Der dicke Hund von Schloss Dyck

1924-1925 Um die höchste Würde-500

Vielleicht sollte ich am kommenden Wochenende doch mal zu den Classic Days in Schloss Dyck fahren.

So, wie es aussieht, wird diese Veranstaltung in dieser Form, wohl das letzte Mal stattgefunden haben, denn es bahnt sich ein hübscher West – Südsüdwest – Konflikt an.

“Um die höchste Würde” betitelte 1924 der Simplicissimus die Grafik von Erich Schilling, die das Rennen um die Reichspräsidentschaft aufs Korn nahm. Mit harten Bandagen wird  89 Jahre später, offenbar auch hinter den Schlossmauern einer an abnehmendem Interesse ihrer Protagonisten leidenden  Glamourwelt der Oldtimerveranstaltungen, größtenteils bigotten “komm-und-lass-uns-alle-liebhaben-Scheinwelt” wie der  von Schloss Dyck und deren Initiator Marcus Herfort, um Eitelkeiten,  Einfluss und last but not least entgegen aller Beteuerungen altruistischer Motive, um viel, viel Geld gekämpft.

Zunächst lässt ein E-Mail eines Oldtimer-Clubs aus Süddeutschland, mit folgendem, geschildertem Sachverhalt, keinen anderen Schluss zu:

“…Heute morgen erfuhr ich, dass es bei Schloss Dyck erheblichen Trubble gibt, weil Herr Herfort sich mit seiner Ausladung der Eifelrennen-Teilnehmer inzwischen Mercedes so verärgert hat, dass die nicht mehr Sponsor sind.

Nun hat er auch noch den Teilnehmern einer Künstlerparty am Freitagabend vor den Classic-Days im Nachbarort gedroht, wenn sie dorthin gingen, kämen sie in Schloss Dyck nicht mehr rein.

Der Klassikhändler Movendi hat darauf wohl kalte Füße bekommen und kurzfristig gesagt, er wäre bei der Künstlerparty auch nicht mehr dabei, er habe keine Zeit.

Ich finde, hier wird Herr Herfort langsam völlig selbstherrlich und tut so, als ob alle Vorkriegsautofahrer ihm gehörten. Wir überlegen, ob wir Schloss Dyck nicht einfach boykottieren sollen, damit die mal merken, dass wir überall gern hingehen, wo es schön ist, aber nicht, wenn man uns als Handlanger eines eitlen Veranstalters missbrauchen will. Was sagt eigentlich der Verein von Dyck dazu, lassen die sich alles gefallen, nur weil Herr Herfort mal die Idee zu den Classicdays hatte?…”

1907 - Heft 11 - Seite 172-1000

Wie mir dann auch von südwestdeutscher Seite bestätigt wurde, rumort es gewaltig hinter den alten Mauern von Schloss Dyck:  Michael Bock, Chef des Mercedes-Benz Museum und Classic – Center, soll Marcus Herfort die Zusammenarbeit mit und das Sponsoring für die Classic – Days, aufgekündigt haben, weil der sich nach dem Eifel – Rennen im Juni, mit einem Zirkular (nicht mal mit persönlicher Anrede) an die teilgenommenen Mitglieder seines Classic Driver Club (“Vereinigung der Vorkriegsfahrer”) gewandt hatte, dabei eloquent wie offen gegen das Eifelrennen, den ADAC und andere Beteiligte Stimmung gemacht hatte… und dann so als Fußnote nebenbei, diesen  Mitgliedern ihren Rauswurf mitteilte (Link)…

“…Ihre “Mitgliedschaft” – also die Möglichkeit über unseren Verteiler zu Veranstaltungen angeschrieben zu werden und dann dort bei Abgabe der Nennung zu starten, endet leider…”   “und bitten um Verständnis”

Ein dicker Hund wie ich meine. Aber ich habe 2005 die gemeinsamen Intrigen eines Pagoden-Club-Vorstands  und der feinen Herrschaften von MBCCI Mercedes – Classic gegen einen die Abzockerei von Pagodenbesitzern kritisierenden Club Vorstand Meyer – Brockel angeprangert, bin angepisst worden, ein auf der Retro Classics herumlümmelnder Versicherungsdrücker aus Stuttgart hätte mich am liebsten verprügelt, und habe im Gegensatz zu machem Großmaul von damals, überlebt. Mich kann nichts mehr schockieren. Und Petitesse am Rande: mich wundert auch nicht, dass die nach HörZu um ihre Jobs bibbernden Zitteraale, die Schreiber der langsam daniedergehenden Oldtimer-Presse ihre Tasten nicht anrühren, wo doch schon die – vierrädrigen – Spatzen in Stuttgart die Geschichte von den Dächern pfeifen, und auch das Sprachrohr von Michael Bock, Jörg Maschke vom MVC, entgegen aller früherer Gewohnheiten, dieses Jahr so rein gar nichts Appetitanregendes über die Veranstaltung am kommenden Wochenende in Schloss Dyck zu PRollen hat.

Update 02. August 2013. Nachdem ich von einem Leser eine Kopie des April – Rundschreibens von Marcus Herfort und Simone Gottmann an die Driver Club Mitglieder erhalten habe und Herr Herfort mir inzwischen persönlich die inhaltliche Authentizität bestätigt hat, will ich ihn Euch nicht vorenthallten, 13.04.00 Rundbrief – Abschrift

 

Fotos: [Q]

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56 Gedanken zu “Der dicke Hund von Schloss Dyck

  1. Respekt? Ich würde eher sagen Mut der Verzweifelung. Ist schon bitter, wenn man maßgeblich daran beteiligt war, ein in Vergessenheit geratenes historisches Rennen wieder mit auf die Beine zu stellen und dann einfach abserviert wird.

  2. und damit die Sache “rund” wird, fehlt jetzt noch die Stellungnahme des ADAC zu den “nicht nachvollziehbaren Gründen” zum Rauswurf beim Eifelrennen und von den Herren Herrn Kerkloh, Tollmann zur Party. Man darf gepannt sein.

  3. Kurz in Erinnerung gerufen:
    Der ADAC veranstaltet seit 2011 nicht mehr selber das Eifelrennen. Er hat es für die Jahre 2011, 2012 und 2013 in die Hände des DAMC 05 gegeben.
    In 2011 und 2012 haben wir – wie in den vielen Jahren nach der gemeinsamen Wiederbelebung des Titels “Eifelrennen” von 2006-2010 zusammen mit dem ADAC Nordrhein und seiner Sportabteilung – das alte Fahrerlager kostenpflichtig für das Vorkriegstreffen angemietet. Der ADAC hat sich immer sehr intensiv für den Titel “Eifelrennen” und eine Veranstaltung für ALLE Klassikerbesitzer am Ring eingesetzt und (fast) bedingslos die Entwicklung der Veranstaltung unterstützt.

    Im Jahr 2011 und 2012 hat unsere Anmietung innerhalb des Eifelrennen (dann auch unter dem bereits veranstaltenden DAMC 05) noch relativ reibungslos funktioniert. Die Situtation für 2013 und ihre Umstände sind hier ja umfangreich besprochen worden.

    Wann wo wer eine Party feiert oder nicht – wie gesagt – entzieht sich völlig meiner Kenntnis. Ich habe seit Jahren keinen Kontakt zu Herrn Kerkloh und habe noch nie Kontakt zu Herrn Tollmann gehabt. Der eine will im Umfeld der Classic Days eine Party feiern, um Bilder zu verkaufen – der andere Autos.
    Vielleicht gibt es noch irgendwo Parties, wo Möhren verkauft werden oder Immobilien. Am Schloss Dyck gibt es am Freitagabend der Classic Days eine Grillparty, in der die Fahrer und Teilnehmer sich treffen wollen. Aber auch diese Party von uns als Veranstalter erhebt überhaupt nicht den absoluten Anspruch die einzig gültige oder einzig schöne Party zu sein. Jeder soll nach seinem Gusto glücklich werden….

    Bin jetzt los zum OGP – meiner Lieblings-Rennveranstung…. den am Schloss Dyck haben wir ja – und das wissen eigentlich alle – “nur” nur einen Demonstrations-Kurs und feiern auch “nur” mit allen ein großes “get together” in relaxter Stimmung ohne Anspruch auf motorsporthistorische Lorbeeren.

  4. Das Atelier liegt auf einem Bauernhof. Dort wohnt er wohl auch. Soweit wir das wissen, heisst das Gebäude “Roebershof”. Vor der Türe laufen Enten und es steht eine Skulptur eines Zylindermannes aus rostigem Stahl vor dem Tor…. Es gibt aber eine Website des Künstlers.

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