Steinzeitjäger, grüne Beutestücke und englische Ersatzteillisten

Dieses Foto eines Pfaffenhofener Flohmarkthändlers mit seinem schönen End-50er Jahre Ponton – Coupé, der sich wohl sein bescheidenes, bürgerliches Dasein mit dem Verkauf von Silberwaren aufbessert, habe ich bei Don Alphonso geklaut, dem FAZ – Blogschreiber und gnadenlosen  Steinzeitjäger im Spätkapitalismus auf Pfaffenhofener Flohmärkten, von dem Thomas Thiel 2008 in der FAZ schrieb,

“…Don Alphonso hasst diese Gesellschaft, an deren Rand er steht und die es, so glaubt man, heutzutage doch eigentlich gar nicht mehr gebe. Hat Don Alphonso sie am Ende herbeifiktionalisiert, um seinen Fluchtimpuls ins Virtuelle zu verstärken? Nein, das war nicht nötig, diese Gesellschaftsform gibt es noch. „Das ist Buddenbrooks auf niedrigem bayerischen Niveau””

Dieses Foto vom Frankfurter Flohmarkt, von einer ebensolchen Steinzeitjägerin im Spätkapitalismus und von ihrer Beute aus grünem Blech, mit dem sie ihre  Sippe vor dem Verhungern rettet, habe ich gestern gemacht… andere von gestern gibt’s hier.

Dieses Foto zeigt die ebefalls aus grünem Blech bestehende, gestrige Beute eines Bad Homburger Steinzeitjägers auf selbigem Flohmarkt. Eine dort in einer von vielen Bananenkisten eines Entrümlers entdeckte, mit desinteressiertem Blick des eilig Vorbeigehenden geringschätzig begutachtete und dann statt zum angesagtn Preis, zum Preis von 2 Stück Torte erbeutete, und sodann am gestrigen Abend bereits von einer dicken Dreckschicht befreite, Coleman 220K, Leuchtmittel Benzin.

Ein Oldtimer, fast wie die Autos aus den 30er Jahren, die teilweise noch keine Benzinpumpen hatten und wo man erst pumpen musste, um einen Unterdruck  zwischen Vergaser und Tank aufzubauen, geschaffen für Puristen wie mich. Wenn ich dann in einer im Internet gefundenen Beschreibung lese, leider in Englisch (was bei meinem verlorengegangenen technischen Englisch ein Problem darstellt), u. a. über “Schnellstartfunktionen und Beseitigung von Problemen im Saugrohr”, verstehe ich plötzlich, warum diese Lampen genau so wie alte Autos, bei einigen zur Sucht geworden sind.

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8 Gedanken zu “Steinzeitjäger, grüne Beutestücke und englische Ersatzteillisten

  1. Gratuliere zu Deiner Coleman, Detlef.
    Ich habe mir von 2001-2005 eine kleine Coleman Sammlung zugelegt. Die K ist die letzte, die für mich noch interessant ist. Danach haben sie angefangen, Plastik zu verbauen.
    Meine älteste ist eine 327 aus 1923, meine jüngste eine 220J, also die Vorgängerin von Deiner.
    Wenn Du Hilfe brauchst, melde Dich, ich kenn´die Dinger in- und auswendig.
    Gruß

    Klaus

  2. Danke. Ich habe in den letzten 30 Minuten bei iBä drei dieser Minileuchtürme auf die Beobachtungsliste gesetzt. Will auch haben. Bedarf es mehr Worte?

  3. Ich weiß noch, wie ich als 14-järiger tagelang am Güterbahnhof auf der Lauer lag, um eine dieser heißbegehrten Bahnlaternen der Gleisarbeiter – auf gut deutsch – klauen zu können ohne erwischt zu werden. Als ich dann eine hatte und mich flugs aus dem Staub machte, hatte ich vor lauter Aufregung garnicht gemerkt, dass das Petroleum herausgeschwappt war und meine Schuhe stanken wie eine Tankstelle. Ich hab die Lampe heute noch.

  4. Klausrinner,
    Deine Sammelleidenschaft kann ich verständnisvoll und amüsiert folgen und den Gedanken verstehen, gute Dinge nicht einfach untergehen lassen zu können. Bei mir sind es alte Photoapparate bis 1950.

  5. Pingback: Analoge Trüffeln

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