Den Unterschied, den ich mir wünsche

Willi Damrath, Betreiber des hier verlinkten SL – Forums stellte kürzlich mal die interessante Frage, die ich mir auch stelle, wenn ich wie seit ein paar Monaten  eigentlich täglich, mehrere Webseiten wie carandclassic.co.uk und classiccarsforsale.co.uk.  besuche:

“Lohnt es sich, mit 56 Lenzen nochmal unter eine alte Karre zu kriechen und eine Restauration anzufangen? Vorgenommen hatte ich es mir, weil ich ja demnächst Zeit habe. 

Aber habe ich wirklich Zeit?

56….wie lange werde ich fahren können? Wie lange werde ich Unregelmäßigkeiten im Lack noch erkennen und wie lange werden sie mich stören?

Ist es nicht schöner, die letzten Jahre im Freien, fahrend in einem funktionierenden Auto zu genießen? Ja, darum nehme ich mir für die trüben Tage wieder mal ein Krad vor, die alte 600er werde ich von Grund auf neu bauen und mein Bengel kann sie dann in der Bucht als neuwertig, verscherbeln, wenn ich unterm Torf endgelagert bin”.

Ist das die Antwort darauf?

“…Leider sind fast alle restaurierten Fahrzeuge gar nicht restauriert sondern renoviert. Sie wurden in einen vermeintlichen “Neuzustand” oder in ein fragwürdiges “besser als neu” versetzt. Fahrzeuge in diesem Zustand werden in absehbarer Zukunft weniger WERT sein, als unrestaurierte Originale, da das Interesse an Original-Fahrzeugen zunimmt und Originalzustände im Gegensatz zu renovierten nicht reproduzierbar sind…”

Wenn das oben mein Garten wäre, hätte ich jetzt ein ernstes Problem, denn der, der dieses offen heraus sagt, ist Dipl. Restaurator Dirk Voigtländer aus Berlin, mit dem ich mal vor Weihnachten ein sehr ausgiebiges und interessantes Gespräch führte. So aber ist das der Lagerplatz von einem der es schafft, selbst aus dem trostlosesten, zerknittertsten Haufen Schrott – für sehr sehr viel Geld – wieder komplette Autos erstehen zu lassen, Firma Hietbrink

Schwierige Frage. Ich meine, alte Autos würden sehr viel weniger Spass machen, wenn sie allen gleich viel Spass machen würden. Einige die ich in den letzten Jahren beobachtete und kennenlernte, würden sich dann fragen, wo bleibt dann die Distinktion, wo ist meine Überlegenheit, wie kann ich mich absetzen, anders sein?

Es ist was dran. Nachgebaute Oldtimer im Design klassischer Autos werden zweifellos weniger nachgefragt. Immer öfters finden sich in Angeboten von Oldtimern der 50er, 60er und 70er Jahre Attribute, wie bspw. auch in mehreren Angeboten  der neuen Firma mit altem Namen…

“…und bestens erhaltene Lederpolster, originaler Teppichboden und unberührte Holzteile. Ansonsten mit der sympathischen Patina eines gepflegten, authentischen Automobils…”

Warum also stelle ich mir die Frage? Ganz einfach. Wie allgemein bekannt sein dürfte, hat die durch und durch vermurckste  Motorüberholung unser Oldtimer-Budget enorm angespannt und die Lust der Copilotin am Hobby auf Papierstärke reduziert, und so war die letzten zwei Jahre und wird in Zukunft auch, überhaupt nicht mehr daran zu denken, uns einen neuen Brocken Altmetall in dieser Preislage und mit Folgekosten wie bei der Pagode, zuzulegen.

Und dann kommt ausgerechnet ein Freund aus Italien zwischen den Jahren an, hört von meinen Zweifeln und schickt mir am Wochenende Bildchen von einem herrlichen 1600er Alfa Spider, 1963, unrestauriert, in einer Scheune bei Salerno auf einen “Verrückten” wie mich wartend…   

Mich würden mal die Meinungen interessieren, lohnt sich sowas mit 60 nochmal?

.

 

 

17 Gedanken zu “Den Unterschied, den ich mir wünsche

  1. Tja, Detlef, das ist wie mit Radio Eriwan. Es kommt darauf an…

    Wer Spass am knaudeln hat, den Tag und den Abend lieber in der Garage verbringt, als bei seinem zänkischen Weib und den rüpelhaften Blagen, der kann und soll auch mit 60 noch eine Resto anfangen :-)

    Wer lieber fährt und unterwegs ist – und sei es nur zu einem guten Restaurant un der Umgebung – sollte lieber etwas fahrbereites wählen.

    Just my 2 Cents

    Gruß

    Uli aus S

  2. Hi Detlef, eine wirklich in manchen dingen sehr gute Frage.
    Man(n) aber auch F.R.A.U. sollte sich nichts vormachen. Für mich heißt das, ich habe – wenn alles gut geht – noch 20 bis 30 Jahre vor mir. Kann sich aber auch schnell ändern. Ich selbst hätte keine Lust mehr zu einer Vollrestaurierung wie bei meinem damals. Zu viel Zeit und dazu der Ärger, zu viel Geld und keinen wirklichen Wertzuwachs (war auch nie das Ziel) und Mehrwert (~zweifel).
    Läuft deine “Kiste”? Dann behalte sie und geniße jede Ausfahrt mit deiner Frau!

    Du hast gefragt, dass ist meine Antwort.

    PS. Übrigens einen schönen Gruß an deine Frau, Sie kann sich mit meiner die Hand reichen.

  3. Wie Uli aus S schon sagte:

    Wer Lust am Knaudeln hat, der sollte seine letzten 20 Jahre unter dem Auto verbringen.
    Wer Lust am Fahren hat, der sollte sich ein fahrbereites Auto zulegen.

    Bedenke: 20 Jahre , das sind nur noch 20 x Weihnachten.

    Und wie schnell Weihnachten vergeht, hast Du hautnah auch dieses Jahr wieder erlebt.
    Es ist berets vorbei und das nächste Weihnachten steht vor der Tür.

    BMB

  4. Werterhalt und Oldtimerhobby sind zwar getrennte Dinge. Beides kann man aber gut verbinden, wenn man eine Erkenntnis beherzigt: Wenn man ein Fahrzeug im Originalzustand unverbastelt kauft und selbst die Möglichkeiten hat, es in einen unzweifelhaft guten Zustand zu restaurieren oder restaurieren zu lassen, dann ist der Werterhalt keine Frage. Ist das Fahrzeug an sich wertvoll und im Originalzustand Tüv-fähig und sicher, dann ist der Werterhalt noch wahrscheinlicher. Wertvernichtend sind meist Hobby-Restaurierer ohne Hang zur Perfektion – besonders Franzosen und Amerikaner (Ausnahmen bestätigen die Regel). Solche Fahrzeuge mit ungewisser Historie sind auch am Markt schwer verkäuflich, hohe Abschläge die Folge.

    Kluge Worte sicherlich, aber aus Erfahrung gesprochen: Unser alter Citroen wurde vor einigen Jahren von einem Ingenieur restauriert. Die Technik hat er prima hinbekommen, das Interieur vom Sattler ist ok, aber am selbsttragenden Aufbau hat er Gefallen an der großflächigen Verwendung von GFK gefunden. Der Tüv scheint geblendet, aber der Einsatz des Magneten ist wertvernichtend. Oder: Unser Jag stammt aus erster Hand von einem prominenten Vorbesitzer. Alles ist authentisch und konnte sogar ohne Schweißen behutsam modernisiert werden – was ein Jahr gedauert hat. Der Charme des Autos ist aber unvergleichlich. Wir können es aber nur genießen, weil wir die Arbeiten selbst durchgeführt haben, und es ist fraglich, ob mögliche Käufer so ein Auto schätzen. Oder: Ein Dino aus Südfrankreich, vor acht Jahren sorgfältig restauriert, dann in den Händen eines Laien – Elektrik, tatsächlich stattgefundene Motorüberholung vor einem Jahr, Fahrwerk, Lackbasis – alles Mist. Jetzt geht der dreifache Kaufpreis rein, um die Mängel zu beseitigen. Und das Ergebnis ist trotzdem nicht perfekt.

    Ergo: Das eigenhändige Restaurieren oder Modernisieren ist sehr befriedigend, muss aber auf höchstem Standard stattfinden – um seiner selbst willen. Um des Werterhalts willen muss das entweder sorgfältig dokumentiert werden oder in (bekannten!) Fachbetrieben erfolgen. Und das dauert eben oder ist sehr teuer. Bei dem Alfa muss man allein an Material und Fremdleistungen sicherlich zwischen 15.000-30.000 EUR einkalkulieren, wenn man das Fahrzeug restaurieren muss und nicht viel selbst machen kann. Eben mal fahren ist nicht, und der Wagen wird zum Selbstmachen eine Lebensaufgabe werden.

    Tipp am Rande: Wenn schon Selbermachen, dann am besten mit einem einfachen Briten anfangen und Kosten wie auch Anschaffung weitgehend abschreiben als Hobbyausgaben. Das Ergebnis ist meist ein schrulliges und lustiges Auto mit viel Fahrspaß in absehbarer Zeit und überschaubaren Kosten. Also sowas wie frühe Spitfire, MGB, Herald (als Kombi sehr cool) o.ä., evtl. noch MGA. Alle haben einen Rahmen, brauchen nicht viel Platz in der Garage und sind typisch englisch gebaut (was nicht per se schlecht ist). Und man bekommt noch weitgehend originale Funde. Dafür ist es doch nie zu spät, oder? ;-)

  5. Ich würde und werde es machen. Rechne auch mit plus, minus 20 Jahren und die möchte ich geniessen, egal wie schnell sie vorbeigehen. Einen Neuwagen brauche ich nicht mehr und bin gerne bereit, den ersparten Wertverlust in ein Auto zu investieren, das mir Spass macht. Alfa Spider halten jung und machen Spass, habe schon mehrere 100000 Km mit ihnen verbracht und weiss wovon ich rede. Würde das Kapitel SL zuschlagen und mich auf was Neues konzentrieren und ein bisschen ‘Freiraum’, sollte dir deine Frau zugestehen.

  6. Das mit den italienischen Alfas ist wie mit italienischen Frauen. Es ist ein sehr langes Liebeswerben. Man kommt nur langsam näher ans Ziel, mal geht es ein bißchen weiter, das Glück scheint nah und dann wieder dieses brüske Abweisen!

    Sei Dir vorher unbedingt sicher, dass Du die Giulia willst, den wenn Du sie einmal erobert hast und mit ihrem röhrenden Motor die Straßen entlanggefahren bist, wird das Glück schier grenzenlos scheinen und Du wirst hinterher in keine Pagode mehr einsteigen wollen.

    So einen Spider aufpäppeln, lohnt sich. Und was sind 60 Lenze? Manche heiraten sogar mit 75 nochmal. Distinktion ohne Ende.

    Das ist doch jetzt nicht nur eine Geschichte, uns zu unterhalten. Oder?

    :-)

  7. Wirklich ganz ohne Häme und /oder Ironie. Bin ich der einzige, der die Pagode gar nicht so schön, sondern ästhetisch für völlig misslungen, um nicht zu sagen, für hässlich hält?

    Einen 190SL lass ich mir gefallen. Der hat wenigstens stylistisch einiges von den noch echten Klassikern. Nix für ungut…

    Den Alfa Spider finde ich klasse, wenngleich ich mir eine langwierige Restaurierung auch nicht unbedingt antun würde, wenn ich nicht so frei und finanziell ungebunden wäre, dass ich damit auch wirkliche ausgiebige Ferntouren machen könnte, statt nur langweiliger Sonntagsausfahrten und Zuschaustellung bei stumpfsinnigen Oldtimertreffen.

  8. Moin,

    meine eigenen Überlegungen in dieser Richtung haben sich ein wenig verändert. Die BMW ist gut genug um vorzeigbar zu sein und so, wie sie sich jetzt präsentiert, kenne ich sie immerhin seit mehr als 25 Jahren.
    Die Spraydosenlackierung, schön glänzend und ohne Nasen, brachte ich ihr seinerzeit auf`s Blech, irgendwie ist sie ein Zeugnis meiner früheren “Untaten”, da sie damals von mir auch die “Aufwertung” mit dem moderneren Tank erfuhr.
    Was ich sonst habe, genügt meinen Anforderungen ebenfalls, ich suche seit längerer Zeit nach einer alten Kreidler, dieser Suche werde ich ein wenig mehr Dampf machen und mich an so einem Teil, das ich mal eben in den Keller tragen kann, auslassen.

    Was mich vom rechten Weg abbringt, ist mein neu erwachtes Interesse am Modellbau. (Märklin) Hier ist es warm, ich bekomme keine Blutblasen, Schnitte und sonstige Blessuren, mache mich nicht dreckig und sogar meine Frau macht mit! Sie klebt mit großer Begeisterung die Gebäude für unsere Kleinstadt zusammen und freut sich über die kleinen leute, die Laternen, die Autos und wie das Ganze an Ausstrahlung gewinnt.

    Wenn ich den 107 wirklich mal abgebe, wird ein, ebenso fahrbereites und zuverlässiges aber kleineres Auto in meine Garage einziehen, keinesfalls eine Bastelbude.

    Gruß
    Willy

  9. Detlef,
    man ist immer so jung wie man sich fühlt. Was Holger da oben schrieb, stimmt. Wenn man so auf ‘Sterne’ fixiert ist wie Du, sollte man sich einen Seitensprung echt gut überlegen, auch wenn italienische Damen noch so locken.
    Ich habs geschafft. Der Stern ist seit 2 Jahren weg, der Volvo Amazon steht in der Garage und ich habe meinen Seitensprung aus dem eine feste Beziehung wurde, keinen Tag bereut.
    Norbert

  10. Servus Detlef,

    es gibt verschiedene Arten, sich dem Oldtimer-Hobby zu widmen. Für die einen steht das Schrauben und Restaurieren im Vordergrund; sie brauchen ein neues Projekt, wenn das bisherige fertig ist. Fahren langweilt sie eher – oder ist vom ständigen Gedanken begleitet, dass jede Benutzung die Restaurierung wieder ein bisschen kaputtmacht. Andere wollen wertgeschätzt werden für ihre handwerkliche oder finanzielle Leistung bei der Restaurierung ihres Oldtimers und stehen mit ihren Schätzchen ständig auf irgendwelchen Treffen. Dritte (wie ich) wollen am liebsten fahren und haben (wie ich) vielleicht nicht einmal Spass am Autowaschen und Lackpolieren. Weshalb mein persönlicher automobiler Traum ein offener Engländer aus den 30ern mit schlichter Technik und originaler Patina sein könnte, wie er hier zu sehen ist:
    http://motorbloeckchen.com/wp-content/gallery/klassik-welt/klassikweltbodensee_2009_050.jpg
    Und natürlich gibt es noch einige andere Arten, sich mit aalten Autos zu beschäftigen.

    Dich selbst schätze ich nicht als Hardcore-Schrauber ein; dafür sind Deine Interessen zu vielfältig. Insofern wäre ein betriebsbereiter Oldie mit überschaubaren Unterhaltskosten vermutlich das Mittel der Wahl. Wobei ich mir bei längerfristigen Planungen den Spider noch einmal überlegen würde: In solche niedrigen Autochen kommen wir älteren Herren in ein paar Jahren nur noch mit Verrenkungen hinein (und wieder heraus), die andere Menschen eher amüsant finden…

    Grüssle
    Martin

  11. Schon erstaunlich, was für Autos vorgeschlagen werden. Kleine Briten, die zwar relativ billige Erdatzteile haben, sie aber auch permanent brauchen, dabei null Fahrkomfort und ständig kaputt. Wer wert auf das Wort fahren legt, kauft sich besser was anderes, das schont den Geldbeutel, sowie die Bandscheiben. US Jeep’s sind, dank des kurzen Radstands auch nicht gerade zum Fahren geeignet und dienen mehr den Verherrlichern gewisser Zeiten, die andere mit Recht, lieber vergessen und bei Regen, sind die Fahrer echt zu bedauern und dienen mehr, der Erheiterung anderer.
    Beim Alfa Giulia Spider stört mich eigentlich nur eines, ich halte ihn für zu feminin, sprich zu schön. Er ist mit Sicherheit einer der wenigen Sportwagen, die erstklassige und haltbare Technik haben und dabei gut fährt. Sitzposition, ist die beste, aller Alfas und um Längen besser, als in jedem Mercedes. Kann mich noch an das Gejammere eines Mercedes 107ner Fahrers erinnern, der mal klagte, wie ihm der Rücken weh tat, als er mal 500 Km fahren musste, im Alfa will selbst die Ehefrau nicht mehr aussteigen.
    Da ich schon etliche klassische Sportwagen hatte, von Alfas, über Jaguar E Type, S Type, XK 140 OTS, Lancia Aurelia B 20 GT, Maserati 3500 GT Vignale, Mercedes 300 SL und 280 SL, Austin Healey 3000 MK II, bis zum Triumpf TR, den einzigen, den ich wirklich vermisse, ist besagter Spider, ein herausragender kleiner Riese, kein Lastwagenfahrverhalten, gute Bremsen, einfache Technik, schnell und nicht langweilig, wie alle Mercedes Vertreter.

  12. Pingback: Jaguar C Type #XKC-003; Siegerwagen mit VIN, oder “Replicate” in every Detail?

  13. Pingback: 13.07.2011: Germanistik, Oily Rag Run, aus zweiter Hand

  14. Pingback: Willi damrath | Billpearson

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>