Honni’s russische Pagode, Klopapier, Schoko-Osterhasen und Pelzmütze

Einen kannte ich mal, der hatte 35 Jahre lang auf Reisen in jedem Hotel Shampoo-Fläschchen mitgenommen und eine Sammlung mit über 3000 Fläschchen. Manche haben über Jahre Nachttöpfe-Sammlungen  zusammen-getragen. Ein Freund von mir sammelt seit 20 Jahren Kfz-Instrumente und hat sich letztes Jahr einen Anbau am Haus ausgebaut, um seine über 2.500 Tachometer, Drehzahlmesser und anderes Messwerk aus den hunderten von Kartons herausholen und halbwegs auch mal anschauen zu können. Über August des Starken Porzellansucht hatte ich vor Jahren in Dresden eine Anekdote gehört: er verkaufte einst ein ganzes Regiment Soldaten an den preußischen König, ein Friedrich Wilhelm, dessen Nummer mir leider entfallen ist, für ein Paar feinster Ming-Vasen für seine Sammlung… das ist fast schon ein wenig klischeehaft…

Zu einem anderen fuhr ich gestern mal hin: Jürgen Schäufele, dessen Vater, Karl-Heinz Schäufele, Konstrukteur des welberühmten Lloyd – Rekordwagens noch in den 50er Jahren ein bekanntes Lloyd- und Borgward – Autohaus in Wiesbaden betrieb, nutzte 1989 den Fall der Mauer und während seiner langjährigen Berufstätigkeit als Jurist, um in den letzten 20 Jahren in jeder Minute seiner Freizeit, den Brüdern und Schwestern der ehemaligen DDR das abzukaufen, was dort vielerorts nur einfach in Müllcontainer geschmissen wurde, um Platz für den Billigschrott aus westdeutschen Möbelhäusern und Discountmärkten zu schaffen.

Wenn Honni mal seinem Völkchen besonders nahe sein wollte, lies er sich einfach ein paar Gläser “Geruchsproben” von der Stasi kommen, so konnte man “auf- und straffällig Gewordene durch Ost-Hundenasen besser aufspüren, glaubte man, kein Witz…

Honni’s Pelzmütze…

Grade stand ich gestern Nachmittag nach einem langen Besuch bei Herrn Schäufele zum Gehen bereit, als vor der Tür das aus Hamburg angereiste Reporter-Team von AutoBild Klassik, mit geschäftsführendem Redakteur, klingelte. Dort soll wohl in der September-Ausgabe ein ausführlicher, bebilderter Bericht über die Sammlung erscheinen.

Eine Fotorepoartage mit mobilem Studio – Equipment, mit dementsprechend gut ausgeleuchteten Fotos, kann ich nicht bieten, dafür mache ich das aus Neugierde und Interesse, nur so zum Spaß, und vor allem für lau.

Bei mir folgt demnächst nur noch ein Gastbeitrag von Jürgen Schäufele..! Denn das meiste über ihn und seine Sammelleidenschaft stand im April schon in der FAZ

Hier sind 4 Galerieseiten mit unstudiomäßig aufgenommenen, bescheidenen Fotos.

.

19 Gedanken zu “Honni’s russische Pagode, Klopapier, Schoko-Osterhasen und Pelzmütze

  1. SPITZE!!!

    Nur eine kleine Anmerkung: Auf Bild 33 – oben links “Mondos feucht” – die waren aber ganz bestimmt nicht von Honni, oder etwa doch?

    K. Bien

  2. So spiessig – und wahrscheinlich muffelig – wie eine Laube in Chemnitz mit dem Plunder der letzten 80 Jahre. Plunder, weil er wohl immer zu spät kam und weil Kollegen aus dem Westen im Lauf dieser Zeit einiges unternommen hatten, die Leute von ihrem Plunder zu trennen. Echtes Biedermaier-Sofa gegen moderne Sitzgarnitur, BMW 328 gegen neuen Golf… nur meine Meinung.

  3. 95 % der gezeigten Waren und Produkte dürften inklusive ihrer Herstellerfirmen inzwischen erfolgreich wegprivatisiert worden sein.

    Was Du für interesante Leute kennst.

    Friedrich H.

  4. Das meiste habe ich 1990 bewusst oder unbewusst in Leipzig life gesehen. Das hat was, dies alles so noch mal zu sehen. Würde ich mir sogar gerne mal in natura anschauen.
    Ich kenne noch die vielen Bücherläden in der Innenstadt, als Leipzig noch Huggenblödfrei war. Speziell Bücherfreunde sollten wissen, dass DDR-Ausgaben oftmals viel aufwändiger und schöner gestaltet waren (ganz zu schweigen von den Illustrationen) als die Massenartikel im Westen. Aber selbst das wurde tausende Tonnenweise “entsorgt”.
    Tolle Sammlung, Hut ab.

  5. “So schlecht gings denen drüben doch gar nicht”. Na wer sagt es als erster?

    Wer wie ich den realen Sozialismus erlebt hat, weiß was Entbürgerlichung bedeutet. Das staatlich verordnete, abgesegnete Anstreben einer Diktatur des Proletariats führte im Alltag konsequent dazu, dass Würde, Anstand und Respekt zugunsten von Suff, Niedertracht und Verantwortungslosigkeit geopfert wurden.

    Dass die DDR so lange überlebt hat, liegt nicht zuletzt daran, dass der zurückgebliebene Rest in seiner Mehrheit zu symbolischen Preisen wohnen, essen und Alkohol konsumieren konnte und wie man auf den vielen Fotos sieht, bei recht vielfältigem Angebot. Mehr nicht. Dazu noch die Illusion einer sinnvollen Tätigkeit im “volkseigenen” Kombinat – fertig war das Schlaraffenland der Proletarier ohne Markt.

  6. Da wird aber Wollo ganz schön ‘gekniggt’ sein, dass Du nicht seinen ollen Zeitungsbeitrag verlinkt hast, “Deutschlands größter Pisspott… sammler”. Ich habs grad nicht mehr gefunden.

    Wo er sich doch so viel Mühe gegeben hat, die ganzen Themen mit Fäkal-Beiträgen von Dr. Carsten Junker “wegzuputzen”. Hat wohl eine Großpackung Seniorenwindeln gratis nach Osnarbrück geschickt bekommen.

    Zum Thema: Mir sind schon manchmal meine 17 Automodelle zu viel, immer den Staub runter zu pinseln. Aber interessant isses mal, so was wie hier zu sehen.

    :-)

  7. In Berlin gibt’s auch so ein Museum, schräg gegenüber des ehemaligen “Palazzo Prozzo” (vulgo auch “Erich’s Lampenladen”):

    http://www.ddr-museum.de

    Da kann man sogar in einem richtigen DDR-Wohnzimmer sitzen; im TV läuft der “Schwarze Kanal” mit Karl-Eduard von Schnitzler. Allerdings immer derselbe Schnipsel; fühlt sich an wie “Und täglich grüßt das Murmeltier”.
    Und man kann die Exponate auch anfassen. In besonders grausamer Erinnerung sind mir dabei die sozialistischen Kunstfaser-Kleiderstoffe…

  8. Ich wohnte mit meinen Kollegen Anfang 1990 fast 4 Monate im Hotel Berolina auf der Karl-Marx-Allee. Ein paar Meter weiter war ein großer Kurzwarenladen. Einige Artikel auf den Fotos kommen mir deshalb bekannt vor. Die Ladenbesitzer verramschten damals ihre Waren damals für Kleingeld, weil so gut wie keiner sie mehr haben wollte. Dafür standen vor einem notdürftig eingerichteten Aldi-Laden etwas weiter, Schlangen von Menschen, die regelrechte Hamsterkäufe machten.

    Die Salzbrezel im Hotel, monatelang die einzigste Getränkebeigabe an der Bar, waren übrigens genau so Klasse, wie damals noch echtes in der DDR gebrautes Bier.

    Das beste Erinnerungsstück aus der Ex-DDR habe mit Sicherheit ich … meine Beifahrerin und Frau.

  9. Zwischen den Zeilen im Faz-Artikel lese ich aber schon so ein wenig heraus, dass das über eine normale Sammelleidenschaft hinausgeht. So eine besondere Art ‘Ost-Messie-Syndrom’? Aber alles zusammen mal angesehen zu haben, ist bestimmt interessant.

  10. Das Ostprodukteangebot war schon echte Mangelwirtschaft, zumindest, was die Gastronomie anging. Ich habe dies live bei der Übernahme zweier Hotels in Meck-Pomm erlebt.
    Lustig, zum Beispiel war ein “Jägerschnitzel” in der DDR eine geschmorte Jagdwurst. In großen Städten gab es neben Mittelklasserestarants für Gäste mit Devisen meistens nur schnellrestaurantartige Gaststätten, deren Essen eher an Billigessen in Werkskantinen erinnerten.

    Die Pflege und Wertschätzung der Dinge, die man hatte, war – schon allein zwangsweise – im Osten allgemein höher als hier im Westen”, aber eben nur so lange bis die D-Mark kam. Die Sammlung auf den Fotos hätte 1990/1991 jeder mühelos in ein paar Wochen zusammen gehabt. Die Straßen und Müllbehälter waren voll davon.

  11. Der FAZ Artikel und dazu hier die Fotos: selten soviel geistigen Dünnschiß gelesen und gesehen, wie über diesen Neurotiker mit Messie-Syndrom.

    Aber heutzutage kann ja auch der größte Gestörte seinen Mist los werden, ohne sich Gedanken machen zu müssen, daß ihn mal jemand durch schüttelt, damit seine 3 Hirnzellen mal wieder halbwegs geradeaus tanzen.

    Und im Zeitalter sommerlochfüllender FAZ-Redakteure, Motorblöckchen, Mickey Krause’s und ähnlichen Müll, braucht man sich nicht wundern, wenn es heißt, daß die Gesellschaft immer mehr verblödet. Der Start”beitrag” ist der beste Beweis. In einem Mietshaus hätte die Hausveraltung bestimmt schon mal einen Amts-Psychologen zu dem trolligen Ramsch-Sammler hingeschickt.

    __________________________________________
    Edit: Ist halt auch eine Meinung, die es verdient, mal gelesen zu werden.

  12. “…daß ihn mal jemand durch schüttelt, damit seine 3 Hirnzellen mal wieder halbwegs geradeaus tanzen…”

    @ Denker,

    ich fürchte, Dich hat man schon im zarten Alter mal etwas zu stark durchgeschüttelt und damit den ganzen Zellblock durcheinander gebracht.

    Ich finds auch mal ganz interessant so sehen zu können was unsere Brüder und Schwestern so rumstehen hatten.

    Michael B.

  13. Ich habe das russische Pagoden – Modell tatsächlich auch schon mal in der Hand gehabt. Bei einem Händler auf der Techno Classica. Er hatte mir erklärt, die Russen haben wohl früher von Modellautoherstellern alte Formen billig gekauft und in Russland nachgefertigt. Das Autochen sollte damals 90 Ocken kosten, das war mir dann doch zuviel. Interessant ist, was bei eBay für DDR-Automodelle verlangt und gezahlt wird. Also DDR-Sammler wie Herrn Schäufele gibts wohl mehr.

  14. Beim Suchen nach dem Faz-Artikel bin ich auf Ihre Seite gestoßen. Toll. Ohne dem Herren zu nahe treten zu wollen, aber so ein kleines bißchen “Messie” ist das schon.

  15. Vor allem durch die authentischen echten Fotos kommt der Bericht in der Bild-Klassik nicht an den Beitrag hier ran. In Bild wirkte alles etwas gestellt. Super. Alleine schon die richtige Archivierung und geschichtliche Einordnung und Zuschreibung ist bei der Breite der Sammlung fast schon eine Lebensaufgabe.

  16. Was man durch einen Kommentar von Dir bei DA nicht alles entdeckt. Ist ja echt großartig.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>