Graf Berghe von Trips und schwäbische Bigotterie

Bei Oldtimer Grand Prix’s wie denen auf dem Nürburgring, haben die Veranstalter Vorstellungen, die mir nicht wirklich gefallen.

 

Die Geschichtslosigkeit stört mich nicht mal so sehr. Ich ertrage  zur Not auch riesige Partyzelte und Souvenierramschläden von Mercedes, Porsche und Ferrari, mit den neuesten in allen Lackierungen aufgefahrenen Prollschleudern, oder auch, dass die selbsternannten Retter automobilen Kulturguts, bspw. der DEUVET oder eine IKM, hier, wo man den zehntausenden echten, oft hunderte Kilometer angereisten Enthusiasten alten Blechs auf rollenden 4 Rädern, wie kaum sonstwo, hautnahe die hehren Ziele und Notwendigkeiten anschaulich vorführen könnte, durch gänzliche Abwesenheit glänzen.

Ich kann das alles ausblenden und mich allein auf die hunderten von alten Sportwagen konzentrieren, und über manche abgehalfterten C-Promis a la Corinna Schumacher am Steuer, nur müde lächeln.

Nur über eins nicht: Wenn ein Stück Deutscher Automobilgeschichte geräuschlos verschwindet, zeigt mir das, dass nicht nur Politiker bigotte Vorstellungen haben. Viele halstüchleintragende Schlaudaherschwätzer und Geschäftemacher der Oldtimerszene, unterscheiden sich in Sachen Glaubwürdigkeiot und Bigotterie nicht allzu sehr von der Politik. Hier die inzwischen Staatsanwälte ermitteln lassenden Umstände wegen 270 Millionen Steuergelder für in Grüne Nürburgring – Höllen nutzlos vergossenen Betons, dort – nur unter ferner liefen –  ein Graf Berghe von Trips – Museum, was wegen ein paar fehlender, hundertausend Euro unwiederbringlich verschwindet.

Über einen schwäbischen Hedge-Fonds mit angeschlossener Autoproduktion, der Milliardenverluste macht und dessen Eigner und Manager hinterher wie italienische Kreuzfahrtschiff-Kapitäne die Platte putzen, will ich keine Worte verlieren. Wären wenigstens die etablierten, mit der Oldtimerszene eng verzahnten und von ihr lebenden  Mediensysteme und Behüter Automobilen Kulturgutes, wie IKM und der Deuvet, ehrlich, müssten sie solche Geschichten, wenn sie schon nicht fähig sind, sie zu verhindern, wenigstens offen publizieren. Nichts da.

“…Am 21. Januar eröffnet im Hamburger Automuseum Prototyp die Sonderausstellung “Wolfgang Graf Berghe von Trips, Ritter der Rennstrecke” zu Ehren des ersten deutschen Grand Prix Siegers der Formel 1. Auf 250 qm können Besucher dank Dauerleihgaben der Gräflich Berghe von Trips’schen Sportstiftung ganz persönliche Eindrücke vom Leben des Grafen sammeln…”

Ah, ja, Dauerleihgaben nennen so was die kulturlosen Bezahlschreiber aus Hamburg.

10 Gedanken zu “Graf Berghe von Trips und schwäbische Bigotterie

  1. Guck hier vor unserer eigenen Haustüre. Vor Jahren hat man die ursprünglich denkmalgeschützten HOREX Fabrikhallen einem potthässlichen Büroneubau geopfert und abgerissen. Jetzt baut ein privater Unternehmer ein HOREX Museum und vermietet es für viel zu viel geld an die Stadt Bad Homburg.

  2. Es ist echt jämmerlich. Für einen Komplettneubau eines Berliner Schlosses was 1945 in der Vorstoßzone russischer Infantrie lag, sind 200 Millionen da.
    Jedenfalls hätten die Museumsstücke wenn schon, in ein Porsche Museum nach Stuttgart gehört.

  3. Dass das Saab – Museum verramscht wird ist echt der Hammer. General Motors als Mutterkonzern hat genau so wenig Interesse daran, ein Stück eigene Automobilgeschichte zu retten, wie es die Porsche Zocker haben.
    Du hast schon recht mit den “Halstüchernträgern”.

  4. Die Schweden haben offenbar in Sachen Autokultur uns etwas voraus. Das Saab-Museum bleibt erhalten.

    Nach Informationen von Saabs United, eine Blogger-Webseite, wurden für einzelne der insgesamt 120 Fahrzeuge über 500 Angebote abgegeben. Den Museumsliquidatoren gelang es, das Museum als Gesamtpaket zu verkaufen.

    http://www.saabsunited.com/

    Freut mich wirklich.

  5. So was wie in Schweden funktioniert in Deutschland nie. So ein Museum zu retten ist halt auch ziemlich ungeignet für einen Politbonzen sich vor Kameras als Retter feiern zu lassen.

    Ich habe gelesen, die Eigentümer von Westfalia wollen die vor 3 Jahren aus dem aufgelösten Museum verkauften Autos jetzt wieder zurückkaufen um das Museum wieder zu eröffnen. Irgend wie ticken einige in Deutschland nicht richtig.

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