Über Verhältnisse leben oder der Ferrari kam nur bis Grünwald

Gusseiserne Regeln für den Oldtimerkauf…

“Mit bestimmten Oldtimern ist es wie mit Frauen: entweder man entflammt dafür, oder das Herz bleibt kalt! Kaufregeln für Oldtimer sind zwar jedem bekannt. Wenn aber einen Mann die Leidenschaft packt, werden sie schnell vergessen…”   “Wer die Sehnsucht nach einer großen Liebe verspürt, sollte sich zunächt einmal vergewissern, wie es um seine Potenz steht…”  “Moment, da habe ich mich wohl etwas missverständlich ausgedrückt…” “er sollte sich zunächst ernste Gedanken über seine finanzielle Potenz machen…”

Gestern lese ich in der Automobilwoche einen PRoll-Artikel, der mich an die “0-Anzahlung-Rest-auf-72-Monate”-Angebote von Media-Blödmärkten erinnerte:  Abgewanzten Altbenz Mercedes-Benz 300 Cabriolet D, Zustand 4 – 5, mit etwas Barem kaufen, für die Vollrestaurierung mehr als das dreifache des Kaufpreises reinstecken, und das wie man umgangssprachlich sagt, alles auf die Hacke.

Ich hab das in “Classic Leasing Aufbaufinanzierung für Oldtimer” gezeigte Brechnungsbeispiel mal auf die Schnelle a la Friedrich Merz als Bierdeckel – Rechnung überschlagen…

Kaufpreis Mercedes 300 Cabrio D mit Eigenmitteln

50.000,00

 
Restaurierung – Finanzierung

180.000,00

 
7 Monate Restaurierungsdauer  monatl. Zinszahlung a 1.500,00  10.500,00   10.500,00
Investitionsaufwand  240.500,00  
Leasingvertrag nach durch-geführter Vollrestaurierung:    
Anzahlung (vorherige Eigenmittel)  

50.000,00

 

36 Monatsraten a  2.800,00 €    100.800,00
Voraussichtl. Gesamtaufwand I    161.300,00
Nach 36 Monaten zu zahlender  Restwert 40% d. Gesamtinvestition     92.000,00
Voraussichtl. Geamtaufwand II  

253.300,00

Das die Journalistin Bettina John wohl ihren ersten Artikel über Leasing schlechthin schrieb und keinen blassen Dunst von der Materie hat, zeigt mir die Tatsache, dass essentielle Angaben daüber fehlen, ob es sich bei den Leasingraten wie auch beim Restwert (und hier vor allem), um Netto- oder Bruttobeträge (inkl.Mwst.) handelt. 

Jedenfalls, 12 Leasingraten a 2.800,00 ergeben Leasingkosten von 33.600,00 im Jahr, zuzüglich Vollkaskoversicherung, laufende Pflege- und Reparaturkosten und Betriebsstoffe, angenommen insgesamt rd. 40.000,00 Euro pro Jahr. Bei angenommenen 5.000 Kilometer (viele Versicherer limitieren die km-Leistung auf <10.000 km) pro Jahr sind das 8,00 Euro pro Kilometer, bei nur rd. 2.000 Kilometern, was einem solch hochwertigen Auto zwecks Werterhalts angemessen erscheint, sogar 20,00 Euro pro Kilometer  [*]

Und die 92.000 Euro am Ende des Leasing-Vertrags muss man auch haben, sonst muss man ruckizucki einen Abschluss-Leasingvertrag machen oder die Kiste ist nämlich weg und sie landet wie der gelbe Ferrari wahrscheinlich auch, in der Grünwalder Gebrauchtwagenresterampe.

Es geht eigentlich um rein gar nichts und vielleicht mache ich mich jetzt zum Affen, denn in Zeiten der Leasing-Gesellschaft, wo nur noch ein Drittel der Neuwagen von “Privat” gekauft und bezahlt wird, ist das dicke Auto nicht selten ein Zeichen von wenig betucht; häufig sogar die Ursache für wenig betucht, und wenn man so manchen auf Oldtimer – Concours bestaunten alten Boliden auftauchen sieht, ist oft genau das Gegenteil von echt was auf der Kante der Fall.

Falls ich recht habe, kann ich nur sagen: Vielleicht schon mal an ein paar Nummern kleiner oder wie früher, an Barzahlen gedacht?

.

14 Gedanken zu “Über Verhältnisse leben oder der Ferrari kam nur bis Grünwald

  1. Mir faellt bei sowas nur der alte Spruch von den kleinen Hunden, die mit den großen Hunden pi..en gehen wollen und das Bein nicht hochkriegen, ein.

  2. Ich habs auf die schnelle jetzt nicht gefunden. Aber hier ist ein ähnlicher Artikel von einer Steuerkanzlei:

    “Kann man einen Oldtimer als Geschäftswagen absetzen?
    Oldtimer als Geschäftswagen haben den unschätzbaren Vorteil, dass der geldwerte Vorteil nur auf Basis des historischen Wertes berechnet wird. Zum Beispiel ein 1963er-Mercedes 230 SL hat damals „nur“ 25.000 Mark gekostet. Gelegentlich machen Betriebsprüfer jedoch Ärger, weil die Kosten für Oldtimer angeblich nicht abzugsfähig seien.

    Fakt ist: Es gibt ein gesetzliches Abzugsverbot für Yachten. Und es gibt ein Urteil, das die Kosten für Oldtimer-Flugzeuge nicht zum Abzug zulässt (BFH, 27.02.07, I R 27-29/05, BFH/NV, 1230). Ein generelles Abzugsverbot für alte Autos bzw. Oldtimer gibt es nicht.

    Es hängt beim Oldtimer von den Kosten ab: In einem Urteilsfall vor dem BFH waren für ein Mercedes-Cabriolet innerhalb von 4 Jahren Aufwendungen in Höhe von insgesamt 128.000 Euro angefallen. Doch nicht einmal in diesem Fall hat der BFH generell ausgeschlossen, dass die Kosten eines Oldtimers Betriebsausgaben sein können. (BFH, IV B 73/05, 05.02.07, BFH/NV 07, 1106)

    Fazit: Bewegen sich Betriebskosten und Wertverlust eines Oldtimers auf Niveau eines Neuwagens, darf das Finanzamt nicht meckern. Schwierigkeiten darf Ihnen das Finanzamt nur dann machen, wenn die Kosten des Autos „völlig daneben“ sind.

    http://www.gesierich.de/steuertipps_archiv.php#t392

  3. Mal ein echt interessantes Thema. Vor allem, weil das Target derClassic Leasing nicht der Normal ist, der einen gebrauchten Porsche für 40-50000 € kauft sondern weil man hier wohl auf das preisliche Oberhaus abzielt. Das hier klingt für mich ziemlich plausibel.

    “Die Finanzgerichte schließen sich zumeist der Auffassung der Betriebsprüfer an und lassen den Abzug der Kfz-Kosten nicht oder nicht in voller Höhe zu. So hat das Finanzgericht Baden-Württemberg jetzt die Kosten für einen Jaguar E mit Baujahr 1973 nicht zum steuerlichen Abzug zugelassen, weil diese unangemessene Repräsentationsaufwendungen darstellen (Az. 6 K 2473/09). Auch wenn der Oldtimer ausschließlich betrieblich genutzt wird, weist der Wagen eine Nähe zur privaten Lebensführung auf. Ein solches Fahrzeug bietet nicht den Komfort und den Sicherheitsstandard eines Neuwagens und ist eher geeignet, infolge seines äußeren Erscheinungsbildes und der Seltenheit im heutigen Straßenbild Geschäftsfreunde zu unterhalten oder privaten Neigungen nachzugehen, meinten die Richter. Ob dies zutreffend ist, muss nun der Bundesfinanzhof entscheiden, bei dem eine Nichtzulassungsbeschwerde unter dem Aktenzeichen I B 42/11 anhängig ist.

    „Damit mindern die Kosten für das betrieblich genutzte Fahrzeug nicht den steuerlichen Gewinn”, kommentiert Steuerberaterin Stefanie Peter von Ebner Stolz Mönning Bachem. Ähnlich hatte das Finanzgericht Nürnberg in seinem Urteil aus dem Jahr 2008 entschieden und die Abschreibungsbeträge für einen betrieblich genutzten rund 120.000 Euro teuren Porsche Turbo Coupé nur insoweit als Betriebsausgaben anerkannt, als sie die Anschaffungskosten von 35.000 Euro nicht überschreiten und die darüber hinausgehenden Kosten als unangemessen angesehen (Az. IV 94/2006). ”

    http://www.ebnerstolz.de/de/esp/Presse/Pressemitteilungen/12791?subId=30838

    Detlef, … 6 : 1 … so ein Tag, so wunderschööön wie heuuute … so ein Tag ….

  4. Bei heutigen Neuwagen ist die 20% Anzahlung und ein – meistens künstlich – hoch angesetzter Restwert ein Mittel um Käufer zum Kauf von Autos zu bewegen, die ihnen ansonsten eine ganze Preisklasse zu hoch wären. Der im Beispiel kalkulierte Restwert liegt wie man sieht, tatsächlich nicht weit vom Kaufpreis eines “fertigen” Oldtimers entfernt. Zur sonstigen Qualität dieses skizzierten Angebots, auch was die propagierten Steuervorteile betrifft, muß man glaube ich, nichts mehr sagen.

    Den letzten Satz unterstreich ich doppelt.

  5. Was den angesprochenen Restwert brutto oder netto betrifft, kann bei einem lt. §25 a UstG differenzbesteuerten Fahrzeug, dass von einem privaten Verkäufer stammt, d.h. ohne ausweisbare MwSt., nach Ablauf der Leasingzeit das Fahrzeug von der Leasingesellschaft zum Restwert ebenfalls wieder ohne MwSt. verkauft werden.

  6. Uralter Spruch: Die Leute kaufen halt Autos, die sie sich nicht leisten können, um damit Leute zu beeindrucken, die sich nicht leiden können.

  7. “Zustand 4 – 5″ So wie der hier von Geevers?

    http://www.geevers-classic-cars.de/angebot/mercedes-benz_300-adenauer-cabriolet_214

    Die von AIL veranschlagten 7 Monate für eine Totalrestaurierung – Frame Up – halte ich für sehr optimistisch, weil es für diese Autos kaum Fertigteile gibt und speziell Blechteile angefertigt werden müssen. Bei 1-A Verchromern hast Du heute alleine Bearbeitungszeiten wenn Metallarbeiten notwendig sind von bis zu 4 Monaten.

  8. Amigo,

    ich auch. Insbesondere dann, wenn man nicht einen einzigen Restaurierer als quasi GU beauftragen will, sondern einzelne Handwerksleistungen an entsprechende Spezialisten vergibt. Damit erhöhen sich natürlich auch die Zinskosten während der Restaurierung mit jedem Monat um 1.500 Euro. Die dem Kreditnehmer entgehende Eigenkapitalverzinsung während der Restaurierung ist oben auch nicht berücksichtigt.

    An den zwei verlinkten Angeboten sieht man, Cash ist Trumpf und der bessere Kauf ist ein Oldtimer, in den ein anderer viel Zeit und viel Geld investiert hat und wo er nur 60 Cent pro investiertem Euro zurückbekommt.

  9. So viel mal zu der von den AIL “Experten” in der Berechnung gemachten Annahme, in 7 Monaten ließe sich eine solche Restaurierung durchziehen:

    “Zwei Mercedes-Benz 600 Landaulet aus den Baujahren 1972 und 1974 sollen in dem auf die Restaurierung von hochwertigen Mercedes-Benz Klassikern spezialisierte Familienbetrieb im schwäbischen Heimerdingen in den nächsten Jahren aufwendig und von Grund auf restauriert werden.”

    http://www.meinklassiker.com/de/magazin/0/0/4120

  10. Pingback: Techno Classica, Heirat ohne Gütertrennung für Schnellverliebte

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>