Frankfurter Rundschau Requiem: Rasthaus Blues

Eine verdeckte Recherche der taz hatte ergeben, dass in den Zeitungen des WAZ-Konzerns (z.B. Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung, Westfalenpost, Westfälische Rundschau) bezahlte Texte abgedruckt wurden, die nicht als “Anzeige” gekennzeichnet sind, sondern als “Verlagssonderveröffentlichung”. So konnten Autohersteller zum Beispiel dafür bezahlen, dass ihr Fahrzeug im Automagazin “Mein Auto” vorgestellt wird, das den WAZ-Zeitungen regelmäßig beiliegt. Die Zeitung verlangte 66.666 Euro plus Mehrwertsteuer für die Vorstellung des Fahrzeugs auf dem Titel und einer Doppelseite im Innenteil

Das Handelsblatt war “clean”, und nur deshalb hatte ich auf das E-Mail vom 12.09. von Thorsten Firlus von der HB-Tochter Wirtschaftswoche, reagiert. Nicht so die Zeitung, die Frankfurter Rundschau, die meine Eltern über 30 Jahre lang abonniert hatten (der ich im übrigen einen Großteil meiner Fotos im Rückspiegel verdanke), und die sie schon Mitte der 90er Jahre kündigten, weil der Lokalteil schon damals nicht mehr den Begriff “Lokales” verdiente,  diese Frankfurter Rundschau ist offenbar käuflich wie eine Nutte am Straßenstrich.

Man hat nichts daraus gelernt. Bevor Ihr Euch also die nächste AutoBild Klassik, Oldtimer-Markt, Motor-Klassik und andere aus meiner Sicht kaum bessere Magazine kauft, solltet Ihr mal einen echt guten Blogbeitrag  lesen, von Martin Emmerich über käufliche Medien.

Habe ja lange keine Musik mehr eingestellt. Wurde mal wieder Zeit.

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7 Gedanken zu “Frankfurter Rundschau Requiem: Rasthaus Blues

  1. Es hat noch nie jemals irgendjemand ein gutes Wort über die Presse verloren. Selbst die Presse nicht.
    Aber nein, wie kann das sein, dient die Presse doch stets der Wahrheit und der Aufklärung, zum Wohle der Menschheit.Uns allen moralisch überlegen. Auf der Jagd nach dem Guten, welches nur sie benennen dürfen.
    Denn im Namen des moralisch Guten darf man auch schlachten, foltern, hetzen, unterstellen, ahnen, andeuten, bestechen, behaupten, stehlen.
    So lese ich gerne die Herald Tribune weil sie diesen Hoheitsanspruch nicht hat, sondern von Einzelschicksalen berichtet.
    Aus dem selben Grund lese ich so gerne manche Blogs.
    Wie diesen.

  2. In der Bucht werden zur Zeit hunderte von IAA Pressemappen von edlem Gefährt angeboten. Inkl. Memory-Stick. Da hatten die Aussteller wohl vergessen, dem Journalisten auf dem Messestand gleich den neuen Laptop als kleines Give-Away mitzugeben.

  3. Journalisten sind seit jeher eine Berufsgruppe, bei der die Prostitutionsbereitschaft besonders hoch ist. Bekanntermaßen besonders bei Reise- und bei Motorjournalisten. Die sind am billigsten zu kriegen. Die meisten muß man gar nicht bezahlen, einfach mal am hintersten Ende des Herrentischs – kostenlos – mitessen lassen. Und wenn das nicht reicht, zusätzlich das “Du” anbieten.
    Wenn so ein Chefredakteur dadurch die Möglichkeit hat, ein bißchen was aufzuschnappen, mitzukriegen und hinterher in seinen Artikeln und natürlich auch in Redaktionskonferenzen, business-gesponserten Pseudodiskussionrunden, und auch privat im Finger – Food – Small Talk mit blonden Redaktions-Volontärinnen Sätze unterzubringen wie: “als Vettel mir neulich am Ring anvertraute”… “als ich den Zentsche neulich am Telefon hatte”, … “als ich mit dem GT3 in 50 Minutes von Stuttgart nach München düste…”, dann glaubt er selbst auch, daß er dazugehört und schreibt auch schon für seine “Duzfreunde mit Einfluss” einen Quatsch, auch ohne 66000 Euro Anzeige

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