Klassentreffen besserer Leute mit Gelerch

Am 09.07.2011 war ein bemerkenswerter Tag:

Er, oben auf dem Foto, 35 Jahre lang auf dem Bock eines 35-Tonners bei Possmann Apfelwein gesessen, nach seinem schweren Unfall und Berufsunfähigkeit, eine lange Weltreise gemacht und mit den umgehängten Erinnerungen aus der Mossel – Bay, Haifischzähne so groß wie ein Obstmesser,  schaute an diesem Tag morgens auf dem Flohmarkt in Höchst zu,

als ich voller Elan unsere Kellerregalinhalte und überflüssigen Sammel-krimskrams Gelerch aufbaute, denn schliesslich sagte ich mir, scheiss drauf, wenn es im Freundes- und Bekanntenkreis, wenn die das hier lesen, zu  Missverständnissen kommt, denn erstens, ich liebe nunmal Flohmärkte, mal hier und mal dort, und zweitens, ich habe so einiges gelernt was “Annette vom Hardtwald” an überflüssigem Luxus, und ein Pagodendoktor an häuslichem Krims-Krams im Weltnetz-Auktionshaus vertickeren, vom Lebensratgeber “Ich hasse dich – verlaß´mich nicht. Borderline” bis hin zur Hewi – Klobürste, das kannst Du auch, und besser.

Das mag jetzt Einige überraschen: Ich sehe meine eigene Zukunft immer mit einer Mischung der lässigen  Nachlässigkeit eines Sohn’s aus besserem Haus und großem Optimismus entgegen, die meine Mitmenschen gelegentlich zur Verzweiflung treibt. Ich weiss einfach, dass abgesehen von meinem in  fernen Jahrzehnten liegenden Ableben nur wenig bis nichts passieren kann, das mich in Lebenskrisen werfen könnte.

Die Nebenwirkungen, die sich nicht selten in wenig honorierter Ehrlichkeit gegenüber meinen Übernächsten, Sorglosigkeit und der Erklärung von Eichendorffs Aus dem Leben eines Taugenichts zu meinem Lebensmaximen äussern, sind aber den meisten meiner Freunde und Bekannten eher Freude als Last.

Und deshalb mag ich Optimisten, so wie meine ebensolchen Nachbarn, die, wie die letzten beiden Bilder von heute zeigen, einem mit ihrem Gelerch aber auch alles nachmachen.

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15 Gedanken zu “Klassentreffen besserer Leute mit Gelerch

  1. Eine Bekannte mit einem Second-hand Laden stellt sich alle 4 Wochen bei I*EA hin und ist begeistert. Schön. Einfach sehr schön.
    Wenn Du wieder so was machst, sag mal Bescheid. Ich komm mit Tom mal hin.

  2. Herzlichen dank für den großartigen Text hier und in den anderen Beiträgen und die vielen vielen tollen Fotos. Ich lieeeebe Flohmärkte und ich hatte das noch gar nicht entdeckt gehabt. Chapeau, Detlef.

  3. Es fehlt nur noch, dass jetzt einer kommt und meint, die Beiträge sind Kleinode der Litheratur. Dies Flohmarktbeiträge hier sind was ganz Großes. Würde im Titel “Flohmarkt” stehen, wäre er mit Googel leichter zu finden und würde bestimmt überrant. Als gelegentlicher “Verkäufer” auf dem Antik- und Trödelmarkt in WI Biebrich und Rumpenheim finde ich auch die Fotos super und habe den Beitrag als “Favorit” gespeichert.

    Ja, und auch ich sage danke dafür.

  4. “so wie meine ebensolchen Nachbarn, die, wie die letzten beiden Bilder von heute zeigen, einem mit ihrem Gelerch aber auch alles nachmachen.

    Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich habe mit einem einzigen Garágenflohmarkt Samstag/Sonntag fast den gesamten verwertbaren Nachlass meines Vaters an die Leute gebracht.

  5. Ich auch. Zweimal im Jahr, wobei ich nur für den Auf- und Abbau sorge und das Verkaufen meiner besseren Hälfte überlasse. Die Ansinnen der Schnäppchenjäger Omas Kommode für 10 Euro zu bekommen, wahrscheinlich weil sie grade einen hunderter bei IKEA für Pressspanmist ausgegeben haben, erzeugt bei mir geschäftsschädigende, cholerische Reaktionen.

    Toller Beitrag.

  6. Die letzten Jahr lese ich häufiger Anzeigen wo ganze Haushalte und Hausinventare versteigert oder freihand verkauft werden. Sich die Mühe und Arbeit machen, sich einen ganzen Tag hinstellen, ist auch eine Form der Wertschätzung. Ich hab mir letztes jahr eine lederne Pilotenjacke bei Eb.. gekauft, die neu so teuer gewesen wäre, dass ich sie nie gekauft hätte. So haben beide was davon, der Verkäufer und der Käufer.

  7. Detlef,
    herrlich. Ich fahr seit Jahren Donnerstags zur Jahrhunderthalle. Das Flair dort wie auf einem Wochenmarkt alles einkaufen zu können und nebenbei durch die Reihen mit Trödel zu laufen und schon mal das eine oder andere zu entdecken, ist einmalig. Ich brauch kein MTZ oder filialisierte Fussgängerzonen mehr.
    Und Achtung!

    “Ein Flohmarkt (auch „Trödelmarkt“) verdankt seinen Namen der spätmittelalterlichen Kleidergaben der Fürsten. Einmal dem Volk überlassen, wurde mit diesen Kleidungsstücken gehandelt. Dabei wechselte auch der eine oder andere Floh den Wirt”

  8. Für echte Flohmarktfans empfehle ich mal den Besuch des Brüsseler Flohmarkt am Place du Jeu de Balle. Er findet täglich statt und das seit über 100 Jahren (!).
    http://www.marcheauxpuces.org/

    Mein Favorit ist der Antiek- en Brocantemarkt Tongeren der jeden Sonntag stattfindet. http://www.tongeren.be/

    Sehr schöner Beitrag und klasse Fotos. Das Motorblöckchen zählt ab heute zu meinen Favoriten.

  9. Pingback: Der Sozialismus kam nur bis Bad Homburg

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