18.10.2011; Das letzte Aufgebot

Hinterher ging mir so einiges durch den Kopf. Was werden denn die > 99% < machen, bei denen ich gestern Nachmittag am Willy-Brandt-Platz vorbei-gechaut habe, und wo ich mit einigen Gesprochen habe, wenn sie nach einem  Kassensturz des Systems feststellen, dass all ihr Gemeineigentum verschwunden und zu Privateigentum auf den Konten weniger hinter den Banken stehender Oligarchen geworden ist?

Gar nichts, meine ich seit gestern. Tja Leute, Meinungen ändern sich. Nette Leute zwar, die da bei Minusgraden nachts in Zelten übernachten, aber Figuren der Vergeblichkeit, die heute einem gestern abgefahrenen Zug hinterherlaufen. Diese “99%” erreichen kein Ziel.

Das ist angesichts der Okkupierung von Occupy durch Politiker aller Couleur, allen voran Frau Hosenanzug, die die Bankengegner sogar verstehen,

“Darin drücke sich ein “Gerechtigkeitsverlangen” aus, den internationalen Finanzmärkten Zügel anzulegen, wie man sie in Deutschland für richtig halte und zum Teil schon umgesetzt habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin…”

die Bürger tatsächlich aber für Blöd verkaufen und sich in Wahrheit weigern, die Stellschrauben am System feste anzuziehen, nur eine Prognose, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit bewahrheiten wird.

Um es sinngemäß in etwa mit den Worten des von mir geschätzten FAZ-Bloggers Don Alphonso zu sagen: Schiebt den Verbrechern von Rating – Agenturen und Investment -Bankern, die grade Frankreich  und Italien lynchen uns  auch schon auf der Liste haben, endlich ihre Rating – Agenturen, Währungsspekulationen und Credit Default Swaps, mit ein paar Säcken mit in Jauche getränkten, stinkenden, alten Dollarnoten kräftig durch  ihre Anzughosen, und zwar so, dass sie im oberen Zweithintern wieder rauskommen. Und Ruhe ist.
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Ein paar Fotos? Hier bitte…
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29 Gedanken zu “18.10.2011; Das letzte Aufgebot

  1. Ich bin schon mehrmals am Zeltdorf vorbeigelaufen. Das wird nix. Bei uns hätte niemand was dagegen, wenn morgen früh der ganze Investment Banking Bereich verschwinden würde. Einige Kollegen kriegen in ihrem sozialen Umfeld inzwischen ganz schön was auf die Mützen und sind sichtlich genervt.

    Und wenn ich heut Abend das hier lese, Detlef, gebe ich Dir recht.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792599,00.html

  2. Einen Anschlag hat Schäuble ja überlebt. Ich bin mal gespannt, ob er die “Hebelung” auf 1 Billion erlebt. Die Piraten sollen bundesweit ja inzwischen bei 10% liegen.

  3. Hat er Schäuble letzte Woche nicht noch im Bundestag gesagt, bei ca. 220.000.000 € ist entgültig Schluss? Sind diese 1000.000.000.000 € dann “alternativlos” oder wie will er es verkaufen.

    Ach ja, im Bundetagswahlkampfjahr soll die kalte Progression angeschaft werden – kostet nur 6.000.000.000 €. Wissen die Herrn Politiker eigentlich noch, mit welchen Summen sie hantieren. Das sie nicht wissen, über was sie im Endeffekt abstimmen, ist ja hinreichend bekannt. Und der Fraktionszwang sorgt für das richtige Abstimmungsergebniss (ist dieser Fraktionszwang nicht verboten? Oder gelten Gesetze nur für den Normalbürger).

    Ich kaufe mir jetzt einen Wald!

  4. Was hier in den letzten Wochen abläuft, erinnert mich an die Notstandsverordnungen und an die Präsidialkabinette ab 1930, die keine Mehrheit mehr im Parlament besaßen. Hindenburg übergab 1933 Hitler die Macht. Wann übergibt Merkelchen Herrn Ackermann als Vorsitzendem des Bundesverband Deutscher Banken das Zepter? Dann dürfte als erstes das Zeltdorf an der EZB am nächsten Morgen verschwunden sein.

  5. “Dann dürfte als erstes das Zeltdorf an der EZB am nächsten Morgen verschwunden sein.”

    Und als nächstes die Spareinlagen aller deutschen Sparer. Bei der jeden Tag schlimmer zu Tage tretenden Unfähigkeit uns zu regieren, frage ich mich nur, was machen demnächst die Piraten, dann wenn sie die nächste Regierung stellen? Die vrstehen doch nur was von Computern und Internet.

  6. Zitat:
    frage ich mich nur, was machen demnächst die Piraten, dann wenn sie die nächste Regierung stellen? Die vrstehen doch nur was von Computern und Internet.
    Zitatende

    Und? verstehen die anderen was? Noch nicht mal Computer.

    Vorteil dürfte sein, dass die an Ihren ‘Netzwerken’ (sprich Korruptionskontakten) erst noch arbeiten müssen

  7. An die Zahlen, mit denen im Zuge der Eurokrise und des Rettungsschirmes herumgeworfen wird, haben wir uns ja gewöhnt, aber kaum Einem ist bewusst, was die Zahlen wirklich bedeuten:

    Eine Million Euro in druckfrischen 500 Euro Scheinen ergibt ein Türmchen von 36 cm Höhe, wenn man Schein auf Schein legt.

    Eine Milliarde Euro ist eintausendmal soviel, also bereits ein Turm von 360 Meter Höhe! 500er Schein auf 500er Schein.

    Die 210 Milliarden Bürgschaft von Deutschland bedeutet also, dass der deutsche Steuerzahler im Bedarfsfall einen 75,6 Kilometer hohen Turm aus 500 Euro Scheinen bereitstellt…

    Ich meine, dass wir uns die Friedenssicherungsmaßnahme EU nicht mehr leisten sollten und würde ab und zu einen kleinen Krieg (neudeutsch: “bewaffneter Konflikt”) vorziehen. Das ist auf Dauer billiger und beflügelt die Wirtschaft.

  8. Nachtrag: Natürlich sind bewaffnete Konflikte nicht schön, aber wenigstens bezahlbar.

  9. Du hattest vorauschauend wie so oft wieder mal recht. Occopy stellt sich mehr und mehr als heiße Luft in Tüten raus. Schade.

    http://www.marketing-blog.biz/blog/archives/4133-99%25-Langeweile.html

    Was gestern in der Regierungserklärung und anschließender Debatte im Bundestag zu hören/sehen war, erinnert jeden Geschichtsbeflissenen an das Auseinanderfallen der Weimarer Republik. Eine Opposition gibts seit gestern nicht mehr.

  10. Die größte Sorge scheint gewesen zu sein, das heute Morgen die Aktienmärkte in den Keller fallen.

    Wenigstens können die 3% der deutschen Bevölkerung, die überhaupt nur Aktienbesitz halten, jetzt aufatmen und die Banker beruhigt am Willy-Brand-Platz vorbeigehen und denken “ihr Deppen…”

  11. Vielleicht entwickelt sich Occupy von innen heraus doch noch weiter. So ganz scheint Merkel die Montagsdemos ihrer früheren Ossiheimat doch nicht abgehfetet zu haben. Heut Morgen reibe ich mir die Augen. Merkel will plötzlich des gesetzlichen Mindestlohn so schnell wie möglich einführen und Schäuble auch gegen den Widerstand der EU Nachbarn die Börsenztransaktionssteuer.

    http://www.fr-online.de/frankfurt/zweite-demonstration-von-occupy-frankfurt-punks-und-papas-reichen-sich-die-hand,1472798,11045646.html

    Das es der neoliberalten Blase plötzlich um sozialen Ausgleich und um Sorge um das Geld der Steuerzahler geht, nimmt ihr eh keiner mehr ab. Dass ihnen angesichts der Verbürgerlichung der Forderungen von Occupy auch innerhalb der Parteien links von CDU/FDP und absehbarer politischer Paradigmenwechsel inzwischen der A…. auf Grundeis geht, schon eher.

  12. Hat jemand gestern Abend die Talkrunde bei Jauch gesehen? (“Peanuts”-) Hilmar Kopper: “Die Banken sind keine Täter sondern Opfer”.

    Mir reichts. Ich wähle ab jetzt “Links”, da ist wenigstens da, wo rot drauf steht, rot drin..

  13. Der Ex-Investmentbanker Wieslaw Jurczenko hat bei Jauch simplifitziert das System der CDS an der Tafel und vor allem woher die Auswüchse kommen, dargestellt.

    Ich frage mich nur. Wenn es bei einem Arzneimittel hintereinander zu mehreren Todesfällen kommt, wird ihm binnen kürzester Frist die Zulassung entzogen. Warum palavert man also an jeder Stelle über die Gefährlichkeit der CDS, die überhaupt erst die Geldvergabe an bereits viel zu hoch verschuldete Staaten ermöglichten, statt sie auf der Stelle nur noch für gedeckte Kredite zuzulassen und verbietet den ganzen Rest?

  14. Wie bitter muss doch für die Neoliberalen dieser Offenbarungseid sein, jetzt mit den uralten Forderungen des als linken Phantasten und Neo-Sozi gescholtenen Oskar Lafontaine jetzt um Wählergunst haussieren gehen zu müssen? Schon 2008 hatte der vor diesem “Casino-Kapitalismus” gewarnt, strikte Kontrollen des Derivatehandels, eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken und ebenso gesetzliche Mindestlöhne gefordert.

  15. Die ganzen Nachrichten und Diskussionen über tagesaktuelle Neuigkeiten zur Bankenkrise, was anderes als eine Krise von einem Dutzend Großbanken ist es nämlich nicht, langweilen mich nur noch. Was man am Ende politisch rauskommt, ist nur eine Frage der stärkeren Vernetzung. Die Diskussionen drehen sich im Grunde nur noch im Kreis. Deshalb wäre ich froh, wenn es bald vorbei ist, denn zahlen müssen wir so oder so. Ich habe durch den ganzen Shice das Interesse an Politik total verloren – und auch den Glauben an die soziale Marktwirtschaft.

  16. Die erste Zocker – Pleite:

    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/mf-global-grosser-amerikanischer-boersenmakler-wankt-11509799.html

    44 Mrd. Dollar Verbindlichkeiten bei 1,4 Mrd. Eigenkapital? Aber das Verhältnis kennen wir ja auch hier. Die haben genau so wie gestern Abend Hilmar Kopper bei Jauch auch allen weisgemacht, nur ein Broker zu sein, der im Kundenauftrag handelt und waren wohl mehr ein Hedgefonds!?

    Wenn da mal in den nächsten Tagen keine Kettenreaktion folgt.

  17. Ich lag im März 2010 wohl doch nicht so weit daneben:

    http://motorbloeckchen.com/?p=10199

    MLF war wie man bei FTAlphaville nachlesen kann, ein echter Big-Player im Derivategeschäft. Warten wir mal ab, was durch die Pleite jetzt hier rüberschwappt. Ein Unglück kommt selten allein. Wenn sich jetzt noch die Griechen bei der längst überfälligen demokratischen Abstimmung über das Rettungspaket kontra entscheiden, und wenn die Italiener nicht nur so tun, als wenn sie sich mit den Rettungspaket-Beschlüssen den Hintern abputzen, könnte durch den dann zumindest unausweichlichen Bankrott Griechenlands, kaum vorstellbarem Abschreibungsbedarf einiger Großbanken, multimilliarden hohen fälligen Kreditausfallversicherungen (CDS) und dazu deren Verflechtungen im Derivatehandel, es zum (Quasi-) Zusammenbruch des Finanzsystems – Bailout II – kommen.

    Und wie der Don heute schreibt: “Man kann wirklich nur hoffen, dass der Plan B, den angeblich keiner hat, eine Aufspaltung des Euro ist. Und keine Währungsreform.”

    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1924608/#comments

  18. Womit wir wieder bei der sehr interessanten Frage im ersten Absatz Deines Beitrags wären. Was werden die 99% dann machen?

  19. Ist das alles jetzt ein Witz? Papandreou will sein Volk über den Schuldenerlass abstimmen lassen, dem er selbst auf dem letzten EU Gipfel bereits zugestimmt hat?

    So wie die griechischen Zeitungen momntan mit Naziparolen und Anti-Eu-Propaganda vollgepropft sind, werden die Griechen mit großer Mehrheit gegen Schuldenschnitt und Spardiktat sein. Damit wäre der Beschluss des EU-Gipfels Makulatur.

  20. Detlef, ich hätte ja gedacht, jetzt wo Du dir eine Auszeit genommen hast, wärst Du mal am Samstag ‘vor Ort’ gewesen.

    Für Occupy wirds jetzt mal höchste Eisenbahn, statt vieler bunter Plakate zu bemalen und scharfe Mädels vor Kameras posieren zu lassen, mal ein paar Ziele zu definieren, auch auf das Risiko, das diese nicht allen gefallen und sich einige Mitläufer verabschieden. Das ist schon deshalb notwendig, weil die Genies der abschreibenden Zunft offensichtlich einfach nicht ohne vermeintliche Führer auskommen:

    http://www.fr-online.de/kultur/occupy-wall-street–vielleicht-gruenden-wir-eine-dritte-partei-,1472786,11074462.html

    Ich war am Samstag mal kurz dort. Bin schwer enttäuscht, was ich da teilweise an Chaoten sah.

  21. “So sollen die Banken gezwungen werden, deutlich mehr Eigenkapital auszuweisen als bislang. Außerdem wollen die Staats- und Regierungschefs sicherstellen, dass “künftig keine Finanzfirma mehr zu groß für eine Pleite” sei. Wenn eine solche Institution dennoch abgewickelt werden müsse, “sollten Steuerzahler nicht für die Kosten aufkommen”, heißt es in dem Papier.”

    http://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/0,2828,794835,00.html

    So erwischt man die Eliten der Schreiberzunft beim guttenbergen. Einfach bei Sahra Wagenknecht und Oskar abschreiben. Von allein kommen unsere Neoliberalen durch anhaltende Schockstarre wohl nicht darauf. Ob sie es aber ernst meinen, bezweifele ich.

  22. Niemand kann heute genau sagen, was aus „Occupy Frankfurt “ wird. Die Bewegung, wenn es denn in Deutschland überhaupt schon eine ist, lebt von Tag zu Tag. Der Winter rückt näher und ich weiß nicht, ob die Menschen vor der EZB in der Kälte weitermachen. Die Behörden haben das Zeltdorf glaube ich bis Mitte November genehmigt. Ich habe dort von gutbürgerlichen Familien, betagten Rentnern, Punks, ganz jungen und alten Menschen, bis hin zu Firmenchefs und Obdachlosen, Leute in noch nie gesehener Einigkeit getroffen. Dort kann jeder sehen, dass es den Demonstranten nicht um Sozialismus geht, und dass solche Begriffe dort keinen Platz haben. Gerade die sichtbar Armen berührten mich, weil sie bei uns als Ausgegrenzte der Gesellschaft und am unteren Rand unserer Wahrnehmung leben. Am Willi Brandt Platz aber waren sie integriert. Ich wertete das als ein gutes Zeichen für die Bewegung und Hoffnungsschimmer, dass es doch noch bürgerliche Werte gibt. Ich hoffe jedenfalls, dass es weiter geht.
    Schön, dass sich so ein Beitrag in einem Autoblog findet.

  23. @ Hansimglück,
    angesichts solchr Bilder werden sich die “Frankfurter” überlegen, mit Farbeimern loszumarschieren.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,798517,00.html

    Ab dem Augenblick wo hier nicht mehr nur gegen Bankkriminelle protestiert wird, sondern der Staat angegriffen wird, werden wir von hier ganz ähnliche Bildr sehen. Und jetzt, wo die ganz großen Brocken wie Spanien und Italien um unsere Knete betteln, fürchte ich unruhige Zeiten kommen.

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