Autokausalität

1950 er Blechauto - Uhrwerk 3-Ausschnitt

Ob der Blödheit mancher Chefredakteure und Schreiberlinge möchte ich manchmal die Tastatur in die Ecke pfeffern. Gerade im vorgeblichen Hort des Geistes, den Automobil-Neuvorstellungen und -Testberichten,  werden die Nachrichten in Zeitungen und Magazinen in den letzten Tagen zu einer publizistischen Zumutung.

Vorbei sind demnach bald die Zeiten, als sich 80 -plus Herrschaften nach dem zweiten Schlägle wegen eingeschränktem Gesichtsfeld Sorge machen mussten, bei der Auffahrt auf die Autobahn auf der  Gegenfahrbahn geisterzufahren, ja, beim Abbiegen nach dem übersehenen, totgefahrenen Radfahrer oder nach dem Verwechseln des Brems- mit dem Gaspedal, in die Schaufensterfront des Drogeriemarktes gekracht zu sein, hernach womöglich den Führerschein-Alterstest nicht zu bestehen und des Lappens verlustig zu gehen, und auch der 18-jährige clerasilentpickelte Papas Liebling kann hoffen, mit dessen google-ferngelenkter AMG 685 PS S – Rakete, sein Herzenspüppi aus der Sekundärstufe 1 abholen zu könnnen und während der Fahrt durch die Goethestrasse, ohrgestöpselt, Hand statt am Lenkrad auf dem Knie des Püppis, das neueste Musikvideo auf dem 12 “” Flat-TV-Schirm im Armaturenbrett, klotzen zu können.

1970 er Faller - 2

Die Zukunft hat begonnen, das Robot – Auto machts bald möglich.

Ach, Automobil-Entwicklungsabteilungen – du Tummelplatz derer, bei denen es zum Denken und Bauen von Autos die Emotionen weckten, massenhaft Käufer fanden und daneben Autojournalisten Brot und Arbeit gaben, nicht langte…

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12 Gedanken zu “Autokausalität

  1. Lohnt sich doch nur, wenn der Gesetzgeber für diese Autos die 0,5 Promille Grenze aufhebt :-)

  2. Wir hatten noch Glück, dass das selbstfahrende Auto erst jetzt kommt. Wenn man bedenkt, dass das erste Automobil schon 1886 fuhr, dann hat es doch erstaunlich lange gedauert, bis all die Generationen und Heere von Ingenieuren die weltweit 127 Jahre lang am Automobil und seinen Komponenten herumgetüftelt haben, soweit waren, dass die Dinger von alleine fahren.
    Damit dürfte -nach Meinung seiner Konstrukteure- wohl auch der allerletzte unberechenbare Schwachpunkt am Auto neutralisiert sein: Der Fahrer. Er wird jetzt umfassend vor sich selbst, seinen Handlungen und deren Folgen beschützt.

    In der nächsten Entwicklungsstufe des Automobils könnte man dazu übergehen, die Türen weg zu lassen. Wenn das Auto von allein fährt, benötigt es den Menschen ja nicht mehr.

  3. Mein Vater wurde früher cholerisch, wenn eine Eva am Steuer unsicher oder langsam vor ihm herfuhr. Er schimpfte (nur wenn Mutter nicht nebendran saß) dann “guck nur, kein Schwa.z am Steuer”.

  4. Ganz ganz schlechte Perspektiven für an die im dicken Benz eingebaute Vorfahrt gewöhnten Herren der Straßen

  5. Ach Detlef, wenn Du’s nicht immer in solch langen, kommalastigen Sätzen schreiben würdest, dann hätt’ ich’s schneller kapiert. Du hast ja wieder mal sooo recht: Liest man die aktuelle Auto-Bild, und das tun viele aktuell interessierte Zeitgenossen, findet man darin eine 24-seitige Sonderveröffentlichung “Das neue BMW ConnectedDrive”.

    Wer sich das im Detail einverleibt, ist anschließend bezüglich des “Fahrerlebnisplatzes” (O-Ton Elmar Frickenstein, BMW Bereichsleiter Entwicklung Elektrik/Elektronik) geläutert. Man kann nun “im Auto ständig online sein, hat wie gewohnt Zugriff auf seine Daten, immer und überall, vergleichbar mit den Lebenswelten von Apple und Google… wir eröffnen BMW-Kunden die komplette Infotainment-Welt.” (S.13)
    Das ist doch toll: man kann Dir jetzt jederzeit während der Fahrt was ins Motorblöckchen kritzeln….!!! Nein, natürlich sprechen.
    Man stelle sich unsere hochqualifizierten Alltags-NERDs in ihren smarten BMW vor, wie sie bei voller Fahrt unterwegs Börsenkurse vergleichen, In-Restaurants aussuchen, die nächste Quelle für Baby-Nahrung ansteuern, dazu navigieren, Verkehrsmeldungen hören, Telefonieren – ach ja, und auch nebenbei connected driven noch so ein bisschen lässig autofahren.
    Jetzt wissen wir’s: die 50% der Bevölkerung, die multi-tasking-fähig sind, fahren BMW. Die anderen sollten das lieber lassen. Wieso, ist doch geil, diese Wahl zwischen Tunein, Stitcher, RTTI, Remote Service, Aupeo!, Concierge Service, Deezer, Napster, Glympse, Snippy und Co – nur Deppen kapieren nicht, was man damit alles anfagen kann!
    Das muss sich bei empfohlener Sprachsteuerung im Cockpit etwa so anhören:
    “zur Hauptstraße in Neustadt, 100 Siemens kaufen, italienisches Restaurant in Neustadt, nein, Neustadt/Weinstraße, bitte schreiben Sie: sehr geehrter Herr Maier, SMS bitte, Moment, ich muss erst das Navi eingeben, nein, Hauptstraße, ja, natürlich in Neustadt, demnächst rechts abbiegen, jetzt rechts… Achtung Autofahrer: auf der B 75 kommt Ihnen zwischen Aller und Beller ein Falschfahrer entgegen, SMS an: Maier, Steffen: Lieber Steffen, bin erst um 19 uhr in Neustadt, wieso schon 160 Zeichen? Ich wiederhole Ihren Text für das SMS: “ich muss erst das Navi eingeben, nein, Hauptstraße, ja, natürlich in Neustadt, demnächst rechts abbiegen, jetzt rechts… Achtung Autofahrer: auf der B 75 kommt Ihnen zwischen Aller und Beller ein Falschfahrer entgegen, SMS an: Maier, Steffen: Lieber Steffen, bin erst um 19 uhr in Neustadt…” Sie haben eine neue Mail-Nachricht, Du Liebling, später, ich hab grad sooo einen Stress, wir sehn uns im Napster in Beller, ach Quatsch im Aupeo! in Neustadt, Quatsch – ich ruf Dich nachher an…”

    Das muss man doch gesehen haben!

    Also, auf zur IAA, einfach nur “Frankfurt, Theodor-Heuss-Allee” eingeben, dabei nicht abfliegen und schon beim Einweisen auf den Parkplatz vorbeifahren und fluchen.
    “Bitte benutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel – die Besucherparkpätze am Rebstock sind voll.” Danke, wir wussten es doch längst – in Bus und Bahn kann man doch wenigstens in Ruhe der Sklave seines smartphones sein!

  6. Histotechnik

    „Denn allgemein verbreitet ist das Missverständnis, dass, was sich leicht lesen ließe, auch leicht hingeschrieben sei“ (Tucholsky)

    Heute las ich in einem Werbeheader über ein neues Automodell mit Mediakonsole “Wir machen die Zukunft”. Als durch und durch Altmodischer will ich mir dann als 50+ keine Gedankn mehr über neue Tablets auf Rädern zu machen.

  7. Detlef, mit dem Beitrag hast Du dir auch die letzte Chance verspielt, in Deiner Restlebenszeit jemals bezahlte Beiträge für Daimler schreiben zu dürfen.

  8. Mir ist diese technolgische Entwicklung “Hände weg vom Lenkrad” nicht mehr geheuer. Vor allem wenn ich sehe, wie häufig heute Autos wegen relativ kleinster Fehlfunktionen zu zehntausenden in Werkstätten zurückgerufen werden. Wer ist, wenn so ein Pilotsystem einmal spinnt und es passiert ein verschuldeter Unfall schuld, der Hersteller des Systems oder doch der Fahrer, der Händhen im Schoß haltend hinterm Lenkrad gedöst hat?

  9. Was ich bei dem ganzen Hype um die selbstfahrende Automobilität noch nicht verstanden habe: Warum muss man in dieser schönen neuen Welt überhaupt noch 70 oder auch 120 Kilogramm Biomasse in der Gegend herumfahren?

    Wäre es nicht sinnvoller, die Entwicklung zukunftsträchtiger Technologien erst einmal darauf zu konzentrieren, dass nicht mehr Millionen von Arbeitnehmern und Aussendienstlern in Fahrzeugen irgendwohin bewegt werden müssen?

    By the way: So eine Faller-Autobahn wie auf Bild 2 hatte ich Mitte der 60er Jahre auch mal. Heute würde man das allerdings eher als politisch korrekte Schmalspur-Version für Akademiker-Kinder bezeichnen; die richtigen Cracks hatten auch damals schon Bahnen von Carrera… :-)

  10. Detlef: Du hast ja so recht; aber so wie Du es schreibst, möchte man es, wenn man auf die 60 überschritten hat, garnicht lesen.

    P.S. Ziemlich ruhig hier geworden, oder täusche ich mich?

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