BAB 9… Abfahrt Lebensgefahr

Ich glaube inzwischen, in Deutschland gibt es eine weitgehend ausgeblendete Realität. Vielleicht lese ich auch nur die falsche Zeitung, habe mit Spon nicht die richtige Internet-Info-Plattform und vertraue auf Freunde die mir erzählen, im Osten geht’s aufwärts. Denn ich sehe mir manchmal selbst Dinge an, die mir niemand gezeigt hat, und ich verstehe nicht, warum das kein Thema ist. Vielleicht interessiert es auch wirklich niemanden, kann sein.

BAB 9, Richtung Berlin, kurz bevor man die Elbe überquert, zwischen Dessau Nord und Coswig gibt es eine Abfahrt Vockerode. Seit 1990 bin ich schon zigmal daran vorbeigefahren. Früher wollte ich schon immer mal runterfahren, mir dieses gigantische Kohlekraftwerk  einmal aus der Nähe anschauen, mit seinen mächtigen Schornsteinen, die man im Winter schon 50 km entfernt qualmen sah…

alle Bilder zum Vergrößern anklicken…

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Das in den 30er Jahren erbaute Kraftwerk war mal das modernste, was deutsche Ingenieurkunst damals schuf. Von hier aus wurde die Chemieregion Bitterfeld mit Strom versorgt. Nach dem die Russen nach 1948 hier die Technik komplett klauten ausbauten und nach Russland verfrachteten, und vergeblich versucht hatte die rießigen Schornsteine zu sprengen, wurde das Kraftwerk von der DDR 1957 ein zweites Mal gebaut. Heute gehört es Vattenfall,…

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Auch wen’s vielleicht niemanden interessiert, kann ja sein. Trotzdem möchte ich hier mal ein paar Bilder zeigen. Denn sich den Ort einmal anschauen heißt, verstehen, was im Osten los ist. Es ist so übel, dass auch lebenslange Zwangsarbeit aller an der Bankenkrise beteiligten Bankmanager, ihrer Abzockhelfer in Politik und Wirtschaft und der noch lebenden SED-Kader nichts an den Problemen ändern würde. Eigentlich müsste der Ort “Lebensgefahr” heißen. Es steht so wie hier schon etwas eingerankt auf vielen gelben Schildern, die an den verwitterten Gebäuden und umgebenden Stacheldrahtzäunen hängen…

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Das Gebäude war früher, in den 70er Jahren, sicher das Schmuckstück des Ortes. Kein Plattenbau, direkt am Ortseingang, damit auch jeder sich hierher verirrender westdeutscher Transitreisende sehen konnte, seht her…  Wenn man ganz Vockerode kennt, war es früher bestimmt elegant und sah gepflegt aus. Architektur etwas vom naheliegenden Bauhaus in Dessau beeinflusst. Gegenüber liegt das ehemalige Gemeinschaftszentrum von Vockerode…

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Vielleicht sind hier früher Techniker und Fachkräfte für das Kraftwerk ausgebildet worden, denn nebenan steht ein Schulungsgebäude mit ansprechender Bauhaus – Architektur…

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von oben bis unten eingeschmissene Scheiben, als Zeichen, hier kommt keiner mehr hin… nicht einmal Schilder an den Hauswänden, wie ich sie auch schon in dieser Region sah, “kostenlos zu vermieten”…

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Lebensgefahr besteht hier wahrlich keine mehr, ist ja ehe schon alles tot…

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aber wer will hier auch schon arbeiten? Die Fernwärmerohre sind nach der Wende neu verlegt worden, einzelne Gebäude haben relativ neue Dächer drauf, ein Zeichen dafür, dass man hier noch irgend etwas vorhatte…

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die massiven Nussbaummöbel haben all der Zerstörungswut standgehalten, erst die der Treuhandmanager und später die der Vandalen, die die Schutthaufen hinterlassen haben…

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da sage noch mal einer, die Ossis wären nicht mal in der Lage gewesen, haltbare Tapeten herzustellen…

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Lebensgefährlich hat bei dem toten Gemeinschaftszentrum einen Sinn… je mehr ich dort herumlief, um so mehr erinnerten mich die Bilder die ich vor mir sah, an die Fotos von Tschernobyl…

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dafür hat die Treuhand mit Millionengelder kilometerlange kerzengrade Strassen durch ein Gebiet gebaut, hektarweiße Gewerbegebiete erschlossen, wo keiner mehr hin will, die Strassenlaternen sind abmontiert, hier wird nicht einmal mit den rießigen Schildern geworben “Gewerbegebiet 5,00 Euro pro Quadratmeter”…

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Ein westdeutscher Werkzeughersteller hatte eine Niederlassung angefangen zu bauen, nach dem die großzügig gewährten Fördermittel von den Consultants verraucht waren, machte man die Bude dicht…

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speziell Bauarbeiter sollen damals nach der Wende hier Mangelware gewesen sein…

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wo kaum mehr Menschen sind, fährt auch kein Bus mehr…

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und da hat nicht einmal der kleinste Laden eine Überlebenschance gehabt…

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wer hier am Sonntag im Dorf der lebenden Toten die Wahl gewinnt, dürfte schon feststehen…

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Zum Schluss traf ich dann Paule. Paule hat über 25 Jahre im Kraftwerk gearbeitet. Er stand in seinem Vorgarten und ich fragte ihn, was es noch an Spuren der Deindustrialisierung in Vockerode zu sehen gäbe. Viel, viel zu viel, für einen kurzen Abstecher von der Autobahn. Aber er zeigte mir im Flur seines Hauses, was er mich bat, nicht zu fotographieren, seinen ganzen Stolz: Die alte Telefonvermittlungsanlage des Kraftwerks aus den 30er Jahren, die er vor dem Sperrmüll rettten konnte… und wenn ich mal wieder nach Vockerode käme, wolle er mal mit mir eine Führung durch das Kraftwerk machen und mir die gigantische alte Kesselanlage zeigen, deren Abbau zwecks Schrottverwertung den Abrisstrupps von Vattenfall wohl nur zu unrentabel erschien…

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Und Paule deutete an, ein alter Freund hätte noch so manches rollendes altes Blech aus den 40er und 50er Jahren in seiner Scheune stehen. Ein Grund für mich, das nächste Mal mehr als nur einen einstündigen Abstecher zu machen.

Wenn Ihr glaubt, schlimmer geht nimmer, dann schreibt fleißig hier rein, wenn Euch das Thema doch interessiert. Ich habe da noch was aus dem Raum Wittenberge, die Hinterlassenschaften eines weltweit bekannten Herstellers von Sitzmöbeln aus Keramik und edelstem was sonst noch in Badezimmern des gehobenen Mittelstandes zu finden ist, dass haut Euch um.

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35 Gedanken zu “BAB 9… Abfahrt Lebensgefahr

  1. Im Grunde ein interessantes Thema. Schön wäre, wenn du aus solche Plattheiten wie ”

    “Ein westdeutscher Werkzeughersteller hatte eine Niederlassung angefangen zu bauen, nach dem die großzügig gewährten Fördermittel von den Consultants verraucht waren, machte man die Bude dicht…”

    verzichten würdest. Unter welchen Voraussetzungen und für was es Fördermittel (besser: Investitionszulagen) gab weisst du hoffentlich?

    Schreibt dir Herr W. aus M., der 1990 mit 50% Buschzulage in die ESBZ geschickt wurde um dort beim Abwickeln zu helfen.

  2. Na ja, hier einen Vergleich zu Tschernobyl konstruieren zu wollen, finde ich schon ein wenig stark. Genauso wie diese stilisierte Nostalgiker-Attitüde.

    Es stimmt, viele haben sich damals total überschätzt und diesen Unsinn mit den blühenden Landschaften selbst geglaubt. Aber wie hier auch an anderer Stelle – Meilenwerk – genüßlich seziert, waren es in erster Linie kollektive Ignoranz, Arroganz und Hybris, die ordentlich heiße Luft in eine Seifenblase gepumpt haben. Alle wollten was bewegen… für das eigene Wohl… das was sie im alten Bundesgebiet nicht geschafft hatten.

  3. Schön, dass du Dir auf Deinem Weg nach Berlin die Zeit genommen hast, um eines der unzähligen Brandlöcher in den Neuen Bundesländern anzuschauen.

    Die toten Straßen sagen alles. Das hier von den Machern aus dem Westen aber nicht nur Abermilliarden sinnlos verraucht wurden, sondern wie man hier an dem Beispiel sieht, Menschen zu doofer hin- und herschiebbarerer Masse degradiert wurden, Totenstädte geschaffen wurden mit wenigen verbliebenen Bewohnern, um die sich nach dem Abzug der Beuterittter aus dem eroberten Land niemand mehr so recht kümmern mag, ist schlimm. Einfacher ist es da, von den faulen zu nichts zu gebrauchenden Ossis zu reden, die mit der Bierflasche in der Hand auf den Sozialämtern auf Kosten von uns besseren Leuten um Stütze anstehen.

    Beeindruckende Fotos. Hast Du noch mehr davon?

    Martin

  4. @ W. aus M.

    Paule erzählte mir, die Firma aus dem Ruhrgebiet hatte wohl 12 Leute aus dem Kraftwerk übernommen. Deren Arbeit bestand darin, in Tschechien gekauftes Billigstwerkzeug in Plastik-Hartschalenkoffer umzukonfektionieren. Dafür erhielt man wohl befristet einen Lohnzuchuss von 60% (?).

    Irgend wann war die Lohnbezuschussung wohl ausgelaufen, im Ruhrgebiet kamen die Chefs wohl zu der Erkenntnis, das Werkzeug komplett in Tschechien zu kaufen sei rentabler und schon wurde Vockerode wieder wegrationalisiert.

    W.ausM., für mich ist das eine Art Bestandsaufnahme der Vereinigungs-New-Economy-Depression, die auch mein früheres Schaffen bis hin zu meinem persönlichen Umfeld und Leben atomisiert hat. Ich sehe das heute etwas entspannter. Mir geht es heute um die Frage, wie “WIR” leben, wie es zu diesem Versagen kommen konnte, und wie die Story weitergeht, nachdem wie ich schon sagte, die Medien offenbar die Lust daran verloren haben.

    Es gab 1990 die in der Wirtschaftsgeschichte einzigartige Chance, den Hauch einer Chance, das Leben eines ganzen Landes anders zu gestalten, neu zu erfinden. Aus meiner heutigen Sicht gab es diese Chance niemals wirklich, in Wahrheit war das Rennen 1990 längst gelaufen, die Lobbyisten hatten Birgit Breul & Co längstens souffliert, wie der Kuchen aufgeteilt wird, und die Protagonisten wie hier die Bürger von Vockerode standen längstens als Verlierer fest, aber in den Köpfen war diese Chance zumindest real.

    Ich war Teil des Systems und Teil seiner Vernichtung. Als Teil der 3. Reihe haben wir auch auf die Values der Macher gewettet, monatelang Best-Case- und Worst-Case-Szenarien entwickelt. Deshalb weiß ich heute wie sie ticken, und ich weiss, warum sie “Weissgarnix” und “DuckHome” und vielleicht sogar mein unbedeutendes Motorblöckckchen, das hier lesen. Es ist nicht nett von mir, aber es ist zumindest noch etwas. Man existiert, wenn darüber berichtet wird. Das “Wie” ist dann gar nicht mehr entscheidend.

    Detlef Kupfer

  5. Vockerode liegt übrigens im Gebiet des “Weltkulturerbes” Dessau/Wörlitz. Wer einmal das stillgelegte Kraftwerk der Fa. Vattenfall besichtigt hat, beweifelt nicht, daß dieser grandiose Kontrapunkt zum benachbarten Wörlitz unter Denkmalschutz zu stellen ist. Vattenfall ist sich dieser Verantwortung bewußt, hält das Gebäude instand und läßt die Nutzung als Theater zu. Gerade hat dort eine atemberaubende und vielbeachtete “Marquis de Sade”-Aufführung stattgefunden, die fast das ganze Gebäude genutzt und das Publikum ziemlich gefordert hat, vergleichbar Steins Shakespeare-Projekt.

    Für die Pyromanen aus dem Westen: Wenn die Gegend dort, mittlerweile touristischer und kultureller “Brennpunkt” und dem “Preußisch-Arkadien” mindestens ebenbürtig, als “Brandloch” herabgewürdigt wird , könnte man das kulturell ziemlich belanglose, aber wirtschaftlich “brandgefährliche” Finanzzentrum Frankfurt als “Brandsatz” qualifizieren. Wird also demnächst ganz Deutschland in Flammen aufgehen?

    Auch in Frankfurt und anderswo lassen sich hoffnungslose, verkommene und dreckige Ecken fotographieren, man muß es bloß wollen…

    Histomat

    Wessi und Ehren-Ossi

  6. Was man heute dort antrifft, so wie hier brutal mit Bildern gezeigt, ist nichts anderes wie eine Bankrotterklärung der McKinseys & Co.

    Selbst in den Regionen, wo es angeblich heute blühen soll, sieht es nicht besser aus. Fahren Sie mal in die Weichregionen von Berlin, Dresden, Leipzig. Nur 5 Kilometer hinter den Fabriken von Porsche und den Chipherstellern sieht es keinen Deut besser aus. Entlang der polnischen Grenze ziehen sich solche Industrieruinen entlang wie an einer Perlenkette. Wenn heute Sachsen stolz verkündet, eine niedrige Arbeitslosenquote zu haben, liegt das daran, dass junge Leute von dort abgewandert sind, ihre Dörfer mit den verbliebenen Alten verlassen haben, um im “goldenen Westen” über die Runden zu kommen.

    Wenn wir jetzt nicht höllisch aufpassen, wird die alte BRD jetzt von Share-Holder-Value-Managern nicht viel anders abgewickelt, wie die DDR in den 90igern. OPEL und das was in den nächsten Monaten davon übrigbleibt, wird Parameter dafür sein, was hier in den nächsten Jahren an wirtschaftlichen Umwälzungen bevorsteht. Zwar keine Ruinen mit eingeschlagenen Fensterscheiben, aber vieles wird noch kaputtgehen.

    Ach Gottchen , wenn dass der Staatsratsvorsitzende noch erleben könnte.

    Debitistische Grüße.

  7. Der Ex-McKinsey Chef J. Kluge und Berater von Jürgen Rüttgers meinte tatsächlich im Januar, zur Bewältigung der Krise in Deutschland müsse eine Treuhand II her

    http://www.derwesten.de/nachrichten/waz/2009/1/9/news-103843465/detail.html

    Verständlich, dass er so etwas vorschlägt, bei der er & Co dann so wie in der Wiedervereinigungsära dann zig Beratungsmandate an Land ziehen könnte.

    Eigentlich müsste der Titel hier heißen “McKinseys & Co Insolvenz”

    Die wirklich beeindruckenden Fotos zeigen real, was passieren kann, wenn sogenannte “Wirtschaftseliten” im Verbund mit Politikern mit großen Brusttaschen, wo man Kuverts mit eben mal 100.000 Euro “ver-schäubele-n” kann, rangelassen werden, denen es nur um ihre eigene goldene Nase geht.

    Krause

  8. Die Fotos hauen einem echt um. Ich habe grade noch mal den Artikel von der WAZ gelesen. Das ist echt der wahre Fake, dass der Fake kein Fake ist.
    Unsere Eliten, oder zumindest die, die sich dafür halten, sind am eigenen Treiben irre geworden.

    In der Region Oberhausen oder im Saargebiet sind in den letzten 20 Jahren wie ich auch mal las, über 60% der Industriearbeitsplätze weggefallen worden. Was man hier von Vockerode sehen kann, ist das Ergebnis einer CDU-Regierung Kohl. Plant Rüttgers das gleiche?

    Ich frage mich nur, wie es weitergeht? Vor allem morgen nach der Wahl, wenn Angela dran bleiben sollte. Vielleicht macht man dann aus den Opel-Werkhallen in Bochum auch eine Theaterbühne. Schillers “Die Räuber” wäre ein Stück was ich mir vorstellen könnte.

    Der in Vockerode vom Wahlplakat lächelnde Spitzbube dürfte ddr-blockparteienähnliche Wahlergebnisse einfahren.

  9. Ja, heute sind wir schlauer. Auch ich bin 19 Jahre älter geworden.

    Damals sagte mir ein Kombinatsleiter, beim Blick aus dem Fenster: “So, Herr W. aus M., recht geschiehts euch dass es uns so schlecht geht. Und nu mach mal!”

    Wir waren ja alle ganz toll vorbereitet und hatten einen tollen Plan in der Tasche. “Wie rette ich eine Volkswirtschaft, von der von einem Tag auf den anderen keiner mehr irgendwas kaufen will.”

    Nach einem Jahr hatte ich genug und bin seitdem nie wieder dort hingefahren. Das Lamentieren scheint man dort nicht verlernt zu haben.

  10. “Ich habe grade noch mal bei der WAZ gelesen… es ist kein Fake”.

    Ansonsten müsste man ja auch glauben, dass beispielsweise die Titanic – das endgültige Satiremagazin – hinter der Story steckt.

    Ich frage mich was die Menschen empfinden, die so was lesen und genau aus dieser Ecke kommen, ihrer ehemaligen Heimat.

    Detlef, bitte mehr von diesen Reisebereichten.

    Mario

  11. Mario,

    es gibt noch schlimmere Flecken in der Region. Neustadt/Orla soll noch übler sein, über 70% Einwohnerverlust.

    In Dessau hatten wir vor 2 Jahren mal ein Projekt eines was-kostet-die-Welt-Projektentwicklers, dem war einer seiner Ankermieter während der Rohbauphase abgesprungen… wenn selbst diese Kikikaki-Klamottenfritzen in so einer Armutsregion plötzlich keine Chance mehr sehen, ihren 5-Euro-China-Fummel zu vertickern, will das was heißen. Ich kann sagen, auch Dessau hat ganze spätstalinistische Viertel, die nie wieder was werden. Und um so weiter man nach Osten fährt, hinter Vockerode…

    Das sind dann die Regionen, die auf den Strassenplänen der Wahlkampf-Busfahrer von Angela und Schwesterwelle gar nicht eingezeichnet sind.

    Detlef Kupfer

  12. Was ist denn der Unterschied zwischen Vockerode und Berlin oder Frankfurt?
    In Vockerode haben sie die Scheiben zertrümmert, in Frankfurt hängen an an den sauber geputzten Fassaden der leeren, videoüberwachten Bürotürmen, 60x30m breite Schilder dran… bitte bitte miete mich, bitte.
    Solange wir im Hamsterrad der Banken, Lobbyisten laufen wird das nichts mit blühenden Landschaften, im Gegenteil.

    BruderLehmann

  13. Ich glaube kaum, dass als im Ruhrgebiet die großen Hochöfen abgeschaltet worden waren, es viel besser aussah als hier. In Vockerode und Nachbarorten ist natürlich alles schiefgelaufen was schieflaufen konnte.
    Dafür entwickelt sich in der Region Coswig-Wittenberge langsam aber stetig die Tourismusbranche. Den Zweiflern kann ich mal empfehlen, sich zum Thema Elb-Biothope zu informieren. 20 Kilometer von Vockerode kann man auf jeden Fall schöne Oldtimer besichtigen:

    http://ferropolis.de/ferropolis.html

    Und beim nächsten Abstecher mal hierhin fahren und schöne Fotos machen:

    http://www.quermania.de/sachsen-anhalt/dessau/woerlitzer-park7.shtml

    Sachsenexpress

  14. Durch den Link in “Ungeschrieben” habe ich den Bericht entdeckt. Ich bin schon x-mal an dieser Abfahrt vorbeigefahren. Beim nächsten Mal fahre ich auch mal runter. Obwohl, ich kenne Gegenden im “alten” Deutschland wo entindustrialisiert wurde. Dort sieht / sah es auch nicht besser aus.
    Klaus M.

  15. Pingback: Fotografierter Verfall des Bürgertums

  16. Am letzten Montag hat es endlich mal geklappt und ich bin NICHT an der Ausfahrt vorbeigefahren. Sieht alles sehr schlimm aus. Ich hab mich mal im Ort mit einem kurz unterhalten. Fast 70% der früheren Bewohner sind weggezogen. Man merkt den alleine gelassenen Menschen an, wie sich für den Verfall schämen. Dort glaubt niemand mehr an die Zukunft. Er erzählte mir, die Kinder eines Nachbarn die im “Westen” leben, haben nach dem Tod des Vaters die Erbschaft für das Elternhaus ausgeschlagen.

    Ich habe auch ein paar Dutzend Fotos gemacht. Sind fast alles die gleichen wie hier.

    Marius

  17. Der Solizuschlag spülte bisher gut 185 Milliarden Euro in die Kassen des Bundes. Dieses Jahr sollen es etwa 12 Milliarden Euro sein, die allein dem Bund zustehen. Solche Bilder mit neugebauten Straßen durch tote Gewerbegebiete, alles natürlich mit Breitbandnetzen ausgerüstet, sieht man auch an anderen Orten der Ex-DDR.

    Angeblich soll der Raum Dresden ja so “blühen”. Schon mal 30 Kilometer außerhalb in die Randregionen gefahren? Dort siehts nicht anderes aus.

  18. Die Fotos hatten mich vor ein paar Monaten so stark beeindruckt, dass ich kürzlich einmal die “Abfahrt Lebensgefahr” heruntergefahren bin. Als ich dort war, lag sehr viel Schnee und es wirkte für einen Wohlstandswessi wie mich, unwirklich, ja surreal. Die Tristesse hat mich schwer beeindruckt.

    Danke für diesen wirklich tollen und exakt auch meine Stimmung und Eindrücke danach wiedergebenden Beitrag.

    D. Wirth

  19. Die Spiegel-Fritzen sind normal etwas spröde, Links von Kommentatoren freizuschalten. Also sind Sie stolz drauf. Ist aber auch kein Wunder, denn Ihre Fotos nebst Beschreibung der Eindrücke sind sehr sehr gut. Großes Dankeschön.

  20. Solche dubiosen Pläne wie in Vockerode ein Las Vegas des Ostens entstehen zu lassen und die Perspektivlosigkeit beschleunigen den Weggang und irreparablen Niedergang der Region noch mehr.

    http://www.fr-online.de/home/sachsen-anhalt-spielt-nicht-mehr/-/1472778/3261904/-/index.html

    Ich kenne Vockerode und die ganze Gegend ziemlich gut, weil ich direkt nach der Wende einige Jahre regelmäßig meine Oma in Dessau besucht habe. Auch Dessau ist eine sterbende Stadt.

  21. Tolle blühende Landschaften. Schade, dass es nach dem Marquise de sade Aufführungen nicht mehr mit irgendwas auch immer weiterging.

  22. naja.. viele der Kommentare sind schlichtweg Müll! Da wird wieder eine Polemik betrieben die dem typischen “Westdeutschen” sein Klischee mundgerecht werden lässt.
    Die Region hat viele schöne Seiten, die einfach weggelassen wurden!
    Ich stamme selbst aus der Region und bin derzeit im tiefsten westen deutschlands und habe hier genau die gleichen Bilder mitgenommen, teilweise sogar schlimmer.. Einmal durch Essen fahren und man weiß, es gibt solche Orte überall. Egal ob OSTEN oder WESTEN.

    Klar ist, dass über die Jahre eine Fehlpolitik betrieben wurde, die diesen Ort haben sehr verkümmern lassen. In den Wohngebieten sieht das Bild gleich ganz anders aus.

    Dem Ort/den Gemeinden fehlt auch jegliches Geld, um diverse Gebäude abzureißen und diese Schandflecke zu verschönern. Ein Teufelskreis: viele Firmen und tüchtige Arbeitskräfte verlassen die Region, wodurch immer weniger Einnahmen in die Kassen gespült werden (durch z.B. Gewerbesteurn etc).

    weiter geht es direkt in den Wald ins Biosphärenreservat: Wunderschöne Waldwege, Bieberfreigehege zum Beobachten der Tiere und so weiter… Es gibt schöne Ecken, sehr viele sogar!
    Wörlitz: hinter Vockerode weiter im Osten gelegen beherbergt regelmäßig die grünen auf ihren Tagungen, viele Menschen kaufen oder bauen sich dort Ferienwohnungen, besonders auch Menschen aus den alten Bundesländern, die diese Region kennen und schätzen gelernt haben.
    Man kann natürlich nachvollziehen, dass beim direkten hindurchfahren, gerade wenn der Blick auf soetwas geschärft ist, hauptsächlich die negativen Bauruinen auffallen und die Misswirtschaft deutlich wird, jedoch sollte man das nicht zu voreilig beurteilen ohne alles gesehen zu haben.
    Klar ist auch, dass beim Wegfall einer Schlüsselindustrie (Kraftwerk Vockerode, Gewächshausanlage) von heute auf morgen eine ganze Ortschaft nahezu ohne Arbeitsplatz dasteht. Wer soll das abfedern? Wer kann das abfedern? Bei einer Pleite, wie sie Opel hätte treffen können, wäre es mit Bochum auch nicht besser gegangen!

    Das selbst die Kaufhalle kaum überlebt hat ist sehr bedauerlich meines erachtens. Es gibt noch einen Schlecker mit allem was man im Haushalt an Lebensmitteln und Drogerie benötigt. VIele Menschen die aus Vockerode stammen arbeiten in Dessau oder anderen Städten. Der Punkt ist, dass aufgrund dieser Fahrwege die meisten Einkäufe in den Nachbarorten getätigt werden, da -egal auf welchem Wege man zurück nach Vockerode will- man unweigerlich an Supermärkten vorbei kommt. Somit ist ein solcher kleiner Laden im Ort automatisch überflüssig geworden -leider.

    Zu den Wahlausgängen kann ich nur so viel sagen: meist sind es Politiker der gr. Parteien die die Wahl für sich entscheiden können. Die SED Wahlrekorde gehören der Vergangenheit an.

    Und noch eines zum Schluss: trotz das man die Fakten nicht leugnen kann wie es derzeit um Teile des Ostens deutschlands steht, kann ich direkt aus meiner Wohnung (perfekte Lage inmitten der Innenstadt/Altstadt/Markt) in einer (eigentlich reichen westlichen Kurstadt) direkt auf eine Bauruine blicken die schon seit Jahren leer steht und bedauernswert aussieht. Ich brauch hier nicht einmal 500 m zu laufen und kann mich in Vierteln befinden, indem man nicht gerne wohnen möchte.. Hier, wo das Geld liegt bestehen die selben Probleme!

    grüße aus dem weitesten Westen Deutschlands

  23. Ich habe solche Bilder noch nie gesehen. Obs das nun im Westen auch gibt / gab, ist egal. Das ändert für mich gar nichts an der Aussagekraft der Bilder. Klasse.

  24. @ Nahverkehr,

    perfekte Regionen, Städte oder Stadtviertel gibts nirgendwo. Selbst in Dubai, einer der reichsten Städte der Welt, findet man solche Slumviertel.

    Ihr Vergleich hinkt trotzdem. Im Gegensatz zu solchen Slumcitys im Osten haben die meisten niedergegangenen Kommunen im Westen aus solchen Brachen etwas neues gemacht und das, ohne dafür Milliarden von Finanzhilfen aus dem von wirtschaftlich gut dastehenden Ländern aus dem Finanzausgleich bekommen zu haben. Siehe z.B. Oberhausen und Essen.

  25. @ mobilix

    der vergleich hängt wohl kaum. man kann viele, sehr viele Beispiele aufführen die das beweisen. Essen und Oberhausen sind zwei Beispiele, die ich mit anderen Kommunen und Städten in der öslichen Region genauso darlegen kann. Man kann wohl kaum so einen weitreichenden Beweis führen indem man zwei Beispiele aufführt und damit eine ganzes Land pauschalisieren. ;)

    Essen und Oberhausen haben (u.a) einen Vorteil: es fielen nicht direkt viele Arbeitsplätze weg. und noch ein weiterer: Wieviele Leute leben bitte in Oberhausen und Essen? Vergleich zu Vockerode mit 1500 Einwohnern?!?!?! (strange) Woher soll denn das Kapital für die Erneuerung solcher Brachlandschaften kommen??? Da wo über die Jahre schon viel Geld angehäuft war, sind Kapitalgeber nicht weit. Man könnte das bis zur Wendezeit aufrollen, wo das ganze Thema begann. Der Ursprung des ganzen liegt, wenn man die Industriegeschichte in den Blick nimmt wo ganz anders. nämlich schon vor über zwei Generationen.. Wie in dem Artikel im Spiegel zu lesen ist, sind enorme Reparationen geleistet worden. Die SED Regierung hat alles zu VEB und Volkseigentum gemacht. Wohlhabende wurden nach unten niviliert etc.. Nach der Wende konnte jeder anfangen sich etwas eigenes zu schaffen und erstmals wirklich Kapital aufzubauen. plötzlich fallen die ganzen Industrien weg, weil keiner mehr was aus der ex- DDR will/kauft/bezieht… Kapitaleinbruch, Menschen wandern aus.. etc.. das leidige lied wurde schon des öfteren durchgekaut. Die andere Frage die sich da noch stellt: wofür sollte man diese brachen Bauten wiederauferstehen lassen? Der Tourismus im Dessau-Wörlitzer gartenreich wäre dafür der einzige echte Grund, der mir Spontan einfällt.

    Das es nirgends vollkommene Städte gibt ist mir wohl bewusst, deshalb finde ich es eigentlich auch nur schade, dass der OSTEN für das vermeintlich negative herhalten muss und genau diese Bilder nur das schlechte der Ortschaften zeigen. einige Meter weiter sieht es ganz anders aus.

  26. Also die Bilder sind gut… das wars dann aber auch. Das Gemeindezentrum war übrigens eine Gaststätte die genauso wie die anderen Gebäude von keinem Investor sondern von einem Privaten gekauft wurden. Dieser ist mittlerweile lmw. verstorben. Das dann nichts ausgebaut wird ist wohl klar. Dann Stadt der lebenden Toten … sehr schön gesagt. Als Arzt und Anwohner dieser Dorfs bzw. Ortsteil der Stadt Oranienbaum-Wörlitz bin ich wohl in der Lage Tod und Leben auseinander zu halten. PS. Einen Puls habe ich bei allen Anwohnern die ich kenne übrigens gefühlt. Und wenn man zu den Dorffesten erscheint, wird man relativ viel Jugend sehen. Eine Perle des Landes ist Vockerode wahrlich nicht aber ich denke dann kann man auch in die blühenden Regionen der Rhein-Ruhr Region fahren wo man sicherlich in den Bereichen der ehemaligen Kohlegruben auch genügend lauschige Plätze mit ähnlichen Bauten finden wird.
    Und ihre Mauer im Kopf sollten Sie wohl ein wenig einreissen. Zum Zeitpunkt des Posts 19 Jahre nach Ende der Zwei Staaten… An Polemik hätte nur noch gefehlt: UND ich zahle dann für sowas den Soilidaritätszuschlag …. Das ewige Kampfwort der “Besserwessis”

    So und nun werde ich in meinem Häuslein (was übrigens in Vockerode steht – ich bin übrigens noch keine 60) mich weiter meinen Geschäften nachgehen und wünsche noch einen schönen Tag. PS. Wer Paule ist würd ich gern wissen.

    Mfg

    “Gott in Weiss”

  27. Ich empfinde bei den eindrucksvollen Fotos eine tiefe Verbundenheit für die Zeit an einem Ort, welchen ich nie erlebte und ich erinnere mich, wie ich vor Jahren 2 Wochen im Krankenhaus im Zimmer mit einem über 50-jährigen Kfz-Meister aus Bitterfeld lag und mir von seinem Leben, der Trostlosigkeit eines Mannes, dessen Sohn in den Westen ausgewandert war, ohne Hoffnung auf dauerhafte Beschäftigung, erzählen ließ. Warum? Ich denke dabei an meine Frau und ihre Familie aus dem Raum Chemnitz, wo ich in den Fotos vieles von früher wiedererkenne.

  28. Die Diskussion ist gut und nötig der Inhalt leider extrem oberflächlich, klischeehaft und größtenteils falsch. Daher möchte ich zur Richtigstellung beitragen:

    Bilder 1-3 KRAFTWERK VOCKERODE
    Das Kraftwerk war technisch veraltert und wurde daher geschlossen. Ein Neubau wurde überlegt, ist aber auch wegen der AUßERGEWÖHNLICHE KULTURLANDSCHAFT in der UMGEBUNG nicht weiter in Betracht gezogen worden. (es gibt in unmittelbarer Umgebung 3 Unesco-Weltkulturerbe (Bauhaus Dessau, Dessau-Wörlitzer Gartenreich, Lutherstadt Wittenberg) und Vockerode liegt im Unesco-Weltnaturerbe “Mittlere Elbe”)
    HEUTE: Ein Investor für die Nutzung des Kraftwerkgebäudes ist wegen der schieren Größe nicht in Sicht. Im Sommer werden nach einem Jahr Pause wieder Theateraufführungen statt finden. Auf dem Kraftwerksgelände haben sich diverse Gewerbetreibende angesiedelt.

    Bilder 4-15 BERUFSSCHULE DER GEWÄCHSHAUSANLAGEN VOCKERODE
    Die Bilder zeigen die Berufsschule, das Wohnheim und den Speisesaal/Gaststätte der VEB Gewächshausanlagen Vockerode (eine der größten der DDR). HIER wurden GÄRTNER AUSGEBILDET. Die fotografierten Gebäude wurden (wie bereits erwähnt) von einem PRIVATEN INVESTOR gekauft der leider VERSTORBEN ist.
    HEUTE: steht noch immer leer und wurde eingezäunt

    Bild 16-18 GEWERBEGEBIET / EHEM GEWÄCHSHAUSANLAGEN VOCKERODE
    Für die Gewächshausanlage hat sich nach der Wende kein Investor gefunden, weshalb diese größtenteils abgerissen wurde.
    Das GEWERBEGEBIET WURDE 2001 (lange nach der Treuhand) von dem Landkreis Anhalt-Zerbst AUSGEBAUT, wegen der Nähe zur A9.
    HEUTE: Das Gewerbegebiet ist seit 2 Monaten KOMPLETT BEBAUT mit einer 19ha großen Solaranlage mit 9,5MW Leistung. Vockerode ist nun wieder ein Energiestandort. ca 15 Gebäude auf dem Gelände sind von Gewerbetreibenden genutzt. ca5 Gebäude sind verfallen(Bilder 17+18)

    Bild 19 BUSHALTESTELLE
    Die Durchgangsstraße wurde ca2005 neu gebaut und um ca 10m verlegt, weshalb das Bushaltestellenhäuschen nicht mehr direkt an der Straße steht.
    HEUTE: Daneben steht ein neues Häuschen direkt an der Straße

    Bild 20 EHEMALIGE KAUFHALLE
    Wurde geschlossen da es in den umliegenden Orten alle denkbaren Supermärkte gibt. Im Ort gibt es weiterhin einen Schleckermarkt, Bäcker, Fleischer, Gemüsehändler, Blumenladen, Zeitschriftenladen, Sparkasse, Friseur…
    HEUTE: Ist in diesem Jahr von einem Ortsansäsigen gekauft worden und wird wohl umgenutzt werden.

    Bild 21 WAHLEN
    bei Kommunalwahlen erhält üblicherweise der starke SPD-Ortsverband mehr als 50% der Stimmen. Bei Kreis- und Landeswahlen dominieren eher die CDU und Linkspartei. Radikale Parteien spielen keine besondere Rolle.

    Bilder 22-Ende
    kann man oben mit einordnen.

    ALLGEMEIN:

    Einwohnerzahl 1989: ca2600
    Einwohnerzahl 2011: ca1500 (halbwegs stabil, das Schlimmste ist vorbei)

    Geburten bis 1989: ca 45/Jahr
    Geburten 1995: ca 7/Jahr
    Geburten 2011: ca 15 / Jahr (es hat sich wieder deutlich gebessert)

    Arbeitsplätze im Ort 1989: ca 4000!!
    Arbeitsplätze im Ort 2011: ??? 500 geschätzt

    Arbeitslosenquote Landkreis: ca10%

    Kriminalität 2011: gefühlt 0 (mir ist auch nichts bekannt)

    ZUSAMMENFASSUNG:
    Durch den Niedergang der 2 Großbetriebe im Ort sind über 3000 Arbeitsplätze in dem 2600 Seelen-Ort weggefallen. Diese tiefgreifende Veränderung ist auch heute noch in der Stimmung der Menschen spürbar. Trotzdem geht es seit 10 Jahren langsam wieder AUFWÄRTS (gut zu sehen an der Geburtenrate). Leerstehende Einfamilienhäuser wie in anderen Regionen gibt es hier nicht, da gerade junge Menschen sich mit einem kleinen Budget etwas eigenes aufbauen können (ein Haus mit Grundstück kostet üblicherweise zwischen 40-150t€). Jeder der unter 50 ist und einen Job sucht bekommt einen! Man bekommt natürlich weniger Gehalt als im Bundesdurchschnitt, kann dafür aber sein Eigenheim im Alter von 40 Jahren abbezahlt haben. In welchem Ballungsgebiet kann man das schon durch eigene Arbeit leisten?
    Die Fotos haben nichts mit der heutigen Lebenswirklichkeit zu tun. Sie zeigen lediglich Relikte des Untergangs der DDR, mehr nicht. “Dorf der lebenden Toten” empfinde ich als Beleidigung.
    Zusammenfassend kann man sagen, Vockerode ist ein normales Dorf mit interessanter Geschichte in einer interessanten Kultur- und Naturlandschaft mit Relikten vom Untergang der DDR. Der Ortskern ist keine besondere Schönheit und viel los ist auch nicht, aber es ist lebenswert. Gerade wird das DSL-Netz ausgebaut, was dann eine 50t.der Leitung ermöglicht.

    ZU MIR:
    Ich bin Anfang 30, wohne mit meiner Frau und Tochter in unserem abbezahlten Eigenheim in Vockerode. Ich bin hier aufgewachsen und arbeite im Nachbarort in einem ortsansässigen mittelständischen Unternehmen als Projektleiter. Das Unternehmen ist nach der Wende entstanden und kann sich heute zu den Marktführern in Deutschland in der Branche zählen.
    Meine größte Sorge ist übrigens, dass meine Tochter hier zu behütet aufwächst.
    Zeit hier zu schreiben habe ich nur, weil mich die Grippe erwischt hat. Sonst würde ich gerade am Aufbau-Ost arbeiten;)

    Gern kann ich auch andere Fotos schicken, die von Lebensfreude erzählen.

    Hier noch einige Links:
    http://www.prozess-skulptur-gewaechshaus.de/gewaechshaus/zur-geschichte-der-gewaechshausanlage.html

    http://www.vockerode.de/

    http://www.marodes.com/galerie/industrie/kraftwerk-vockerode/

  29. “Ich bin Anfang 30,” “Zeit hier zu schreiben habe ich nur, weil mich die Grippe erwischt hat. Sonst würde ich gerade am Aufbau-Ost arbeiten”

    Und ich Depp sitz grade mit mit einem Hexenschuß am Schreibtisch. Realsatire, klasse.

    :-)

  30. … dann sollten Sie sich besser ins Bett legen und nicht am Schreibtisch sitzen und Kommentare durchstöbern.
    Das hinter meiner “Realsatire” sollte eigentlich ein smiley sein, aber naja, wie gesagt es wird LANGSAM besser ;-)

  31. Wirklich beeindruckende Bilder! Ich verstehe natürlich, dass gerade viele ältere Menschen enttäuscht von dem Niedergang dieser großen Industriebetriebe sind.
    Die monströsen Dimensionen dieser Anlagen machen mir aber vor allem klar, wie brutal damals ein ganzes Land in die falsche Richtung gearbeitet hat. Ich finde die hier teilweise geäußerte Nostalgie daher befremdlich. Diese Art zu wirtschaften führt doch auf direktem Wege in eine Umweltkatastrophe. Und die Lebensbedingungen der Arbeiter im Kraftwerk waren auch sicherlich nichts was man sich zurück wünschen muss.

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