Versteht ihr?

    So – und jetzt flippt bitte alle aus!*

    *Meine Copilotin und ich sind’s schon, wegen einem 400 Kilo schweren Ding, was grade vor einer halben Stunde auf einer Palette angeliefert wurde. Die Copilotin wegen der Rechnung, ich wegen… na ja, demnächst mehr.

    .

  15. Kleiner Beitrag zur Weltuntergangsstimmung auch von mir:

    Zwischen der aktuellen Bankenkriese und darauffolgender weltweiter Schuldenkriese fehlt noch eins: WK III. Sonst wird das nichts…..

    Gruss

    @ Detlef, was ist 400 Kilo schwer und hat 6 Zylinder, was wohl? :)

  16. “Benzinpreis >1,50 noch dieses Jahr, sehr wahrscheinlich, Auto-Maut, nicht mehr auszuschließen.”…

    @ Michael aus HH

    Du bist aber sehr optimistisch. Wenn schon Debitismus, dann aber richtig.

    Da ja unsere Autohersteller momentan alle panikartig Autofabriken in China bauen haben sie den Markt hier offenbar – teilweise – schon aufgegeben.

    Ich halte Spritpreise von 2 Euro innert 2 Jahren für realistisch.

    Udo

  17. So verdient man zweimal an den blöden Möchtegernmillionären:

    1.) Niedrige Zinsen auf Guthaben zahlen.
    2.) Billig eingekauften Goldramsch zu Gold-Tageshöchstkursen als Zinsen verrechnen.

    Ich hätte nicht gedacht, dass noch soviel Intelligenz aktiv im Berufsleben steht.

    BMB

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