05.03.2011: “Es begann bei der Rallye Monte Carlo”

Männer, Erinnerungen und Bücherregale, bei mir stehen ganz wenige Bücher drin, die ich zwei-, dreimal oder noch öfters gelesen habe. Jägermeister Racing von Eckhard Schimpf, dem Vollblüter der Motorjournalisten, Rennfotografen, dem Rallye- und Rennfahrer der 60er und 70er Jahre, ist ein solches Buch. 
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Sein Grossvater war Wilhelm Mast, dessen Neffe der grade verstorbene Günter Mast und dessen bekanntes Geweih-Gesöff ich früher nach magenkrampf-auslösenden  1,70-Billig-Dönern, zugegebenermaßen aber auch eine Zeitlang  mal aus Baccarat – Gläsern, weil es In war, in mich hineinschlürfte.
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Eckhard Schimpf erzählt in seinem Buch “Jägermeister Racing” in einer unnachahmlichen Art, wie sie nur der Rennfahrer und Journalist in die Tasten hauen kann, über den Beginn seiner Karriere, über Rallyes und Autorennen, über seine damaligen Freunde die Rennfahrer und späteren Weltmeister, alles aus erster Hand geschrieben, denn er war bspw. zweimal Sieger beim berühmten 1000 Kilometer Autorennen auf dem Nürburgring, 1976 und 1979.
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Dieses Alpina-Jahr ist mir nicht wegen der Alpina-Erfolge so plastisch in der Erinnerung verwurzelt, sondern eher wegen des Hauptakteurs Lauda – einer Persönlichkeit, wie sie heute nur noch selten an den Rennstrecken zu treffen ist… Wir saßen mal nach dem Freitag-Training zum Sechsstunden-Rennen in der “Hammesmühle” im Nettetal bei Mayen, wo der Jägermeister-Vertriebsvorstand Walter Sandvoss ein Abendessen gab. Etwa gegen 21.30 Uhr wisperte Niki mir fragend ins Ohr: “War ich lange genug da? Tangiert das eventuelle spätere Sponsorgespräche zwischen uns negativ, wenn ich jetzt abhaue?” – “Nein”, sagte ich, und ruckartig erhob sich Lauda, nahm Mariella an die Hand und verschwand… Der aus kultiviertem Haus stammende Wiener Junge hat es mal so formuliert. “Wenn ich mich da so zurückerinnere: Schal, Mantel, Steirerhut – auch wenn es nicht kalt war. Ich glaube, ich war ein echtes Seicherl.” Auf Deutsch: Ein Weich-Ei.

Wen’s mal interessiert, muss sich nicht gleich das Buch kaufen, obwohl es die rd. 25 Euro mehr als wert ist. Die Braunschweiger Zeitung hat vor 3 Jahren aus 35 Kapiteln des Buches Auszüge von Eckhard Schimpf abgedruckt, u.a.  “es begann bei der Rallye Monte Carlo”

So, jetzt werde ich mich mal aufs Fahrrad schwingen und die ersten paar  Kilometer dieses Jahres Richtung Taunus durch die Sonne fahren, damit ich nicht mehr ganz so alt und gebrechlich daherkomme, und in ein paar Wochen schneller trete, als andere junge Leute. Man will ja kein Seicherl sein, auch wenn ich auf dem Rückweg mal an der Konditorei halt mache.

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2 Gedanken zu “05.03.2011: “Es begann bei der Rallye Monte Carlo”

  1. Schöner Link und danke für den Buchtip. Ich habe im Web mal reingelesen. Eckard Schimpf schreibt wenn man das heute liest, wie aus einer anderen Zeit. Ein N. Lauda hat damals pro Renneinsatz 5.000 Mark gekriegt und musste mehr oder weniger sein Auto noch selbst reparieren und warten.

    Da ist mir der Spiegelartikel eingefallen, wo ein vom Erfolg wohl doch überfordertes Bübelchen über die kleine Raupe Nimmersatt, uns Zuschauer, schwadroniert.

    http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,745090,00.html

  2. Pingback: Die Freuden leichtfüßiger Optimisten vom Polytechnikum

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