Bad Homburger Salon: Bürgerlich tafeln für 4,5 Liter Super plus

Tatsächlich scheint es die Finanzkrise in meiner Stadt des englischen Fräuleins nicht mehr zu geben, wenn man die Augen vor der ungebochenen Nachfrage nach Villen oberhalb 2 Millionen Euro verschliessen möchte. So ist das halt hier und in der Umgebung des Hochtaunus, wo mehr Einkommens-millionäre leben als in Starnberg. Dumm daran nur, das ganz wenige reicher, und ganz viele immer ärmer werden. Den über den Daumen rund 200 Einkommensmillionären stehen 11.000 Leute an der Armutsgrenze gegenüber.
 
Beim “Don” schrieb kürzlich jemand:
 
Bei EDEKA gibt es seit Anfang des Monats das volle Programm an Weihnachtsgebäck. Wenn mich keiner beobachtet, stelle ich immer kurz meinen mit Weinflaschen beladenen Einkaufskorb drauf. Zumindest die oberste Palette von Weihnachtsmännern taugt dann jedes mal nur noch für die Obdachlosen-Tafel. Lieber Don, ich werde mir erlauben, dabei zukünftig Ihren Schlachtruf, “Euch mach ich katholisch”, zu murmeln”.

Und weil der Don kürzlich in seinem zweiten Absatz genau das beschrieb, was auch mich  bewegt…

Ich bin nicht fasziniert von Reichtum. Reichtum ist ein relativer Zustand und, wenn man sich am See mit dem nicht seltenen Thema Demenz beschäftigt, obendrein banal, wie auch Armut, der ich auch keine romantischen Seiten abgewinnen kann. Mir geht der Neid auf andere ab, wenn ich, was oft passiert, bei einer Auktion verliere, ich freue mich ganz unschuldig über jeden alten Roadster, der meinen Weg kreuzt, ich bin bis an die Grenze der Abergläubigkeit hilfsbereit und manchmal auch extrem naiv, was Menschen in unschönen sozialen Lagen angeht. Ich glaube gerne an einen Sozialismus, den dessen Begünstigte mit ihrem Verhalten ad absurdum führen, und auch damit kann ich umgehen, in der ruhigen Hoffnung, dass es sich lohnt, auf die zu warten, die anders sind und das Werk vollbringen werden.

Was mich aber immer wieder fassungslos zurücklässt, was ich eigentlich nicht sehen will und trotzdem gerne dargestellt sehen möchte, sind extreme soziale Unterschiede am selben Tag, im gleichen Land mit seinen angeblich identischen Voraussetzungen für alle, die darin leben.

stört es auch mich nicht im geringsten, wenn die Armen unserer Stadt, die bei der  Tafel Bad Homburg für 2 Euro ihren Wochenbedarf an Lebensmittel kaufen, mit dem “Daimler” dorthin fahren, denn wenn dessen Wert 5000 Euro nicht übersteigt, dürfen die Armen ihn sogar von Amts wegen behalten, und sich von den REWE 5-Euro-Tüten welche für 1 Euro abholen, die ein Drittel des Spritgeldes für 100 Kilometer mit der Pagode kosten.

Bad-Homburger-Tafel, Bad Homburg Armut,  .

7 Gedanken zu “Bad Homburger Salon: Bürgerlich tafeln für 4,5 Liter Super plus

  1. Großartiger Beitrag. Es ist nicht lustig heute, wenn man so wie ich als Student echte Armut kennengelent hat und heute als Zahnklempner, der stetig größer werdenden Armut speziell alter Menschen jeden Tag ins Auge sieht. Ich lebe diese Lebensauffassung schon seit einigen Jahren und beteilige mich deshalb u.a. ehrenamtlich jedes Jahr mit über 200 Stunden an einem Hilfsprojekt von Ärzten in der Geriatrie.

    Ich finde die Idee von Rewe mit den “Tüten” genial. So etwas sollte in jedem Supermarkt in Deutschland auf Dauer eingeführt werden, unter totaler Befreiuung der abgegebenen Lebensmittel von der Mehrwertsteuer.

    Axel B.

  2. Hallo
    Das mit den Tüten ist vor Weihnachten in den Staaten ganz normal, wir übernehmen nur alles von den Amis.
    In allen großen Lebensmittelgeschäften Puplix, Sweetbay stehen die Tüten aus, oder man wird gleich an der Kasse angesprochen zu spenden.
    Ich bin mal auf dem “Black Friday” nach thanksgiving diese Woche gespannt. Alle großen Geschäfte machen schon mitten in der Nacht auf und es wird zum Teufel komm raus gekauft. Die Waren werden regelrecht verschleudert mit Preisnachlässen über die Schmerzgrenze hinaus.
    Mal sehen ob die 600 Milliarden auch angekommen sind.
    Gruß Peter

  3. @ Naund,

    na und? Und selbst wenn Rewe an jeder Tüte noch 3 Euronen verdienen würde, kommt hier Hilfe auf dem küzesten Weg direkt zu denen, die sie benötigen.

    Amen.

  4. Pingback: 14.09.2011; Frohe Weihnachten

  5. Pingback: Unilever halbe Tafel

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