Freitag der 13.; Jubijubijubilu…

„Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg.“ [George Bernhard Shaw]

„Da ist er“, flüsterte die wirklich bildhübsche junge Bad Homburgerin am Nebentisch ihrer Freundin zu, grade noch so laut, dass ich es letzten Sommer ungewollt hören konnte, als da ein blonder, baumhoher Beau, sich betont uninteressiert und langsam, durch das Gewühl von Laternenfest-besuchern vor dem Kurhaus, die vor dem Regen Schutz unter den Arkaden gesucht hatten, an die neben mir Sitzenden  heranpirschte.

 

“Hallo Guido… (Anm.: Name von mir geändert, man will ja nicht indiskeret sein) setz dich… pla pla pla… na, wie isses auf der High-School in England?”  Mir fiel fast der Latte aus der Hand, als der mit allem was gut und teuer ist gedresste Jüngling, den beiden sichtbar beeindruckten Mädels am Nebentisch,  selbstsicher wie ein Jungeunionvorsitzender, und grade so laut, dass es von ihm wohl gewollt auch ja alle Herumsitzenden an den Nebentischen mitbekamen, antwortete,

“es sei ein großartiges Gefühl und das beste was ihm hätte passieren können, auf dem KWG (Anm.: Bad Homburger Elite – Gymnasium) zweimal durchs Abitur durchgefallen zu sein”….

“Die Studienbedingungen in Deutschland werden sowieso immer schlechter und sind so richtig was für den Ar… aber dort in England… Private High School… mit Direktzugang auf die Uni… Bachelor in 3 Jahren und hintendran den DBA…”

Da kam bei mir die Erinnerung: In meiner Jugend, 1968, rutschte ein Freund von der Realschule, Sohn eines Möbelunternehmers bei uns im Westviertel, Karriere als Young Leader of Mainhatten-Town vorgezeichnet, der danach auf ein Privat-Gymnasium am Bodensee wechselte, erst in den Alkohol, Drogenmissbrauch, Prügeleien, schwere Körperverletzung seiner Freundin und dann in die Psychosen ab.  Wenn ich heute so was von einem jungen Schnösel höre, erschreckt es mich mehr als Mitte der 70er, nicht zuletzt, weil ich es selbst vergessen hatte. Heute erinnerte mich das plötzlich an einen zwei Jahre alten Gastkommentar von Fred Grimm, versteckt unter “Personalführung”  im Wirtschaftsteil von Spon, ein scheinbar unscheinbares Detail, das die Existenz einer Demokratie in Deutschland zu widerlegen geeignet ist, wenn es stimmt, was da steht. Es heißt dort lapidar:

Über die Hälfte des deutschen Top-Managements stammt aus dem winzigen 0,5-Prozent-Segment der reichsten deutschen Familien.”

Ich glaube nicht das wir solche Eliten brauchen, ich bin nicht einmal sicher ob es Eliten gibt oder ob sie nicht nur eine eher zufallige Zusammenrottungen unter einem Gruppenmerkmal sind, das nur kurzfristig Bestand hat. Was wir meiner Meinung nach als wichtigstes brauchen ist Verantwortung. Persönliche Verantwortung für sich selbst, seine Verantwortlichkeit auch öffentlich erklären, nicht jämmerlich herumzuwulffen.

Verantwortung zieht Vernunft nach sich. Nur wer sich verantwortlich fühlt und verantwortlich handelt, hat auch Ehre, ohne bundespräsidiale Ausnahme und helfende “Freunde”. Wenn Ehrhaftigkeit aus tragender Verantwortung zum Ziel wird, dann haben alle gewonnen. Denn Reichtum muss nicht Armut produzieren. Diesen Zusammenhang gibt es nur, wenn Reichtum mit Verantwortungslosigkeit gepaart ist.

Bei dem wichtigsten Menschen auf dieser Welt hat das alles bisher geklappt,  Führerschein…  Abitur…  Berufsausbildung… Studium…  Verantwortung für sich selbst… und als Belohnung heute den geschafften Fachhochschul-abschluss als Bachelor in Betriebswirtschaft, plus Schwerpunktfach Marketing …ach wie stolz und glücklich bin ich, dass unsere Tochter die ersten fünf  Aufgaben so gut bewältigt hat, und die vorläufig letzte, die bisher schwerste davon, heute, am Freitag den 13.

 

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16 Gedanken zu “Freitag der 13.; Jubijubijubilu…

  1. Detlef,
    ganz, ganz ehrlich. Ich freue mich mit Euch. Und der heute bestimmt heute noch hübscheren jungen Dame herzliche Gratulation.
    Vom Wilhelm

  2. Deine thematischen Verknüpfungen sind manchmal etwas gewagt, manchmal etwas daneben, aber in dem Fall, genial. Bingo !!!

    Ich freue mich mit.

  3. Bei der in so jungen Jahren bereits ins Gesicht geschriebenen Fahrfreude dürfte der ggflls. anstehende Masterabschluss dann aber mit einem dem Alter der jungen Dame adäquaten 4-rädrigen Geschenk belohnt werden müssen. Porsche Boxter soll bei auftstrebsamen Jungmanagerinnen sehr beliebt sein …

    :-) :-) :-)

  4. Da gratuliere ich der jungen Dame nebst Väterchen auch einmal. Keine Fotos von der Festtagstorte?

  5. Das Studentenleben ist doch in Zeiten des Bachelors gar nicht so beschissen. Für den, der Geld hat. So wie bei dem oben beschriebenen Jungspund aus Bad Homburg, der mit Papis 1000er pro Monat auf einer Englischen Schule den Durchlauf macht. Mit 25 dann schon den Master in der Tasche, Führungsposition im GmbH – Familienunternehmen, da muß man keinen Finger krumm machen und weil Papi um die Qualifikaion des Sprößlinmgs Bescheid weiß, nur Betrauung mit repräsentativen Aufgaben. Falsch machen kann man da auch nichts.

  6. So so. So sieht also eine zukünftige Produkt-Managerin der Deutschen Bank aus.

    :-) :-) :-) :-) :-) :-) :-)

  7. Wäre ich 30 Jahre jünger würde ich jetzt fragen, “könnte ich vielleicht die Telefonnummer der jungen Dame erfahren?” Spaßschalter aus.

    Dede, wir sind ja fast gleichaltrig Meine Tochter hat das schon 2 Jahre hinter sich. Deshalb weiß ich, wie das ist, wenn diese erste Hürde genommen ist. Nicht ohne Grund brechen fast 30% der Studienanfnger ihr Studium in den ersten 3 Semestern ab. Ichfreue mich mit für Euch.

  8. Ein sehr großer Vorteil eines nicht mit dem Gehalt eines Bankers gesegnten Papas war, dass ich meine Sprößlinge nicht mit engl. High Schools und Unis verwöhnen konnte. Meinen beiden Jungs musste ich nicht erklären, warum es besser für sie ist, das Abi in der Regelzeit möglichst gut zu schaffen und danach so schnell wie möglich durchzustudieren und auf eigenen Füßen zu stehen. Es hat funktioniert.

  9. Was; das Mädle auf dem Foto, Betriebswirtschaft und Marketing? So sieht doch keine Marketerin aus. Eher ein zweite Sabine Schmitz :-)

  10. Siehst mal Alter, das haben wir alles schon hinter uns und 15 Jahre eher und gleich zweifach.
    Viel Glück für die junge Dame und Dir auch nur Gutes vom
    TT

  11. Pingback: Gutenmorgenkaffee 02.07.2012

  12. Wie sieht denn die hübsche, junge Dame heute aus, nicht mal ein klitzekleines Fotochen?

  13. Connyforbes,

    keine Fotos von Familienmitgliedern (Ausnahme die Schottland-Tour und meine Copilotin) und auch keine Berichte über Krankheiten und Todesfälle in der Familie.

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