Entschleunigte Zeit und schlafende, schöne Nachbarn

Der Mensch in mir, von dem ich manchmal denke, dass er ein halbes Jahrhundert  zu spät auf die Welt kam, kriegt jedesmal Anfälle, wenn er solche Fotos sieht.

Ich denke, man sollte irgendwie wegkommen, von all diesen Wichsereien über (im übrigen größtenteils subprime-finanzierte) Autoverkaufserfolge in den USA, Share-Holder-Value, Premiumauto – Ranglisten, Produktivitätssteigerungen und auf Breitreifen, Fahrassistenten und Multimedia im Auto angelegten Autoverherrlichungen.

Aber darum geht es mir nicht, man ahnt es, wenn man die Fotos von Martin Graf und hier die ebenso eindrucksvollen Fotos der einstigen Grand Nation sieht, die noch bis in die 60er Jahre wirtschaftlich und kulturell auf uns herabblicken konnte, Fotos lange verschwundener Firmen und Marken, an den Häuserwänden entlang der unzähligen Straßen. Der Niedergang eines früher hochentwickelten Nachbarn sollte vielleicht  so etwas wie eine Warnung für uns sein.

 

[Road Movie]   [Martin Graf]   [Ruins of Detroit]   [Au volant – la vie]

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13 Gedanken zu “Entschleunigte Zeit und schlafende, schöne Nachbarn

  1. Ich neige ja eigentlich aus reiner Nostalgie (ohne Nachdenken, mehr so spontan) auch zu Deiner Denke, aber!
    Vorausgeschickt eine meiner Ansicht nach passende Metapher:
    “Warum leckt sich der Hund an den Eiern?” – “Weil er es kann!”

    Die Leute (Macher, Manager, Werber, Kunden etc.) waren ja damals nicht besser als heute. Es hat sich halt alles bis ins Klitzekleinste entwickelt (mal die technischen Möglichkeiten weggelassen die so vieles Blöd/Un/Widersinnige möglich machen) ausgefeilt bis in die winzigste Nische aus der jeder noch seinen Profit ziehen will.
    Mit diesem Wissen wäre damals nichts anders gewesen.

    Zu dem war man noch in überschauberer Geopolitik, kleinen Märkten und enormen Nachholbedarf, ist halt vorbei, rückwärts schauen ist nett, aber das Leben geht vorwärts, wer stehen bleibt, nun der bleibt nicht stehen, der fällt zurück.

    Das Leben kann zwar nur rückwärts verstanden, aber nur vorwärts gelebt werden, meine Auszeiten nehm ich mir halt unter Anderem mit meinen Oldtimern, die Mitttel dazu kommen allerdings aus der Neuzeit :-)

    Zu denken gibt mir immer, dass mein Opa schon in den 70ern immer sagte, dass früher alles besser war. Je älter man wird, um so besser kann man das verstehen……..

  2. Pingback: Deutscher Auto Blogger Digest vom 02.02.2013 › "Auto .. geil"

  3. Früher war alles besser. Sogar die Zukunft (Karl Valentin)

    Beeindruckende Bilder.

  4. Das was Siemens schon vor Jahren mit seinen ICE passiert ist, wird nach den gleichen Drehbüchern auch mit anderen Schlüsseltechnologien passieren, die wir von Wachsum und Profiten für Wenige Getriebenen nach und nach aus der hand geben (müssen).

    http://www.welt.de/wirtschaft/article6799212/China-exportiert-seine-Highspeed-Eisenbahnen.html

    Was das in den nächsten Jahrzehnten für unsere Schlüsselindustrien und am Ende für unsere Gesellschaft bedeutet, läßt sich an den Bildern erahnen.

  5. Allen Respekt Herr Kupfer,
    Worte der Wahrheit wirken! Auch wenn es nur für einen Tag ist. Schon morgen früh, wenn die meisten von uns wieder ins Hamsterrad krabbeln, werden sie schon wieder vergessen sein. Die Liste von Dingen, von denen man irgendwie wegkommen sollte, lässt sich unendlich verlängern.

  6. Beeindruckende und sehr schöne Fotos. Diesen “Niedergang” können wir uns aber auch hier schon an vielen Orten anschauen, nur mit weniger sehenswerten Relikten aus der Zeit, als der Motor noch brummte.

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/ratgeber-hintergrund/stadtentwickler-im-interview-der-sterbeprozess-laesst-sich-nicht-aufhalten/7709822.html

    So sieht es stellenweise heute schon in Rüsselsheim aus, wie wird es morgen in Bochum aussehen und in ein paar Jahren vielleicht auch in anderen Städten, wenn nach und nach die Schlüsselindustrien dorthin ziehen, wo die Märkte brummen?

  7. Manche Nachrichten vom “Niedergang” wären garnicht so schlecht, wenn nicht grade Drecksfirmen wie Am…. davon profitieren würden:

    http://www.fr-online.de/bad-homburg/einzelhandel-hugendubel-schrumpft,1472864,21426468.html

    …andere dagegen sind schon ganz schön zynisch, mal eben 1000 Kündigungen “per E-Mail” und “ihr könnt ja wieder zu Opel zurückgehen…”

    http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=34954&key=standard_document_47422467
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  8. Wer über Ama…. meckert, sollte sein Einkaufsverhalten prüfen. Solange die Buchpreisbindung gilt, gibt es überhaupt keinen Grund nicht beim örtlichen Buchhandel zu kaufen. Die Aussagen meiner Buchhändlerin und die Wachstumsrsaten von Ama… sprechen aber eine andere Sprachen.

  9. Moin,

    mein Leben war früher ruhiger, für Geist und Körper angenehmer, hier kann ich wirklich sagen, es war früher besser. Die Menschen waren weniger hektisch, weniger auf endlosen Gewinn und maximales “haben wollen” fixiert.

    Heute besitze ich mehr, kann mir für meine wenigen Kröten mehr leisten als früher, keine Frage. Vieles von dem, was ich mir geleistet habe, war echt überflüssig, hat oft mehr Stress als Freude bereitet.

    Auto fahren ist sicherer geworden, auch wenn ich Tempo 190 auf 165/SR 14, ohne Kopfstützen und Airbags überlebt habe und auch heute noch mein Fahrzeug, ohne elektronische Helferlein, über glatte Straßen zu führen vermag.

    Ein Gestriger wie ich kommt heute trotzdem besser klar, als es ein Heutiger in meinem Gestern könnte.

    Gruß
    Willy

  10. Entschleunigung. Sehr schöner Begriff, den ich mir merken muß. Wehe wenn man heute strauchelt. Früher hatte man noch genügend Zeit wieder aufzustehen. Heute wird man sofort überrollt und die Räder haben Spikes statt Profile. Wunderbare neue Zeit.

  11. Die Welt ändert sich andauernd, und die Dinosaurier sind ausgestorben, und die Säugetiere haben seitdem ihren Spaß. Noch nicht getickt? Ich geb Gas, ich will Spaß, und sonst nix

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