Car & Driver: Die Mutter aller gläsernen Schreine

Nach meinem Besuch in der Klassikstadt musste ich an die Zeit vor fast 20 Jahren zurückdenken, denn Meilenwerk, Ofenwerk,  Autowerk, Kraftwerk, Motorenwerk, Klassikstadt… was soll ich als bekanntermaßen optimistischer Zeitgenosse da noch viel drüber schreiben? Wie ich gestern schon schrieb: “Die mir zu madigen PRoll-Werbetexte von PR-Gimpel, die einem wie der gescheiterte Erschaffer der Meilenwerke, Martin Halder, mit Superlativen zuschwallen, gehen mir schon lange auf den Keks”. Mit einer der wenigen Ausnahmen:

Immer mit recht schönen Fotos dabei, liefern mir seit Jahren die Jungs vom angeblich  weltbesten Oldtimer – Web – Magazin wöchentlich eine halbe Stunde guter Unterhaltung. Die Classic Driver Truppe sitzt im Gegensatz zu mir, stilecht im Pazifik-Haus neben dem Atlantic, welches zwar kaum vermietet sein soll, es gehört halt Jenem, den Leerstand nicht weiter stören dürfte, denn wer wie Alexander Knapp – Voith, wie man munkelt, eine Privatwerkstatt mit drei Schraubern nur für die eigenen Aston Martins sein eigen nennt, nun ja… ich ziehe meinen Hut vor diesem Mann, der schon Anfang der 1991 ganz bestimmt nicht aus Altruismus, die Classic Garage in Hamburg eröffnete, für mich die Mutter aller gläsernen Schreine, wo er Mini’s mit edlem Conolly-Leder und edlen Hölzern verfeinern ließ…

“Das Ding war wie ein gebauter Fanfarenstoß und stand ausgerechnet im gesichtslosen Hamburger Gebäude-Plankton, am ruppigen Auto-Strip des Wandsbeker Friedrich-Ebert-Damms. Gehetzte Autopassanten gerieten plötzlich ins Träumen, weil sich die gespiegelten Scheinwerferlichter ihrer Opel Vectra imaginär in einer schrägen, scheinbar schwebenden Scheibe mit Autopretiosen der Sonderklasse vermählten. Seit Anfang der neunziger Jahre wurden im gläsernen Schatzkästlein des Autohauses “Car & Driver” Rolls-Royce, Bentley, Aston Martin und Co. perfekt, fast perfide präsentiert…”

“Zwar hat die Show keinen langen Bestand gehabt. Vor einem Jahr sind die Edelkarossen fortgefahren, weil auch deren Verkauf konjunkturabhängig ist. Ein Supermarkt, der mit Unterhaltungselektronik Mark macht, ist eingezogen, der innere Raumzusammenhang zerstört, der artifizielle Zugang mit einer Zugbrücke über einen Wassergraben verrammelt und blockiert…”

Kompletter Artikel hier…

und 1994 den ganzen Laden schon wieder schlafen legte, und heute, wenn er nicht grade wieder mal mit seinen Geschäftsfreunden im “Alt Hamburger Aal – Speicher”  Gaumenfreuden mit Monopoly und Milliardeneinsätzen und -Gewinnen genießt, klugerweise über schöne alte und neue Autos nur noch schreiben lässt.

Ich erinnere mich, an den, der damals zusammen mit seinem einen Aston Martin abholenden Freund, dem Tacheler aus Frankfurt, an der Bar bei Car & Driver saß, an den, der ich damals war,  an das, was ich erlebt habe, und an die, die es nicht begriffen haben. Auch meine Prognosen waren immer viel zu optimistisch, denn im Kopfkino planten wir damals tatsächlich, so eine Auto-Location wie Car & Driver, müsse auch in Frankfurt entstehen. Das meiste aus dieser Zeit ist verschwunden, die Visionen und auch die Freunde, geblieben sind nur die Nachahmer einer Nachahmerin Insignium GmbH, die auch pleite ging, und die Unfähigkeit der Menschen, aus Fehlern anderer zu lernen.

Und ein großes Danke an den Fotographen Jürgen Hempel, der mir heute ein paar Erinnerungsfotos an damals, an die Mutter der Autoschreine zuschickte.

 

Hier ist seine komplette Car & Driver – Galerie

..

24 Gedanken zu “Car & Driver: Die Mutter aller gläsernen Schreine

  1. “……… was soll ich als bekanntermaßen optimistischer Zeitgenosse …………..”

    Gratulation – das war der Witz des Jahres! :-) :-) ;-)

  2. Ich lese doch da nicht etwa Wehmut heraus, oder? Auf jeden Fall kann ich mich an alte Artikel in der AMS erinnern, wo es um C&D ging. Aber was mich mal interessieren würde. Bist Du heute generell gegen Visionen, risikobehaftete Gründungen und deren Finanzierung oder nur gegen überzogene Renditeerwartungen und -versprechen?

  3. Michael,

    der Artz – Golf I, werde ich nie vergessen, als ich den das erste Mal sah, ich glaube es war im Fahrerlager auf dem Hockenheimring. Hier ist er mal in Aktion.

    :-)

  4. Die überdimensionierte Halle mit den paar wenigen Autos sah aber damals schon ziemlich verwaist aus. Schön das Du mal so was hochgeholt hast.

    ClassicDriver, na ja, die Jungs sind so abgehoben, dass sie garnicht in den Verdacht kommen,uns UNterschichtzugehörigen einen von den Schlitten schmackhaft machen zu wollen, über die sie permanent berichten.

  5. Ehlerding und seine ganzen Finanziers im Hintergrund waren/sind die Krebsgeschwüre der freien Marktwirtschaft. Seite 1 des Manager Magazin Artikels sagt ja in aller Deutlichkeit was von solchen Raidern zu halten ist.

    Den Zusammenhang zu Classic Driver finde ich interessant. Scheint bei diesen Jungs in den Genen zu liegen, erst mal ein paar hundert Millionén “reissen”, bei ein paar richtig dicke Pleiten die Finger bis zum Schulterblatt mit drinhaben … schuld waren natürlich immer die anderen … und danach macht man ein bißchen in Oldtimerei – Webportalen – siehe Peter Kabel und Carsablanca.

  6. Die Car and Driver Geschichte von Knapp-Voith kannte ich garnicht. Nur die, Knapp Voith wollte mal zusammen mit Karl Ehlerding die ganze Commerzbank schlucken. Am Ende ging alles in die Hose und die Jungs hatten es sich mit dem Establishment der Financial Society total versch…..

    Buchtip: “Wie Raider Unternehmen kaufen, zerschlagen und verschachern.”

  7. Detlef, danke Dir für diesen tollen Beitrag, den ich gestern Abend entdeckt habe. Eine Zeitlang hieß es ja mal, in Hamburg solle auch ein Meilenzwerg, so ein gläsernes Sarghaus für Oldtimer, eröffnet werden.

    So was brauchen wir nicht. Wir haben z.B. das Automuseum Prototyp in der Hafen City. Ab April werden hier in der Sonderausstellung “Arche Typen die ersten Volkswagen” präsentiert. Solltest Du dir unbedingt mal anschauen.

    Und wenn Du kommst, unbedingt mal melden, ich würde Dich gerne mal persönlich kennenlernen (siehe E-Mail).

  8. Klasse. Hatte ich damals grade noch so mitgekriegt und war auch mal dort. Inzwischen hatte ich alles schon total vergessen. Car & Driver war wahrscheinlich einfach 15 Jahre zu früh da. Mit der Enbtwicklung, die Hamburg in den letzten 10 Jahren genommen hat, wäre C&D heute vielleicht erfolgreicher.

    So gesehen stimmt das. Mal abgesehen von der Vrwendung historischer Bausubstanzen, sind die Meilenwerke konzeptionell nur stlistisch aufgepäppelte Kopien.

  9. Das Motorama in München gabs schon 1973. Hier konnte man sogar mittendrin in einem Mövenpick Restaurant die Autos ansehn. Leider zogen ab Mitte der 80 er Jahre nach und nach die Autohändler aus. Es gab alles schon mal. Somit sind die Meilenwerke auch nur ein Abklatsch.

  10. Pingback: Graf Berghe von Trips und schwäbische Bigotterie

  11. Ups, Jürgen Hempel hat ja inzwischen viel mehr Fotos von damals eingestellt. Danke für den Link und die Erinnerung an einen suuuper Beitrag aus meiner Heimat.

  12. Und gleich noch mal ein Michael. So weit hatte ich mich im Motorblöckchen noch garnicht zurückgearbeitet. Danke, ganz großes Kino.

  13. Pingback: Chuzpe, Martin Halder

  14. “So gesehen stimmt das. Mal abgesehen von der Vrwendung historischer Bausubstanzen, sind die Meilenwerke konzeptionell nur stlistisch aufgepäppelte Kopien”

    Copy & Paste … XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX

    ____________________________________________
    Editiert am 26.03.2015 auf Grund einer Abmahnung nebst Klageandrohung von Martin Halder

  15. Herrlich. Zumal ich während meinem Studium nur ein paar Ecken weiter gewohnt hatte und den Mediamarkt natürlich kenne. Deshalb groooßen Dank für den Link im aktuellen Beitrag.

  16. Toller Beitrag. Bin jahrelang daran vorbeigefahren und hatte keinen blassen Dunst. Herr Kupfer, Sie haben ab heute einen regelmäßigen Leser mehr.

  17. “was soll ich als bekanntermaßen optimistischer Zeitgenosse da noch viel drüber schreiben? ”

    der war echt gut – selten so gelacht :-)

  18. Vielleicht sind die Herrn von der Mobimo Schweiz nur etwas spät aber dafür “schweizermesserscharf” drauf gekommen, daß ihr Halder – Projekt nur eine Kopie dessen ist, was in hamburg schon vor über 20 Jahren realisiert wurde. Die Ähnlichkeiten zwischen den Fotos von damals und den Computer-Animationen vom geplanten Meilenwerk Zürich heute, sind echt frappierend. Und nicht einmal der alte fotogene Rolls Royce in dem sich Herr Halder heute so gerne in leeren Hallen ablichten lässt, ist auf seinem Mist gewachsen.

  19. Mannemer,

    glaubst Du etwa es ist ein Zufall, daß der gleiche Architekt der 1991 Car & Driver plante, Hadi Teherani, auch das Meilenwerk – Hamburg plant?

    Guttenberg lässt grüßen.

  20. Egal wo man nachschlägt, steht immer geschriebeb:

    “Martin Halder ist Erfinder des Meilenwerk-Konzeptes, Initiator der Meilenwerk-Projekte und Vorstand der Meilenwerk AG. Er ist studierter Wirtschaftsingenieur und Immobilienökonom ebs. Aus seiner akademischen Arbeit zu Zielgruppenkonzepten bei Professor Dr. Karl-Werner Schulte an der ebs European Business School entstand 1998 das Meilenwerk-Konzept.”

    http://www.presseportal-schweiz.ch/pressemeldungen/daniel-mauerhofer-wechselt-zum-meilenwerk-zuerichsee

    Alexander Knapp – Voith sollte sich Martin Halder mal vor die Brust nehmen und rückwirkend Lizensgebühren verlangen :-)

  21. “Alexander Knapp – Voith sollte sich Martin Halder mal vor die Brust nehmen und rückwirkend Lizensgebühren verlangen”

    Manfred Okken,

    kann er nicht, weil eine zielgruppenorientiertes Immobilienkonzept für Automobilisten, schon Anfang der 70er in München entstanden war, das Motorama. Stand hier übrigens schon mal wo.

    .

  22. Wenn man es liest und sich auf der Zunge zergehen läßt, dann meint man in einem Riesenkonzern zu sein…da können wir uns alle noch etwas abschauen:
    “Die Meilenwerk-Gruppe verstärkt den eingeschlagenen Expansionskurs auch personell. ”
    “In der neu geschaffenen Position wird Mauerhofer bei der Meilenwerk Development GmbH Suisse tätig sein und direkt an deren Geschäftsführer Martin Halder berichten.”
    Meilenwerk-Chef Martin Halder kommentiert den Wechsel mit folgenden Worten: “Ich freue mich, mit Daniel Mauerhofer einen ausgewiesenen Fachmann mit hoher Expertise im Automobilsektor, im Marketing und der Unternehmens- und Projektführung im Meilenwerk Team zu haben. ”

    Früher hatte es bei “Anpfiff” geheißen: 5,00 Euro in das Phrasenschwein.

    Zu Johannes Hübi Hübner hieß es:
    “Die Meilenwerk AG verstärkt ihr Team mit einem anerkannten Fachmann für Oldtimer und automobiles Kulturgut: bereits zum Jahreswechsel hat Johannes Hübner seine Arbeit als Projektverantwortlicher für sämtliche Mietflächen des zukünftigen Meilenwerks Berlin aufgenommen.”
    “In seiner Funktion berichtet Johannes Hübner direkt an Martin Halder, Vorstandsvorsitzender der Meilenwerk AG.”
    “Meilenwerk-Chef Martin Halder kommentiert den Neuzugang mit folgenden Worten: “Johannes Hübner gilt seit Jahrzehnten als anerkannter Oldtimer-Fachmann mit großem Wissen und Netzwerk. Er passt hervorragend in das Meilenwerk-Team. ”

    Ein ganz schöner Verschleiss guter Leute!

    Und dann gibt es vom ausgewiesenen Fachmann MH noch das Meilenwerk-Dossier:
    http://www.meilenwerk.com/print/meilenwerk/news/meilenwerk-dossier-klassikermarkt-quo-vadis-teil-1
    Na, wenn daß nicht mal ein passender Titel für eine ganz andere Story wäre….

  23. “Und ein großes Danke an den Fotographen Jürgen Hempel, der mir heute ein paar Erinnerungsfotos an damals, an die Mutter der Autoschreine zuschickte.”

    Und ein großes Danke an sie, Herr Kupfer, für diesen wundervoll geschriebenen Beitrag und den Link zu den Fotos.

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