Frankfurt und der Louis-Vuitton-Effekt

Elle und Vogue in England sind schon in Bail Out 3, das heisst, sie empfehlen den Gang zu Second Hand Läden und Billigketten, um auch ohne Kreditkarte noch was zum Anziehen zu haben. Jetzt will ich hier keine geistreiche Überlegung über den Zusammenhang von arbeitslosen BankerInnen und  Verena – Claudias, und aufreizender Mode gerade mal 150 m von der Frankfurter Börse starten.

Aber es wird spannend sein zu sehen, ob wir demnächst mehr Notverkäufe und Zwangsversteigerungen sehen werden. Am Dienstag fahre ich ein paar Tage nach Berlin. Mein Auftraggeber hat einen Mandanten, der einen blauen Brief von seiner Hypothekenbank gekriegt hat. Von seinen 78  Toscanahandtuchbreit-einfamilenhäuser mit 12 qm Kinderzimmer unter Dach, sind mehr als die Hälfte unverkauft, das Projekt droht Wasser saufen zu gehen.

Ebay.Uk ist auf jeden Fall schon hübsch voll, auch mit einem Käuferstreik bei allem, was viel Geld gekostet hat. Eine massive Sterling-Silber-Kanne im Glücksfall für 20-25% über aktuellem Silberwert. Die Engländer steigen oberhalb vom Silberwert meistens aus. Mein Freund Bruce berichtete mir von seinem Londoner Head-Office, die Manager lassen jetzt die Schuhputzer nur noch zweimal im Monat ins Büro kommen. Er hat sich heute mal mit mir getroffen, weil er hat sich kurz vor seinem Heimaturlaub,  auf der Insel einen Sunbeam Tiger mit 8 Zylindern gekauft. Zustand nach den Fotos, ein sehr guter 3er, Ersatzmotor und -Getriebe include. Preis: In etwa ein neues Verdeckgestänge für die Pagode.

Mein Freund Histomat verrät grade seine Jugendsünden und empfiehlt, in England könne man derzeit günstig altes Vierrädriges kaufen. Freund Gerd  hat kürzlich eine alte Dame Bentley hierher entführt. In den letzten Jahren gingen Milliarden in Luxusartikel, andere kauften sich Immobilien die jetzt halb leerstehen, ich bin sicher, dass da was kommt, direkt nach der Wahl.

Aber manche Leute haben ein gutes Näschen fürs Geschäft. Das potthässliche braune bedruckte Zeug wird seit kurzem in der Kaiserhofstrasse in Frankfurts ehemals luxuriöstestem Schuhgeschäft Second-Hand angeboten.

Das Plaste soll größtenteils aus England kommen. Der Laden ist gut sortiert. Auch mit diversen anderen Edelmarken. Das Kreditkartenproblem in England scheint groß zu sein, was schlichtweg einen Käuferinnenstreik zur Folge hat. Ein cleverer Frankfurter kauft von bibbernden Edelboutiquenbesitzern auf der Insel mit ebenso vor mietzahlungsunfähigen Mietern bibbernden Vermietern im Nacken, und hüben und drüben auch von denen wo die Boni und damit 2/3 des Einkommens weggefallen sind und die sich so was neu nicht mehr leisten können wollen und auch nicht die Kohle haben das Edeltäschen aus der Leihe auszulösen, und deren deutsche Branchenkollegen derzeit den 70 – 80qm Preiswertwohnungsmarkt in Frankfurt leerfegen, das, was dann 150 m von der Börse Second Hand für 50% und mehr unterm normalen Ladenpreis  verramscht angeboten wird.

Jochen Strauch, allmächtiger Chef von Classic-Data, soll wie ich hörte, letztes Jahr ein Oldtimer – Pfandleihhaus  in Castrop-Rauxel gegründet haben.

Bleibt tapfer.

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18 Gedanken zu “Frankfurt und der Louis-Vuitton-Effekt

  1. In der Men’s World soll geschrieben gewesen sein, dass man besser Anzüge kauft und behält, die man länger anziehen kann.

    Die Zukunft gehört Angie – Ulla.

    Haste Dich wieder beruhigt? Tip für Berlin: Das Schwarze Cafe.

    Mario

  2. LV im Original ist doch eigentlich nur noch etwas für reiche Russen: Wenns schon sein muß, kauft man statt dessen besser eines der Fakes auf einem der Plätze in Rom, für umgerechnet 5-10 €.

    Second-Hand, besser noch wäre ein stundenweiser Mietservice. Mittags ab 16.00 Uhr für 3 Stunden After-Work-Party im Euro-Tower und dann gehts huschusch wieder heim ins Dachgeschoss in Bornames die Tütensuppe anrühren.

    Paulchen

  3. Mir fällt bei solcher Dekadenz immer nur Fritz B. Busch ein:

    “Wir kaufen Marken, Logos, Labels, Legenden und Lügen, vom Turnschuh bis zum Auto. Denn wir sind erfolgreicher manipuliert worden als der Elefant, der im Zirkus Handstand macht”.

    Detlef Kupfer

  4. Vorsicht! Die Krise ist vorüber. Ich habe bei tc-auctions 3.000 BRP auf ein Tricycle von 1880 geboten, den muskelbetriebenen Vorfahr des Benz Velo. Peter Card teilte mir mit, “zu wenig, lebhaftes Interesse”. Qualität und wirkliche Antiquitäten verkaufen sich immer gut. Dämmert es jetzt dem 107er-Eigentümer und anderen?

    Histomat

  5. Helmut,

    von diesem Tricycle 1880 sind A heute wahrscheinlich nur wenige noch erhalten, B, trennen sich deshalb keine Handvoll Besitzer davon. Wenn aber zwei Handvoll Interessnten darauf geiern, steigen die Preise. Wo ist da das Problem?

    Die Krise vorbei (ich nehme an Du meinst England?), in einem Land, wo ein Drittel des Bruttosozialprodukts an der Finanzwirtschaft hängt? Nee Helmut, die Engländer haben ein Drittel ihrer Industrieproduktion verloren. Warte mal ab, wenn das ganze in Nachtschichten gedruckte Falschgeld alle ist, mit dem der Staat den Banken ihr toxisches Gift abgekauft hat. Dann geht es erst richtig los.

    Als Freund unsolider Vorhersagen glaube ich, da werden zukünftig noch viel mehr hübsche Oldtimer sehr preisgünstig feilgeboten werden, zwar nicht grade in den Docklands, wo die Bankster und anderen Verbrecher weitermachen dürfen wie früher, aber England ist groß.

    Mal ganz im Ernst, warum soll es Dir mit Deinem Tricycle besser gehen wie mir, mit dem von meiner Copilotin zwecks Freudegeschenk für mich seit Jahren gesuchten Buch “Coachwork of Erdmann & Rossi – http://ew1.com/bk/zzstu2.jpg …? Pro Jahr vielleicht nur zweimal zum Verkauf in der Bucht angeboten und im letzten Moment war immer einer da, der den Preis auf astronomische Höhe von bis zu 300 EUR puschte.

    Detlef Kupfer

    .

  6. Histomat,

    ich gönne Ihnen Ihren Traum vom Tricycle und einem sorgenfreien Leben zutiefst. Auch ich habe mir meinen Traum erfüllt, einen ziemlich ramponierten XK150, dank günstigem Pfundkurs und derzeitig kaum Interesse auf der Insel, echt erschwinglich gewesen, wenn ich an so manche Angebote hier denke.

    Die Krise ist vorbei? Sie sind doch Waldbesitzer. Die Bankenkrise ist wie ein tückischer Waldbrand. Man glaubt er ist gelöscht, weil nichts mehr qualmt. Aber in Sekunden lodert er wieder auf und gleichzeitig an vielen Stellen, manchmal weit auseinanderliegend. Das sind diese unterirdischen Brände die das Löschen im Wald für Feuerwhrleute so gefährlich machen. Deshalb wird der wald auch meistensnicht gelöscht, sondern man verhindert ein Übergreifen auf weitere Flächen, in dem man den Boden umpflügt um unterirdische Flammen zu unterbinden.

    Etwas lang, ich weiß. Bei dem was jetzt auf uns zukommt, bei den Engländern und bei uns, ist es auch weder möglich zu löschen, noch Brandschneisen zu schlagen oder umzupflügen. Die Feuerwehr ist abgefahren, die Tanks sind leer.

    Ich weiß nach über 20 Jahren im Controlling einer der inzwischen durch Steuergelder geretteten Banken wovon ich rede. Nebenebi gehöre ich zu den rd. 3.500 mItarbeitern, die durch die Übernahme dieser Bank durch eine andere Bank, der es auch keinen Deut besser ging, ihren Job verloren haben. Ich bin arbeitslos. Der XK wird trotzem jetzt im Winter fertiggemacht. Vielleicht fahre ich damit im März dann wöchentlich zur Arbeitsagentur.

    Happy Driving
    Dieter G.

    Übrigens, wenn man mal von der etwas nervigen Aufarbeitung der für Herrn Kupfer sicher sehr unangenehmen Historie und Erfahrungen mit bestimmten Leuten absieht, ein sehr netter Blog, aus dem was richtig gutes werden kann. Das Tema Luxory gefällt mir, weil ich den Laden auch kenne, war bei mir ja quasi um die Ecke.

  7. Hallo Dieter,

    ich habe bei der Dresdner Bank gelernt, meine Frau hat dort 40 Jahre gearbeitet. Unsere Welt ist heil, weil wir die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit getroffen haben. “Urbanpenner”: Nomen est omen? Hoffentlich nicht. Wir können das Thema in meinem Blog gerne fortsetzen, wo man trotz meiner berüchtigten Zynismen Optimismus findet.

    Gruß Helmut

  8. Pingback: Listenreiche Helden brauchts

  9. Hähähä… die früheren “Träger” hatten wohl auch bei Harksen (“Gier”) ihre Kohle angelegt :-)

  10. Manche haben durch den Zweiteiler überhaupt das erste Mal davon gehört, dass ihre Kohle futsch ist.

  11. Pingback: 12.06.2011: Armut anders.

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  13. So weit hatte ich mich garnicht zurückgelesen. Wer kennt nicht diesen Laden? Zum “Doodlache”.

  14. Pingback: Klingelingeling… frohe Weihnachten

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  16. Sehr unterhaltsamer Beitrag. Der Laden hält sich. Scheint zu laufen und zukunftsträchtig zu sein.

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