Schloss Dyck: Altautogaffen vom Sperrsitz aus

Man lässt heute als Pagoden – Besitzer den mit viel materiellem und immateriellem Aufwand hochgepäppelten Roadster mit den chromblitzenden  Armaturen zu Hause, und man fährt heute nicht mehr wie vor ein paar Jahren nach Schloss Dyck, um “Gleichgesinnte zu treffen”.

Man kann sich heute in Schloss Dyck nicht mehr einfach hinstellen und aus den brunzdummen von Eventagenturen inzenierten Arschgeigenaufführungen, zwischen nachgestellten Oktoberfest-VIP – Zelt-Kulissen und der Neuwagenausstellung von Mercedes – Benz, eine  Oldtimer-lasst-uns-alle-liebhaben-Veranstaltung   zusammenbloglügen, wie das jahrelang u.a. von dem sachkundigen Jörg Enger in seinen teilweisen – nicht immer – erbärmlichen PRoll-Beiträgen für die Sternmarke geschah, denn die Oldtimeszene hat sich verändert und es fehlt für derlei Borderlines jeder, wirklich jeder Anlass, wie grade ein Forumsbeitrag belegt, den ich betitelt hätte, Pagoden-Liebhaber: Ausgelutscht, verarscht und ab auf den Sperrsitz

Verzichten möchte ich per se dieses Jahr auf ein paar wie früher in Schloss Dyck geschossene Fotos von älteren Autos, genannt Oldtimer, die allein schon als Begriff eine Beleidigung sind. Einerseits, weil es wie ich inzwischen meine, lächerlich ist,  größtenteils Autos aus der Creme21-Ära, Pulks von 70er-Jahre-Autos, als wirklich historische Fahrzeuge, ja Kulturgüter” zu bezeichnen, denn alles, was meine Eltern noch fuhren, und da zähle ich unsere Pagode durchaus dazu, machen Freude beim Fahren, sind aber mit Ausnahme weniger rarer Automobile aus dieser Ära, keine historischen Fahrzeuge.

Und um ehrlich zu sein, zum Anderen auch, weil ich immer gehofft hatte, die Classic-Days am Salzburgring noch einmal sehen zu können und es doppelt demütigend ist, das mit anzusehen und nicht die Möglichkeit zu haben, sich selbst und echten Freunden zu zeigen, was mit historischem Blech sonst noch geht. Ein Umstand, dem, wenn da nicht meine oldtimermäßig durch einen selbsternannten und von der Bildfläche verschwundenen  Pagodendoktor und einer verpfuschten  Motorenüberholung dem Hobby unlustig gewordene Copilotin wäre, ich nach gelungenem Verkauf der Pagode abzuhelfen, vielleicht sogar mal wieder Lust drauf gehabt hätte.

Andererseits kann ich auch auf Mehrscheiner verzichten, ob Besitzer von teueren, edlen Gefährten mit dubioserunklarer HerkunftAuthentizität, extra für diesen Gesellschaftsevent angemieteten Oldtimern, dazu Damen am Abschleppseil, die wohl bei der Wahl der “Miss Totalrestaurierung”  Topfavoritinnen für’s  Treppchen im Schlosspark wären, bis hin zu coolen Brand-Communication Managern, die in Schloss Dyck alles anstellen, um das mediale Rampenlicht zu nötigen, hinterher möglichst viele Fotos von altem Blech ins Web zu stellen und damit den Classic-Center-Cash-Maschinen auch noch den letzten Trollvottel ohne Oldie-Drittauto, als abziehbaren Sperrsitzkunden zu generieren.

 

Schloss Dyck 2012.

61 Gedanken zu “Schloss Dyck: Altautogaffen vom Sperrsitz aus

  1. Ich warte sehnsüchtig auf den Nürburgring Pron mit saftigen XL-Bildern. Vor allem von Dir, mit gelb-grünem Gesicht auf dem Beifahrersitz von Gabis Kobold , auf 2 Rädern in der Kurve Mach zu, Detlef.

  2. Wir sind nach einer Pause mal wieder auf Schloß Dyck – ganz ohne Clubmitgliedschaft und -stand, VIP-Karte und Hochglanzrestaurierung, lediglich mit unserem bei Regen und Sonnenschein sofa-artig gemütlichen Armstrong-Siddeley. Vom Hauch der Austern und einzelnen prickelnden Champagnerperlen, die aus den weißen Zelten herüberwehen könnten, lassen wir uns mal nicht abschrecken. Ich bin auch gespannt, ob es dieses Jahr wieder das mit einem eigenen Sicherheitsdienstmann wie Fort Knox bewachte Mercedes-VIP-Klo gibt (gab es so etwas etwa schon auf der Expo 2000 und ein Welfenprinz war damals kein zutritts- oder besser austritts-berechtigter Mercedes-Fahrer?)

    Vielleicht schauen wir auch bei der entfernten Verwandtschaft aus Coventry mal vorbei… schliesslich war es ja auch J D Siddeley, der seinerzeit Bill Lyons großzügig die freie Benutzung des Markennamens “Jaguar” anstelle “SS” erlaubte, da der gleichnamige Flugzeug-Sternmotor ab den 30er Jahren nicht mehr verkauft wurde.

    Übrigens Detlef, ein sehr schöner Zeit-Artikel über die “Mehrscheiner”…mir war bei der Lektüre zunächst gar nicht aufgefallen, dass er von 1983 ist! Als dann aber Strauss und Mouton auftauchten, kam mir die Sache langsam spanisch vor…

  3. Christian,

    also wenn schon, dann bitte Tatjana Gesell.

    Das wäre nach der Liason mit Vierradkönig Helmut Becker wenigstens standesgemäß. Das Mädel “verkehrt” bevorzugt in Champagner-Kreisen, wo sich Männer mit dicken Brieftaschen herumtreiben, in denen beliebig oft nachgeschenkt wird, wenn der Stoff am Dekolleté dafür nach und nach bis zu den Knöcheln runterrutscht.

    :-)

  4. Ich war das erste mal in Schloß Dyck und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Trotz Ihrer rethorischen Sprachnörgeleien.

  5. Unser Treffen der Big Saloons auf Schloss Dyck war einfach herrlich! Alles hat bestens geklappt, viel Mühe und viel Liebe wurden in das Treffen gesteckt. Die Organisatoren sind echte Fans.

    Sicher auch Dank Deines Miesepeterartikels sind die Nörgler, Griesgrame, Sozis und Besserwisser alle zu Hause geblieben, so daß uns nur gutgelaunte Menschen über den Weg gelaufen sind!

  6. Lieber Detlef, geschickt gemacht, wie Dein Google-Ranking belegt. Ich war auch zum ersten mal in Schloss Dyck und möchte nur sagen, dass ich die Grundlinie Deiner Argumentation größtenteils für inkonsistent halte. Einiges stimmt, vieles nicht. Aber so ist das wohl nun einmal mit einem Menschen, für den die Welt an sich schlecht ist. Keine Sorge, meinen Namen wirst Du hier nie wieder lesen.

  7. Es wird Zeit, dass jemand mal die Kommentar – Nicorette entwickelt.

  8. Pingback: Der dicke Hund von Schloss Dyck | MotorBlöckchen

  9. Den Beitrag kannte ich bis gestern nicht. Ich habe Tränen gelacht und gebe zu, auch wegen des teilweisen Wiedererkennungswerts.

  10. Für Leute die selbst nichts auf die Räder bekommen, sind solche Flatrate-Veranstaltungen das Nonplusultra. Das führt bedauerlicherweise dazu, dass sich Hauptsponsoren wie Daimler, mit dicker Kohle solche Veranstaltungen unter den Nagel reißen, dass man sich auf diese Sponsoren fokussiert und als klar denkender Enthusiast manchmal glaubt, die Oldtimerwelt werde immer blöder, weil sich dazu Geschäftemacher, Abzocker und – Verzeihung – Ashholes eben in den Vordergrund zu spielen wissen.

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