Darüber redet man nicht

Ich bin ja einiges gewohnt, hier in meiner Stadt, wo der Millionärsanteil höher ist als der Hartz-IV-Anteil der Frankfurter. Und die Zeiten, wo die Elitesse öffentlich nicht über die Schuldigen der Finanzkrise in Banken und Politik oder wen sie dafür halten, sprach, sind jedenfalls vorbei.

Natürlich hat sich diese Schicht in den letzten drei Jahren unter dem Druck der Entwicklung verändert: Kaum jemand will heute mehr Pelzmäntel aus sibirischem Tigerfell, Atomstrom oder Gentomaten, alle wollen Bio und Nachhaltigkeit, man montiert Kollektoranlagen auf das Villendach, rümpft heute nicht mehr die Nase über einen von mir verehrten, berühmten Sohn der Stadt , man wählt Grün, nicht wenige Spösslinge der Elitesse empfinden es als peinlich, morgens von der noch nicht so ganz state-of-the-art  mit Cayenne-Turbo-bewaffneten Mutter, vor dem Gymnasium der besseren Leute im Hardtwald abgesetzt zu werden und es kursiert der Witz, auf die Frage nach dem Beruf des Vaters soll ein KFG-Gymnaiast neulich geantwortet haben, „Bordellbesitzer … oder soll ich vielleicht sagen „Banker“?

Ich höre bereits an dieser Stelle mind. zwei meiner Leser sagen, „oh je, jetzt gehen ihm wieder seine reichenfeindlichen Gäule durch“. Falsch, denn in der von dieser Elitesse bevorzugt gelesenen Zeitung aus meiner Heimatstadt, gingen schon vor 3 Jahren in einem Beitrag dem Fernsehmoderator und Philosophen Peter Sloterdijk, die Pferde durch. Er wunderte sich lange vor mir, warum dieses Umfeld angesichts der steuergetriebenen Umverteilung von Reich zu Arm, nicht einen “antifiskalischen Bürgerkrieg” vom Zaune bricht?

Einen Moment lang hatte ich mir damals im Kopfkino vorgestellt, wie der Sloterdijk’sche Bürgerkrieg in Bad Homburg ausbricht, hier, wo viele, sehr viele Zahlmeister der Finanzkrise, die anteilsmäßig größten Geldgeber für die Rettungsschirme für Zockerbanken, sozusagen die revolutionäre Garde für den Klassenkampf von oben, leben: Frau Susanne Klatten, Herr Stephan Quandt,  früher mal erfolgreiche Fussballer, Ex-Top-Manager von Dax-Unternehmen,  Inhaber milliardenschwerer Familienunternehmen u.v.a.m., allesamt ausgerüstet mit Kalaschnikov-Paint-Ball-Guns, lassen sich von ihren Chauffeuren nach Berlin fahren, wo sie vor dem Reichstag parken und Strassenbarrikaden aus Mercedes S-Klassen, Bentleys, Lambos, Porsche…  kicher… und sobald die weiblichen Revoluzzer ihr Wiedersehen gebührend ausgertratscht haben, kommt die Verpflegung nach, mit Austern und Torte vom KaDeWe – Catering anstelle einer Feldküche. Das wird ein lustiger Bürgerkrieg. Noch etwas Schampus in der Gefechtspause der Schlacht um den Tiergarten?

Spaß beiseite. Man macht sich zunehmend so seine Gedanken in den besseren Kreisen, ob in der Elbchaussee in Blankenese, rund um den Herzogpark und Grünwald oder oben bei mir im Hardtwald. Sie vetrauen nicht mehr dem Nachbarn, dem Banker mit den Tips unter Freunden und geht es um ihre Millionen, haben sie ihr Geld in eigene Family Offices transferiert, und sie reden inzwischen offen darüber und zeigen der schwazz-gelben Camerilla, deren Spendenkassen sie früher diskret reichlich füllten, inzwischen die Messer zwischen ihren Zähnen.

Man wird bekanntlich erst durch Schaden klug: So wie sie vor Jahren den freundlichen Bankern am Gartenzaun die diskreten Tips only for Family and Friends natürlich, gleichzeitig den Beratern Schweizer Banken, hinter das Nummernkonto käme nie ein deutscher Finanzbeamter, wie sie Bankberatern die Märchen von den quasi mündelsicheren Immobilien-, Schiffs-und Film-Fonds geglaubt haben, glauben einige von ihnen heute wieder PRoll-Artikeln von Bezahlschreibern wie dem von Andreas Nölting und fallen auf Händlerangebote von verranzten Ferrari’s, Auktionsangeboten von 300SL Flügeltürern, millionenteueren angeblichen Jaguar XKC Siegerwagen, wie Phönix aus der Asche wieder aufgetauchten Alfa Romeo und anderem altem, sündhaft überteuertem Altblech auf 4 Rädern zweifelhafter Herkunft, herein. Und, nicht zu vergessen, auf gedoxte Oldtimer – Fonds..

Ich war schon etwas irritiert, als gestern das ehemalige Nachrichtenmagazin der Spiegel sich nicht entblödete, das vom geschassten Ex-Manager – Magazin Redakteur und heutigen für-Geld-schreib-ich-alles-PRoll Andras Nölling geschriebene, dilettantisch recherchierte und ansonsten Vollverarch- Märchen aus 1000 und 1 Nacht, brachte, “Mit Enten und Pagoden zum Erfolg”,

.

19 Gedanken zu “Darüber redet man nicht

  1. Wie bescheuert muss ein Herr Nölling sein, selbst zu glauben, die Leserschaft sei noch bescheuerter als er, diesen gequirlten Quatsch zu glauben.

    “Nur 30 Pagoden Zustand 1 in Deutschland”. Wenn besagter Reeder Mad Dabelstein das tatsächlich glaubt, ist er nur der lebende Beweis, dass er trotz viel geld und vielen interessanten Autos, keinen blassen Dunst hat. Von solchen Blinden leben Autohändler wie Thiesen u. Andere. Nur im Umkreis von 50 Kilometern um Stuttgart gibt es mehr als 30 Zustand 1 Pagoden. Meiner Frau ihre ist eine davon. Und auf der Techno Classica standen gefühlt mehr als 80 Pagoden, von denen einige Z1-Bewertungen hatten, aber preislich jenseits von Gut und Böse lagen.

  2. Hut ab. Nicht nur Ihre Beiträge über die Oldtimer – Fonds haben es in sich. Es ist schon amüsant zu sehen, wie die Medien Arm in Arm mit windigen Finanzakrobaten, die in klassischen Anlagesegmenten gebeutelten Anleger versuchen, diesmal andersherum, zu emotionalisieren und mit nix mehr als einem nicht nachvollziehbaren Oldtimer-Index zum Garagengold zu locken.

    Sie haben hoffentlich nichts dagegen, einen leidenschaftlichen Spiegelleser als Stammleser gewonnen zu haben. :-)

  3. Nachbarvomberg,
    danke für diesen Link, weil er nach monatelangen Zweifeln bis hin zu Streit mit meinen Geschwistern, bestätigt, dass wir Opas Häuschen im Odenwald keinen Augenblick zu früh verkauft haben.
    Zu den Oldtimerpreisen kann ich heute nichts mehr sagen. Ich verfolge den Markt nicht mehr, seit ich vor Jahren mein schönes 1967 er Mercedes Coupé verkauft habe. Es klingt aber schon ziemlich danach, als ob hier mit Billig – PR derzeit orientierungslose Kapitalanleger in eine rostige Falle gelockt werden sollen.

  4. Die Pagode ist zweifellos ein schöner Klassiker. Der Grund dafür, dass sie von fast jedem Journalisten als Beleg für exorbitante Wertsteigerungen bei Oldtimern herangezogen wird, dürfte wohl eher in der Tatsache liegen und wie man auf der Techno Classica sehen konnte, dass einem unwahrscheinlich großen Angebot an hochrestaurierten Autos, andererseits doch nur ein relativ kleiner, solventer Käufermarkt gegenübersteht. Der Zulassungsbestand verharrt quasi seit Jahren auf der Stelle. Da muss dann halt die Trommel gerührt werden. Auch im Interesse von Mercedes-Benz. Wie sonst ließen sich ansonsten die unverschämten Preise und regelmäßigen Preissteigerungen bei Ersatzteilen rechtfertigen?

    Der Spiegel – Artikel dürfte bei klardenkenden Branchenkennern der Lacher des Jahres sein.

  5. Bei Artikeln wie den im Spiegel, braucht man sich in Zukunft nicht zu wundern, wenn Passanten in Umweltzonen ihren Unmut über den von Fahrverboten befreiten “Spekulanten”, im Vorbeigehen mit dem Schlüssel in die Tür ritzen.

  6. Wir brauchen mal wieder ein Platzen der ganzen Blase, so wie Anfang der 90er jahre als die ganze künstlich angeheizte Ferrari – Hype über Nacht in sich zusammensackte und die Spekulanten Kreide fressen mussten. Danach waren Ferraris wieder zu erschwinglichen Preisen zu kaufen.

    Oldtimer als Sachwerte in Krisenzeiten. Ich lach mich tot. Mal sehen, wem der Bauer in Notzeiten den Sack Kartoffel verkauft. Dem Heini mit seinem alten Stück Schrott mit Classic Data Bewertung oder mir mit einem Krümel Gold?

  7. In Deutschland soll es nur rd. 830000 Millionäre geben (ca. 1% der Bevölkerung). Sollten es wirklich so wenige sein, kann man den antifiskalischen Bürgerkrieg um den Tiergarten eh abhaken. Obwohl, die Fotos von den gegen das Kanzleramt gerichteten Champusflaschen und dort einschlagender Korken hätten was gehabt. :-)
    Ich glaube sowieso, daß der traditionelle Konfikt Arbeiter versus Kapital – Sozis versus Konservativ – Links versus Rechts, sich läengst ausgezehrt hat.
    Mit Oldtimern kenne ich mich nicht aus. Allerdings hat der Spon – Artikel schon ein Geschmäckle, eine Leimrute für nach Anlagealternativen suchende, gut betuchte Leute zu sein.

  8. Ich habe selten so einen Stuss wie im Spiegel gelesen. Als ehemaliges Mitglied im Pagodenclub kennt man Gunnar Hahn, den ehemaligen Regionalleiter. Nachdem er unter Clubmitgliedern wohl nicht mehr so ungehemmt Kunden für seine Pagodenwerkstatt generieren kann, wird die Werbetrommel über den Sponartikel gerührt. Mit Sicherheit kennt er selbst den wirklichen Zulassungsbestand nebst mit 07 er Kennzeichen herumfahrender Pagoden. Der wirkliche Pagoden Zulassungsbestand ist ihm von daher bekannt.
    Wie lächerlich ist das denn, wenn für ein Automodell aus den 60 er Jahren, von dem so viele wie von kaum einem anderen Roadster noch auf den Straßen ist (mind. ca. 6.500 Auto, davon ca. 4.500 Zugelassene Autos + abgemeldete + 07er Kennzeichen), man mangels stringenter Argument für die getürkten Preissprünge der letzten Jahre, mit dem Herunterbrechen der KBA-Zahlen von rd. 4300 Autos auf nur noch 3000 Autos, Leute zum spekulativen Kauf gelockt werden.

  9. Notabene,

    warum wohl hat Thiesen im Meilenwerk Düsseldorf die Segel gestrichen, hat Mirbach in Hamburg die Platte geputzt?

    Ich habe so einige Marktteilenehmer, die mich gelegentlich mit Insiderinformationen füttern. Fakt ist: Die Luft für Autos mit höheren (Händler-) Aufschlägen ist dünner geworden. Alleine die unglaubliche Vielzahl von zum Verkauf angebotenen Pagoden auf Oldtimer-Messen beweist doch, dass viele Pagoden-Besitzer und darunter speziell diejenigen, die ansonsten beteuern “mein Auto ist doch kein Wertpapier mit dem ich spekuliere, ich will nuuur Fahrspaß etc. etc. etc.”, in Wirklichkeit nur aus der Hoffnung auf ein paar schnell verdiente Euro, überhaupt ihr Auto gekauft haben.

    Die Leidtragenden sind die “Echten”, die so ganz nebenbei von den an dieser Hype mitverdienenden Classic Centern, regelrecht abgezockt werden. Aktuelle Beispiel: Für einen Wärmetauscher, der grade an unserer Pagode den Geist aufgegeben hat und vor 3 Jahren noch 480,00 Euro kostete, müßten wir heute fast 1.500 Euro hinblättern. Das führt natürlich dazu, dass für die auf dem zunehmend dünner werdenden Markt – vorwiegend in den USA – angebotenen, unrestaurierten Autos, nicht nur erhöhter Restaurierungsaufwand erforderlich ist, sondern die Kosten dafür überproportional steigen. Eine 25.000 US-$ Grotte kann dann all include, Arbeitskosten plus Material, hier schon schnell an die 60.000 – 70.000 Euro Eigenkosten stoßen.

    Ihr letzter Absatz trifft den Nagel auf den Kopf.

    .

  10. Mannomann,

    “Ich glaube sowieso, daß der traditionelle Konfikt Arbeiter versus Kapital – Sozis versus Konservativ – Links versus Rechts, sich läengst ausgezehrt hat.”

    Sie haben gestern Abend ganz bestimmt nicht die Talkrunde von Anne Will gesehen. Frau Wagenknecht pries da den vom neu gewählten Staatspräsidenten Hollande propagierten Spitzensteuersatz für Reiche von 75 Prozent als Zukunft für Deutschland. “Ausgezehrt”? Wenn so etwas hier von einer Linksregierung ernsthaft erwogen würde, wäre die unerträgliche gegenseitige Pöbelei von gestern Abend harmlos dagegen.

  11. “Zimmermann teilt den Markt in drei Kategorien: Das Einstiegssegment bis 250.000 Euro, das mittlere Segment bis 1,5 Millionen Euro und das exklusive Segment bis 35 Millionen Euro.”

    Das ich mit meinen für unseren Austin bewerteten 16000 Euro zum Bodensatz, zum Proletariat der Oldtimerzene gehöre, war mir bisher so noch nicht bewusst. Die lächelnden Grüße entgegenkommender Oldtimerfahrer waren also mehr Mitleid mit einem armen Schlucker, mir, als Freude am Treffen Gleichgesinnter.

  12. Während den Geldanlegern bei Geldanlagen in Tropenholz, Kaviarfarmen, Schiffsfonds und anderem Mumpitz oft Totalverluste und vielfach Schulden obendrein, beschert werden, haben die Trottel, die sich überteuerte Oldtimer aufschwatzen lassen, zumindest noch ein Auto, was sich fahren lässt. Muss man auch mal von der Seite sehen, meine ich.

  13. warum schreibt der Spiegel sowas ? Weil solche Themen scheinbar mehr ‘reinhauen’ als alles andere rund um den Oldtimer sonst.
    Anders kann ich mir’s nicht erklären, dass in kürzester Zeit bei solchen Themen – egal ob auf Blogs, Foren, Zeitungskommentarseiten, etc. – eine derartige Anzahl von Beiträgen zusammenkommt. Wenn’s um die Kohle geht, stehn alle scheinbar Kopf.
    Ich wollte alles durchlesen, aber entschuldigt bitte….. Gähn !

    Viele Grüße

    Martin

  14. Obwohl der Artikel am ersten Tag Platz 1 auf der Topliste hatte, ist das Interesse der Spieglleser nach nur 3 Tagen fast Null. Kein einziger Kommentar mehr. Der Artikel wurde wohl auch von den vielen Lesern als “Ente” erkannt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>