Jaguar C Type #XKC-003; Siegerwagen mit VIN, oder “Replicate” in every Detail?

 

Es scheint schon eine heiße Szene in der Eliteklasse alter Boliden zu geben, insbesondere dann, wenn diese mal die magische Grenze der halben Million und gar der Millionen, durchstoßen.

“…Wir gehen allerdings eindeutig von einem Conversion und nicht von einem Original aus. Ein Original mit Renngeschichte bewegt sich meist im Bereich einer Million Euro und mehr. Bei den ganz besonderen Fahrzeugen dieser Art kommt es leider immer wieder vor, dass ein Weiteres, mit mehr Originalteilen und besseren Belegen der Historie, zum Original gekürt wird. So gibt es zwei fast gleiche Fahrzeuge, selbst die Nummern sind oft gleich, aber Original ist nur eines davon. Wichtiger ist für den Fahrzeugliebhaber aber sicher der Aufbau, die Qualität und der solide Alubody, die dem Wagen seine besondere Ausstrahlung verleihen und daß er den Wagen zu einem Preis bekommt, der beinahe bei den Kunststoffnachbauten liegt…”

Ich weiss, aber ich habe gestern Abend lange an den zwei gestrigen Kommentaren von “Jörg” zu nagen gehabt, habe überlegt, ein wenig recherchiert (Neudeutsch: Desk-Search) und bin letztlich zur Entscheidung gekommen, dass diese Kiste einfach zu interessant ist. “Jörg”, der hier schon oft seine jahrzehntelangen Erfahrungen, Sachverstand und Know-How betreffend alter, oftmals millionenteuerer Oldtimer, in sachkundigen  Kommentaren eingebracht hat, schrieb gestern zwei Kommentare und stellte am Ende eine interessante Frage:

“…es werden in Deutschland der C Type #XKC-003, LM Siegerwagen und nachweisslich verschrottet, angeboten und #XKC-044. Letzteres Fahrzeug gehört seit vielen Jahren, einem Sammler in Australien und wird selten in der Öffentlichkeit gezeigt. Diesen Umstand hat man dazu benutzt, in Deutschland einen zweiten Wagen, mit dieser Fahrgestellnummer zu bauen und bietet ihn jetzt, als den ‘Echten’ an”.

“…mich regt eher auf, das in Deutscland zur Zeit 2 Jaguar C Type, als echt angeboten werden, obwohl sie beides Fälschungen sind. Wenn ich sie zu den vielen anderen echten Falschen dazurechne, die aus Deutschland kommen und angeboten werden, wird mir ganz anders…”

“Ist Betrug langsam ‘in’ und wird gerne übersehen???? Gibt es schon zuviele MB SSK, Veritas und Alfas, das man jetzt in Jaguar macht?

Fakt ist: Der Jaguar C – Type #XKC-003, wird hier in Deutschland  angeboten  und unter anderem auch hier, für 1.600.000 Euro, unter Hinweis auf den “Siegerwagen von 1951 Le Mans”. Hört man sich dann so wie ich heute, die Geschichte des deutschen Vermittlers aus Köln an, “ein Auto was angeblich 1957 als Schrotthaufen von einem Franzosen gekauft”, “danach in der Schweiz wieder komplett aufgebaut” und “1961 wieder zugelassen wurde”, mit “VIN-No.”, “FIVA-Pass” und “mehreren Gutachten”, “lediglich mit einer einzigen fehlenden VIN-No. im vorderen Rahmenteil”.

In Foren wie PistonHead sprechen ein Freddi von Rost  und Andere, die diesen berühmten XKC-003 auch schon entdeckt haben, über den bei einem Rennen in Browns Lane am 29. August 1953 zu Schrott gefahrenen und jetzt wieder aufgetauchten Wagen, unter konkreten Hinweisen auf vom Originalwagen abweichende Details, ganz offen über einen Fake.

Fakt ist wohl: Einer bietet nach eigenen Angaben den “original Siegerwagen von 1951″ an, wie oben beschrieben, “1957 aus einem Schrotthaufen wieder zusammengebaut”, “mit VIN-No.”, “mit FIVA-Pass”, etc., …

und am anderen Ende der Welt, in New Zealand, hat ein Blechgott, Transley Panels,  genau einen identischen Wagen, den hier, einen   Jaguar C-Type  #XKC-003, im Jahr 2008 als Replicate” nachgebaut…

“…Our aim has been to replicate in every detail the winner of the 1951 Le Mans, the Jaguar C-Type Chassis #003.”    “…Our first vehicle has sold in Dez. 2008 and is heading to Germany and we are looking for further commissions”.

und verkauft ihn 2008 nach Deutschland. Ist das nicht total abgefahren? Gibts jetzt etwa zwei?… oder nur “Kommunikationsprobleme” und in Wahrheit… nein, die Frage traue ich mich jetzt nicht zu stellen. Im XK-Data-Portal wird dafür schon heftigst diskutiert.

Ganz egal, jeder Depp, mit Verlaub, kann sich so einen Wagen mit zweifelhafter Herkunft und Authentizität kaufen, wenn er den bereit ist, ein Vermögen für einen überteuerten und vielleicht sogar “gefälschten” Wagen auf den Tisch zu legen. Ich vermute mal, es ist bei vielen Leuten die das tun, fast so viel Eitelkeit mit im Spiel, wie beim Ergattern der Karten für Wagners Ring bei den Bayreuther Festspielen,

und wie bei anderen, wie bspw. den mindestens 90 Besitzern falscher Mercedes – Benz “SSK – Kompressoren”, die ich auch nicht unbedingt kennenlernen muss.

Ganz offen gesagt, so ein C-Type, da würde mir auch die Proteus Replica reichen, so wie den meisten meiner Freunde, die die Bodenhaftung nicht verloren haben. Aber das ist er eben, der Unterschied, den ich mir wünsche.

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P.S. Der von Jörg genannte Jaguar C – Type #XKC-044, bei dem es sich um einen originalgetreuen Nachbau handeln soll, vielleicht “the further Commission” (?), wird übrigens  hier von der Martini – Garage angeboten.

P.P.S. Die Fotos sind natürlich nicht von mir, sondern von der New Zealand Company, die die Replica baute.

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15 Gedanken zu “Jaguar C Type #XKC-003; Siegerwagen mit VIN, oder “Replicate” in every Detail?

  1. Siegerwagen Le Mans 1951 zu verkaufen, bei so einer Meldung und dem Gedanken, selbst, mit klassischem Stirling Moss Helm hinterm Lenkrad sitzend, endlich mal die Runden zu drehen, von denen jeder als kleiner Junge geträumt hat, schnellen bei meist älteren Herren mit dicken Brieftaschen die Adrenalinwerte an die Decke.

    Warum wohl, hatte Stefan Luftschitz, das Cleverle, am Hitzelsberg die Teststrecke gebaut? Den Braten isst man, so lange er heiss ist.

    Ich will gar nicht wissen, wie hoch die Dunkelziffer ähnlicher Fälle bei Pre War Autos ist, wo sich diese Fahrzeugdaten nicht an Hand von Datenportalen verifizieren lassen.

  2. @Holger,
    die Dunkelziffer ist hoch, aber das finde ich nicht so schlimm. Laut FIA, kann man bei den meisten Veranstaltungen auch Nachbauten einsetzen, wenn sie der orginal Spezifikation entsprechen.
    Das Problem aller Nachbautenfahrer ist leider der Gesetzgeber, denn, wie kriege ich einen alten Neuwagen auf die Strasse.? Die schaffen weder Abgasnormen, noch Chrashtests.
    Viele benutzen dafür alte Fahrgestellnummern, um dies zu umgehen.

    Ich frage mich aber, was soll denn an einer Replika 1.6 Millionen wert sein? Der reine Nachbau dürfte kaum mehr als 100000 betragen und diese dann als den Siegerwagen anzubieten, ist für mich Bauernfang, der bestraft werden sollte. Dann kann ich auch nach Argentinien fahren, mir eine MB SSK Replika, für 750000USD kaufen und alleine durch den illegalen Akt, das ich eine Fahrgestellnummer da reinklopfe und eine tolle Geschichte erfinde, kann ich an den Verkaufspreis, eine Null dranhängen. Leichter geht Geldverdienen nicht, ich muss nur ein paar Dumme finden.

  3. Seit dem ich hier den Beitrag über Carosserie Yaman und auch andere Blechgötter gelesen habe, halte ich nichts mehr für unmöglich. Ein Bekannter meinte mal, es bräuchte nur einer original Hinterachse und eines alten Stücks Bodenblech von einem alten Horch, eines Blechgotts der die “Schöpfungsgeschichte” und den Komplettaufbau beherrscht und dem Kleingeld dafür, um einen echten Horch auferstehen zu lassen.

    http://motorbloeckchen.com/?p=6459

    Grundsätzlich nichts dagegen. Aber so wie man manchen Mercedesen ehem. Nazigrößen als Eigentümer andichtet, um sie für sabbernde Interesenten gut und teuer zu machen, werden hier “Siegerwagen” kreiert und Käufer halt besch……

  4. Eine hochinteressante Geschichte, wo man so manches Objekt der Begierde, was auf der TC angeboten wurde, gleich mal weniger emotional sieht. Es ist schon toll und erschreckend zugleich zu sehen, was richtige Karosseriespezialisten in der Lage sind, auferstehen zu lassen. Guter Beitrag und mal was anderes wie der jounalistische Einheitsbrei über Rekordbesucherzahlen etc..

  5. Herr Kupfer, eine sehr gute Recherche und mal ein hochinteressanter Beitrag, der ein wohl viel häufiger auftretendes Problem als es die Meisten glauben oder zugeben, aufgreift. Hut ab.

    Ich habe 1975 in Amerika einen MB W198 – Roadster sehr günstig gekauft. Das Auto war 1964 von einem in Deutschland stationierten Amerikaner mit zurück in die Heimat genommen worden. Das Auto stand bis 2001 bei meinen Eltern in Santa Barbara. Nach einigen Reparaturen und Verschlimmbesserungen in Deutschland wollte ich es 2003 zulassen und musste feststellen, dass es mein Auto, von dem ich den original alten deutschen Kraftfahrzeugbrief hatte, schon einmal gab.

    Bei dem, was danach folgte, machte auch das Classic-Center, vorsichtig ausgedrückt, eine sehr unglückliche Figur. Erst mit einem wasserdichten und gerichtsfesten Gutachten einer TÜV-Organisation bekam ich quasi mit der Brechstange, den Wagen 4 Monate nach dem ersten Anlauf zugelassen.

    Was dann folgte aber nicht mehr mein Problem war, war ein erbitterter Rechtsstreit zwischen dem Besitzer des doppelten Lottchens und dem Händler, der ihm den Wagen erst 2001 verkauft hatte, der wiederum einen zweiten Händler verklagte, der ihm den Wagen verkauft hatte, der, Sie werden es jetzt nicht glauben, einen dritten Händler verklagte, der den Wagen schon 2000 an Händler II verkauft hatte. Alles renommierte Namen aus der Händler / Restauriererszene.

    Vor etwa 5 Jahren war einmal ein Journalist bei mir, der für ein bekanntes Motormagazin über diesen Fall schreiben wollte. Einige Wochen vor dem geplanten Erscheinungstermin rief er mich an um mir ziemlich zerknirscht mitzuteilen, sein Beitrag sei aus Opportunitätsgründen und Regie von Oben, on hold gelegt worden. Bis heute?

  6. Dann bin ich mal darauf gespannt, was mich erwartet. Eines meiner Autos gibt es mindestens 10 mal, weltweit. Ein findiger Argentinier hat seinen historischen Rennwagen, mehrfach kopiert und verkauft. Alle mit der gleichen Chassisnummer, identischem Aussehen und gleicher Geschichte. Was mich beruhigt, ein bekannter amerikanischer Sammler hat auch einen Le Mans Siegerwagen, gleicher Marke, der nachweisslich zerstört wurde und um die Nummer herum, wieder auferstand.

  7. Man sollte mal den Neu-Seeländer Giles Aubrey direkt anfragen, ob das hier in Deutschland angebotene Auto das ist, was er auf seiner Webseite als “Replica” vorgestellt hat. Wenn ja, koente der Anbieter aus Koeln aber schoen ins Schwitzen kommen.

  8. @ Fettpresse

    der Blechgoot, der dieses Auto XKC-003 in New Zealand als Replicate baute, ist nicht Giles Aubrey, sondern Tranley Panels. Kein Unbekannter:

    http://www.tansleypanels.com/articles/artist.jpg

    Anfrage? Längstens passiert. Ich habe da gestern Abend eine E-Mail bekommen, auch von einem Szene-Kenner. Huiiii….

    Aber wie Du auf dem Foto des Zeitungsartikels siehst, hat Tranley Panels einen Karosserie-Formbock aus Holz als Master-Form gebaut. Er kann also noch beliebig viele XKC “Siegerautos” :-) bauen

    .

  9. Eines meiner Autos gibt es mindestens 10 mal, weltweit

    Jörg,
    und was macht Sie so sicher, dass Sie den Echten von den 10 haben?

  10. @Helmut,
    das behaupte ich nicht. Ich dachte es wären nur ein paar Nachbauten. Über den ehemaligen Registrar des Delahaye Clubs wurde ich informiert, das es mind. 10 Autos gibt. Da der Argentinier immer noch einen hat und ihn bei historischen Veranstaltungen bewegt, könnte das der ‘Echte’ sein.

  11. und es geht weiter.
    Bei einem Londoner Auktionshaus wird mal wieder ein Maserati A6 GCS angeboten, ein Nachbau mit zweifelhafter Geschichte. Die suchen schon seit Jahren, nach einem Dummen.

  12. Es ist hart aber fair und unbedingt mal notwendig, einen solch kritischen Bericht zu schreiben. Wobei das nur die Spitze eines Eisbergs ist. Was mein Schwiegervater und ich in den 1990er Jahren mit dem Kauf eines Bugatti T35 erlebten, als man noch nicht wie heute im Internet recherchieren konnte und selten Tips bekam, würde sich wie ein Krimi lesen. Wir hätten 1993 um ein Haar einen T35 von einem angeblichen Sammler gekauft, mit den original Papieren. Wie sich erst kurz vor der Zahlung an besagtem Sammler rausstellte, stammte das Auto bis auf die letzte Schraube aus einer Manufaktur in Südamerika und war in Europa von Spezialisten mit alten Aggregaten und Anbauteilen aus Teilesammlungen auf alt getrimmt worden. Letztendlich nur, weil wir über Umwege einen Käufer kennenlernten, der zwei Jahre vorher ein solchen Nachbau gekauft hatte und sich nicht wie die meisten “Beschissenen” scheute darüber Auskunft zu geben, bewahrte uns vor dem Verlust eines sechsstelligen Betrags.

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