15.03.2011: Muckefuk – Ferraris

In der Reihe Nepper, Schlepper, Bauernfänger, falsche Ferraris und  Nachrichten, die die deutsche Journaille nicht bringt, will ich erstmal eine amüsante Geschichte hochholen, von den Dubbini – Brüdern, Söhne der angesehenen italienischen Kaffee – Dynastie.

Die Dubbini – Brüder sind in der Ferrari – Szene keine Fremden und handelten über viele Jahre hinweg mit seltenen und dementsprechend teueren alten Ferraris. So verkauften sie u.a. vor Jahren bei der Brooks Auktion in der Schweiz ein Auto von dem bekannt war, dass es eine spätere Maschine eingebaut hatte, aber die Motornummer trotzdem mit der VIN – Number des Autos übereinstimmte.

Der Stein soll durch Ferrari – Boss Luca de Montezemolo höchstpersönlich ins Rollen gebracht worden sein. Im Mittelpunkt der polizeilichen Untersuchungen in Padua stehen mindestens fünf wertvolle, alte Ferraris, perfekte Kopien von Autos aus dem früheren Besitz der Dubbinis,  die mit der Hilfe eines alten italienischen Mechaniker, Vittorio Nardo, der auch über die Ausrüstung zur Erstellung gefälschter VIN – Numbers verfügte, aus Autowracks und Reservetriebwerken zusammengebaut und als teuere Sammlerstücke verkauft wurden.

War vielleicht die Bonham Ferrari Auktion 2008 in Gstaad nur deshalb ein Flop, und wurde die Auktion 2009 etwa abgeblasen, weil die betuchte Klientel fürchtete, statt feuerigen, echten Bohnen nur Muckefuck angeboten zu bekommen? Und ist das vielleicht einer der Gründe, warum jetzt die Oldtimer-Fonds in Scharen angeflogen kommen?…

Zum Thema auch der falsche Bentley Speed Six und  hier und hier

 

13 Gedanken zu “15.03.2011: Muckefuk – Ferraris

  1. Deshalb immer die Scheu von Besitzern alter Ferraris, dass man auf Austellungen ihren Autos zu nahe kommt. Ich glaube, so was funktioniert in dem Maße und über Jahre aber nur, wenn sog. Experten “mitspielen”.

  2. … die “Experten” gibt es nicht nur bei den Ferraristis…!

    Das ist eventuell nur möglich, weil nicht der Spaß im Vordergrund steht, sondern der angebliche materielle Wert des Objekt der Begierde und die unglaubliche Gier nach noch mehr.

    Gruß ARON diCabrio

  3. Das ist eine echte Hammerstory. Inzwischen schieben die 3 Brüder ja wohl alles auf den verstorbenen Papa. Die interessante Frage ist tatsächlich, warum wurde in Deutschland nicht drüber berichtet, wo ansonsten jeder Fur. die Presse ausgiebigst beschäftigt?

  4. Zagato,

    aus dem selben Grund, warum eine Zeitung deren Hauptanzeigenkunde RWE ist, nicht 100 mal im Jahr über Störfälle im AKW Biblis schreibt.

    Hier hat doch jemand neulich in dem Beitrag über Mirbach was geschrieben, es seien nur 33 Mercedes SSK gebaut worden aber fast 110 Stück weltweit bekannt. Außer ein paar Randnotizen im Web darüber, findet man auch so gut wie nichts in der Motorpresse.

  5. Ein sehr guter Beitrag, erstens, weil er tatsächlich weit über die Dimension einer einzelnen spektakulären Odtimer – Fälschung hinausgeht und damit ein ganzes Marktsegment speziell seltener und zumeist hochpreisiger Oldtimer betrifft und zweitens, weil bisher offenbar wirklich nichts in deutschen Medien darüber zu lesen war.

    Mich erstaunt das nicht. Wer sich den Objekten der Begierde in Form solcher automobilen Raritäten mit genügend Geld, Kaufabsichten und zumeist vor lauter Sammelleidenschaft und Jagdfieber getrübtem Blick nähert, bei dem könnten die von Auktionshäusern und Händlern geweckten Emotionen schnell abkühlen, wenn er solche Berichte über hochprofessionell gefälschte Ferraris und in meinen Augen organisierte Kriminalität liest.

  6. Ich glaube eher, das die Dubbini Geschichte, durch die Erbschaftssteuer zustande kam.

    Bei Ferrari gibt es keine Geheimnisse mehr. Fast jeder Wagen, aus der Enzo Zeit und sein ‘Schicksal’, ist bekannt. Dafür sorgen schon professionelle ‘Unterlagensammler’, die dank amerikanischem selbstbeweihräucherungs Bestreben, davon gut leben. Das hat natürlich auch das Ferrari Classic für sich entdeckt und die verkaufen sündhaft teure Zertifikate, obwohl sie eigentlich keine Ahnung haben. Bei Ferrari Veranstaltungen sind diese natürlich Pflicht.

    Die wenigsten Sammler der ersten Generation, wozu auch der alte Herr Dubbini gehörte, nahmen es mit der ‘Echtheit’ ihrer Autos besonders ernst. Man sammelte einfach und hat sich gewisse Autos, dem Begehren entsprechend einfach nachgebaut, oder mal eben Chassisnummern geändert, um ihnen einen höheren historischen Stellenwert zu geben, da man sie Fahrerpersönlichkeiten zugeornet hat. Anfang der 80ger Jahre hat das keinen interessiert, da die Autos ja nicht soviel Wert und die Informationen darüber, kaum vorhanden waren. War eh eher eine Insider Gemeinschaft.

    Jetzt hat der alte Herr Dubbini seine Himmelsfahrt angetreten und die Sammlung ist Millionen Wert. Davon möchten einzelne Staaten natürlich einen grossen Happen abhaben, vorallendingen wo erbende Kinder heute anscheinend lieber Geld sammeln und äusserst Sammlungs verkaufswillig sind.

    Man hat sich also an einen mittelalterlichen Usus erinnert, wo man echte Diamanten verkaufte und dann Falsche weiterhin zur Schau trug, um das Gesicht zu wahren und heute, um Steuern zu sparen. Das stösst natürlich den Sammlern von der anderen Seite des Teiches auf, die natürlich Ferraris beste Kunden sind.

    Das Problem mit den alten Autos ist in Europa leider das Finanzamt, die total überzogenen Dot.com Preise und besonders in Deutschland, der soziale Neid. Deswegen funktionieren bei uns auch keine Autoforen und auch keine objektive Berichterstattung, in der Presse. Auch scheinen Europäer eher am Fahren/Rennen, als am Schaustellen interessiert zu sein. Die Orginale sind heute in den USA auf Shows zu finden und man unterhält sich breit, über jedes Detail und den Wert.

    Amerikanische Händler geben sofort die Chassisnummern preis, in Deutschland, Frankreich, Schweiz und Italien wird ein Geheimnis draus gemacht, man könnte ja zurückverfolgen und das Finanzamt liest mit.

    Ferrari Classic hat vor kurzem dem Ferrari 275 P #0818 Echtheit, durch ihr Zertifikat spendiert, leider gibt es zwei/drei davon. Einer steht in Italien und der andere in Österreich, beide bei bekannten Sammlern.

    Dick Prothero hat den verunfallt, seine Witwe hat ihn David Piper verkauft und der hat das Chassis mit Teilen, an Herrn Hofer nach Österreich verkauft, sowie den Motor an Herrn Violati nach Italien. Beide haben das Auto wiederaufgebaut, Herr Piper natürlich auch. Der um den Motor nachgebaute ist heute der offizielle Echte. Piper hat seinen in #0824 umbenannt, davon gibt es auch zwei, aber er hat sie beide. Alle drei Personen sind für ihre ‘echten’ Autos äusserst bekannt.

    Herr Schönleber dürfte bei den älteren Ringbesuchern noch bekannt sein, fuhr ein paar Jahre erfolgreich mit einem 250 SWB Rennen. Er tat es recht professionell. Ab und zu schlug er mal ne Rolle, aber ‘das’ Auto stand immer perfekt vorbereitet beim nächsten Rennen, manchmal war es eine breite Version, manchmal eine schmale. Als er es altersmässig verkaufte, durfte er es zurücknehmen und es gab einen Prozess wegen ‘Echtheit’, den er verlor. Vor ein paar Monaten wurde der Wagen in die USA mit Rekord hin versteigert. Ferrari Zertifikat rühmt sogar die orginale Karrosserie????.

    Es gab einen Prozess um den 250 Testarossa #0720. Der Echte in den USA verbrannt und eingebulldozert. Rodney Felton, ein brillianter Rennfahrer bei Oldtimer Rennen, mit einem ausgeprägten Faible für Replikas hat ihn um ein Stück Rohr nachgebaut. Dieser steht heute in Deutschland. Ein Holländer baute ihn nochmal.

    In Argentinien hat ein Herr Iriate einen der 16 Delahaye 135 CS gefunden und ihn restauriert, gefahren, verkauft, geclont, wieder verkauft, etc. Es gibt heute 10 dieser Autos, alle mit der gleichen Fahrgestellnummer, alle echt und er hat immer noch einen.
    Das könnte man jetzt seitenweise fortsetzen.

    .

  7. Eine schöne Geschichte, da wird doch wirklich beschissen und gelogen was das Zeug hält und ein Bock ist echter als der andere, mit Herstellerzertifikat.

    Glaubwürdiglkeitsfaktor gleich Null.

    Bei antiken Möbeln gibt es doch auch eine Regelung, wieviel von der Originalsubstanz erhalten sein muss, um das gute Stück als echt anpreisen zu dürfen. Zum Glück der Antiquitätenhändler wurden Möbelstücke in den seltensten Fällen mit Seriennummern versehen.
    Gruß

    Klaus

  8. Jörg,

    dass in den USA die Transparenz größer ist als hier, liegt auch an der nicht ganz freiwilligen, höheren Steuermoral. Mit der IRS ist drüben nicht zu spaßen. Wenn ein Ami mit so einem Auto aufkreuzt, gehen alle anderen Amis davon aus, dass er es ehrlich verdient hat.

    Hier ist das weniger Neid wie vielmehr an der steigenden Anzahl von Steuerstrafverfahren etc. erkennbar, begründetes Misstrauen.

    __________________________________________________
    Edit: Kommentar hierher verschoben, wo er wohl hin sollte

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