02.10.2011; Ängstlicher Pöbel von Oben unter sich

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“Ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen…”  “Ich kann Deine Scheiße nicht mehr hören…”

Die 68er Idee war, die nach 1945 doch nicht so vollständig geleuterten Deutschen und entstandene, neue, faschistisch-totalitären Strukturen des Staates umzukippen. So etwas kann man sich heute, in Zeiten der Vorrats-datenspeicherung,  Überwachungsermächtigungen, grundgesetzwidrigerer Entmachtung der Polizei durch BND und LKA, und vor allem dem Einfluss der profitierenden Kreise, weitgehend sparen. Die paar autozündelnden Kreuzberger Hoolis, sind mit Sicherheit keine revolutionäre Basis, und das Prinzip der Gewalt zieht heute nur noch rechtsperiphäre Leute an, denen ich rein garnicht vorgestellt werden möchte.

Die Lösung vieler Probleme könnte dagegen in den nach aussen hin nur stark wirkenden, tatsächlich aber schwachen, verletzlichen, chronisch paranoiden  Persönlichkeiten der in diesem Sysem wirkenden Personen liegen. Jeder hat Angst, wie man an den Reaktionen des ehrgeizigen, und wie man derzeit in Italien zu sagen pflegt,  “pferde”arschkriechenden Zitteraals Ronald Porfalla sehen kann. Diese Typen wie er, im Hintergrund, die wahren Parteiideologen, die wirkliche Intelligenzia, die uns staatsstreichartig Rettungsschirme im Grunde genommen nur für die Rettung einer Finanzindustrie aufoktroyieren, brauchen viel mehr davon. 

Unsicherheit über die eigene Macht und Einfluss schafft diese Angst. Die gleiche Angst, die der um seinen Job zitternde Facharbeiter bei Opel in Bochum, der Angestelle in den Türmen der Deutschen Bank, der unter Umsatzeinbrüchen leidende Einzelhändler und der Autohausinhaber haben. Deshalb wäre ich den Osteuropa – Staaten insofern für eine Ablehnung des EU-Rettungsschirms auf ewig dankbar.

Die Angst um den Job, Karriere, Einfluss und vor allem Macht, muss dorthin,  wo sie hingehört. Die Antwort kann nicht sein, die Griechen rauszuschmeissen und demnächst die Italiener pleitegehen zu lassen, die Antwort muss sein, diesem von ganz Wenigen von Oben gewünschten neofeudalistischen System noch mehr Gegenangst zu machen.

Und zu dem Filmchen oben, sagen werde ich weiter hierzu nichts. Schliesslich bin ich voreingenommen.

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17 Gedanken zu “02.10.2011; Ängstlicher Pöbel von Oben unter sich

  1. Detlef, genau das ist es. Die Nerven liegen blank Das ist auch erklärbar, denn den Granden der CDU bröckelt die so wichtige Basis im Mittelstand ab, Handwerker, mittelständische Unternehmer, Angestellte, mediz. Berufe usw.

    “In Respekt vor der freien Entscheidung jedes einzelnen Parlamentariers erklärt sich der MIT-Bundesvorstand mit den Abgeordneten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion solidarisch, die bei der Entscheidung über den EFSF am 29.09.2011 im Deutschen Bundestag mit Nein stimmen werden. Damit treffen sie nach Auffassung des MIT-Bundesvorstandes eine persönlich schwerwiegende, aber politisch richtige Gewissensentscheidung für Deutschland und für Europa.”

    http://www.mit-virtuell.de/news/1907/

  2. Hat jemand diese Woche Anne Will geklotzt? Wenn nicht, sollte er / sie das nachholen.

    http://daserste.ndr.de/annewill/archiv/gaesteliste593.html

    Ich fand das schon beeindruckend, wie Hans Rudolf Wöhrl diesem Herrn Steffen Kampeter, Parl. Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und damit einer der ganz, ganz einflusreichen Think-Tanks, mal richtig einen “eingeschenkt” hat

    Die Art und Weise, wie er Richard Sulik und seine Einwände gegen den erweiterten Rettungsschirm mit der eigenen Staatsverschuldung in der Slowakei abmeierte und ihm das Rech absprechen wollte, darüber überhaupt mit diskutieren zu können, ist bezeichnend für die arrogante mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Grundeinstellung und hier am Grundgesetz und Parlament weitgehend vorbei, Fakten zu schaffen, deren Tragweite erst in 10-15 Jahren funktionierender Sozialsysteme beraubter Generazionen, so richtig begriffen werden haben.

  3. “Ich wage mir garnicht vorzustellen was hier los wäre, wenn sich im Frankfurter Bankenviertel mal 10, 20 oder 30.000 Demonstranten versammeln wollten.”

    Jast,
    haben Sie die Knüppelparaden der paramilitärisch aufgerüsteten Pozilei gegen die Stuttgart21 Demonstraten, egal ob jung oder alt, nicht gesehen? Einen Tahir-Platz werden die “Angsthasen” in Deutschland, egal wo, nie tolerieren.

  4. Martin,

    da habe ich Zweifel dran. In Stuttgart ging es um ein regionales Bauprojekt, bei dem Rettungsschirm, dessen Haftungsanteil im Worst-Case-Fall für Deutschland inzwischen größer geworden ist, als die gesamten Einkommenssteuereinnahmen des Bundes eines Jahres, geht es um sehr, sehr viel mehr.

    Welcher Politiker hier Polizei gegen friedlich demonstrierende Demonstranten zum Ketchup-Machen rausschicken würde, dessen politische Halbwertzeit würde keine 4 Wochen mehr betragen. Angst um Macht ist natürlich andererseits ein unsicherer Kantonist und deshalb würde ich hier die Hand auch nicht unbedingt ins Feuer legen.

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  5. Wer glaubt, daß sich Politiker auf Abstimmungen vorbereiten, glaubt auch daran, daß der Osterhase die Eier und der Weihnachtsmann die Geschenke bringt.
    Und da wundert sich jemand, daß die Piraten in Berlin ins Parlament einziehen, oder die ÖDP das Nichtrauchen in Bayern einführt?

  6. In der Heute-Show war der Pisa-Test für die abstimmenden Politiker auch noch mal Thema. Ich habe sooooonen Hals.

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1454564/heute-show-vom-30092011

    Bitte Bescheid sagen, falls irgendwo eine Petition unterschrieben werden kann, falls Griechenland es nicht schafft und Pleite geht, Antrag auf Volksabstimmung über “Streichung der Hälfte aller Pensionsansprüche der mit JA abstimmenden Abgeordneten und Minister und lebenslanges politisches Berufsverbot”.

  7. Auch Frank Luebberding hat das Thema in seinem neuen, eigenen Blog aufgegriffen: “Die Fresse und die Scheiße des Herrn Bosbach”

    http://www.wiesaussieht.de/2011/10/02/die-fresse-und-die-scheise-des-herrn-bosbach/

    Gastautor Morph schreibt:

    “…Was in unserem Fall bedeutet: Pofallas Ausfall gegen Bosbach ist nichts anderes als das Bekenntnis, dass Bosbachs Position substanziell richtig sei. Zeit kaufen bringe nichts (korrekter: so gut wie nichts). Alle politischen Entscheider agieren offenbar in dem Bewusstsein, dass sie dem Zusammenbruch des Finanzsystems, d.h. den ungeordneten Staatsinsolvenzen nichts Substanzielles entgegenzusetzen haben…”

    Na denn.

  8. Gestern Abend wurden die offenbar längst ausbaldoferten “Kredithebel” in der ARD kurz erläutert. Sinngemäß wurde dazu gesagt, da der Rettungsschirm von den Parlamenten nur bis 440 Milliarden genehmigt worden ist, hätte man über die Kredithebel ein Instrument, um ein Vielfaches der 440 Milliarden an Rettungsgeld zur Verfügung zu haben und ohne dafür parlamentarische Genehmigungen einholen zu müssen.

    Deutschland haftet mit 21% und wenn die reichen Nachbarn nicht mehr zahlen / haften können, auch mit deutlich mehr.

    Tolle Demokratie.

  9. Wenn ich die ganzen Berichte über zigmillarden Beträge lese, die längst nicht mehr in meinem nur 10-stelligen Taschenrechner auf dem Display darstellbar sind, und wenn ich dann Berichte wie diesen lese

    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,789706,00.html

    packt mich innerlich die Wut und hinterher Resignation. Die Grünen haben ja auch – fast – geschlossen für den erweiterten Rettungsschirm gestimmt. Ich hoffe deshalb, die Piraten werden es bis zur nächsten Bundestagswahl schaffen in allen Bundesländern aufgestellt zu sein.

  10. In seiner Amtsantrittsrede (?) sagte Franklin D. Roosevelt: “Das einzige, vor dem wir Angst haben müssen, ist die Angst selbst”.

    Porfalla ist nur das erste “hörbare” Beispiel dafür, dass die Finanzkrise ihre destruktive Wirkung auf die demokratie längst entfaltet hat und es sind nicht etwa ökonomische Gründe, die die Krise anfachen, sondern es ist die nackte Angst der Regierenden um Macht und Einfluss.

    Mit der Zahlungsunfähigkeit von Griechenland und demnächst mit Sicherheit auch Italiens, die vor wenigen Monaten von Typen wie Porfalla noch weggeleugnet wurde, wird die Verschuldungskrise in die nächste Stufe übergehen und es gibt leider keine Anzeichen, dass die immer größere Eigendynamik dieser Krise sich noch stoppen ließe.

  11. Allein der Verweis Bosbachs auf das Grundgesetz und wie Pofalla Bosbach mit der Bemerkung abbürstete, “Lass mich mit so einer Scheiße in Ruhe”, spricht Bände über das Verständnis von ihm und seiner Chefin zum Grundgesetz.

    Weg mit ihm, seiner Chefin und dem ganzen Staatsstreichorchester.

  12. Auch einer mit einem guten Näschen, wann der Wind gedreht hat, George Soros, und auch eine Form der Angst der Eliten.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789744,00.html

    Dass der Finanzstaatsekretär und voraussichtlich designierte Chefökonom der EZB, Jörg Asmussen, derjenige, dem wir die Verbriefung von Immobilienkrediten in Deutschland 2004 unter Schröder, zu verdanken haben, eine Mitgliedschaft bei Attac beantragt haben soll, bleibt weiterhin ein unbestätigtes Gerücht.

  13. Pingback: Den Eliten geht der Arsch auf Grundeis

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