S – Klasse – Suche im Heuhaufen

1972 280SE - 2

Zu den morgenlichen, menthalmoralischen Übungen eines angehenden Motor – Journalisten wie auch eines Motor-Bloggers, der vom wichtigsten auf der Welt für ihn, seinen Lesern, ernst genommen werden möchte, sollte es gehören, gleich anfangs auf Maximaldistanz zu den (“120-seitigen”) Pressemitteilungen von Automobilfirmen zu gehen, in denen diese mit denglischer Wortgewalt ihre neuen Modelle hochlobhudeln. Fabian Mechtel,  der mir bis vor einigen Tagen unbekannt war, schrieb als einer der an einer Hand abzählbaren Autoblogger Dieter Zetsche grade folgendes mit der Knute auf den Pelz:

“So wühlt man sich durch dreistellige Seitenzahlen – nein, nicht das neue Shades of Grey (auch wenn die Farbkarte Parallelen aufweist), sondern nur die Pressemitteilung zur neuen S-Klasse und fragt sich am Ende: wo ist denn jetzt der wirkliche Fortschritt versteckt? Also der echte Fortschritt. Nicht das Software-Update im Interieur und die nun stereokameragestützte Radareinheit an der Front. Auch massierende Sitze, multikolorierbare Christbäume in den Armaturen und Türen nicht. Der gegossene Fortschritt. Die Symphonie aus Metall. Das Herz jedes Automobils..”

1972 280SE - 3

Und weiter gehts auf der Suche nach dem “Besten” und der Nadel im Heuhaufen

“Es gibt ihn nicht. Man ist gerade über die EU6-Hürde gesprungen. Hat den alten Aggregaten einen dickeren Korken verpasst und ein wenig die Kennfelder darauf angepasst. Selbst das Getriebe ist noch der alte Siebengang-Wandler. Das Beste? Irgendwie nicht..Das soll es sein? Das beste Auto der Welt? Wir würden eher sagen es ist das zielgruppenorientierteste Auto. Und wir gehören nicht mehr zur Kernzielgruppe…”

Hoffe niemand, so etwas im gedrucksten Motor – Journalismus zu finden, solch starken Stoff gibt’s nur auf freier Wildbahn, also in den Blogs. Zumindest…

“…Stolz können die Mercedes-Leute auch auf die enormen Gewinne sein, die das Flaggschiff einfährt. Zwar entfallen nur sechs Prozent der Mercedes-Auslieferungen auf die S-Klasse, doch zum Gesamtprofit des Konzern trägt sie nach Schätzungen von Analysten mindestens 15 Prozent bei. Der Bruttogewinn jedes verkauften Wagens, davon sind Branchenexperten überzeugt, beträgt 40 bis 50 Prozent…”

Nur ist das halt kein noch lange kein Beweis für kluges Management und vor allem eine bodenlose Frechheit, angesichts von Hungerlöhnen am Daimler Benz – Fließband.

.

16 Gedanken zu “S – Klasse – Suche im Heuhaufen

  1. Der alte 108er wie der 111er als Coupé oder Cabrio waren und sind bis heute noch echte Design-Meilensteine. Da kommen dieses Einheitsdesign wie geglätteten Karpfenfressen, denen man am liebsten ein Bündel Petersilie in die Lufteinlässe schieben würde, nie ran.

  2. Wenn ich Reportagen über die Hungerlöhne bei Daimler sehe, denke ich an jene etwa 70 Milliarden Euro, die Schrempp zusammen mit Zetsche, als dieser noch Chrysler-Boss war, verbrannt haben, die die zehntausenden von Leiharbeitern und Beschäftigten mit Werksverträgen jetzt durch Lohnverzichte + Mehrarbeit zusammenkratzen müssen, um den Krater halbwegs zu stopfen, den diese Versager in diese einstmals führende Automobilfirma rissen. S – Klasse? Noch nicht mal mehr einen Smart!

  3. Ich hatte mir mehr erhofft. Nachdem jetzt auch die S-Klasse kaum mehr von einem A, B, CLA oder Shooting – Break zu unterscheiden ist, löst sie nichts, absolut nichts mehr beim potentiellen Konsumenten aus. Klar, mit klassischer Werbung und Storys über die alten S-Benze rückt Daimler seinen neuen Alten momentan in den Aufmerksamkeitsfocus und klar, ein paar Kunden fallen darauf rein und kaufen. Aber ohne ein echtes eigenstäniges Design und Abhebung von den Volumenmodellen wird es in Zukunft eindeutig schwerer, hierzulande die notwendige Menge an s-klassigen Autos zu verkaufen. Die Daimler – Bosse haben aus dem Maybach – Desaster offenbar nichts gelernt.
    Zu allem dazu gibt es auch noch einige Mitbewerber, die sich auf dem Marktplatz breitmachen und den im Moment mal mit Elektronikspielereien gewonnenen, scheinbaren Vorsprung ganz schnell wieder aufgeholt haben werden.

  4. Daimler bestreitet die Lohndumpingvorwürfe bei Werksverträgen, klar, und der SWR legt kräftig nach.

    “Kritik übte der Konzern an der Vorgehensweise der SWR-Redakteure, die “überaus fragwürdig” sei und “in keiner Art und Weise dem fairen und professionellen Umgang zwischen SWR und Daimler” entspreche, der in der Vergangenheit zwischen beiden “Organisationen” praktiziert worden sei.”

    Tja, die Zeiten ändern sich

    http://www.autokiste.de/psg/1305/10609.htm

  5. Wie ärgerlich für Zetsche. Grade will er aller Welt vor kollosalem Hintergund die neue S-Klasse präsentieren und verklugscheißert uns die Einmaligkeit eines Autos, dessen Gros an Käufern gerade in den Seniorenstiften verschwindet, da kackt ihm ein SWR-Reporter einen übel riechenden Haufen vor die Tür. Und wie die Stellungnahme zeigt: Zetsche ist voll reingetreten. Wo liegt eine Petition aus “Ich kaufe keinen Merceds”, wo ich mit unterschreiben kann?

  6. Wie war das noch mit dem im Verhältnis Umsatz/Gewinn teuersten deutschen Automanager Zetsche?

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/autobauer-daimler-stellt-niederlassungen-auf-den-pruefstand/8259574.html

    Haha… Jetzt kommen endlich auch die dümmsten Kostenfaktoren, die Kunden, an die Reihe. Das ham se jetzt davon, die Geizkragen, denen rd. 12 Euro pro AW = 144 Euro Stundenlohn und Ersatzteilpreise, die kolumbianische Drogenbarone vor Neid erblassen lassen, zu teuer sind. Weg mit…

  7. Typisch Daimler. Die sollten mal ihr F1 Engagement prüfen, wo sie pro Jahr über 100 Mio. in die Luft feuern und wie man gestern erlebte, nur mit üblen Tricks – Konkurrenten nennen es Betrug – aufs Treppchn kommen.

  8. Der Schritt von Daimler ist nachvollziehbar und ganz klar in Übereinstimmung mit der Positionierung des Unternehmens seit Schrempp: 13% Umsatzrenditeziel, koste was es wolle. Die Anteilseigner wird es wieder einmal freuen. Kritisch zu hinterfragen ist aber, ob das verstärkte Engagement im Bereich Social Media (FaceBook etc.) nicht allzu wiedersprüchlich ist? Premiumpreise vom Kunden fordern und Servicequalität, wozu auch die Servicedichte gehört, verringern, passen einfach nicht zusammen. Erst recht nicht, wenn man sich “das Beste, oder Nichts”, auf die Fahne geschrieben hat.

  9. Wilbär,

    diese widersprüchliche Geschäftspolitik, Marketingstrategie kann man solchen Schrott nicht nennen, wurde doch schon nach den Milliardenflops von Schrempp und mit den Sparprogrammen von Cordes angefangen und schon damals ging sie am Kunden vorbei. Auf der einen Seite versucht man verzweifelt an Kunden heranzukommen, mit Zigmillionenaufand für dämliche Modewochen, erfolglose Formel-1-Engagements etc. p. p. und auf der anderen Seite schickt man sie weg, wenn man sie sogar schon am “Tisch” hatte. Wie kann man besser Kunden betreuen und ihnen etwas verkaufen, als wenn sie vor einem stehen?

    .

  10. Entweder wurde Klaeden mit viel Geld geködert oder es ist ein Zeichen dafür, dass im Kanzleramt nicht mehr mit einer weiteren Legislaturperiode von Angela Merkel gerechnet wird.

  11. Wenn ich mich umsehe, ist Daimler nicht die einzige Prollbude, die Blech biegt wie Tapeten, es mit billiger Elektronik vollstopft und es uns als Premiumauto ab 80.000 € auf die Backen malt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>