14.06.2011: SEDisierung

Ich wünsche jedem Denunzianten, egal ob er wie der “Motoreninstandsetzer” Robert Nolte, meine Copilotin wegen verspäteter Abgabe ihrer Steuer-erklärungen beim Bundesamt für Justiz denunzierte angezeigt hatte oder seinem Rechtsanwalt Jochen Külschbach, der dafür rotzfrech Honorarrechnungen an meine Copilotin schickte, den baldmöglichsten, firmenmäßigen Exitus.

Und da gibt es noch eine Steigerung, eine Sorte Denunzianten, die sich per E-Mail melden: Das sind die, die einfach so Munition über andere liefern. Bei mir, über Pfingsten. Offenbar ehrenwerte Marktteilnehmer aus der Oldtimer – Branche und Dauerleser im Motorblöckchen. Da geht es dann nicht um legitimes Interesse an Aufklärung über angeblich echte Jaguar XKC’s, um gefakte Bugatti’s T35, über den Tisch gezogene Oldtimer-Käufer, nein, sondern um private, wirtschaftliche Probleme oder das Vorleben von Leuten, die vor einem Jahr noch keine selbständigen  Oldtimer – Händler waren,  noch keine Mitwettbewerber.

Ich würde mit Robert Nolte nicht (mehr) in einem Raum mit 2.000 qm sein wollen, und seit Sonntag genau so wenig mit @.de, der offenbar inspiriert davon, und weil ich vor Monaten mal ein Telefonat mit ihm führte, mir über Pfingsten persönlichste Dinge über zurückliegende Betrugsdelikte und Vorstrafen eines heute Oldtimer – Händlers, inklusive Gerichts-Aktenzeichen, per E-Mail zuschickte, nicht anonym, sondern mit seiner validen E-Mail-Adresse, ein regelrechtes Dossier, mit der Begründung, es seien halt Fakten und wenn ich schon über einen Stefan Luftschitz Blogbeiträge geschrieben hätte, “dann könnte ich doch auch mal…”

Am liebsten wäre es mir, wenn es derartige Dinge und vor allem Menschen, einfach nicht mehr gäbe. Das würde aber voraussetzen, mit einer typisch deutschen Eigenart so mancher Zeitgenossen zu brechen: Der Feigheit.

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9 Gedanken zu “14.06.2011: SEDisierung

  1. So 21 Kompressor Mercedes aus einer Sammlung erstmal ankaufen und danach verkaufen, sich mal nicht eben so am Telefon an ein paar Sammler. Da dürfte Herr Luftschitz bestimmt den einen oder anderen “Händlerkollegen” mit eingespannt haben. Wer weiß, vielleicht konnte der eine oder andere grade nicht mitdealen und andere haben Glück gehabt und dazu auch an seinem Steuerminmierungsmodell – zunächst – partizipiert?

    Interessant dürfte sein, wenn man es überhaupt jemals erfährt, wie die Steuerbehörden Luftschitz auf die Schliche gekommen sind. Ich vermute mal, ähnlich wie man Ihnen jetzt die kompromitierenden Infos zuschickte, an die Steuerbhörden, aber höchstwahrscheinlich ohne valide E-Mail Adresse.

  2. Manches ist mir in dem Beitrag auf Anhieb nicht ganz nachvollziehbar.

    Ich habe kein Problem nachzuvollziehen, daß das Verhalten von Herrn Nolte und seines Umfeldes unanständig ist und ihn daher auch nicht Ihre besten Wünsche für die Zukunft begeleiten.

    Differenzierter sehe ich es auf der Grundlage der Schilderung mit dem Ihnen offenbar übermittelten Unterlagen. Sie leisten hier eine journalistische Arbeit, die teilweise umfassende Recherchen erfordert. Manche Ihrer Beiträge wären sicherlich nicht entstanden, wenn Sie nicht von einer Person mit profunden Kenntnissen irgendwelche weiterführenden Hinweise, Anregungen oder Auskünfte erhalten hätten.

    Sie haben in der Vergangenheit mehrfach in fundierter Weise unseriöse Geschäftspraktiken im Oldtimerszene angeprangert. Es also ein Thema, daß Sie zu interessieren scheint.

    Die Quelle ist Ihnen gegenüber nicht anonym aufgetreten. Die Schilderungen sind mit weiterführenden Angaben versehen, die eine Prüfung des Wahrheitsgehaltes der zugrundeliegenden Information zulassen. Ob und in welchem Umfang man solche Informationen im Rahmen der jouranlistischen Tätigkeit verwendet, ist doch dann letztlich eine Frage der Relevanz und der Standhaftigkeit sich nicht für fremde Zwecke instrumentalisieren zu lassen. Es scheint mir evident zu sein, daß man bei der Bewertung der Information sorgfältig sein muß, da auf Seiten des Informanten auch wirtschaftliche Erwägungen im Spiel sein können. Das diskreditiert den Informanten aber nicht per se.

    Die Substanz der Vorwürfe scheint zu sein, daß gegen einen Oldtimer-Händler Betrugsvorwürfe und andere strafrechlich relevante Vorwürfe erhoben wurden und es hier wohl auch zu rechtskräftigen Verurteilungen gekommen ist.

    Betrug ist ein Charakterdelikt, denn es erfordert die “stärkste” Form des Vorsatzes, nämlich die Absicht durch Täuschung sich oder einem Dritten auf Kosten des Opfers einen Vermögensvorteil zu verschaffen. Betrug kann mal also als Täter nicht fahrlässig begehen wie etwa eine fahrlässige Körperverletzung im Straßenverkehr.

    Mithhin kann die Sache also durchaus für die heutigen Geschäftspraktiken dieses Händlers eine Relevanz haben, wenngleich die Strafrechtstheoretiker immer auf die Resozialisierung durch Strafe hoffen. Ich will nicht unterschlagen, daß die Berichterstattung über früherer Straftaten in Deutschland mit Blick auf das Persönlichkeitsrecht des Täters im Einzelfall heikel sein kann und entsprechender Abwägung bedarf.

    Aber zurück zum Kernvorwurf, den Sie dem Informanten machen: worin erblicken Sie die Feigheit?

  3. Aggie,

    danke, wirklich gut geschrieben und eine interessante Sichtweise.

    Also: Hätte ein normaler Leser mit diesem Oldtimerhändler bspw. wegen einem angebotenen Auto persönlichen Kontakt gehabt, hätte aus Interesse oder Vorsicht recherchiert und wäre darauf gestoßen, und hätte es mir nur mal so, mitgeteilt, hätte ich – vielleicht – kein Problem damit.

    Wenn ich aber wie hier weiß, dass dieser Denunziant nicht nur mittelbare, geschäftliche Schnittstellen mit dem von ihm ausgeschütteten Oldtimerhändler hatte, womöglich sogar noch hat, gehen bei mir die Warnlampen an.

    Ich kam mit dem Motorblöckchen bei 400.000 Lesern mal in eine schwere Krise, weil es mir zu viel wurde. Das Motorblöckchen existiert trotzdem noch, weil ich gelernt habe damit umzugehen: Tun, was ich für richtig halte, ohne mich beeinflussen zu lassen. Und ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, aber wenn ich merken würde, dass ich einer Zielgruppe nach dem Mund geschrieben hätte, würde ich das hier sofort dicht machen. Dann wäre es nicht mehr mein Blog. Würde ich mich an Zielgruppen und Anspruchshaltungen orientieren wollen, könnte ich ja so ein Ding aufmachen wie MVC-Online, Daimler-Blog, Pagodentreff, etc. etc., brauchte selbst nichts zu schreiben, wäre der Adminsklave von ein paar Leuten im Hintergrund und bekäme mehr als nur einen feuchten Händedruck.

    Kurz bevor ich den Mirbach – Beitrag – zunächst mal vorübergehend – dichtmachte, standen da plötzlich ausführliche (!) Kommentare von Leuten mit ganz offensichtlichem, profundem Insiderwissen, Leute, die offensichtlich nicht begriffen haben, dass selbst Copy und Paste ihrer Kommentare, aus, ich vermute mal Ermittlungsakten, mit Abschicken, mehr Zeit kostet, als sie mit einem Click auf Delete im Admin-Bereich zu löschen.

    Dummheit? Sonst keine sinnvolle Aufgabe? Kein Arsch in der Hose strafrechtlich relevante Deatails statt an mich, an die Staatsanwaltschaft München zu schreiben und vielleicht im Zeugenstand sitzen zu müssen, mit Blick in die Augen von Stefan Luftschitz? Alles zusammen, mit Feigheit kombiniert?

    Ne ne, auf solche Zitteraale die mir hier auf freundlich kommen und nur ihre Gegner und Mitwettbewerber diskretitieren, kaputtmachen wollen, wie hier den Oldtimerhändler mit Vorstrafe, und alles in dem Glauben, ich würde deren Spielchen mitmachen, deren Geschichtchen schreiben bei gleichzeitigem Quellenschutz, nur, um vielleicht Klickraten zu produzieren, auf solche Leute sche..e ich. Das Spiel, zumindest hier, gewinne ich immer. Und der Name des Spiels ist “Die gelöschte feige Sau”.

  4. Du wirst es nie glauben, was in einem Großunternehmen wie dem unseren, so gelegentlich von “Kolleschen” über “Kolleschen” kolportiert wird. Selbst bei durchaus berechtigeter Kritik geht man nicht zum Scheef und beschwert sich, man flüstert es an Kollegen weiter in der Hoffnung, einer hat vielleicht den Mumm zum Scheef zu gehen. Man liebt den Verrat, aber nicht den Verräter. Vielleicht ist das der Grund, warum der ehrenwerte Schreiberling den Umweg über Deinen Blog nehmen wollte.

    Über 700.000 Besucher … Gratulation, Detlef.

    Hartmut

  5. Das entwickelt sich ja hier fast zu einer Grundsatzdiskussion.

    Möglicherweise ist eine der Ursachen hierfür, daß der Begriff der Denunziation über Medien heute mehr oder weniger ausschließlich negativ verstanden wird. Denunziation wird offenbar immer mit der politisch motivierten Denunziation und vorallem falschen Verdächtigung in Verbindung gebracht.

    Ohne Denunziation wären viele Mißstände nie aufgedeckt worden, seien des die “Pentagon-Papers” – die ironischerweise vor wenigen Tagen freigegeben wurden – oder in jüngerer Vergangenheit jenes Video welches US-amerikanische Soldaten bei einem Luftangriff am 12. Juli 2007 im Irak zeigt in dessen Verlauf eine Reihe von Personen sinnlos getötet werden. Nur sprechen wir da häufig neudeutsch von “whistleblowing”. Nicht alles, was heute unter “whistleblowing” läuft, ist frei von Eigennutz. In diesem Bereich gibt es ja auch gerade in der Bankenlandschaft mehere Beispiele und vielfach dürfte auch verletzter Stolz der Auslöser für die Offenlegung gewesen sein.

    Die Frage, weshalb Wissensträger den Weg direkt oder indirekt in die Medien gehen und nicht ihr Wissen der Staatsanwaltschaft offenbaren, ist sicherlich berechtigt. Die Antwort dürfte variieren. In dem Fall des abgeschlossenen Strafverfahrens macht es keinen Sinn. Zudem gibt es zumindest in Deutschland von ganz wenigen Ausnahmen einmal abgesehen keine Verpflichtung sein Wissen den Strafverfolgungsbehörden mitzuteilen. Im “Mirbach-Fall” habe ich in den Beiträgen nichts entdeckt, was für die Staatsanwaltschaft neu und in strafrechtlicher Hinsicht von Relevanz gewesen sein dürfte. Auch ist es eine grundsätzliche andere Stoßrichtung: einerseits die strafrechtliche Aufarbeitung des Sachverhaltes ggf. mit einer Verurteilung und damit der Ahnung eines Fehlverhaltens in der Vergangenheit. Auf der anderen Seite steht ein nicht unbedingt repressiv geprägtes Sanktionsmotiv, sondern die Bewertung eines Vorganges außerhalb eines strafrechtlichen Kontext. Fehlentwicklungen lassen sich vielfach besser über die öffentliche Meinung und deren Prangerwirkung als über den Staatsanwalt korrigieren.

    Ob man im Rahmen der journalistischen Tätigkeit die Informationen aus der Quelle direkt oder indirekt verwendet oder von einer Publikation aus welchem Grund auch immer später Abstand nimmt, ist eine Abwägungsfrage.

    Ich will das Ergebnis der Abwägung, von solchem Material keinen Gebrauch zu machen, hier auch weder generell noch im Einzelfall nicht in Frage stellen, da ich weder den Sachverhalt und vermutlich auch keinen der Protagonisten kenne. Sollten indessen die in den Unterlagen erhobenen Vorwürfe gegen den Händler zutreffend sein, so würde ich ohne das Hinzutreten weiterer Umstände das Verhalten nicht mit einem solchen Unwerturteil belegen.

  6. @ Aggie,

    was ist ein “repressiv geprägtes Sanktionsmotiv”? So wie Sie schreiben, sind Sie Jurist. Oder?

  7. Ist doch klar, das einige schwarze Schafe die spitze Feder respektive Tastatur der Kundschaft, einiger Brancheninsider und eines Blogs wie das Motorblöckchen, fürchten. Wer hier Fakten gelesen hat, stiftet womöglich die ganzen “Freunde” in seinem Forum, am Stammtisch oder bei einem großen Treffen an, den “arroganten Sack” “den Pfuscher” oder den Blender” eben mal kollektiv im Netz abzustrafen. Die Freiheit und Möglichkeiten des Internet bieten Freiraume für objektive Berichtserstattung und andererseits auch bloße Häme.

    Detlef, sei vorsichtig … wer Wind säht … in der Branche wird verieinzelt richtig viel Geld gemacht und die Seideneinstecktücher täuschen oft über die schlechten Sitten hinweg.

  8. Jeder, der vermeintlich oder tatsächlich brisantes und vertrauliches Material veröffentlicht, sollte sich fragen, wem die Veröffentlichung nutzt. Das ist eine der vornehmsten Aufgaben eines jeden Redakteurs. Ich weiß persönlich von vielen Fällen, in denen in seriösen Printmedien aller Couleur eine Veröffentlichung genau aus solchen Erwägungen heraus unterblieben ist. Da werden in Unternehmen über Jahre hinaus Schubladen mit Dossiers gefüllt, um sie beim geeigneten Zeitpunkt irgendeinem Medium zuzuspielen. Und ob man sich dabei zum Werkzeug machen lässt, weil das öffentliche Interesse so wichtig ist, muss jede Redaktion immer wieder aufs Neue entscheiden. Ansonsten kann man ja gleich Wikileaks bespielen. Klar, kein Watergate-Mythos ohne Deep Throat. Aber viele Whistleblower sollten sich überlegen, ob sie als erste in Pfeife pusten dürfen… Wer Zeit hat, sollte mal “Bestellte Wahrheiten” von Herbert Riehl-Heyse lesen, schon 1989 geschrieben, zeigt aber wundervoll, wie Medien funktionieren.

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