Rien ne va plus bei 20.000 +

Des Einen Verlust ist des Anderen Gewinn, sagten mein Papa immer in einer Zeit, die noch keine verbrieften Kredite, Dollarschwemmen aus Greencheese-Factorys, chinesischen Billigdreck und deutsche Abmahnanwaltsbetrüger kannte, und die bei solchen Geschäften üblichen Wertverschiebungen von Qualität zu Müll. Da lobe ich mir den ehrlichen eBay-Trödelmarkt für alte Autos.

Diese Woche erhielt ich ein sehr aufschlussreiches E-Mail eines namhaften  Jounalisten, der zwar zu dem Thema gerne mal was schreiben möchte, aber bei seinem Brötchengeber nicht darf. Er meinte, es gäbe da einen hochspannenden journalistischen Beitrag zu schreiben: Über die Classic Data, Oldie-Tax, über Verflechtungen zu Classic Abteilungen, Auktionshäusern etc. etc. 

Ich verzichtete, den erstens mache ich das hier weil es mir – noch – Spaß macht und zweitens, für lau, und drittens, weil wir bekanntlich unser ‘Pagödchen’ verkaufen wollen und ich mir seit August mal ein eigenes kleines Markt-Search-Modell gebastelt habe, was bestätigt, was ich hier und hier und  hier und  vor allem hier schon vor längerem geschrieben habe 

Ich habe seit August etwa 55 Angebote abgecheckt, und in ein paar wenigen Fällen, wo ein Auto verkauft wurde, mit dem Verkäufer hinterher noch in Kontakt gestanden. Ein Ergebnis, was beinahe symptomatisch für alle angebotenen Autos ist, seht ihr oben.

Bei Erreichen von +/- 55 % des von Classic Data angegebenen Marktwertes, steigen die Kaufinteressenten aus, mehr als 20.000 Euro selbst für ein Zustand 2,0 – Auto, wurde nur in einem einzigen Fall erzielt.

Ich habe mal dieses eBay-Angebot herausgegriffen, weil der Anbieter, was äusserst selten ist, die  Classic Data Kurzbewertung ‘mitgeliefert’  hat.

So, nun mal im Web nach einem Getriebe für einen Morgan +8 (’74) für einen Freund schauen. Die Synchronisierung vom ersten zum zweiten Gang… es kracht bedenklich, obwohl grade eine neue Kupplung eingebaut wurde…

und dabei wollte ich mir doch heute Abend noch mal die “hereingeflatterte”  Post vom Gelben in Sachen Modulbau Nolte GmbH  durchlesen…

Jo do legst Di obber nieda, und schtegst nimma auf, do legst Di nieda,  mia genga olle drauf.

.  

20 Gedanken zu “Rien ne va plus bei 20.000 +

  1. hallo, also wenn ich mir diese Pagode so ansehe dann vermute ich mal das der Verkäufer über die 20000€ hätte froh sein können….
    Verhunzte, unoriginale Innenaustattung, “günstige” US-Scheinwerfer, Spaltmasse des grauens, was auf massive und evtl. unfachmännische Karosseriereparaturen schliesst. Und auf Bildern sieht es ja meistens noch harmlos aus.
    Habe schon schlimmere gesehen mit noch höherem Gutachten….
    Das die CD-Gutachten die Fahrzeuge masslos überbewerten beobachte ich schon seit jahren.
    gruss
    R.D.

  2. Das Auto hat ja auch nur ein Zustandsnote 2,75 erhalten. Die bescheuerten Fuchsfelgen auf einem 230er. Hätte glatt noch mal 0,5 Punkte Abzug geben müssen.

    Ist aber mal interessant, dass 0,75 Punkte rd. 10.000 € Abschlag auf eine glatte Note 2, mit 45.500,00 €, sind.

    Von Classic Data bewertet mit 35.000 € und bei unter 20.000 steigen die Bieter alle aus. Das ist echt hart.

    Mario

  3. Hallo zusammen,
    zum Thema Gutachten habe ich vor längerer Zeit auch meine Erfahrungen nieder geschrieben:
    http://oldtimer.buemo.net/2010/03/oldtimer-gutachten/

    Nicht nur bei Pagoden stimmen die “Katalogpreise” und “Gutachtenpreise” aus meiner Sicht nicht mit Angebot und Nachfrage überein. Erstaunlich sind auch die Fehlbeurteilungen, wenn man sich näher mit einem Fahrzeug beschäftigt.

  4. “Letzes Jahr hat die Pagode eine Komplettüberholung des Motors (MB-Werkstatt, Bilddokumentation, Rechnung 8.000 €) und eine neue lackierung in Originalfarbe bekommen. Es wurde ein Wertgutachten bei Classic Data gemacht: Zustand 2,75, Wert 35.000 €.”

    Selbst dran schuld,wenn man den ganzen Dox-Mist glaubt. Typischer Fall von Selbstverar……

    Aber wie man sieht, es funktioniert.Zumindest eine MB-Werkstatt und ein Autolackierer konnten sich freuen.

    Thorsten M.

  5. Moin,

    wer 20000€ für eine Dose mit schlechten Spaltmaßen und erkennbarer Prestomodulation ausgibt, macht was falsch. Gar 35000€ für 1,5 Tonnen verbrauchtes Zeug sind lächerlich.

    Gruß
    Willy

  6. Wenn ich das Motorblöckchen lese, bekomme ich manchmal das Gefühl, den Notausgang nehmen zu müssen und mir einen Kugel durch den Kopf zu jagen.

    Anfangs dachte ich noch, da hat wohl jemand die Zynikerkarte gezogen, und spielt jetzt solo. Aber je mehr ich Deine Beiträge verfolgte, um so wohler fühlte ich mich als arroganter und abgehobener Möchtegern, der nur schnell auf anderer Leute Kosten und mit möglichst wenig Arbeit, reich werden will. Du hast mir endlich die Augen dafür geöffnet.

    Satireschalter aus. Du machst wie schon vor Jahren im PT und bei den Clubheinis in deren Foren, einen wichtigen Job in der Oldtimerszene. Nur ob Leute wie ich Deinen Blog und auf Dauer, wenn sie Fakten wie diese mit dem ganzen Marktwertschwindel immer vor Augen gehalten bekommen, lange ohne Gruppentherapie überstehen, bezweifele ich.

    P.S. Schau mal in Deine E-Box

  7. Es muss sich doch eine Zeitschrift in Deutschland finden lassen, die nicht zu einem Verlag mit eigener Oldtimerzeitschrift gehört? Frommes Wunschdenken meinerseits?
    Thomas

    P.S.: Vermisse einen Beitrag, gestern noch gelesen. Neues Kapitel der unendlichen Motorengeschichte. Der Zensur zum Opfer gefallen?

  8. @ Continental,

    manchmal ist es hilfreich, nicht alles in diesem Blog allzu ernst zu nehmen, und sich klar zu machen, dass “Ich” im Motorblöckchen nicht immer, nur manchmal, der wirkliche Autor bin. Manche Beiträge sind aus den Augen eines etwas gutgläubigen, deshalb all zu oft aufs Kreuz gelegten, existenzbedrohten, alt werdenden jungen Mannes, geschrieben, der nicht wirklich immer Ich ist.

    Das geht anderen auch so. Mir hat vor ein paar Tagen eines der langjährigsten aktiven PT-Mitglieder einen E-Mail-Brief geschrieben (der jetzt bestimmt auch hier mitliest), der mich umgehauen hat. Selten habe ich im Leben von jemand, den ich kaum kenne, grade zu dem Thema was auch Du hier ansprichst, so etwas ehrliches und aufrichtiges gehört, geschweige denn geschrieben bekommen.

    Dein Kommentar ehrt mich.

    :-)

  9. hallo,
    @Alpine
    das SL könnte ich noch hinzufügen, doch den Nick gabs ja im PT schon mal….
    Die schlechten Spaltmasse müsste doch eigentlich ein Laie schon sehen!?
    Es gab nie eine zweifarbige Austattung, der Rest sieht verbraucht aus, vom Motorraum wurden vorsichtshalber erst gar keine Bilder gemacht.
    Der Grund für das miese Auktionsergebniss ist mit Sicherheit der Zustand des Wagens……..
    Die Frage im Pagodentreff ist eigentlich schon beantwortet….für 10000 gibts nix, aber wer Schrauben will und Gedult hat kann auch an so einem Wagen spass haben.
    Echte Schrauber gibt es im PT nur noch eine Hand voll, das Thema über die überzogenen Wertgutachten würde dort vermutlich grosse Empörung auslösen und für viele würde eine Welt zusammenbrechen ……
    :-)

  10. “das Thema über die überzogenen Wertgutachten würde dort vermutlich grosse Empörung auslösen und für viele würde eine Welt zusammenbrechen ……”

    zwoachtzig,
    geh mal in die 911er Szene. Ich behaupte mal, dass nirgendwo so viel zusammengebastelter Kernschrott so teuer angeboten wird wie dort momentan. Wenn mal so viele Autos aus Amiland wieder rüberkommen wie bei den Benzen, brauchen hier einige Sauerstoffzelte.

  11. Dieser otto01 der da im Pagodentreff wegen einer 10 K Schüssel nachfragt, nimmt die Jungs doch eh nur auf die Schippe. Einen zumindest hat er schon drauf.

  12. Den Ebay Vergleich mit Classic Data finde ich mal sehr interessant. Er dürfte so auf die meisten Mainstream-Autos zutreffen. Ich habe mein 111er 280SE (69) Cabriolet 2007 in den USA gekauft. Verzollt, zugelassen und hier dann noch ein wenig aufgehübscht stand er rd. 26000 Euro billiger als vergleichbare deutsche Angebote vor der Haustüre. Ich kann das deshalb so genau sagen, weil nach einigen kleineren Schönheitsreps, u.a. Entfernen der Bushwarzen an den Kotflügeln, Neuverchromung der Stoßstangen, Lederaufbereitung – Investition ca.40 Arbeitsstunden und rd. 2.800 Euro, die Classic Data mein Auto genau um diesen Betrag höher bewertete (Zustand 2-) als meine Gesamtanschaffungskosten lagen. Classic Data Preise sind Mondpreise. Die meisten kapieren das aber erst, wenn sie sich durch Kauf und Restaurierung spielend an diese Preise herangerobbt haben und dann vielleicht mal verkaufen wollen/müssen.

    Und wenn ich Detlef jetzt noch verrate, welche Farbe er hat, nicht nur außen, hauts ihn um.

    Gefunden hab ich ihn dank eines Tips hier:

    http://www.hemmings.com/classifieds/?op=query&adtype=carsforsale&keywords=280se

    Peter M.

  13. Hallo Freunde des alten Bleches…
    Hallo lieber Detlef!
    Ist es dir auch schon aufgefallen, der Spagat zwischen Wunsch und der Realität. Du wolltest in einen deiner Beiträge (über Englisches Blech) den Zustand unserer Wirtschaft am Preis für das “Insel Blech” her ableiten! Ich schrieb am 27.Okt. 2010 hierzu…
    Zitat:
    “Und zu Pkt.3 deiner Ausführung… wie lange wohl noch, wenn man dran glaubt.”
    Zitat Ende
    So schön mein, dein und andere Klassiker sind, es sind und bleiben Autos und im Grunde genommen sind sie N I C H T S Wert! Du wirst von den dingeren einfach nicht SATT. In den gängigen “Fachzeitschriften” (aus welchen gründen auch immer) völlig überbewertet!!! Trotzdem… es ist ein Genuss, in der Kiste offen über die Landstrassen zu flanieren. Ich genieße jeden Kilometer!!!!!!

    ARON “di cabrio”

  14. Kann ich alles weitgehend bestätigen. So bis um die 20000 € bieten die Leute wie wild mit, ab da wird die Luft dünn. Und manchmal hat ja einer Glück.

    http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=320609101507&ru=http%3A%2F%2Fshop.ebay.de%3A80%2F%3F_from%3DR40%26_trksid%3Dp4712.m570.l1313%26_nkw%3D320609101507%26_sacat%3DSee-All-Categories%26_fvi%3D1&_rdc=1

    Ich hatte diese 230er Pagode mal beobachtet, weil sie immerhin neuen TÜV hat und von daher ein gewisser Mindestzustand gewährleistet sein sollte. Dass das auh keine Sicherheit vor bösen Überraschungen bietet, hat man hier schön am Beispiel der Joop-Pagoge nachlesen können.

    Helmut

  15. Das ist tatsächlich interessant. Ich hab gestern mal zwei auslaufende Angebote beobachtet. Egal ob eine deutsche oder US-Pagode und wie viele mitbieten, meistens steigen die letzten bei knapp unterhalb 20000 € aus.

    Also entweder sind die Innteressenten bereit, unter Zeitdruck ein höheres Kaufrisiko nur bis max. 20000 einzugehen oder die Bucht ist für höherwertigere Autos und der auf 7 Tage befristeten Bietzeit der falsche Marktplatz.

  16. @Mario230

    Kaufrisiko bis max 20.000?

    Ich denke, es gibt 2 Faktoren:
    1. Die, die gern würden, aber nur bis 20.000 können
    2. Diejenigen die können, aber auf ein Schnäppchen hoffen

  17. Liebe Leut.
    Ein Beispiel an Hand eines W111 Cabrio.
    Ein Weltbekannter Sportler, versuchte seit gut drei Jahren seinen 111er an den Mann zu bringen. Davon knapp ein Jahr im Meilenwerk Berlin. Preisvorstellung >135.T. Es war ein gepflegtes, ständig durch MB gewartetes Fahrzeug und… es brachte ihm nur 105.T. € ein.
    Macht euch nichts vor, nur weil irgendein Depp zu viel Geld hat und auf irgendeiner Auktion zuviel für ein bissel Blech und ein paar Schrauben bezahlt hat, ist ein Auto keine wirkliche Wertanlage. Autos, kann die Industrie jederzeit reproduzieren. Ich fahre meinen Traum aus Blech, weil ich es genieße und nicht weil irgendeine “Fachzeitschrift” seinen Wert auf 40.. 70… oder 95.T € bewertet hat. Über Wert-Gutachten eines Experten, brauchen wir ja wohl nicht zu depatieren.
    Der Kauf eines Classicers ist eine, nein sollte eine emotionale Entscheidung sein. Es soll einen glücklich machen und diese frude sollte man(n) aber auch Frau mit anderen teilen!!!

    ARON “di cabrio”

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