Realitäten 07.02.2012: Nürburgring und Abrissbirne

Als ich 16 Jahre alt war, hatte ich leider nicht wie Karl – Heinz gute Freunde, die mich mit zum Nürburgring nahmen, und Dachbodenfunde wie bei ihm sind bei mir ausgeschlossen. So quasi als Dachbodenfundersatz bekam ich am Wochenende von einem hier mitlesenden, früheren Motorjournalisten, ein Konvolut mit 236 Pressefotos vom Nürburgring aus der Zeit von 1966 – 1968.

Nun stand in der Zeitung aus meiner Heimatstadt, gestern mal ausnahmsweise nichts über den Oberschnorrer der Republik, sondern ein Artikel über den Nürburgring, wo sich viele, die bei mir schon mal das eine oder andere zu diesem Thema “Nürburgrinng… How to make stupid People pay for it” gelesen hatten, oder die bei Wilhelm Hahne seit Jahren mitlesen, wundern werden, warum dieses Umfeld der steuergetriebenen Umverteilung von Arm zu Reich in Deutschland, nicht endlich mal irgend wo einen antifiskalischen Bürgerkrieg vom Zaune bricht.

“Erst im Mai 2010 hatten Beck und sein damaliger Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) den Düsseldorfer Projektentwickler Kai Richter und den Hotelunternehmer Jörg Lindner als Pächter des 330 Millionen Euro teuren Gebäudekomplexes mit einer Achterbahn und einem Rennfahrtmuseum vorgestellt…”

“Die beiden Unternehmer sollten Gewinn machen, den Steuerzahler werde das Nürburgring-Projekt keinen Euro kosten, hatte Beck bei der Vorstellung der Pächter ein Jahr vor der Landtagswahl versprochen…”

Und der Spiegel schreibt gestern “die Grünen ziehen Rückbaumöglichkeiten an der Rennstrecke in Betracht. Eine schöne Umschreibung für das hässliche Wort Abriss…”

Spass beiseite. Der Nürburgring ist neben Erinnerungen an tolle Autorennen damals, auch ideal, um heute eine Vorstellung von unfähigen, zynischen Schlappschwänzen zu bekommen, Politiker, die 500 Millionen Euro mal eben  zum Stimmenfang aus dem Fenster werfen, abgehalfterte Männer wie Kurt Beck, die für Spiele mit Weibchen im heimischen Kobel wohl zu alt sind, die sonst nichts mehr können, als an ihren Machtsesseln zu kleben, aber nicht zu alt sind, um nicht noch einmal ihrem kleinen, dummen Ländchen einen Stempel aus Beton aufzudrücken…

“…Insgesamt gaben die 16 Bundesländer im vergangenen Jahr 9,4 Milliarden Euro mehr aus, als sie einnahmen. Größter Schuldenmacher war im vergangenen Jahr Nordrhein-Westfalen (NRW) mit 2,9 Milliarden Euro Defizit, gefolgt von Niedersachen (2,5 Milliarden Euro) und Rheinland-Pfalz (zwei Milliarden Euro). Bremens Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) gab je Einwohner 931 Euro mehr aus als sie einnahm – ein Minusrekord. In Rheinland-Pfalz waren es 512 Euro und im Saarland knapp 400 Euro…”

Was ich sonst noch so über dieses Paradebeispiel politischer Impotenz zu schreiben hätte, verkneife ich mir besser. Ich rufe nur mal von hier ganz bürgerlich gen Mainz: Ministerpräsi Kurt Beck & Konsorten, geht zum Deubel.

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Update: Über die laufende Entwicklung dürfte am besten die in der Region ansässige Rhein – Zeitung informieren

Lesenswert auch Mike Frison und beissender Spott über die Mainzer Landesregierung bei Karl-Heinz Steinkühler’s “Mainzer Plauderstunde”

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29 Gedanken zu “Realitäten 07.02.2012: Nürburgring und Abrissbirne

  1. Wenn man das alles liest, von dem Untersuchungsausschüssen gegen Deubel schon 2009 angefangen bis heute, erinnert dies alles eher an ein fiktives Land in einem Kinofilm, das vor Paradoxen, Absurditäten und Illuminatoren nur so strotzt, als an unser schönes Rheinland – Pfalz.

  2. Was Beck und seine politischen Komplizen auf der einen Seite und ein Kai Richter mit seinem dubiosen Hotelier Lindner in den letzten Jahren mit ihren Ausflüchten, Vertuschungen und Attacken gegen einen kritischen Herrn Hahne und Mike Frison, dem gesunden Menschenverstand offenbar unbehelligt antun, geht auf keine Kuhhaut mehr. Und jetzt hat dieser MP noch nicht einmal die Eier in der Hose, selbst vor das Parlament zu treten und seinen 350 Millionen Totalflop einzugestehen.

  3. Ich hatte es an anderer Stelle schon mal angemerkt. Über so was lachen wir hier oben inzwischen. Wir haben die Elbphilarmonie. Alles klar? Alles klar.

  4. Das Kurt Beck sich dünne macht, dürfte seine Gründe haben. So langsam arbeiten sich Staatsawälte und wie hier Rechnungsprüfer nämlich an die harten Fakten heran.

    http://www.rhein-zeitung.de/regionales_artikel,-Ring-Pacht-zu-niedrig-_arid,377939.html

    Wenn die NAG Betreiber als Antwort auf die Kündigung die Landesregierung öffentlich verspotten, werden sie wahrscheinlich noch ein paar Asse im Ärmel haben. Vielleicht sogar ein paar verdeckte Hintenherum – Wahlkampfspenden für Kurt’s Partei, um die Betreiberverträge zu günstigsten Konditionen zu erhalten?

  5. King Kurt & engste Konsorten haben mit Sicherheit nicht wie der dummdreiste Oberschnorrer, Urlaub in der Sylt-Downgrading-Luxus-Suite gemacht, aber Herr Lindner hat ja ein paar ganz nette Hotels an anderen schönen Orten…

    http://www.lindner.de/de/hotels

    Da könnte jetzt so einiges hoch kommen. Abber mer waases ned..

  6. Was stinkt heute nicht alles in den Himmel? Es stinken Abgase von kilometerlang hintereinaner fahrenden LKWs, Abfalleimer, die Achselhöhlen von mitfahrenden U-Bahnfahrgästen (auch ohne Knoblauchgenuss), Pinkelsteine in Urinalen und Politschwachmaten wie Kurt Beck. Aber selbst dran schuld, denn wir Bürgerlein wollen das schmutzigste aller Geschäfte, die Politik, ja selber nicht mehr betreiben und haben diese dumpfbackigen Demokratietmänätscher gewählt.

  7. Ich vermute mal, dass der feige Kurt Beck nicht ohne Grund der Pressekonferenz ferngeblieben ist und wir an den Bruchkanten dieses Abgrunds noch einiges Interessants zu den Umständen der Betreiberauswahl zu bereden haben werden.

  8. Danke für die Links zur RheinZeitung. Als Nürburgring-Fan seit fast 25 Jahren gäbe es soviel über Wutgefühle zu schreiben, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

    Starker Blog, gut geschriebener Beitrag. Chapeau.

  9. Detlef, jetzt lob mal nicht den Steinkühler, nur weil der polemisch auf die Landesregierung eindrischt. Das ist der Presseonkel und Unternehmenskommikator der NAG (Lindner, Richter), der verfolgt seine eigene Agenda für die Mietnomaden.

  10. Jens,

    weil ich oben nur nicht hinschreibe, der “Schmierschreiber” Karl-Heinz Steinkühler, lobe ich ihn doch noch lange nicht. Die Absicht dieses GeschäftsblogborderlinerPRolls ist ja wohl zu offensichtlich.

    :-)

  11. Automoto,

    der Hausherr dieses Blogs hat gestern Abend bei einem verfickten VW-Polo (2006), bei Minusgraden eine Hauptscheinwerfer-Birne wechseln müssen, sich dabei fast die Fingerkuppen abgefroren und die Inscheniöörkünste gehirnentwässerter VW-Konstrukteure verdammt, und er hat gerade keine Lust auf die nette Tour, auch weil er glaubt, dass das hier reinlesende Publikum das auch gar nicht so will.

    :-)

  12. Wie, nur 2821 “Gefällt mir” Klicks? Das Bildungsniveau in Rheinland-Pfalz zeigt eine positive Tendenz.

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  13. “und er hat gerade keine Lust auf die nette Tour, auch weil er glaubt, dass das hier reinlesende Publikum das auch gar nicht so will.”

    Genau!!! Stinklangweilige Auto-Foren gibts genug.

    Könnte man nicht die “Grüne Hölle” am Nürburgring zukünftig an RTL vermieten, damit die dort ihre nächsten Staffeln Dschungelcamp abspielen lassen. Mit den Dauerbewohnern Kurt Beck und Konsorten? Auch in der Eifel krabbelt allerlei verzehrbares Geziefer herum, was für zukünftige abendliche Unterschichtenunterhaltung sorgen würde.

  14. Bei “Steinkühler” schreibt ein Racer55: “Und über die blöden Pächter muss sich KK auch nicht mehr ärgern. Die wurden ja heute des Landes verwiesen! So was gibt es halt nur in einem wahren Königreich. In einem anderen Bundesland müsste man sich ja an die Gesetze halten. Nicht aber in Rheinland-Pfalz. Glücklicher König Kurt!”

    Selbst im Amigoland Bayern wären am selben Tag, wo ein solcher Bericht des Lanndesrechnungshogs auf dem Tisch gelegen hätte, zuerst mal die Staatsanwälte ausgerückt.

  15. Schalksnarr, exakt. Aber bei uns in Bayernland haben die Strafverfolger ihr Knoffhoff halt auch jahrzehntelang hart erarbeitet und seit Streibl 1993 gelernt, zuzuschlagen und erst hinterher zu fragen, bevor z.B. Festplatten gelöscht werden können.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Amigo-Aff%C3%A4re

    Ich bin auch gespannt, ob bei der Nürburgring Geschichte nicht auch was ähnliches dranhängt. Die Chuzpe der Nürburgring GF’s deutet zumindest darauf hin.

  16. Da brauchen sich Beck und Deubel ja keine allzu großen Sorgen mehr zu machen.

    “Untreue darf nicht zu einer Misserfolgshaftung für wirtschaftliche Wagnisse führen, die sich im Nachhinein als unprofitabel herausstellen”, so die Staatsanwaltschaft. Darüber hinaus fehlten Anhaltspunkte dafür, dass die beiden Politiker die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit eines Vermögensverlustes “gebilligt” hätten.”

    http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=9255966/10ril8w/index.html

  17. Solche Staatsanwälte kennt man hier seit “Wolski” zur Genüge. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Besonders pikant daran ist: Der Staatsgerichtshof hatte bereits letztes Jahr den Deal als verfassungswidrig beurteilt. Aber darüber schlagen sich bewährte schwäbische Seilschaften im Ländle mal ein paar Eier drüber…

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/baden-wuerttemberg-staatsgerichtshof-enbw-kauf-war-verfassungswidrig-11484298.html

    Ob Beck, Deubel und vor allem Kai Richter, aus solchem Verhalten Hoffnung schöpfen können, wage ich mal zu bezweifeln. Abwarten.

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  18. Und die Stuttgarter Staatsanwaltschadt unter OSta Bernhard Häußler hat Ermittlungen abgelehnt – es wäre kein Vermögenschaden erkennbar (trotz mittlerweile 1 Mrd. Verluste). Und dabei könnte man den ganzen Deal unter Wahlkampfkosten abbuchen. Mappus wollte damit sein lädiertes Kinderschläger-Image (schwarzer Donnerstag) aufbessern und sein Spin-Doctor Metz ((ja Detlef, der von Euerm Koch) tönte laut ‘Mappus kann auch Wirtschaft!!!.

    Der Häußler, der Studenten und Vertreiber von Anti-Nazi-Buttons (durchgestrichenes Hakenkreuz) wegen tragen ‘verfassungsfeindlicher Embleme’ bis zum BGH verfolgt, auf der anderen Seite aber seit 10 Jahren einen Kriegsverbrecherprozess wegen eines Wehrmachtsmassakers in Italien verschleppt. Aber das wird sich ja demnächst biologisch von selbst erledigen. Einfach mal googeln, nach dem sauberen Herren.

  19. Uli aus S,
    hier hat es sich King Beck, wahrscheinlich zum Glück wie man heute sagen kann, in seiner Überheblichkeit mit einer Frankfurter Staatsanwältin gründlichst verschissen.

    http://www.ad-hoc-news.de/hessen-verbittet-sich-becks-u-erungen-gegen-staatsanw-ltin–/de/News/21446564

    Was Bernhard Häußler betrifft. In einem Land, wo es bis 1978 einen Ex-Nazi-Richter und Ministerpräsidenten Filbinger gab, sind wohl doch nicht alle nach 1945 so geläutert gewsen, wie es den Anschein hat.

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