15.06.2011: Niederlage in Ladenburg

Satte 750 Euro bezahlte… ein Anderer… vor sechs Wochen im Weltnetz – Auktionshaus für einen kompletten 1937er Jahrgang der Motor – Schau mit 10 Heften (für Ungläubige: hier).

Über Pfingsten wurde mir dann aber einen Moment lang richtig schlecht, als ich mir den Katalog der Automobilia Auktion in Ladenburg anschaute: Die wahre Hölle für schlechtbetuchtere, echte Enthusiasten wie mich, der Motor – Schau, dieser damals redaktionell und von den Themen her, vom graphischen Layout her bis hin zur Qualität der Fotos sehr, sehr gut gemachten Motorzeitung, wo vor zwei Wochen Einer für ein einziges 1939er Exemplar der Motorschau unglaubliche 702,00 Euro hinblätterte.

Und dann die anderen Objekte dermeiner Begierde, alte schwarz-weiss Fotos. Mehrere wunderschöne Fotoalben von Hans Seidel, eines davon, Limit 3.100 und Zuschlag bei 11.000

Nun gut, dann wird diese in Ladenburg unter den Hammer gekommene Automobilia halt zukünftig in beleuchteten Vitrinen stehen, als teuer erkaufte Alibis für das profunde, automobilhistorische  Wissen ihrer Höchstbietenden und deren erfundenes Glücklichsein in der Oldtimerei, und unerreichbar für davon faszinierte, neidlose Leute wie uns.

 

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8 Gedanken zu “15.06.2011: Niederlage in Ladenburg

  1. Detlef, nicht alle Erben sind so gestrickt wie Robert Strouhal, dessen wunderbare Seite Du hier verlinkt hast.
    http://www.harald-reportagen.de/index.php

    Wahrscheinlich werden die paar für die Fotoalben und Pokale erlösten zehntausend Bucken genommen, um der bepelzten Madame ein Facelifting am Bodensee zu finanzieren, einen neuen SUV zu kaufen oder anderen Nutzloskram. So sind schon ganze über Jahrhunderte angesammelte kunsthistorische Adelsbesitztümer unwiderbringlich in alle Winde verstreut worden.

  2. Mainbube,

    was müsste Herr Strouhal erst sagen, wenn er sehen würde, was heutzutage ein paar alte Negative “bringen”. Wahrscheinlich: “Na und?”

    Herr Strouhal hat nämlich Charakter und Stil ist für ihn nicht das obere Ende des Kehrbesens, so wie bei den Erben, die hier echte Kulturgüter in alle Winde zerstreuen.

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  3. Wenn ich mir die Lose 1809 und 1810 ansehe, zwei Alfa Prospekte für 800 und 700,00 Euro, wundert mich nicht, dass bei solchen Nepppreisen keiner geboten hat. Den Alfa – Prospekt Los 1810 “engl.-sprachiges Faltprospekt, 1937, Alfa-Romeo 6C 2300 B 1000 Miglia” habe ich letztes Jahr noch bei einer iBää Auktion für 75 Pfund plus Porto gekauft.
    Bei Automobilia wird inzwischen auf den Ladenburg-Auktionen genau so gepuscht wie bei anderen bei den Autos.

  4. Und man sollte auch hier, genau so wie bei Oldtimer-Auktionen, nicht vergessen: Der Käufer zahlt in jedem Fall an das Auktionshaus 16% Provision zzgl. 19% Mwst., also 19,04%.

    Was der Verkäufer / Einlieferer trotz “günstiger Einlieferungskonditionen” von dem erzielten Auktionspreis noch an Kosten an das Auktionshaus abgeben muss, ist interessanterweise nirgendwo aufgeführt.

    Auf jeden Fall ist jeder, der ein Ladengeschäft oder Onlineshop für Automobilia betreibt, oder der auf zwei – drei Teilemärkten a la Veterama verkauft und für seine eingekauften, vorgehaltenen und oft sehr lange angebotenen Artikel eine Menge Kapital gebunden hat, ein Hungerhaken gegen die Auktionatoren. Wobei die Ladenburg – Auktionatoren familienmäßig die gleichen sind, die auch die Veterama veranstalten. Der “Verkauf” der Automobilia bleibt somit overrigtmäßig “in der Familie”.

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  5. Detlef,
    es ist jedenfalls klüger, jetzt ein paar Euro zu viel einem Auktionator in den Rachen zu schmeißen, als es von den Maden der EU – Finanzminister und Politgesocks wegfressen zu lassen. Für reiche Leute, die hier für irrsinnig anmutende Preise Automobilia gekauft haben, heißt sicher Anlegen von Barem, Ausgeben.

  6. Vielleicht ist es hier einigen lieber wenn die Erben die Sachen auf den Müll schmeissen und niemand etwas davon hat. Durch solche Auktionen werden oftmals schon vergessen geglaubte Schätze ausgegraben, gerade wegen einem attraktiven Preis. Und wenn ein Fotoalbum von Wolfgang Seidel (nicht Hans Seidel) die 10 000 Euro Grenze überschreitet,dann sollte man sich zuerst fragen warum? Vielleicht hat ja jemand das Originalfahrzeug für mehrere Millionen und möchte solch ein Album als historische Dokumentation…Aber sollte es uns nicht allen recht sein wenn solche Dinge langsam aber sicher zu einer Art “Kunst” werden?! Sind wir nicht alle Sammler solcher Dinge? Und gegen Geld hatte noch nie jemand etwas, ausser man(n) hat es selbst nicht?! In diesem Sinne…

  7. Besserwisser,
    Ihrer Logik folgend, wären Museen weitgehend leer, die größtenteils von Mäzenen und von deren Geschenken und Leihgaben leben.
    Auch in einem Automobilmuseum Ladenburg vor meiner Haustüre, wäre so manche Dauerleihgabe und Geschenk weniger zu sehen gewesen, wenn die Leihgeber Ihrer Logik des schnöden Mammons folgend, ihre 4-rädrigen Exponate oder sonst. Automobilia auf Auktionen vertickert hätten.

  8. “Vielleicht ist es hier einigen lieber wenn die Erben die Sachen auf den Müll schmeissen und niemand etwas davon hat.

    Besserwisser”
    ist so ein Totschlagargument wie früher, “wem es hier nicht passt, soll in die DDR gehen”.
    Iin dem heute von Detlef kritisierten Spiegel Artikel ist zu lesen

    “Unsere Kunden entdecken Oldtimer zunehmend als weiteren Baustein ihres Portfolios”, sagt auch Florian Zimmermann, bei der Hamburger Privatbank Berenberg verantwortlich für die Oldtimer-Sparte. Rund 150 Millionen Euro haben Zimmermanns Klienten bereits in Oldtimer investiert. Viele Fahrzeuge seien dies nicht, aber eben sehr teure. Einer seiner Kunden besitze vier Oldtimer im Wert von 30 Millionen Euro, lässt sich der Banker entlocken.”

    Vielleicht sollten Sie sich von diesem Herrn Zimmermann beraten lassen. Automobilia kaufen, sicher und trocken in einem Banksafe bei Behrenberg wegsperren und in 10 Jahren in den Ländern Asiens auf Auktionen anbieten, wo sich bis dann eine Oldtimerszene Reicher gebildet hat. Kunst? Nein. Cash as Cash can.

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