125 Jahre Automobil: Geistesgeschichte der Brennstoffzelle seit anno 1596

Gastbeitrag von Alfred Fuhr

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Hallo Motorblöckchen Leser und Kommentatoren,

bereits im  Cherub Wagen,  einem anonymen Kupferstich aus Joannes Baptista Villalpandos ” In Ezechielem Explanationes, Rom 1596, wird ein göttlichen Fahrzeug dargestellt, das ohne Pferde sondern von göttlicher Energie oder Engeln bewegt wird.

Der Clou dabei ist. Genau an der Stelle wo mehrere hundert Jahre später dann ein Frontmotor eingebaut ist, findet sich die Darstellung eines kleinen Kästchens, vielleicht eines Motorbloeckchens?

Die Darstellung lässt sowohl eine heilige Flamme erahnen als auch eine Art Schmuck, dass diesen Schrein ziert. Abgedruckt ist das Bild in dem Buch des Marburger Medien und Literatur Professors Jörg Jochen Berns, der die “Herkunft des Automobils aus Himmelstrionfo und Höllenmaschine”  (Wagenbach  Verlag Berlin 1996) aus solchen Darstellungen wissenschaftlich ableitet.

” So muss die Frage nach dem Ursprung des Automobils unbeantwortet bleiben, wenn lediglich technologiegeschichtlich argumentiert, wenn nur die Erfindungsgeschichte von Dampf-, Benzin- oder Elektrofahrzeugen berücksichtigt wird, die ist erschöpfend erforscht, erschöpfend auch beschrieben, erklärt aber den Automobilitätswunsch und die Automobilitätslust nicht, die in der Autobahnraserei ihr provisorisches Genügen und ihr radikales Ungenügen findet. Die Anfänge des Bemühens, den Automobilitätswunsch maschinell zu befriedigen durch zugtierlose und insofern selbstbewegte Fahrzeuge, liegen in der Renaissance, in jener europäischen Neugierepoche, in der Mittelalter und frühe Neuzeit einander überblenden.”

Genau davon handelt sein Buch und ich empfehle es allen “car guys” um zu verstehen, was die Herausforderungen der automobilen Gesellschaft wirklich sind: Theo Romahn, der leider zu früh verstorbene Begründer der Initiative autobmobile Gesellschaft, hat die automobile Gesellschaft so beschrieben, dass das Automobile eben nicht nur ein Fahrzeug oder das Auto fahren meint, sondern vor allem die “Selbstbeweglichkeit im Denken und Handeln” braucht.

Und diese Selbstbeweglichkeit sollte sich auch 125 Jahre nach dem Ingenieurspatent im Design des Automobils, seiner Formensprache auch ausdrücken lassen können, sollte man meinen, doch die Gesellschaft und ihre Nutzer geben sich anscheinend nurmehr mit postmodernen Zitaten und verkrüppelten Billig Kopien von Originalen zufrieden.

Alfred Fuhr

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18 Gedanken zu “125 Jahre Automobil: Geistesgeschichte der Brennstoffzelle seit anno 1596

  1. Herr Fuhr,

    ein hoch interessanter Beitrag. Kompliment. Als sie mir vor Wochen den Namen Theo Romahn nannten, kam ich nicht gleich drauf. Liegt schon ein paar Jahre zurück, da hatte ich die Broschüre mal durchgelesen. Theo Romahn scheint wie weiland Martin Luther den Teufel an der Wand gesehen zu haben, bei ihm war er “grün”, und er hat zu Lebzeiten bestimmt einige nachdenkenswerte Thesen aufgestellt, insbesondere auch zum Versagen der Politik in den letzten 2 Jahrzehnten.

    U.a. seine These: “Grüne Forderungen lösen größtes Menschen-Vernichtungsprogramm der Geschichte aus” und seine Begründungen dafür, sind grade unter Politologen und vor allem Volkswirtschaftlern sehr umstritten. Dies dürfte Ihnen hoffentlich bekannt sein.

    Wer sich heutzutage für mehr als nur den täglichen Speiseplan im Dschungel-Camp interessiert, dem sei unbedingt mal der nachfolgende Aufsatz zur Lektüre empfohlen:

    http://www.konservativ.de/iamg/romahn2.htm

    Nochmal, ein klasse Beitrag. Vielen Dank.

    Detlef Kupfer

  2. Der Hinweis oben mit der Brennstoffzelle anno 1596 ist klasse.

    Größte Schwierigkeiten habe ich, das Geschurbel in dem Besinnungsaufsatz im link von Detlef zu lesen. Mann-oh-Meter!

    Ich mache heute abend aber nochmal einen Versuch. Aber vermutlich sollte man dazu besser in ein Dschungel-Camp gehen.

  3. Uli,

    ist doch garnicht so schwer zu verstehen.

    Kurz gesagt: Theo Romahn war einer der glühensten Verfechter u.a. des Automobils (und leider auch der Atomkraft). Sein Handicap zu Lebzeiten dürfte seine, ich sage mal vorsichtig, stark geistenwissenschaftliche Betrachtungsweise gewesen sein.

    Das wenige, was man heute über ihn findet, ist zugegebenermaßen fast schon illuminatorisch angehaucht, so a la Kopp.-Verlag. Ganz anders lesen sich die vielen Artikel die Theo Romahn bspw. im Jahr 1977 “über die Zukunft der automobilen Gesellschaft” in AMS geschrieben hat.

    Herr Fuhr wird da bald noch einige interessante Beiträge zu dem Thema “Theo Romahn” und “Automobile Gesellschaft” bringen.

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  4. Wer redet von Verstehen?
    Es bereitet mir einfach nur Schmerzen. Allein schon der Schreibstil.

  5. Kleiner Nachtrag: Ein aktuelles Beispiel für eine solche soziologisch interessante clevere mittelständische Variante automobilen Designs fand ich beim heute auf dem i- phone wieder. Um die Jahreswende herum fand ich beim Window-Shopping in Frankfurt dieses Objekt.

    Gruß, Alfred Fuhr

  6. Fällt mir nur der Begriff “Awareness” dazu ein. Obwohl, ob grade die Eltern und Omas und Opas durch die 125-Jahre-Gehirnwäche-Werbung schon mental so auf die Zahl fixiert sind, dass sie um den Filius zu beglücken für ein Stück Plastik mit Rädern dran 125 Euro blättern, wage ich mal zu bezweifeln. Kaum vorzustellen, wenn Deutschland schon 250-Jähriges feiern würde… :-)

    Update: Ich gebe zu, obwohl das Herz meiner Tochter als sie ca. 4 Jahre alt war, für einen Tretroller, eine exakte lilafarbene Kopie einer ital. Vespa, entflammte, habe ich – Paternalismus pur – ihr dann etwas 4-rädriges für ihre ersten Fahrgenüsse gekauft.

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  7. Ich habe mir eben mal die Rezension seines Buchs “Politik gegen die Autofahrer” durchgelesen:

    Obwohl Autofahrer die überwiegende Mehrheit der Bewvölkerung stellen, werden sie auf ganzer Linie gegängelt, diffamiert und abgezockt. Romahn weist in seiner tiefschürfenden, aber leicht zu lesenden Untersuchung nach, daß die autofeindliche Propaganda wissenschaftlich nicht fundiert ist; Schuldkomplexe wegen angeblich schädlicher CO²-Emissionen, “Klimakatastrophe” oder “Ozonloch” – um die beliebtesten der Schlagworte zu nennen – sind fehl am Platze. Wie negativ sich die Umwelt-Ideologie volkswirtschaftlich auswirkt, weist Romahn anhand des weitgehend überflüssigen U-Bahn-Baus, der Einführung des Katalysators für Pkw oder der kernenergiefeindlichen Politik nach. Romahn arbeitet die dafür verantwortlichen politischen Strukturen heraus stellt mit neuartigen Konzepten zur Bündelung von Strasse und Schiene Lösungsvorschlage für die Verkehrsproblematik zur Diskussion. – Dieses hochaktuelle Buch ist unbedingt lesenswert, nicht nur für Autofahrer!”

    Das wäre der richtige Mann an der Spitze des ADAC des 21. Jh. gewesen. Da hätten die Mineralölkonzerne mit ihrer derzeitigen Bio-Sprit-Abzocknummer aber ganz schlechte Karten gehabt.

    Gebraucht für 3,20 €, ich werde mir mal so ein Buch von ihm bestellen.

    Seh rschöner Beitrag. Zumindest die für den Betrieb der Brennstoffzele notwendigen Elemente waren damals alle schon vorhanden.

    Alphons

  8. Hallo Herr Fuhr,

    bei Ihrer Kolumne “125 Jahre Fettisch Feiern” war ich mir noch nicht ganz sicher. Jetzt bin ich es.

    http://www.ziv.de/download/wayflow4/WAYflow4_fuhr.pdf

    Sehr schön geschriebener Beitrag. Es geht doch nichts über das Wissen um die historischen Hintergründe und die Fähigkeit einen Kontext zur Gegenwart herstellen zu können. Was würde Theo Romahn wohl heute 2011 sagen, wenn er die heutige Angepasstheit etablierter Parteien an Positionen der Grünen in den 1970er Jahren erleben würde? Ich bin gespannt auf weitere Beiträge zu diesem Thema von Ihnen.

  9. Ich lach mich tot. Theo Romahn der Warner vor der “grün-marxistischen Weltverschwörung”. Vielleicht alles heute noch interessant für Soziologen und früher mal für schwarze und rote Parteiideologen (Börner: “ich lege mich in ein Ackerfurche und lass den grünen Wind über mich wegziehen”), aber 2011 nicht mehr ganz up to date.

    Ich stell mir vor, er hätte damals als Architekt bei der Stadt Düsseldorf seine Pläne frei umsetzen können, dann sähe es dort heute so ähnlich wie hier aus:

    http://www.darkroastedblend.com/2006/11/incomprehensible-intersections.html

    Nein danke.

  10. Pingback: 125 Jahre Automobil: Vierrad – Antrieb anno 1509

  11. Ich frag mich immer, sind Autos ein Segen? Zumindest in Bayern kann man Fahrzeuge von katholischen Priestern SEGNEN lassen!

  12. “Propeller- oder Düsenantrieb, Atomreaktoren und Aerodynamik-Konzepte, die ihrer Zeit zu weit voraus waren: Auto-Konstrukteure verfolgten eine Vielzahl von hoffnungsvollen Entwicklungen, die schließlich auf dem Schrotthaufen der Automobilgeschichte landeten.”

    http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,745937,00.html

    Brennstoffzelle … warum nicht schon 1596? :-)

  13. Pingback: 125 Jahre Automobil: Theo Romahn, berechenbarer Fortschritt

  14. Hallo Detlrv, 2012 ist nicht nur das Jahr des demografischen Wandels (das hat die EU ausgerufen) sondern seit dreißig Jahren gibt es eine sehr interessante Rechnung die 1972 ein Forschungsingenieur von Bosch aufgestellt hat und der uns allen klar machen sollte, dass alte Autotecmotortechnik wie der Ottomotor schon damals in den siebzigern den Hybrid-und auch auch das Elektroauto in der Berechnung geschlagen hat. -und etwas besseres war damals und auch bis heute nicht in Sicht …Sehr lesenswert angesichts des Bohei, der um das Elektroauto als Lösung für die zukünftige Mobilität in der Stadt gemacht wird. Das Zitat findet sich auf meiner neuen website auf die ich hier freundlich verweisen will, gelle?

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