Dolce far niente in Goodwood

Ich mag solche süßen Versenkungen. Zuerst Julia Schramm und dann der Volltreffer mittschiffs bei Bettina Wulff. Angesichts des zu Papier gebrachten Geschwurbsels beider Damen, neben jeder Spur von Sinn und Verstand überkommt mich der blanke Neid: Die beiden Blondinen dürfen Ihre verquerten Instinkte frei ausleben und kundtun, ohne sich von bekannten  Wahrheiten,  aufgedeckten Fakten oder Intimkenntnissen ihrer sozialen Umfelde bremsen zu lassen. Anschließend streichen sie unverschämt viel Vorschussschotter ein. Das hat in meinen Augen etwas von Verarschung und ‘Dolce far niente’ auf Kosten Anderer.

Ganz anders Jens Jansen, der seine vielen Leser, so wie mich, als unbezahltes Privatvergnügen  bespaßt. Jens, der inzwischen von Bayern in den 150 Kilometer entfernten, abgelegensten Winkel des schönsten Bundeslandes in Deutschland übergesiedelt ist, hat hier sein süßes Leben in Goodwood am letzten Wochenende fotographiert.

P.S. 

17 Gedanken zu “Dolce far niente in Goodwood

  1. Goodwood macht auf mich den Eindruck wie eine Mischung aus Nürburgring, Disney Land und Madame Tussaud. Abr die Geschmäcker sind halt verschieden. Etwas so verrücktes würde ich mir trotzdem auch gerne einmal anschauen. Alleine schon wegen der alten Flugzeuge.

  2. Goodwood ist schon ein riesenhafter Event. Auch und vor allem deshalb, weil sich hier nicht wie bei Schloss Dyck zahlungskräftige Sponsoren unsäglich in jeden Blickwinkel der Zuschauer schieben, aber ohne Moos in Deutschland garnichts los.

    Wenngleich ich auch zugebe, eine Targa Florio oder Tour Auto einmal live zu erleben, würde mich zehnmal mehr reizen. Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

    .

  3. Den Humor der Brits muss man einfach mögen. Stellt Euch vor, beim Oldtimer Grand Prix taucht auf dem Nürburgring auf einmal ein entspannter Haufen junger Leute in Wehrmachtsuniformen auf… Nach mehreren England-Reisen weiß ich aber selbst, dass man das bei denen einfach anders einsortieren muss. Und nachdem mir mal ein Engländer auf dem Frankfurter Hauptbahnhof für mein schwarzes Panzertruppen-Barett einen Betrag geboten hat, bei dem ein Wehrdienstleistender nur noch schwach werden konnte, verzeih ich denen Einiges ;-)

  4. Komme gerade zurück vom Goodwood Revival 2012.

    550,00 Euro Eintrittspreis für 2 Personen/Wochenende.
    Wohlgemerkt das ist der Eintrittspreis, nicht die Startgebühr!

    Zu dieser Veranstaltung kann man sich als Teilnehmer/Starter sowieso nicht anmelden.
    Hier startet nur, wer vom Hausherrn, dem Earl of March eingeladen wird – und zwar ohne Startgeld zu bezahlen.
    Im Gegenteil, der Earl of March bezahlt alles und noch etwas mehr.
    Natürlich zahlt nicht der Earl, sondern die Zuschauer über den Eintrittspreis.
    Mit der Einnahme des Wochenendes wird das Treffen finanziert – nur die Eintrittspreise summieren sich immerhin auf rund 33 Mio Euro, dazu kommen noch die Einnahmen aus den Standgebühren von hunderten von Verkaufsständen

    Rund 145.000 zahlende – und zeitgenössisch gekleidete – Zuschauer am Wochenende erübrigen wohl jede Überlegung, ob diese Veranstaltung ihr Geld wert ist.

    Es verbietet sich einfach eine Veranstaltung wie Goodwood Revival mit dem Oldtimer Grandprix auf dem Nürburgring zu vergleichen.
    Das wäre wie den Bodensee mit dem Zwischenahner Meer zu vergleichen zu wollen.

    Goodwood ist ein ganz andere Liga. Selbst wenn der ADAC und der AvD seine Veranstaltungen zusammenlegen würden wäre das dann immer noch eine Micky Maus Veranstaltung im Vergleich zu Goodwood.

    Auch ein Vergleich mit Schloss Dyck ist völlig unangebracht, denn in Schloss Dyck bestimmen die neuwagenverkaufsgeilen Sponsoren das Bild – mit ihren Neuwagenaustellungen und ein paar kleinen Oldtimerhighlights und den abgesperrten Bereichen für die Pseudo VIPs.
    Der Rest dort ist Beiwerk um das Publikum an die Neuwagen heranzuführen.

    Beim Goodwood Revival (nicht zu verwechseln mit dem im Juli stattfindenden Festival of Speed!!!) ist das völlig anders.
    Hier gibt es keine Sponsoren, die als Gegenleistung die Oldtimerveranstaltung für ihre rundgelutschen Neuwagen missbrauchen. Hier kann man nur verkaufen, was in die 40iger, 50iger und 60iger Jahre passt.
    Hier gibt es zwar auch grosse Namen, die sich als „echte“ Sponsoren betätigen, die aber dezent im Hintergrund bleiben und denen es genug ist, wenn die Embleme sichtbar sind.

    Halt – ich muß mich verbessern – auch hier ist das Übel im Vormarsch
    Denn dieses Jahr versuchen Mercedes und ein paar andere deutsche Autofirmen den Fuß zum Missbrauch der Veranstaltung in die Tür zu bekommen.

    In dem sie es geschafft haben, im Pavillon der Earl’s Court Motor Show eine nagelneue A-Klasse (welche am 15.9. in D präsentiert wurde) ausgestellt zu bekommen.

    Natürlich nach dem gleichen Alibi-Strickmuster, das da lautet:
    „Die Ahnengalerie bis zur heutigen Zeit aufzuzeigen…“
    Je ein 300 SL Flügeltürer, einePagode und eine neue A-Klasse wurden deshalb von Mercedes-Benz UK dort präsentiert, letztere natürlich mit Preistafel.
    Einfach zum Kotz…

    Mercedes Classic war zwar hochrangig vertreten, mit dem Leiter des Classic Bereichs und dem Leiter des Classic Centers sowie seinen Silberpfeilen W25, W125, W154 und W165 und „veranstaltete“ am Samstag und Sonntag zusammmen mit den Nachbauten von Auto Union Type C, Type D und Type D ‘Doppel Kompressor je eine Demonstrationsfahrt auf der Rennstrecke.
    Aber das rechtfertigt nicht die Ausstellung der neuen A-Klasse.

    Ich kann nur hoffen, dass das keine Schule macht und die Neufahrzeuge aller Hersteller ein für alle Mal und für immer und ewig vom Goodwood Revival ausgeschlossen bleiben.

    Wehret den Anfängen!!!

    Ach, bevor ich es vergesse, jeder einzelne Euro vom Eintrittsgeld hat sich doppelt und dreifach gelohnt – das ist die weltbeste Oldtimerveranstaltung – ever.

    BMB
    .

  5. BMB,
    Danke für den Kurzbericht.
    Wenn ich überschlage, kommen da mit Fahrtkosten, Fähre, Hotel und Nebengeräuschen in Goodwood schnell fast 2000 € für ein Wochenende zusammen. Donnerwetter.

  6. Meine Frau und ich haben uns den Spaß auch gegönnt. Wir haben das aber mit einem London – Trip verbunden. Ich habe für die zwei Fr-Sa-So-Tickets bei meinem Reisebüro nur 312,– € bezahlt. Mich stört dieser Trend auch, das die Autofirma aus Schwaben überall auftaucht und zunehmend Besitz von Oldtimervranstaltungen ergreift. Andererseits verstehe ich es. Wo in 3 Tagen 150000 zahlungskräftige Besucher kommen, ist das natürlich eine Top – Werbeplattform und genau die richtige Zielgruppe für die überteuerten Schlitten von denen.

  7. Moien Bernd,

    wir waren ebenfalls in Goodwood (haben aber “nur” 290 EUR für die Wochenendtickets für 2 gezahlt… waren bei Dir noch irgendwelche “bells and whistles” inbegriffen?). Ich stimme Dir voll und ganz zu – das Festival ist mit keiner anderen Veranstaltung, die ich bisher erlebt habe, annähernd vergleichbar und wir werden uns auch im nächsten Jahr wieder auf den Weg machen.

    Es gab im Earls Court Pavillon aber nicht nur Neuwagenpräsentationen von Mercedes, sondern ebenfalls von Maserati und Ford (und BMW?)… in vergangenen Jahren hatten auch Rolls-Royce und Jaguar Neufahrzeuge als “Exhibition of future cars” dort ausgestellt. Ziemlich unpassend, aber solange sich die Plastikautos auf das Innere der Earls Court-Halle beschränken, kann ich damit noch leben…

  8. @ Sapphire,
    Weekend-Eintritt GBP 234,00, Tribühnenplätze GBP 212
    = GBP 446,00 = EUR 579,80 Gesamt.
    Wie gesagt – war jeden Cent wert!

    Thema Neufahrzeuge:
    Ich schrieb ja “… und einige andere Hersteller…”
    Ich könnte auch damit leben, solange es sich auf eine kleine Halle beschränkt.
    Die Erfahrung lehrt jedoch – wenn man es einmal zulässt, wird es nicht auf eine Halle beschränkt bleiben.
    Beispiel gefällig?

    Als Oldtimerfreunde der ersten Stunde habe ich auch die allererste Techno Classica in Essen miterlebt.
    Dort fand man alles rund um das Oldtimerhobby – auch schon den grossen Auftritt von Mercedes – komplett ohne Neufahrzeuge.
    Auch sonst niemand traute sich irgenwelchen Neuzeugkitsch zu verscherbeln.

    Irgendwann , Mitte der 90iger Jahre hat Mercedes irgendein Taxi-Jubiläum zum Anlass genommen und hat seinen Ausstellungsbreich mit Taxis drappiert – bis hin zum Neufahrzeug.

    Daraufhin sind andere Aussteller bei der Messegesellschaft vorstellig geworden – Tenor: Wenn der Neufahrzeuge darf – dann wir auch!

    Und die Alibi-Verknüpfung – Jubiläum einer Baureihe mit Fahrzeugen bis hin zum Neufahrzeug in doppelter und dreifacher Ausfertigung – war geboren.

    Danach ging es nur noch “abwärts” – die Neufahrzeugbereiche der Hersteller haben die Oldtimerbereiche mittlerweile fest im “Würge”Griff.

    Die Resultate kann man sich jährlich in Essen, Stuttgart und ganz extrem auf Schloss Dyck anschauen.

    Das ist es – was ich meine – wehret den Anfängen beim Goodwood Revival.

    Ich habe übrigens dem Lord March einen netten Brief geschrieben. Vielleicht hilft es ja.

    BMB

  9. Bernd,

    nimm mal zwei uns beiden persönlich bekannte Besucher von Schloss Dyck, die in einem Forum darüber frohlockten, wie sie dort im VIP-Zelt von Mercedes-Benz vorzüglichst bewirtet wurden. Es funktioniert doch, oder?

    Ich erinnere mich da an die Bemerkung einer jungen Dame, die ich von einer Oldtimer-Sternfahrt in Bad Homburg kenne und auf der Techno Classica traf, auf meine Frage, ob ihr Kompressor-Mercedes eine Replik sei?: „Mein Papa hat zumindest für ein Original bezahlt“. Sie meinte das scherzhaft, und weil ich sie als hochintelligent einschätze, weiß ich auch, mit Selbstironie.

    Während Du und ich für einen Klassiker auch viel Geld investiert haben und ihn fahren, weil uns neben dem schönen Auto auch die Geschichte der Marke Mercedes-Benz fasziniert, die Geschichte unserer Autos, plagen solche Gedanken, da bin ich mir heute sicher, die meisten Käufer der überrestaurierten Mercedes – Repliken, so wie den Papa der jungen Dame, nicht. Diesen Leuten geht es um Distinguierung und Anerkennung innerhalb der Oldtimer-Szene. Na ja, auch gut.

    Und genau da setzt Mercedes-Benz mit seinem History-Marketing geschickt den Hebel an, wenn sie mit ihren Pseudo-Shows Oldtimer-Messen und Events wie Schloss Dyck und vielleicht in Zukunft auch Goodwood, penetrieren. Für was sonst leitet Stefan Röhrig, Ex-Mercedes-Classic Mänätscher und die “Mutter” der ganzen History-Marketing-Melkmaschine “Wertschöpfung entlang der gesamten Kette der Oldtimer-Szene”, heute das Oldtimer-Referat beim VDA? Nichts anderes. Und wie Du siehst: Es funktioniert. Na ja, fast.

    Da ist noch nicht mal mehr Platz für Veranstaltungen wie bis vor 3 Jahren in Stuttgart, Stars & Coffee. In der Stadt und Umgebung, wo Mercedes-Benz seit über 100 Jahren seine Autos produziert und wo bis Anfang der 90er Jahre jedes 5. Auto an einen Werksangehörigen verkauft wurde (heute nicht mal mehr jedes 20.). Neben dem Streichen der Classic – Days in Salzburg, für mich das größte Armutszeugnis und Entlarvung von Dr. Zetsche & Share-Holder-Value-Sklaven schlechthin.

    http://blog.mercedes-benz-passion.com/2010/09/stars-cars-2010-absage-fur-dieses-jahr/

    Die ganze Szene wird nur noch von Kosten-Nutzen-Denken und dem Wert der Oldtimerbesitzer und ihrer Autos, als kostenlosen Markenbotschaftern beherrscht. Gegenleistung für materiellen und immateriellen Einsatz jedes Einzelnen: Distinguierung mit Fresskärtchen für VIP – Zelte und Absperrgittern gegenüber der trögen Prollmasse, für junge Damen mit Papas Kompressor wie für Erateile Nepp-Preise zahlende ……., das schreibe ich mal besser nicht hin, inklusive.

    Da ist in der großen Masse gehirngewaschener Oldtimerbesitzer für die wenigen Nostalgiker, Spinner und „Echten“, wie Dich und mich, nur noch wenig Platz. Die Erfahrung habe ich zum Glück durch die ganzen Umstände im Pagoden – Club und dank Dir, schon relativ früh gemacht. Ich kann drauf verzichten.

    .

  10. Och Detlef und Bernd,

    klar, man kann den guten alten Zeiten nachtrauern – bringt aber nicht viel. Solange Leute hinrennen (und zwar nicht nur Oldtimer-Besitzer, sondern auch die Sonntags-Ausflugs-Familie) wird sich der Trend eher noch verstärken – zumal der Veranstalter nicht nur seine Gewinnmaximierung im Auge hat, sondern auch sein wirtschaftliches Risiko minimieren muss/möchte.

    Es gibt aber massenhaft Alternativen. Kleine regionale Events von Veranstaltern mit Herzblut oder Markentreffen.

    Wenn ich die Wahl zwischen Ornbau und Essen habe, denke ich noch nicht einemal eine Sekunde nach, wofür ich mich entscheide.

  11. Ich hab ja schon viel über englischen Humor gehört und Bilder von Pferderennen gesehen, wo die Damen Hüte mit dem Durchmesser eines Reservereifens tragen. Wenn ich mir die Fotos von Goodwood anschaue frage ich mich, ist das eine Karnevalveranstaltung oder ein Kuckucksnest?

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