La Déesse, Design-Göttinnen ohne Todessehnsüchte

Nichts ist verlässlicher in der Werbung des deutschen Autohersteller mit dem Stern auf der Haube, als ein immer wieder neues, immer wieder anderes, langweiligeres Jubiläum und die ambivalente Beziehung von Motorjournalisten hierzu, wie von Walter Hönscheidt und dessen schräge anmutenden Maßstäbe, wie der einer  “Heckflosse als Peilkante” einer Betrachtung des Automobilsalons 1961.

In dem er die zwischen 1955 und 1975 genau 1.456.115 mal gebaute (so viel wie keine S-Klasse von Merdedes) La Déesse von Citroen einfach “weglässt”,  stellt er einmal mehr unter Beweis,  dass Motorjournalisten vom Schlage eines Fritz B. Busch, Gerold Lingnau oder Helmut Bernecker, ebenso der Vergangenheit angehören, wie diese Autos, die einem heute noch ein Kribbeln verursachen, wenn sie auf der Strasse an einem vorbeifahren.

Naturgemäß lässt sich nicht viel Stimmungsvolles über meine ambivalente Beziehung  zu alten, dahinsterbenden Automobilen sagen. Vieles von dem was ich empfinde, hat Niklas Maak, dem ich im Gegensatz zu seinem Kollegen bei der gleichen Zeitung, ein dickes Lob ausspreche, kürzlich in der FAZ sehr gut beschrieben, Autodesign “Vom Tod her gedacht”:

“In einem Mercedes SL von 1969 saß der Fahrer wie in einer Vitrine. Seitdem befinden sich die Autofenster in einem ständigen Schrumpfungs-prozess, mittlerweile ist nur noch eine Art von Schießscharten übrig, die in die Blechburg geschnitten wurden, um ein lebensnotwendiges Maß an Überblick zu behalten. Wer sich in einem Citroën DS – jenem 1955 präsentierten Auto, dem Roland Barthes seinen berühmtesten Essay widmete – überschlug, war tot. Die dünnen Träger des Dachs kollabierten wie ein Zelt, in das ein Betrunkener hineinstolpert. Die neuen Autos sind anders. Sie werden, wie vieles zur Zeit, vom Tod her gedacht…”

Citroen – Liebhaber, “Au Temple de la DS”, ab hier müsst Ihr jetzt verdammt stark sein.

Der “Tempel der Göttinnen” an der Rue National 3 kurz hinter der deutschen Grenze gleicht eher einem Friedhof. Doch selbst im Sterben erstrahlen die vielen Citroen DS in den verschiedensten Stadien des Verfall in einer “göttinnengleichen” Würde und Schönheit.

Und ein riesen Dankeschön, Volker

.

P.S. Verwandte Themen gibt es unter den Tags unter “Sleeping Beauties” oder hier und hier

.

14 Gedanken zu “La Déesse, Design-Göttinnen ohne Todessehnsüchte

  1. Ich habe zu diesem Wochenende mit strahlend blauem Himmel eigentlich etwas anderes erwartet, z.B. etwas über eine wunderschöne, dunkelrote Pagode, aber trotzdem, klasse. So eine automobile Grande Dame steckt mir schon lange in der Nase.

  2. Maximilian,

    das dunkelrote Biest steht zur Zeit in der Garage, vorne und hinten eingekeilt von Möbelkartons, Umzugsgut von meinem Auszug aus der Sterngarage und Beutegut von einer Entrümpelung einer Villa in meiner Stadt. Wegen eines überhängenden Regals lässt sich dazu die Motorhaube leider nicht öffnen, was aber für eine Spritztour wiederum erforderlich wäre, um vorher einen provisorischen Bypass-Schlauch zwischen Zufluss und Abfluss des ausgebauten Wärmetauschers zu legen.

    So wird es wohl mind. April werden, bis das Biest, bis dahin wohl mit einer heutigen – dummen – Käufern wohl wichtiger als eine restaurierte und 100%ig intakte Karosserie, neuer Motor und überholte Gesamttechnik, erscheinenden, neuen 5-Schicht-Lackierung, aufgehübscht, wieder über die Straßen rollen wird.

    .

  3. Sehr schöner Bilderfund und sehr gut geschrieben, danke. Gleichartiges mit alten Sternautos heutzutage zu finden, dürfte ja wohl auf grund der Hype, jeden noch so verrotteten Altbenz und koste was es wolle, als Oldtimer wieder auf die Straße zu bringen, 100pro ausgeschlossen sein.

  4. Sehr schöner Beitrag. Schreiben und gleichzeitig eine solche passende Überleitung zu einem Thema wie heutiges Automobildesign (Kotzsmilie) herzustellen und das auf dem Niveau, kann nicht jeder.

    Der Citroen ist wahrlich eine Design Ikone. Aber das ist für mich mein Jag MKII auch.

    Danke.

  5. So wird es wohl mind. April werden, bis das Biest … wieder über die Straßen rollen wird.”

    Damit Du bis dahin keine Entzugserscheinungen und zumindest bei der Saisoneröffnung in der Central Garage keine Minderwetigkeitskomplexe kriegst, mein adäquates Angebot steht, beim mir in der Garage ohnehin nur herum und Dir jederzeit zur Verfügung. :-)

  6. Vorsicht, mit solchen Gefälligkeiten von Freunden bist Du als zukünftiger Bundespräsi nicht mehr geeignet.

  7. Shit, damit ist die Karriere meines 10-jährigen Sohns zu Ende bevor sie begonnen hat. Er hat heute von der Metzgerin ein Stück Gelbwurst geschenkt bekommen.

  8. Der FAZ Artikel über Autodesign ist doch mal wieder was. Ich lese die FAZ nicht. Großen Dank auch für die Fotos. Bei mir hatte es während der 70er nur für einen 2CV gelangt.

  9. Ein kongenialer Text – wusste doch, dass diese Bilder bei Dir gut aufgehoben sind!

  10. Ich habe mir Zeit genommen, Ihre Glosse und die verlinkten Artikel über Autodesign zu lesen und es nicht bereut! Es ist viel wahres dran, was ich bisher so noch nie wahrgenommen habe.

  11. Auch wenn der latente Erbfeind aller Autos ohne Stern in mir ja sagt, wenn schon Götter, dann einen 300SEL – 6,3, aber als mit einer franz. Mutter genetisch stark angehauchter Frankophiler, offenbare ich ein großes Geheimnis: Ich stehe auf diesen Göttinnen!

  12. “In einem Mercedes SL von 1969 saß der Fahrer wie in einer Vitrine. Seitdem befinden sich die Autofenster in einem ständigen Schrumpfungs-prozess, mittlerweile ist nur noch eine Art von Schießscharten übrig, die in die Blechburg geschnitten wurden, um ein lebensnotwendiges Maß an Überblick zu behalten. ”

    Stimmt! Es gehört Mut dazu, so eine Haifischfratzenkiste als Nachfolgerin der DS auf den Markt zu bringen. Asiaten mag ja so was gefallen.

    http://www.ds5-entdecken.de/web/index.html

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>