Presso Presso Unbürgerlichkeit

” … Wir erklären, daß sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen… ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake.” [Filippo Tomaso Marinetti, 1909]

 

Als meine Begeisterung für altes, rollendes Blech stärker wurde, habe ich früher so  einiges über die Moderne und bei den italienischen Futuristen wie Marinetti und Anderen rumgelesen. Bei dem, was da einige Jahre später bei uns mit Rudolf Caracciola, Bernd Rosemeier und anderen Automobilgeschichte geschrieben habenden Deutschen noch so nachkam, musste ich nichts erst groß nachlesen.

 

 

Gerade in Sachen Moderne, Technikbegeisterung und die Frage, inwiefern diese Technik das Alte hinwegfegt. Die Ergebnisse dieses Diskurses sind Geschichtskennern weitgehend bekannt: Der Duce und seine Faschisten marschierten einige Jahre später mit dieser Ideologie der Moderne in Italien durch, so wie später in den 30er Jahren die Nationalsozialisten in Deutschland. Der Duce wie der arbeitslose Kunstmaler aus Linz schmissen sich an die alten Eliten ran, und machten mit ihnen gemeinsame Sache.

 

Die bürgerliche Bildungselite nicht ausgenommen, war ebenso von der Moderne infiziert. Ein Bauhausdirektor Walter Gropius gestaltete noch 1930 für Adler Karosserien, entwarf ein Adler-Emblem mit den ausgebreiteten Schwingen, später zierte es nicht mehr nur die Kühlerhauben von Adler-Autos. Gropius emigrierte später rechtzeitig, andere wie Marinetti noch vor dem ersten Weltkrieg, später Nuvolari, Caracciola und Rosemeyer passten sich zähneknirschend und reichlich opportunistisch an. Mit “500.000 Reichsmark” kurbelte die Wirtschaft den Rennbetrieb der damals international bedeutungs-losen Automobilindustrie an, als Gegenleistung lieferte man sich Rennschlachten und dem Diktator Siege, man entwarf etwas andere Fassaden, baute gute Flugzeuge,  Panzer und Autos, und man verlor am Ende einen Krieg.

Große Ideale der Moderne, kleine Ergebnisse, und trotzdem habe ich ein gewisses Faible gerade für die italienischen Futuristen wie für die genialen Automobilkonstrukteure und die Rennfahrerlegenden der 30er, 40er und 50er Jahre. Außerdem waren nicht alle Faschisten und Nationalsozialisten.

 

 

Für mich heute, hat die ganze Lächerlichkeit von Politik und Überheblichkeit, von Übermenschentum und Aktivismus, sei es für die zunehmend wieder totalitäre Republik oder die gleichgeschaltete Presse und Medien einen Vorteil: Sie macht Spießigkeit und Korrumpiertheit mit all ihren Macken und fiesen Visagen transparent und manchmal fast schon wieder liebenswert. Auf  jedes Tausend von Deppen solcher eingebildeter Entwicklungen, die bei der gewollten Kulturzertrümmerung und Zerstörung des mittelschichtigen Bürgertums, von Stuttgart21, den Bologna-Verträgen für Turbostudienzeiten, über den Flughafenausbau Frankfurt, Gorleben,  bis hin zu der Entscheidung schrottreife Atommeiler in Betrieb zu halten, hoffentlich bald als Billigdönerfresser vierhartzen, kommt zum Glück am Ende höchstens einer, der seine Korrumpierbarkeit und Verlogenheit zum Beruf macht und als Lobbyist russischer Gasversorger von Dauerprostitution mit rülpsenden Politschwachmaten so lala leben kann.

Bereits die ganze Inszenierung um die Bundespräsi-Wahl war das beste Beispiel für eine antibürgerliche Ideologie, die sich an die Macht putscht und wie in der Geschichte all zu oft, dann meistens wieder verspisst. Aber das ist seit dieser Woche getoppt:

Beim Spon war ein bekennender kranker ScheissBeitrag über den Umweltausschuss zu lesen, wie das neue Atomgesetz zur Verlängerung der Laufzeiten, von den schwatzgelben DreckspatzenSpitzen des politischen Berliner Billigdönerprekariats diese Woche durch den Bundestag gepeitscht werden soll:

Auf dem Niveau eines 30er-Jahre Demokratietotalitarismus, der die geschmierten Ausarbeiter seiner Ideologie mit multimilliardenschweren Bankenrettungspaketen und die Atom-Lobby mal eben mit 100 Milliarden mästet und frei von unerwünschter Verantwortung stellt, und alle anderen  entrechtet und für die Finanzierung des Elitessen – Faulschweintums  enteignet, wenn sie nicht in die schwatz-gelbe Ideologie passen, und damit die Ideologie auch dauernd wirkt, sollte man auch ihnen die Kinder wegnehmen und vom totalitären Westerwelle – Staatsentwurf erziehen lassen und Friedrich Merz’sche Arbeit-macht-frei-Dienste wie vor 75 Jahren wieder einführen.

Ich sage das mal ganz offen heraus, ich bin angewidert von dem Schmieren-theater rund um die kriminellen Bankster,   um die Atomkraft und dem Erfolg der Lobby inklusive ihrer bezahlten Schreiberlinge gegen das gemeinschaftliche Interesse der Bürger. Ich wünsche denen nicht,  dass es ihnen so wiederfährt, wie den Herrenfahrern um etwa 1908 herum, die selbstlenkend die Landschaft durchfuhren, Pferde aufscheuchten und Federvieh und Menschen auseinanderstoben ließen oder sie einfach tot fuhren. Anschließende Unfallflucht war nicht selten.

Der Volkszorn gegen rücksichtlose Auto-Terroristen wuchs damals wie heute und führte dazu, dass wie bei mir um die Ecke, Ernst Ludwig Großherzog von Hessen, bei einer rasanten Fahrt durch Friedberg seiner Durchlaucht ein Stein in die Windschutzscheibe geschmissen wurde. Und nachzulesen ist, dass 1908 in Henningsdorf ein Berliner Juwelierehepaar durch ein heimtückisch über die Straße gespanntes Drahtseil, schwer verunglückte.

Nein, das wünsche ich denen nicht, auch wenn ich wie die meisten die Schnauze voll habe, aber dafür wünsche ich denen ein Leben ohne Freude bis ans Ende ihrer Tage. Und allen, die diese käufliche Bande bestärken und demnächst wieder wählen, möglichst bald eine 5 Meter hohe Lärmschutzwand einer ICE-Trasse in Sichtweite ihres Toscanakaffhauses, oder noch besser, einen schönen, auf viele viele  Jahre sicheren Arbeitsplatz in einer Endlagerstätte, am besten einem Neubau, und  nur 5 Kilometer weg in deren Nachbarschaft.

Genau dort, wo diese ganze Regierung vom Bundesverfasungsgericht auch hingeschickt gehört. Und bitte dickes Metall für die gelben Fässer nehmen.

Update: Ach ja, das musste jetzt raus, nach dem ich den Spon – Artikel gelesen hatte.. Missmut (virtuelle), faule Eier und Tomaten und Argumente werden auch gerne genommen. Und sorry für die Fotos. Ich habe keine von einem 1930er Alfa 1750. Dafür aber eins von einem 1927er Fiat Nuvolari.

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17 Gedanken zu “Presso Presso Unbürgerlichkeit

  1. 1910 standen wir erst ganz am Anfang vieler technischen Entwicklungen. Auch wenn man über die Wiederstände gegen Stuttgart21 durch teilweise Zweifel haben kann, nur ist der Vorwurf der Befürworter, der Technikfeindlichkeit, dumm, denn keiner von den Stuttgart21-Gegnern oder Gegnern von Atomkraftwerkslaufzeitverlängerungen wird ernsthaft ins Zeitalter von Pferdekutschen und Gasherden zurück wollen.

    Ein sehr interessanter Vergleich zur Moderne und späteren Folgen, über den man nachdenken muss. Aber bitte Detlef, trotzdem nicht alle von denen in gelbe Fässer stecken. Ein paar davon sollte man ausstopfen und in Klassenzimmer stellen, um damit schon die Kleinsten vor der Politik zu warnen.

  2. Hui, das ist aber einsehr ironischer Vergleich. Detlef, faschistische Regimes zeichnen sich durch eine dementsprechende Verfassung aus. Du solltest nicht anfangen, unerfreuliche Erscheinungen politischer Entscheidungsprozesse, Formen politischen Populismus, Amtsmissbrauch, Vetternwirtschaft, Lobbyismus und Korruption als faschistoid oder totalitär zu beschreiben. So was erweist dem kritischen Denken keinen Dienst.

  3. Hans,

    der Unterschied ist mir sehr wohl bewusst. Hauptsächlich sind heute die politischen und persönlichen Freiheitsrechte – eigentlich – garantiert.

    Ich habe 1963-1965 – unfreiwillig – weil ich nebenan in die Schule ging, die Auschwitz-Prozesse live erlebt. Ich habe mich einige Jährchen später grade deshalb mehr mit der politischen Situation in Deutschland mit der Zeit zwischen 1933 und 1945 und der Gegenwart beschäftigt, wie die meisten. Wer da ‘Fragen hat’, sollte Eugen Kogons Buch “Der SS-Staat” lesen oder Claude Lanzmanns Film “Shoah” gesehen haben. Trotzdem bin ich nur Halbwissender. In Kenntnis der Literatur und der historischen Dokumente setze ich deshalb nicht, ich betone NICHT, die heutige Zeit und die Plitiker mit dem NS – Regime gleich. Das tun aus meiner Sicht Leute aus einer politischen Absicht, deren politischer Praxisbegriff gerne nach Mitternacht in Internet-Foren zur Höchstform findet.

    Iich schrieb deshalb auch bewusst “Auf dem Niveau eines 30er-Jahre Demokratietotalitarismus, der die…” und nichts anderes!

    Aber wenn ich vor 2 Wochen lese, Frau Hosenanzug will auf jeden Fall eine feindliche Übernahme von Hochtief durch Spanier verhindern, dafür in Windeseile eine Gesetzesänderung herbeiführen und eine Woche später, auf Druck von Deutsche Bank Ackermann, ist das kein Thema mehr, kommen mir mehr als nur ein paar zufällige Parallelen zu den 30er Jahren in den Sinn. Ackermanns Drohungen gegen Merkel – Man will das Geld totalprivatisieren, siehe ua. “Warnschuss an Merkel” in der SZ am 14.12.2009 und die seither zu beobachtende massive Herunterschreibung der Kanzlerin, sollte man sich unbedingt noch mal durchlesen:

    http://www.sueddeutsche.de/geld/ackermann-greift-die-politik-an-warnschuss-in-richtung-merkel-1.142929

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  4. Was war denn früher so anders?
    Man war taktvoller und diskreter, bei seiner Vetternwirtschaft. Haben wir und unsere südlichen Nachbarn wirklich die schwarz-braunen Führer gewählt, oder geschah es dank Druck und Einschüchterung von Schlägertrupps und wurden dann von oben eingesetzt und vom Ausland, als in die weitreichenden Pläne passend, toleriert und sogar gefördert?
    Dafür haben wir sogar ein Grundgesetz bekommen, um das zu verhindern, mit anderen Worten, nicht mehr einer kann sich bereichern, sondern viele.
    Gestern weinte Argentinien, um Kirchner, vor ein paar Monaten gabs noch einen Riesenskandal, da er sich als Provinzgouverneur etliche öffentliche Gebiete angeeignet hatte und sie danach für 27 Millionen USD verkauft hat. Der arme Nestor, mit so weitreichenden Visionen.
    Bei uns und erstaunlicherweise auch in Europa wird Pinera gefeiert, unser toller chilenischer Präsident. Ein Mensch der es durch Betrügereien und Geldwäsche, zum Milliardär gebracht hat. Wie doch ein bisschen Populismus, um ein paar Verschüttete, ein Bild verändern können.

    Eure 68ger Freiheitskämpfe und durchgesetzte Masslosigkeit, wird die Welt ganz schön teuer zu stehen kommen. Zumindest fühlt sie sich beschissener an.
    Vielleicht rührt daher das Sehnen, nach Althergebrachten. Siehe Teaparty, oder europäische Bürgerbewegungen.

  5. Den Stromkonzernen geht es nur um eins: Zeit gewinnen. Erst hat man jahrzehntelang alles unternommen, regenrative Energien zu verhindern. Jetzt ist man in Wirklichkeit dabei, hier Monopole aufzubauen.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,725459,00.html

    Wen wunderts, dass unsere Politiker zuschauen, werden die neuen Energiekonzerne die hier entstehen, doch wunderbare Pöstchen für abgewählte Volksvertreter anzubieten haben.

    Det Artikel in der Zeit “wir haben die Schnauze voll” umschreibt sehr treffend das, was immer mehr Menschen fühlen. Klasse.

    Wilhelm

  6. Na ja, soweit sind wir schon wieder.

    Die CDU führt die Sippenhaft wieder ein. In seinem Newsletter veröffentlichte CDU Generalsekretär Thomas Strobl ein Foto Sittlers und die Bildzeile: “Sein Vater war Nazi-Funktionär und arbeitete für Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: Walter Sittler, Propagandist der S21-Bewegung.”‘

    Apropos – wo trieb sich eigentlich Thomas Strobls Papa damals rum?

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,726768,00.html

    Tapfer bleiben.

  7. Ich habe das gestern auch mit Schaudern gelesen. Thomas Strobl hat wohl ein bißchen zu viel seinem Ex-Scheef Günther Oettinger, CDU, Ex-Ministerpräsident Baden-Württemberg, im Nachruf auf Filbinger zugehört und wie die meisten der Partei mit dem C am Anfang nichts verstanden: “Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. Allerdings konnte er sich den Zwängen des Regimes ebenso wenig entziehen wie Millionen andere. Wenn wir als Nachgeborene über Soldaten von damals urteilen, dann dürfen wir nie vergessen: Die Menschen lebten damals unter einer brutalen und schlimmen Diktatur. Hans Filbinger wurde – gegen seinen Willen – zum Ende des Krieges als Marinerichter nach Norwegen abkommandiert. Er musste sich wegen seiner Beteiligung an Verfahren der Militärjustiz immer wieder gegen Anschuldigungen erwehren. Es bleibt festzuhalten: Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte. Und bei den Urteilen, die ihm angelastet werden, hatte er entweder nicht die Entscheidungsmacht oder aber nicht die Entscheidungsfreiheit, die viele ihm unterstellen.”

    Kompliment. Ein sehr guter Beitrag. Ich werde die ruhigeren Wochen nach Weihnachten nutzen, mir auch mal etwas über die Futuristen und die Automobilentwicklung dieser Zeit reinzulesen.

  8. Oettinger?

    „Hans Filbinger war kain Nationalsozalischd, er war ein Widerschdändler. Mit jädem Soldaten, den er zum Tode verurdeild hat, hat er geholfen den Krieg zu verkirzen, weil der der kämpfenden Druppe nicht mähr zur Verfigung geschdanden hat.“

    Nazivergleiche aus der Partei, die NSDAP-Mitgliedern eine politischen Heimat geboten hat, haben schon etwas sehr kabarettistisches.

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  13. Seit einer Viertelstunde ist das Motorblöckchen in meiner Automobil – Favoritenliste Dank dieses herrlichen Beitrags an die erste Stelle gerutscht.

    Gruß aus der Ex-Reichshauptstadt,
    Wolfgang Rosin

  14. Der Beitrag stammt von vor meiner Zeit als beinahe Daily-Besucher. Dafür habe ich ihn gestern Abend gleich zweimal gelesen. Groooßes Kompliment.

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