Mein neues Motoröl, gegen Klassenkampf von Oben

Das ist kein Scherz. In unseren sich stetig der 10-Jahre-alt-200.000-Kilometer-Marke nähernden Benz wird nur noch Motoröl von dem symphatischen Uhrensammler und Motorölhändler Ernst Prost reingekippt. Weil ich gegen moderne Sklaverei bin:

“Im Bemühen die Kostenstruktur dauerhaft zu drücken, verlegt die Daimler AG die weltweite Zentrale der Finanzdienstleistungs-Sparte von Berlin wieder zurück nach Stuttgart… Im Zuge der Restrukturierung fallen bis Ende 2012 bei Daimler Financial Services und der Mercedes-Bank insgesamt rund 250 von 1600 Stellen in Deutschland weg… 

“Mittelfristig errechnet das Unternehmen Kosteneinsparungen von 50 Millionen Euro jährlich….  Der Stuttgarter Automobilkonzern will die Kostenstruktur um dauerhaft fünf Milliarden Euro drücken…”

” Die deutsche Vertriebsorganisation von Mercedes (MBVD) verhandelt mit dem Betriebsrat über ein Sparpaket und stellt den Standort Potsdamer Platz auf den Prüfstand. “Das Management muss ein gewisses Einsparvolumen erzielen. Sollte es keine Einigung geben, droht die komplette Verlagerung nach Stuttgart und ein deutlicher Stellenabbau…“

“Hintergrund: Der Stuttgarter Autohersteller arbeitet an einer neuen, deutlich schlankeren Vertriebsorganisation. Dabei werden allen Ländern bestimmte Kostenziele vorgegeben. Unter dem Strich will die Pkw-Sparte von Daimler rund 30 Prozent der Kosten im Vertrieb einsparen. Um das geplante Volumen zu realiseren, favorisiert MBVD-Chef Harald Schuff einen Umzug in den Ostteil von Berlin. Dann könnte die Daimler-Tochter nicht nur von deutlich niedrigeren Mieten, sondern auch von günstigeren Konditionen des Ost-Tarifvertrags unter anderem mit längeren Arbeitszeiten profitieren. Am Gesamtpaket sollen die Personalkosten zwischen zehn und 15 Prozent ausmachen…”  

Und weil man sich seiner Sache ziemlich sicher zu sein scheint schon vorab Musik für die Ohren der Aktionäre… 

“Daimler stellt höheren Gewinn für 2010 in Aussicht…” 

“Der Stuttgarter Autohersteller Daimler hat überraschend vorläufige Kennzahlen für das zweite Quartal vorgelegt: Bei einem Umsatz von 25,1 Milliarden Euro beträgt das EBIT 2,1 Milliarden Euro. Außerdem kündigte das Unternehmen an, zum endgültigen Quartalsbericht die Prognosen für das Gesamtjahr 2010 anzuheben”.

Bereits zum ersten Quartal hat Daimler-Chef Dieter Zetsche die Gewinnprognose erhöht… peilt der Konzern für 2010 ein operatives Ergebnis von mehr als vier Milliarden Euro an… Der Gewinn der Pkw-Sparte soll am oberen Rand der in Aussicht gestellten Spanne von 2,5 bis drei Milliarden Euro liegen… Im Jahr 2013 soll Mercedes-Benz Cars eine Umsatzrendite von zuvor nie gesehenen zehn Prozent erreichen…”

Die Daimler Benz AG wäre nicht die Daimler Benz AG, wenn sie sich nicht sofort an die Johurnalisten und PRolls ranschleimen würde: Helft mit, unser neuestes Märchen unseren neuen Claim “Mercedes – Benz, das Beste oder Nichts” unters Volk und Club – Präsidenten zu bringen!

“Daimler ist das beliebteste deutsche Unternehmen des Jahres 2010 und erobert sich damit die im Vorjahr an Volkswagen verlorene Spitzenposition zurück. Das ergab eine repräsentative Umfrage von…”

“…Im Durchschnitt sagten laut Umfrage…für 92 Prozent ist die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber und Arbeitsplatzsicherheit wichtig…”

Natürlich muss man zugeben, dass es derzeit einen höchst erfolgreichen Klassenkampf in Deutschland gibt: Den Klassenkampf von Oben. Das hört man zwischen “oberhalb der Mitte” und “Oben” garnicht gerne, denn dort sehnt man sich nach Ruhe und Abgeschiedenheit, und man hört es nicht gerne Unten, denn dort hätte man das gerne anders. Alle paar Monate gibt es neue Zahlen zur weiter auseinanderklaffenden sozialen Schere, und es muss schon ein Automechaniker wie Ernst Prost kommen,  oder wie kürzlich ein Wolfgang Grupp damit  “Unten” – reichlich unfreiwillig kapiert, dass es es durchaus auch anders geht. 

Ich habe kapiert, ich mache meine eigene Revolution, nicht nur mit nur-noch-T-Shirts-von-Trigema, sonder auch mit Motoröl vom Uhrensammler und Vollblutunternehmer, und weil ich meine, eine Politik der armen Schweine, schafft einige reiche Schweine, aber dafür jede Menge arme Schweine oder wie Thomas Strobl schrieb “Gesund mit Daimler, aber ohne Perculium”. Amen.

Die Revolutionsanleitung lest Ihr hier. 

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20 Gedanken zu “Mein neues Motoröl, gegen Klassenkampf von Oben

  1. Es gibt bestimmt sehr viele mehr Vorzeigeunternehmer wie Ernst Prost. Genau das sind noch diese echten Unternehmertypen, die die Säulen unserer Wirtschaft bilden. Nicht dieses Auslaufmodell jedes Steuerschlupfloch suchender, jeden Subventionseuro abgreifender und für Aktienkurse sich für nichts zu schade, geldgeiler Bonimanager ohne jeden Hauch von gesellschaftlicher Verantwortung.

    Ein beeindruckendes Interview in der FR.

  2. Naja, in diesem konkreten Fall muss man das schon etwas differenzierter sehen.
    Die Verlagerung des deutschen Vertriebs 1999/2000 nach Berlin war eine politische Entscheidung. Rückübereignung des Areals, Baugenehmigung in Rekordzeit und das für ein (ich bin mal höflich) architektonisch eher unambitioniertes Ensemble – dafür werden Berliner Senat und die im Umzug befindliche Regierung schon Gegenleistungen gefordert haben; man wollte ja die neue Superhauptstadt Europas.

    Als hat man den nationalen Vertrieb nach Berlin geschickt. War man sich vorher in Möhringen (auf der selben Etage) schon nicht grün, hat sich das Verhältnis durch die Abwanderung deutlich verschlechtert. Viele Funktionen mussten gedoppelt werden, mit dem Erfolg, dass sich die Neuen natürlich profilieren mussten. Das ging am einfachsten, indem man prinzipiell gegen alles aus Stuttgart agitiert hat – wie hätte man denn sonst seine hoch bezahlte Stelle rechtfertigen sollen?

    Global konzipierte Marketingkampagnen wurden solange zwischen Stuttgart und Berlin hin- und her gerieben, biss sie zu Staub zermahlen waren.

    Bereits vor etlichen Jahren wurde die Verantwortung für die Niederlassungen wieder nach Stuttgart zurückgeholt (dabei spielte wohl auch eine Rolle, dass die Niederlassungsfürsten – mit jeweiligen Umsätzen bis zu 1 Mrd. € – lieber auf dem Schoß der Vorstandsvorsitzenden sitzen, als auf dem eines ‚kleinen’ Vertriebschefs). Was blieb in Berlin? Die Verantwortung für die Händler, die aber ihrerseits von den NLs geführt werden und somit doch indirekt aus Stuttgart gemanagt werden.

    So gesehen ist es höchste Zeit, diesen Ineffizienz-Multiplikator aufzulösen.

    Zumal die Vorortpräsenz (im Gegensatz zu den Wettbewerbern, die sich diesen Aufwand erspart haben) ja auch nicht für verstärkten Abverkauf in die Regierungsszene gesorgt hat. Nie war die Markenvielfalt bei Dienstfahrzeugen größer als heute.

  3. “Rückübereignung des Areals”

    Nur der guten Ordnung halber. Mercedes-Benz hatte vor dem Krieg nur eine Verkaufsniederlassung Unter den Linden und das Motorenwerk in Marienfelde. Das Grundstück wurde 1990 an Daimler verkauft.

    Interessant finde ich: Die Berliner Mitarbeiter werden, solange sie am Standort Potsdamer Platz arbeiten, nach einem würthembergischen Tarifvertrag bezahlt. Werden sie nur 1000 Metzer “umgesiedelt”, aus “Mitte” in den Ostteil, gilt der Tarifvertrag nicht mehr… wie geht denn das, oder hab ich da was nicht verstanden?

    Udo

  4. Man muss offensichtlich eine bestimmte Größe haben und/oder politisch bestens vernetzt sein, um sich alles erlauben zu können.

    Dann kann man sich mittels Kurzarbeit auf Kosten von Arbeitern, Steuerzahlern und 7,50 Euro – Leiharbeitern gesundstoßen

    http://www.zeit.de/online/2009/12/kurzarbeit-unternehmen-arbeitslosigkeit

    den Staat regelrecht erpressen

    http://www.rp-online.de/wirtschaft/news/Airbus-erpresst-Regierungen_aid_803202.html

    weil man selbst die Entwicklung jahrelang verpennt hat und jetzt den Aschluss an Wettbewerber wieder zu finden, gleichzeitig an anderer Stelle Subventionen fordern

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/politische-hilfen-zetsche-will-starthilfe-fuer-elektroautos;2540146

    Deshalb Hut ab vor Unternehmern wie Herrn Prost. Leider gibt es zu wenige von dieser Sorte.

    Holger

  5. Das Beste oder Nichts. Der Schlaf der Vernunft gebiert Daimler Benz, wie es der neue Werbefilm zu dem neuen Leitmotiv zeigt. Der PS-Pionier Gottlieb Daimler döst am Schreibtisch ein, sein Kopfkino zeigt eine kurze Unternehmensgeschichte vom ersten Motorwagen bis zum F1-Flitzer. Vom Stubenmädchen geweckt, das ihn ermahnt, nicht zuviel zu arbeiten, schwäbelt Daimler: „Ich will doch nur das Beste, das Beste oder nichts.”

    Sicherlich sind die Zeiten, in denen man diese Reliquien der Technik nur hübsch ins Bild setzen musste und die Kunden drängten sich mit Gewalt zu den Verkäufern, perdu. Zumindest solange ökologisch verträglichere Antriebskonzepte fehlen. Genau das ist aber die Pointe dieses Mercedes-Superlativs “Das Beste oder Nichts”. Herr Zetsche kann nichts wirklich Neues erzählen. Serienreife Klein- und Mittelklassewagen mit E-Antrieb oder Hybrid? Ein übernächtigter Erfinder von vor über 100 Jahren ist deshalb nicht gerad ein ideales Symbolbild – und setzt einen jahrzehntelangen Technologieführer mit Altersheimargumenten in Szene.

    Formuliert die Rückbesinnung auf Daimlers Maxime nicht die Frage, welchem Stern die Fahrzeugschmiede zwischenzeitlich folgte? Hieß es einst: „Allen Zeiten seinen Zeiten voraus“ und “Nur ein Mercedes ist ein Mercedes”, so kommt der Entweder-Oder-Slogan defätistisch daher. Leidenschaft und Inspiration klingen anders, so schmeckt Resignation, wenn man kapiert hat, dass man auf dem Inlandsmarkt versagt hat und keinen Stich mehr macht.

    15 Jahre Missmanagement und die Ze(ts)che zahlen jetzt wie immer die Unten.

    Friedrich H.

  6. Mir geht das ganze “Wir sind die Allergrößten, die wertvollste Marke, wir haben das Rad erfunden, zumindest das Rädle” schon seit langem auf den S… Keine Automarke – und letztendlich auch deren Beschäftigten und die von vielen Zulieferern – hat in den letzten 15 Jahren unter den Testosteronausbrüchen ihrer größenwahnsinnigen Vorstände so gelitten wie Mercedes-Benz.

    Harald G.

  7. Was die Beliebtheit wegen Arbeitsplatzsicherheit etc. betrifft, gibts da ein Witzchen (was sich angesichts der Entsolidarisierung der Arbeitnehmer und lauem Wiederstand von Gewerkschaften gegen solche Sparpakete auf jeden Arbeitgeber übertragen lässt):

    Zwei ältere, langzeitarbeitslose Hartz-4ler bewerben sich beim Doimler. Der Gesundheitstest sieht vor, dass jeder einmal quer durch den Neckar schwimmen muss. Der Erste springt rein, krault durch den Fluß und kommt ans Ufer. Der Personalchef gratuliert ihm und sagt “bestens, du bist jetzt ein Doimler-Mann”. Der Zweite springt in den Neckar, kommt nur bis zur Mitte und versinkt langsam unter der Wasseroberfläche. Dreht sich der “Erste” rum zum Personalchef und sagt: “Macht nichts, war nur ein Assi”

    Frei nach Wilhelm Busch “Dies war der erste Streich, de zweite folgt zugleich” ist das nur der Anfang. Es wäre fatals zu glauben, dass Autos langfristig nicht dort gebaut werden, wo sie verkauft werden. Wenn’s hier der Politik nicht gelingt, ganz schnell die Weichen für Lösungen dieses sich beschleunigenden Prozess und dessen Folgen für die Sozialsysteme zu stellen, sehe ich wie der alte Herr Benz im Mittagsschlaf im Kopfkino, wie Arbeiter in Lohn und Arbeit unter Polizeischutz zu ihren Arbeitsplätzen gefahren werden

  8. Wenn wir gerade bei Daimler-Witzen sind…

    Kunde in der Metzgerei. Da frägt die Wurstfachverkäuferin: ‘Gell, Sie schaffed au baim Daimler?
    Sagt er:
    ‘Beim Daimler schaffd mr ned, do isch mr!’

    Aber zurück zur Lage des Konzerns.

    Die allseitige Reutter-Schelte ist für mich schwer nachvollziehbar. In Mitten des kalten Krieges hat er – durch die Worthülse ‚Integrierter Technologie Konzern’ getarnt – ein gigantisches Rüstungsimperium aufgebaut. Von der Landmine bis hin um Jäger 90 hätte bei jeder Militärausgabe die Kasse geklingelt. Das ist in meinen Augen zwar moralisch verwerflich, war aber betriebswirtschaftlich so gut, wie die Lizenz zum Gelddrucken.

    Darauf, dass Gorbatschow mit Glasnost und Perestrioka die Geschäftsgrundlage ‚ruiniert’ hätte man noch nicht mal bei einem britischen Buchmacher einen Pfennig setzten können.

    Ganz im Gegensatz zu Schrempp. Ich habe nie verstanden, was das mit dem ‚Shareholder Value’ soll. Als AG bin ich am Aktien-Kurs nur in zwei Punkten interessiert.
    1. Die Ausgabe neuer Aktien – da möchte ich so viel wie möglich erzielen.
    2. Der Aktienwert darf nicht unter den Anlagewert sinken, damit ich kein Kandidat für eine feindliche Übernahme mit daraus resultierender Zerschlagung werde.

    Ansonsten sind mir die Aktionäre wurscht, zumal die eh nur auf kurzfristige Rendite schauen und an einer langfristigen Strategie mit entsprechenden Investitionen kein Interesse haben.

    Somit bleibt als Begründung nur übrig, möglichst hohe Tantiemen und triumphale Vertragsverlängerungen für den Vorstand. Ein Aufsichtsrat, der dies nicht erkennt, gehört in die Wüste geschickt.

    Zum Polizeiaufgebot am Werkstor:
    Alles schon da gewesen. Der Erfinder der Aussperrung – über dessen Rolle im braunen Reich und in der Nachkriegszeit aufgrund seines Märtyrer-Status nicht mehr gesprochen wird – hat den sozialen Frieden aufs Spiel gesetzt. Damals hatten wir aber auch noch Gewerkschaften die dagegenhalten konnten und mit Betriebsrat Willi Hoss einen Kämpfer, der H.-M. Schleyer gegenhalten konnte.

  9. So wird’s sein. Mit Trigemaaffen und Molyjunkern machte die dringend einzuschränkende Schicht Luft und Staat. Utopie nicht mehr der ‘Machbarkeit’, die nichts als ‘Sachzwang’ je meinte, sondern gleich der veröffentlichten Wirklichkeit. Wenn do doch der Chef noch selbst PR macht! Glaube, Würde, Heiterkeit. Weniger Klassenkampf, mehr Liebe, mehr Hoffnung: Personales.

    Und es geben ja auch weiße Nixen dieweil das komplementäre Begleitgrün — denn der Staatskredit mußte die Privatinvestition auslösen, die zuvor den Staatskredit abzulösen hatte, wie Robert Kurz sagen würde (die Quadratur des Kreises ist nichts, wo das Geld arbeitet) . So bleibt man auf einem Rasen mit den höchsten Chefs, um ihnen übel mitzuspielen mit Keynes. Desto flotter der Dreier, je mehr Köpfe rollen.

    Ideologiekritik sieht anders aus.

  10. Die Subventionen die Edzard Reuter beschaffte alle. Man kann also sagen, dass Daimler zum richtigen Zeitpunkt ausgestiegen ist.

  11. @ Ringmann,

    ich kenne den Witz von vor 30 Jahren anders. Walter Wallmann verloste zwei deutsche Staatsbürgerschaften an Ausländer. Der absaufende zweite Schwimmer war damals kein “Assi”, sondern ein Kan….

    Andere Zeiten heute.

    Michael :)

  12. Die knallharte Wahrheit ist: Deutschland hat keinen einzigen Autohersteller, der mittel- bis langfrisrig umhinkommt, seine Autos dort zu bauen wo sie verkauft werden. Bis dahin viel Show zu Hause, Elektro-SLS für 270000 Euro und möglichst viel Staatsknete abgreifen.

  13. Die 1960er und 1970er Jahre waren schön für alle, aber für Manche ist es heute schöner.

    Die Möglichkeiten für die Industrie-Bosse mit solchen Absatz-Krisen im Inlandsmarkt umzugehen, ist seit den 60er Jahren enorm gewachsen sind. Heute kann man ohne große Verluste zunächst die Zeitarbeiter entlassen. Die nächste Stufe ist, in Kurzarbeit zu gehen. Das kann man sich auch schön vom Staat bezahlen lassen. Dann folgen die Beschäftigungsgesellschaften, auch zum guten Teil auf Kosten des Steuerzahlers und als letztes natürlich betriebsbedingte Kündigungen.

    Heute alles viel einfacher als noch in den 60er. Damals hatten Gewerkschaften ja noch Einfluss. Heute verteilen sie hilflos ein paar Trillerpfeifen an entlassene Werksarbeiter nach dem Motto, es nützt zwar nix, aber es war gut, die Wut einfach mal abzulassen.

    Diese Maßnahmen kosten den Unternehmer nicht wirklich viel. Die Bedeutung des Produktionsfaktors “Mensch” ist seit damals gesunken. Dank hoher Automatisierung ist und man mit dem aufgehäuften Kapital in der Lage, die Produktion dort schnell wieder hochzufahren, wo aufgrund floatender Währungen und Inflation die Löhne nach der Krise um 30 Prozent gefallen sein werden (z.B. in Ungarn). Man nennt das Management-euphemistisch “Das atmende Unternehmen”.

    Mercedes-Benz Made in China. Hör ich a jemand lachen?

  14. 48-Stundenwoche, 6-Tage-Woche, Überstunden, Akkordlohn, usw. Die 60er waren wirklich NICHT schön für alle.

  15. Lieber Corneli,

    48-Stundenwoche ist heute schon in vielen Firmen die Regel, weil Überstunden z.B. bei 4,50 Euro die Stunde im Einzelhandel erst gar nicht aufgeschleckert… aufgeschrieben werden, aus Furcht vor Entlassung. Wetten, die 6-Tage-Woche steht bestimmt bald auf der politischen Agenda, die 6-Tage-Schule wird ja schon wieder gefordert.

    Akkordlohn kann durchaus ein ehrlicher Lohn sein, wenn er seinen Mann ernährt und die Arbeitsbedingungen stimmen. Damals konnte sich ein Arbeiter auf Akkordlohn sein Häuschen bauen (jedenfalls in meiner Nachbarschaft).

    Nicht wenige Akademiker haben da heute erhebliche Probleme.

  16. Detlef,
    hast Du gestern Abend Anne Will gesehen?

    http://daserste.ndr.de/annewill/aktuelle_sendung/erste316.html

    Warum setzt man nicht mal zwei so unterschiedliche Unternehmer gegenüber auf die Bank? Ernst Prost versus Stefan Heinig

    http://www.infolust.info/bbxQ9V_Kik_und_der_billige_Wahnsinn_der_Billig_Klamotten_-_NDR_Reportage_uber_die_Hintergrunde_des_Textil_Discounters_

    Ich musste an manchen Stellen einen Schluck Roten nehmen, als Christoph Lütgert schilderte, wie bei KIK Menschen regelerecht geknechtet werden.

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