Frankfurter 33° – Symphonie

Es wird gerne hergezogen – von Touristen – über die Anwesenheit von zu vielen Touristen an touristischen Orten. Natürlich sind sie selbst ganz andere Touristen, verständig, gebildet und fallen unter den Einheimischen absolut gar nicht auf, machen keinen Dreck und sind nur gut für die lokale Wirtschaft, und sie latschen auch nicht ständig in Bilder. Frankfurt muss für solche Leute – Langzeittouris – oftmals englische Mitarbeiter schweizerischer oder amerikanischer Zockerbanken, ein Gräuel sein.

Tatsächlich ist es unbestreitbar, dass Frankfurt gerade jetzt, da es sich herausputzt um den Titel als Europäische Grüne Hauptstadt zu erhalten, auch an einem normalen Wochentag gesteckt voll ist. Das Städel, das Filmmuseum sind wegen Umbauarbeiten geschlossen, die Fotohändler um das Gothehaus  herum wollen 25 Euro für die Gigabyte-SD-Karte, die Eisbällchen der weltweit bekannten dänischen Hägenmarke kosten locker 3,00 Euro, aber nichts hält die internationalen Massen davon ab, sich über den Römerberg zu wälzen. Und ich – finde es toll.

Wie diese bildhübsche Amerikanerin. Ich bin mir sicher, sie wechselt jede Saison ihre komplette technische Ausstattung, inklusive Kameraanhänger. Und sie ist eine von diesen immer extrem korrekten Amerikanerinnen, die sich nie gehen lassen und auf dem Kontinent immer versuchen, ein möglichst gutes Bild abzugeben. Vielleicht sind das dann auch die Amerikaner, die sich in Mails nach Hause beschweren, dass es in Frankfurt zu viele geschmacklose japanische Touristen gibt, und erst die Koreaner, die Niederländer des fernen Ostens…

Und würde ich im Mittleren Osten leben und die Ölscheich-Preise dort kennen, würde ich auch auf dem Römerberg stehen, begeistert sein und fassungslos die erheblich niedrigeren Preise für chinesischen Textil-Giftmüll lesen und die “Müller” Schland-T-Shirts in allen Größen als BeutestückeAndenken an ein ehemals vorbildliches Industrieland mit zurück in die Heimat nehmen…

Ich könnte manchmal auch nur Menschen besichtigen, die wie selbige junge Dame vor dem Dom eine Runde nichts tun. Siesta halten, keinen geregelten Tagesablauf haben – und, bittschön, ohne dabei in schlechten Cafes zu sitzen und von ihren Projekten und Deals berichten, während vor ihnen das Notebook unaufschiebbare Tätigkeit simuliert…

…und dann die Kultur in der Kultur vor der Kultur: Touristen, die sich bis hinunter zum Gehstock – britisch – benehmen und sich als Angehörige der Staatskirche Ihrer Majestät? vor den Frankfurter Zeugen katholischen Bekehrungseifers niederlassen, die wissend-bewundernde Pose der britischen Grand Tourer des vorvorletzten Jahrhunderts einnehmen um sich just von ihrer Ehefrau ablichten zu lassen und dabei den Gehstock bewusst mit auf das Bild nehmen. Herrlich.

Es ist doch so mit Touristen wie diesem obigen, an das legendäre “Ratpack” angelehnten Kirchendiener, der den weltlichen Ablass nicht wie im Mittelalter üblich in der Kirche, sondern privatisiert vor dem Kirchentor feilbietet… Ja, es sind Ost-Europäer, sie sind es unverkennbar.

…hierzu sage ich jetzt mal nichts, um keine Neidgefühle bei extrovertierten Trittbrettfahrern zu erzeugen… wo ich grade wieder mit Kopfschütteln Dinge über mich gelesen habe, teilweise halbinterne im privaten Diskurs in E-Mails offenbarte persönliche Dinge, teilweise Meinungen, denen ich aber nach eher schlechten Erfahrungen nicht geantwortet habe.

Kürzlich wurde ich von Berliner leerstandsbankfinanzierungsgepeinigten Immobilienverwaltern gefragt, wann ich mal wieder dort vorbeikäme, denen ich aber nach eher schlechten Erfahrungen bei Zahlungsmoral und Gastfreund-lichkeit abgesagt und nicht geantwortet habe, aber tatsächlich sollte ich vielleicht doch mal wieder hinfahren und nebenbei und weil es mir verdammt viel Spaß macht, ein paar Dirt Pictures machen…

weil ich glaube, dass Frankfurt, um die Mittagszeit, bei 33° im Schatten, für einen wunderschönen Roadster (zum Glück nicht meiner) einer der langweiligsten und heißesten Flecken der Welt ist.

.

.

14 Gedanken zu “Frankfurter 33° – Symphonie

  1. Bestimmt hat Histomat auch seine starken Zeiten gehabt. Nur: Auf dem Gebiet der Wirtschaft liegen sie bestimmt nicht. Ich empfehle ihm daher Zurückhaltung, wenn Fragen der Ökonomie wie hier ernsthaft :-) diskutiert werden.
    Ich halte schließlich auch keine Fachvorträge auf der Grünen Woche vor Bäckern, nur weil ich mal die „Bäcker-Blume“ gelesen habe.
    Er sollte vielleicht ein “Brandenburg-Landjunker-Blog” machen. Die wenigen in BB Verbliebenen werden von seinem oberlehrerhaften Weltschmerzschmonsenz und Rundum-Blog-Destillaten – zumeist hier aus dem MB – zutiefst beeindruckt sein.
    Jetzt mit Sicherheit folgende Aufforderungen von ihm, mich seiner seltsamen Art des E-Mail-Diskurses zu stellen, werden wie immer nicht beantwortet.
    Solltest Du, Detlef, auch mal besser machen so wie ich.

  2. ” … bildhübsche Amerikanerin…”

    Ich schätze mal, Du wirst Deine Beiträge + Fotos bald der Copilotin zur Genehmigung vor Veröffentlichung vorlegen müssen. :-)

    Die Stadt ist wie ein Backofen. Kein Bedarf reinzufahren. Na ja, mal schnell die Goethestraße rauf und runter, in wohlklimatisierten, teueren Gerschäften ein bißchen entspannen und weil man grad mal da ist und Tommy’s Platin-Card dabei hat … würde ich die Hitze glaub ich schon mal ertragen.

    Tolle Fotos. Der englische Gentleman mit Stock … brüll.

    Schönes Wochenende, Bärbel

  3. Der gute Histomat, wer nur noch hier reinliest, bei sich rumnölt, sich selbst intellektuell-komisch findet, den Bezug auf den ursprünglichen Blogbeitrag bei Weissgarnix vermeidet, weil er da intellektuell bei den meisten nicht mithalten kann und fürchtet anzuecken, mithin keine E…. in der Hose hat, sich Diskussionen zu stellen, sollte wirklich besser gleich zur Bäcker-Blume und zur Apotheker-Zeitung greifen.

    Und Wanderer aus der Stadt des Englischen Fräuleins. Beim nächsten Trip nach Berlin ist Anruf Pflicht. Statt totlangweiligem Meilenwerk und Lichtenberger Graffitis habe ich da noch eine stillgelegte Flugzeugmotorenwerkstatt und einen Nachkommen von Erdmann&Rossi mit viel Erinnerungsstücken, zum Abfotographieren für Dich, da tränen Dir die Augen.

    Udo D.

  4. Hallo Detlef,

    Flucht vor dem heißen Kessel Wiesbadens heute an den Bodensee! Eigentlich müsste man schon richtig rauf auf die Berge… also hör auf, Dich zu bedauern, Du hast wenigstens einen hübschen schattigen Garten, wobei ich natürlich mein Beileid zum Kupplungsschaden und dem verpassten Sieg der Bad Homburg Historic ausspreche.

    Klaus H.

  5. Vom Pagodentreff haben sich an diesem Wochenende wohl ein Paar in Tirol getroffen. Könnte ich mir jetzt auch gut vorstellen, rauf auf die Berge, Stichwort Jaufenpass – da oben soll noch Schnee sein… Verdeck auf, nur max. 20°… herrlich.

    Wenn Du Zeit hast, besuche mal das Zeppelin-Museum… Stichwort Maybach etc.

    :-)

  6. Die Tirol-Fahrt vom Pagodentreff ist glaub ich gelesen zu haben erst Ende des Monats.

    Mario

  7. An solchen Tagen liebe ich die 200 Meter Höhenunterschied unseres kleinen Nestes zu Frankfurt. Und trotzdem hatten wir die letzte Nacht fast 20° im Garten.

    Vielleicht hat der Fahrer der schicken Pagode ja von unten volle Kanne die Klimaanlage laufen. Ansonsten ist offen Fahren derzeit nur mit 2-lagigen Handtüchern auf den Ledersitzen erträglich.

    Schöne Schreibe über Alltäglichkeiten, Chapeau.

    Werner

  8. In Frankfurt in unserer Firma geht schon seit Tagen das Hoftor nicht mehr zu und muss Abends erst minutenlang mit kaltem Wasser abspritzt werden.

    Warst Du auch unten am Main? Dort müssten doch in der warmen Brühe am Ufer inzwischen Mangroven wachsen. Treib Dich nicht in diesem Backofen herum. Mir sind höhenmäßig zwar nur 80 M höher, haben rundherum aber keine Türme, vom Taunus her weht eine kleine frische Brise und mein Hoftor geht zu.

    Hartmut

  9. Sehr heiß. Noch mehr als gestern. Aber das macht mir erstaunlicherweise immer weniger aus. Auf meine alten Tage werde ich hitzeresistent, vielleicht bereitet sich mein Körper schon auf die Rente mit 75 vor, die ich in mildem Klima zu verleben gedenke, wie sich das für ruheständlerische schlechte Söhne aus besserem Haus so gehört.

    Dumnmerweise ist morgen wieder Montag und damit völlig kontraproduktiver deutscher Arbeitsalltag. Mensch, waren das schöne Zeiten, als es in der Schule ab 26°C noch hitzefrei gab!

  10. Mach’s wie die junge Dame, halte Siesta. Tatsächlich ist die Mittagsruhe ein extrem wichtiger Bestandteil eines schönen und ausgeglichenen Lebens. Vollkommen verdrängt im allgemeinen deutschen Pflichtbewusstsein und Renditewahn. Selbst Adenauer, man muss ihn nicht mögen, verweigerte sich der Mittagsarbeit und schlief regelmäßig… lange.

    Ein Mittagsschlaf schärft den Blick auf´s Leben.

  11. @ :-)

    na, weil es von einer seriösen Nachrichtenagentur und einer Tageszeitung meiner Stadt kommt, will ich mal nicht so sein.

    :-)

  12. :-) …ich dachte immer, bestimmte Kunststoffe sollte man nicht zu starkem Sonnenlicht aussetzen. Ich vermeide es, an dieser Stelle ein Blondinenwitzchen zum besten zu geben.

    Im Moment schon wieder 26 °… von den paar Spitzern heute Nacht schwül wie inner Sauna… schwitz

    Hartmut W.

  13. Pingback: Mein Tip zum Start Bad Homburg Historic | MotorBlöckchen

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>