Kolumne: 125 Jahre “Fetisch Feiern”

Ein Gastbeitrag von Alfred Fuhr

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Hallo Motorblöckchen Leser und Kommentatoren,

nachdem nun das Büro renoviert wurde und das Internet nach 2 Wochen Störung der Telekom wieder geht, hier also die Herrn Kupfer schon lange versprochene Anmerkung zu 125 Jahre Automobil Fetisch Feiern und dem ganzen Rest:

Fakt ist dass die “Rennreiselimousinen – Gesellschaft mit beschränktem Verständnis der Wirkungsweise eines Autos” die  Treiber und der Ikonen der automobilen Gesellschaft ganz prima ohne ein tieferes Verständnis technischer und sozialer (puuh) Zusammenhänge auszukommen scheint. Kein Schwein interessiert sich folgerichtig für den Geburtstag eines Patentes. Darum kann das allgegenwärtige Mercedes Marketing sich hier austoben, lustige oder peinliche Videos produzieren um sich heute selbst zu feiern.

Vergessen wird das die Tradition nicht vom Geld sondern von den biografischen Erlebnissen mit der Marke geschaffen wird und darum eine A- Klasse nur bedingt als Kulturträger der Marke herhalten kann. Vertrauenswürdig ist die Mercedes Politik gegenüber dieser gelebten von Herrn Kupfer schön beschriebenen gelebten Tradition nicht – da hat Herr Kupfer mehr als Recht- denn wer das Echte kennen gelernt hat wird eben von dem Postmodernen Marken – Zitate Fake auf vier Rädern  – nurmehr angewidet sein müssen.

Meine erste Mercedes Beziehung entstand durch den Kauf eines natürlich gebrauchten  – Strich-Achter Diesel Mercedes vor zig Jahren für 3000 Mark. Und bis heute vermisse ich dieses Raumgefühl und die Gutmütigkeit und dieses Geräusch beim langsamen Beschleunigen des 60- PS Autos.

Auch damals musste man einen wirklich guten Draht zum Schrauber Gewerbe haben, ich habe meinen Service beim Kauf gleich mit dazu erworben. Von ihm habe ich gelernt, dass es kein Motorschaden ist, wenn der Motor mal keine Leistung hatte sondern eine Brennkammerdichtung eben nicht mehr dicht war.

Die letzten 25 Jahre des Automobils habe ich bestimmt bewußt mit gestaltet und durch eine Abstimmung per Kaufvertrag immer wieder diese Beziehung erneuert.

Die Schilderungen zu dieser alltäglichen Beziehung  zum Auto – damit tun sich die Leitartikler auch sehr schwer, denn wann haben sie zuletzt mit dem Stolz des Besitzers ein Auto angesehen, da sie nur mehr in Testwagen neuesten Datums von einem Event zum anderen reisen und die Bodenhaftung dabei verlieren. Die Sicht der Benutzer auf unsere Autos- die Geschichten vom z.B. mit Ihnen auf der Autobahn Liegen bleiben und wieder flott werden, die Geschichten, die zu hören sind, wenn sich Menschen über ihr erstes Mal Schlüssel rumdrehen unterhalten, das ist eben nicht mit dem Marketing vereinbar, diese paradoxe Haltung die wir zum Auto haben entwickeln müssen, weil es so verdammt erfolgreich war und eben heute darum es so gewöhnlich und vulgär aussieht ist was da draußen rum fährt, gelle?

Alfred Fuhr

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6 Gedanken zu “Kolumne: 125 Jahre “Fetisch Feiern”

  1. Hallo Herr Kupfer,

    sehr interessant und erheiternd einen Beitrag von “dem” Herrn Alfred Fuhr hier zu lesen. Ich bin erst soeben auf diese Seite gestoßen und werde mich demnächst mal intensiv hier umschauen.

    Eines würde ich noch gerne wissen: Haben Sie Ihren Daimler mittlerweile verkauft? Diese Drohungen höre ich nämlich immer öfter im Bekanntenkreis, aber ich kennen keinen, der es tatsächlich gemacht hat.

  2. Hui, hier klopfen die 68er an die Tür und wollen ihren alten Stern wieder haben.
    Auf die ganzen schmutzigen Geschichten hinter dem “edlem Chrom – Sternchen” des deutschen Automobil- und Rüstungskonzerns, während der 125 Jahre, kann man in diesem Zusammenhang auch mal hinweisen. Das Motorblöckchen ist zum Glück kein reiner Benzidioten-Blog.

    Klasse Beitrag.
    Friedrich H.

  3. Motorblöckchen ist kein Benzidiotenblog, aber eine Plattform für frustrierte Nostalgiker, Sozialromantiker und tendenziöse, einseitige Meinungsmache. :-)


  4. Die Schilderungen zu dieser alltäglichen Beziehung zum Auto – damit tun sich die Leitartikler auch sehr schwer, denn wann haben sie zuletzt mit dem Stolz des Besitzers ein Auto angesehen, da sie nur mehr in Testwagen neuesten Datums von einem Event zum anderen reisen und die Bodenhaftung dabei verlieren.”

    Wie das denn? Die Chefredaktionen bekamen eine dicke Pressemappe mit Memory-Stick vollgepackt mit Text- und Bildmaterial zugeschickt und höflich wie bestimmt mitgeteilt, welche Themen der Konzern bis August vor oder hinter den von ihm bezahlten Werbeanzeigen stehen haben möchte.

    Der Herr Chefredakteur darf dann mal im nächsten Sommer, zufällig während seiner Sommerferien, eine 4 Wochen Testfahrt mit dem neuen SLK machen.

  5. Ein Leser hat mich auf den Artikel der Sueddeutschen Zeitung am 24.01. aufmerksam gemacht (Link ganz unten). Ihn sollte man unbedingt einmal gelesen haben.

    Bei der ganzen 125 Jahre Hype findet ein solches Maß an Geschichtsverklittung durch den Daimler – Konzern statt, dass es einem als Geschichtsinteressierten wirklich graust. Das geht schon mit der Zuschreibung der Erfindung des Verbrennungsmotors los, der nicht von Gottlieb Daimler, sondern von Nikolaus Otto bereits im Jahr 1876 erfunden wurde.

    http://www.ottomotor.org/

    http://library.thinkquest.org/C006011/german/sites/ottomotor.php3?v=2

    Klartext in der Süddeutschen: “Nicht Daimler sondern Benz”…

    “Sie können alles – außer hochdeutsch und den Erfinder des Automobils korrekt identifizieren. Die schwäbischen Landesherren, die selbst auf der offiziellen Pressekonferenz zum Jubiläum “125 Jahre Automobil” in Stuttgart von Gottlieb Daimler als Vater aller Autos schwärmten.”…

    “Hätte Carl Benz geahnt, was die späteren Visionäre und Propheten von Shareholder value und integriertem Technologiekonzern aushecken würden, vielleicht hätte er sich das Ganze doch noch einmal überlegt. Bei der Hochzeit im Himmel von Daimler und Chrysler anno 1998 wurde der Automobilerfinder jedenfalls kurzerhand aus dem Konzernnamen gestrichen. Übrigens ohne dass die Familie Benz darüber zuvor in Kenntnis gesetzt wurde, bestätigt Urenkelin Jutta Benz. Das waren auch die Zeiten, in denen die DaimlerChrysler AG sogar einmal ein Pressefoto von Carl Benz verschickte, das Gottlieb Daimler zeigte” …

    http://www.sueddeutsche.de/auto/jahre-auto-nicht-daimler-sondern-benz-1.1049415

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