Wann baute Daimler das letzte Auto, was sein Geld wert war?

Das habe ich mich ernsthaft gefragt, als ich meinen 11 Jenner alten C – Benz, 270 Cdi, bis auf Leder Vollausstattung, 2002 gekauft für 35.000 Euro, heute Vormittag beim Sternhändler in meiner Stadt, Sternschnauze an Sternschnauze  vor die zwei Modellstufen niedriger angesiedelte neue A – Klasse stellte.

Mit dem Stern auf der Haube, wird das Fahrzeug teurer. Eine alte Weisheit der Autokäufer am Stammtisch, wird auch mit dem Neustart der Stuttgarter Kompaktwagen-Flotte nicht abgelegt. Zusätzlich zum “Premium-Aufschlag” kommt eine vermeintliche Schwaben-Pauschale zum Kaufpreis hinzu…”

Mit dem Startpreis von 23.978,50€ für den A180 BlueEFFICIENCY wird sich kaum eine A-Klasse aus dem Werk trauen. Wesentlich realistischer ist hier der Ansatz zum Kaufpreis eines A200cdi von 27.786,50€ noch einen Aufschlag von 25% für Extras und Sonderausstattungen zu addieren und sich somit auf rund 34.000 € einzustellen.

Dreist, dreister, Daimler, halt.  Nicht erst in einigen Jahrzehnten werden sich um diese Frage vielleicht ähnliche Legenden ranken wie um den legendären Turmbau zu Babel, der im Nachhinein betrachtet wohl doch vergleichsweise geordnet vonstattenging. Bereits heute reiben sich jahrzehntelang blind ergebene Mercedes-Benz Kunden, ja regelrechte Benz–Junkies wie ein schlausparsamer  Nachbar, mit vielen, sehr vielen alten Benzen in der Garage, verwundert die Augen bei dieser Frage.

Weil es schon vorgekommen sein soll, dass Blogger und Journalisten Pressekammern von Gerichten mit ihren Wünschen an die öffentliche Wahrnehmung beschäftigten, man weiß ja nicht, mein deutlicher Hinweis darauf, dass ich den “zitierten” und verlinkten Bloggern und Journalisten nichts derartiges unterstelle, aber bei vielem was ich momentan so rundherum an Lobeshymnen lese, denke ich mir so, bei manchen Motorschreibern müssen  wirklich, so wie hier, 500 Euro im Handschuhfach gelegen haben.

Es ist jedenfalls brutal, was man über die neue A – Klasse, die vom einst kompakten  Automodell ab 1.190 kg Leergewicht, mit heute mind. 1.400 kg Leergewicht und  mit über 40 cm mehr Fahrzeuglänge, die Außenmaße und das Leergewicht einer Benz E-Klasse Mitte der 70er Jahre erreicht hat, und wie man sieht, gegen die selbst eine 4 Jahre alte E – Klasse mickrig aussieht, so alles ertragen mussliest.

Mit Julie Driscolls “Wheels on Fire” im Kopf finden Blogschreiber wie Journalisten im Tohuwabohu, bevor die richtigen Autotester von den Printmedien anrücken und ihre Herz-, Kreislauf- und Nierentests durchführen, natürlich nur wenig Anlass zu objektiver Kritik:

“Eins mit der Maschine” sehen sie, “Endlich ein echter kompakter Mercedes-Benz” (totlach),   “Nur Streber wollen 1er”,  “Chilling with Mercedes” – kurzum das ganze aufgeschnappte, schnappatmige Papperlapapp aufgedrehter Vorstände und Koksnasen der PR – Abteilung, denen das Wasser auf Grund fortschreitend wegknickender Verkäufe und frisierter Verkaufszahlen nicht nur sprichwörtlich  Unterkante Lippe steht, und die für kurzfristiges Share-Holder-Value- und Boni-Denken, die Reste ihres 125 Jahre alten, einst edlen Tafelsilbers und Markenkern, für ein paar lumpige Sack Reis verkaufen.

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31 Gedanken zu “Wann baute Daimler das letzte Auto, was sein Geld wert war?

  1. Vollausstattung bis auf Leder… selten so gelacht!!

    Einfach mal eine Nacht drüber schlafen wenn man sich wieder über den Vorgesetzten aufgeregt hat, das lernte man schon beim BUND.

  2. Heisst es nicht “Unterkante Oberlippe”, weil es sonst ziemlich doof wäre und überhaupt keinen Sinn ergäbe? Unterkante Lippe. Wie ist das wohl gemeint. Ich meine, Lippe ist variabel. “Unterkante Unterlippe” würde bspw. auch keinen Sinn ergeben, weil der Mund dann ja noch atmen könnte, aber wenn ich Unterkante Lippe lese, gehe ich natürlich von Unterlippe aus, weil, sonst hätte man ja “Oberlippe” geschrieben, dann hätte der Gag ja auch funktioniert. Halten wir fest: “Unterkante Unterlippe” wäre schon ziemlich blöd (könnte aber immer noch funktionieren, wenn man sagt, man hätte es ironisch gemeint, oder so), aber “Unterkante Lippe” ist grenzenlos dumm.

    Und dennoch ist es 1000x klüger als der gesamte Rest dieses Beitrages. Gute Besserung.

  3. Olly,

    und der Durchschnittsarbeitnehmer verdient heute mit monatlich 1.470 Euro netto, rd. 4 % weniger als 1990.

    Auch :-)

    .

  4. “Und dennoch ist es 1000x klüger als der gesamte Rest dieses Beitrages. Gute Besserung”

    Kaum habe ich einen Stein in den Tümpel geworfen, quaken schon die Frösche…

    :-)

  5. Das zweite Foto ist interessant. Durch die viel höhere Gürtellinie beim Neuen ist dessen Sichtfläche deutlich kleiner als bei der alten E Klasse. Detlef, hast Du schon mal dringesessen?

  6. Olly,
    der um rund 10.000 Euronen höhere Grundpreis gegenüber 2001 entspricht etwa 4,80 % Preissteigerung pro Jahr. Guck an, guck an.
    Das Sandwich – Prinzip der alten A-Klasse mit seinen Optionen für alternative Antriebe, mit bequemen Ein- und Ausstieg und erhöhter Sitzposition, einfach so in die Tonne zu treten, ist jedenfalls ein Hirnriss.

  7. Wenn Mercedes heute noch wie zu Zeiten von Bruno Sacco Autos vorwiegend für den deutschen Markt bauen würde, hätte das Auto bestimmt anders ausgesehen. Die Hauptkäufergruppe in Asien liebt es halt groß. Dehalb werden dort deutsche Mittelklasseautos ja auch “verlängert” angeboten. Die A – Klasse ist ein Sprung an der C – Klasse vorbei. Jedes verkaufte A-Modell bedeutet ein weniger vrkauftes C – Modell.

  8. Zitat Alter Schwede:
    “Die A – Klasse ist ein Sprung an der C – Klasse vorbei. Jedes verkaufte A-Modell bedeutet ein weniger vrkauftes C – Modell.”
    Zitatende.

    Das war schon immer so. Selbst der W 168 hatte eine sehr geringe Eroberungsquote (sprich Neukunden) sondern kräftig den W 202 kannibalisiert.

  9. “Jung” “dynamisch” schreit die Werbung die neue Zielgruppe an. Mir schwant, damit hat Daimler große Teile der kaufkräftigen Midlife – Käufer, die weniger auf Designschnickschnack Wert legen, vergrätzt. Wer in Toitschland richtig abverkaufen will, muss bieder und unauffällig sein. Siehe neuer Golf VII.

  10. Leute mit Parkplatzproblemen in Alltag, Stadtfahrer mit häufigem Ein- und Aussteigen und Liebhaber kleiner, wendiger Stadtflitzer, werden die 40 cm Mehrlänge, 20 cm tiefere Sitzposition, höhere Unübersichtlichkeit und das Mehrgewicht zu würdigen wissen.

  11. “regelrechte Benz–Junkies wie ein schlausparsamer Nachbar, mit vielen, sehr vielen alten Benzen in der Garage, verwundert die Augen bei dieser Frage”

    Weil ich mir sicher bin, dass wir beien gleichen Nachbarn meinen: Der hat sich die Frage schon längst beantwortet und ich hab mir die Augen gerieben. DD fährt nach über 30 Jahren nur Benz jetzt den einzigsten übriggebliebenen echten Klassiker, den neusten 911er in anthrazit-metallic… na, ist er das?

  12. Wenn Mercedes – Benz heute noch den bekannten Slogan der 70 er Jahre verwenden würde, “Nur ein Mercedes ist ein Mercedes” wäre er heute zu einer platten Werbelüge verkommen.
    In der neuen A – Klasse ist unter anderem ein Renault – Motor eingebaut, der neue Citano ist ein abgetakelter Renault Kanghoo, aber zum Premiumpreis, demnächst baut man mit Nissan zusammen ein Mittelklassemodell und der neue Smart ist auch ein Gemeinchaftsprojekt mit Renault.
    Verdrängung kann ein segensreicher Prozess sein, aber wenn es um Autos geht, hilft er in der Regel den Falschen – nämlich denen, die am Kauf von Autos verdienen. Die Autokäufer haben es so lange schon so gründlich satt, mit welcher Hartnäckigkeit ihnen die Automobilhersteller jahrzehntelang ihre Täuschungen serviert haben.
    Das Audi und BMW den Daimler abgehängt haben hat seinen Grund in wirlich neuen und ansprechenden Automodellen und das Daimler viel zu lange verdrängt hat, dass die Käufer wohl doch nicht so dumm sind, wie Daimler sie mit ihrem ganzen Gelabbere über 125 Jahre Erfahrung, Fortschritt und Vorsprung, seit Jahren halten will, um sie dann mit überzogenen Preisen abzuziehen. Quo Vadis Mercede-Benz

  13. Ganz ehrlich, ich verstehe das Problem nicht. Ein Benz ist teuer!?! Das ist jetzt nicht die Riesen-Erkenntnis, Mercedes hat sich schon immer als Premium-Anbieter verstanden, das hat doch nichts mit dreist zu tun. Und durch die ganzen kleinen technischen Helferlein, höhere Ansprüche an Komfort und Sicherheit steigt nunmal der Preis. Und jetzt? Nur ein kolerischer Anfall oder gibt es wirklich einen Grund für diesen Artikel?

    Übrigens, ich unterstelle den Blogger-Kollegen einfach mal, dass sie positiv über die neue A-Klasse schreiben, weil das ein geiles Auto ist.

  14. @ Himmelreich,
    Daimler ist wahrscheinlich die erste Automobilfirma auf der Welt, die auch noch dann premiummäßig verdient, wenn sie gar keine eigenen Autos mehr baut.

    @ David,
    “weil das ein geiles Auto ist”. Ähnlichs denke ich eigentlich nur, wenn ich den wackelnden Hintern der Vrkäuferin im Käseladen betrachte. Ich bin vielleicht etwas altmodisch. Wobei, das klobige Heck der A-Klasse hat schon Ähnlichkeit mit dem Breita…. einer afrikanischen Elefantenkuh. und die Front mit ihren überdimesionierten Lufteinlässen ähnelt einer Pythonfratze, die eben ein ganzes Schwein vertschluckt und Probleme damit hat, ihr Maul wieder zuzukriegen.

  15. Ich habe zwei A – “Opa Autos” gefahren und war von ein paar außerplanmäßigen Werkstattaufenthalten beim ersten abgesehen, bestens zufrieden. Nicht nur wer einen Kinderwagen zu transportieren hat, was grade bei jungen Ehepaaren heute noch gelegentlich vorkommen soll, weiß die Qualitäten der großen Heckklappe und des Laderaums diess Mini-LKWs zu schätzen. Die neue A-Klasse? No.

  16. Die neue A-Klasse hat nicht nur weniger Kofferraumvolumen als die alte (von 435 auf 355 Liter) sondern durch ihr stylistisch dem Audi und BMW Mainstream angepasstes Heck auch einen deutlich kleineren Kofferraumausschnitt(chen). Gegen die höhere Variabilität beim neuen Golf mit 1270 Liter bei umglegten Sitzen ist der Benz bei mir chancenlos. Das man für beide Typen selbst bei Auswahl von nur sinnvollen Zubehören die 30000 € Marke voll durchbricht, ist kaum mehr nachvollziehbar.

  17. naja, wenn die A-Klasse zu klein ist, gibt es demnächst eine Alternative namens “Citan”: bit.ly/S2p2Hd

    Ist zwar nur ein per badge engineering verkleideter Renault, aber angesichts der sowieso schon lange nicht mehr sprichwörtlichen Mercedes-Qualität vielleicht nicht mal die schlechtere Wahl: Ein ordentliches und geräumiges Fahrzeug zu einem bezahlbaren Preis, auf das man eben einen Stern draufgeklebt hat…

  18. Bestimmt nicht gewollt, aber sehr verkaufsfördernd. Ungefähr so, als wenn heute schon Erlkönigfotos vom VW Golf VIII, mit 10 cm mehr Beinfreiheit im Fond und 100 Liter mehr Kofferraum auftauchen würden.

  19. Pingback: Bookmarks bis 04.11.2012

  20. “Und man kann wohl davon ausgehen, dass pro Fahrzeug dennoch ein Gewinn von ungefähr 500 Euro gemacht wird.”

    Stephan,

    da verdient Daimler mit einer aufpreispflichtigen Metallic-Lackierung mehr.

    .

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