Salonlinke und kunstvolle Oldtimer – Verkäufer

14.06.29 Bild - 1

“Helge Achenbach hat als kleiner Steppke Pornobildchen auf dem Schulhof vertickt. Schwarz-Weiß-Aufnahmen für 50 Pfennige, farbige Bildchen für eine D-Mark. Ein bisschen Wucher war das damals schon, das gibt der prominente Düsseldorfer in seiner kürzlich erschienenen Biografie “Der Kunstanstifter” offen zu. ..”

Oha, oha, was uns Kai Diekmann & Syndikationsjournaille da wieder täglich an Schweinereien aus dem Freundeskreis der Superreichen aufdecken: Mit Tschingderassassa vorneweg natürlich erstmal Klingelbeutelschwinger Gabor Steingart (zur Ehrenrettung: für 99 Cent eine echt lesenswerte Lektüre), Kai Diekmann & Blasorchester sorgen im Gefolge für synchrone Volksmusik dazu, ach ja, vielleicht erbarmt sich ja auch noch eine seriöse Zeitung Helge Achenbach – ein Qualitätsmedium wie die ‘Titanic’.

Mich erinnert das ganze viel mehr an die Krimiserie “Derrick”. Die Handlung dort war mehr oder weniger die gleiche und das Böse wohnte praktisch ausnahmslos in den feinen Villengegenden von München oder den Ufern des Tegernsee’s und Starnberger See’s (den Hitzelsberg kannte man damals noch nicht), trat nur in Folge zu Folge in unterschiedlicher Gestalt auf. Mal als reiche Adlige, dann wieder als schmieriger und über Leichen gehender Unternehmer, oder zur Abwechslung, auch mal als verwöhnter Chefarztsohnemann oder nur aufstrebendes Sternchen der Münchener Staubwedelgesellschaft.

14.06.30 Achenbach

Auf “Derrick’s” Unveränderlichkeit des Bösen konnte ich mich jahrelang verlassen, so wie heute auf die Herkunft von schreibenden Salon – Linken… Kapitalismuskritiker mit dem Arsch an der Heizung, die zum Zeitvertreib das Allotria der Reichenkritik betreibt, weil’s ja so gut ankommt, nachdem schon Oma Krawunke über 0,5 % Spar- und 12 % Dispozinsen schimpft und selbst die deutsche Mutti inzwischen nur noch Verachtung für die Gier der Bankster übrig hat. Da frag ich mich: Gehört jetzt Gabor Steingart zu den Salon – Linken?

Gut, derartig klandestine Zusammenhänge hat bisher ja auch noch keiner bemerkt, außer vielleicht mir, aber ich denke sowieso, dass dieses typische Derrick-Setting im Fall Helge Achenbach, so weit es denn überhaupt einer ist, der Schaulust des sich an den Schaufenstern von Oldtimerveranstaltungen die Nasen plattdrückenden Kleinbürgers und den den Druckmedien in Scharen weglaufenden Lesern geschuldet ist: ‘Boah, 120 Millionen hat der dem pfennigpfuchsenden Multimilliardär Albrecht aus dem Kreuz geleiert, und sogar mit der deutschen Fussball – WM – Mannschaft in Brasilien durfte er mal…’

 

Verwandtes Thema: “Fröhlich’s Göring für Dummies”

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17 Gedanken zu “Salonlinke und kunstvolle Oldtimer – Verkäufer

  1. Ich schaue vom ersten Tag an – fast – täglich ins Motorblöckchen und habe es – fast – nie bereut. Ganz besonders heute. Klasse.

  2. Als Steppke mal die Haare gerauft und Glückssträne gefunden. Hut ab. Beschiss unter Freunden ist es allemal, ob es Betrug ist, hab ich meine Zweifel.

  3. Herr Kupfer,
    ein wirklich interessanter Bogen den Sie da zu “Derrick” gespannt haben. Kompliment.
    Meine Sympathie ist von der strafrechtlichen Relevanz des Tuns von Helge Achenbach abgesehen, auf der Seite desjenigen, der den privaten Geldsack eines Familienmitglieds der Albrecht – Dynastie erleichterte, der geschäftlich sogut wie keiner gewachsen ist und die ihren Reichtum wie keine andere auf dem Rücken von Mitarbeitern und Lieferanten angehäuft hat.

  4. “Auf “Derrick’s” Unveränderlichkeit des Bösen konnte ich mich jahrelang verlassen, so wie heute auf die Herkunft von schreibenden Salon – Linken…Kapitalismuskritiker mit dem Arsch an der Heizung, die zum Zeitvertreib das Allotria der Reichenkritik betreibt, weil’s ja so gut ankommt, ”

    Zu was zählst Du dich selbst eigentlich?

  5. Schmiermaxe,

    Du wirst mir langsam unheimlich. Mit keinem Wort gehst Du auf meine zersetzende Arbeit ein, wie weiland Baby Schimmerlos, die Bigotterie der Noblesse Oblige, besser gesagt, die lauthalsen Laien – Selbstdarsteller, die sich wegen ein paar geerbter Millionen selbst als “die bessren Leute”, für die sich “Leistung heute nicht mehr lohnt”, betrachten, ins Lächerliche zu ziehen. Für was rackere ich mich mit meinen Merkzettelchen eigentlich ab?…

  6. Ich hoffe nicht, dass die Aldi-Erbin jetzt Klimmzüge am Brotkasten machen muß..

  7. Die Prominenz des “Opfers” wie des “Täters” in Kombination mit dem ansonsten eher drögen Thema “Oldtimer” und der die Neugierde bedienenden Presse, scheint nicht unerheblich für das Vorgehen der Exekutive. Der wirklich gelungene “Derrick” – Vergleich ist keinesfalls abwegig. Die Attraktivität der Hausdurchsuchung und die Prominenz des “Opfers” machts.

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    Editiert: wunschgemäß

  8. “Nach einem „Focus“-Bericht schätzen die Anwälte der Familie Albrecht den Schaden für die Familie inzwischen auf 20 bis 30 Millionen Euro. Bisher war von bis zu 18 Millionen Euro die Rede gewesen. Allein zwischen 2009 und 2011 habe der Milliardär Albrecht über Achenbach Kunstwerke für 48 Millionen Euro gekauft. Für Oldtimer habe er ab 2010 insgesamt knapp 73 Millionen Euro gezahlt. Achenbach habe offiziell Provisionen zwischen drei und fünf Prozent erhalten.”

    http://www.focus.de/kultur/kunst/kunst-affaere-um-kunstberater-achenbach-zieht-immer-groessere-kreise_id_3970437.html

    Wie bei Uli Hoeneß werden die Summen von Woche zu Woche höher und Dank Helge Achenbach’s preussischer Tugend, alles akribish aufschreiben zu müssen, die Namenliste weiterer potentiell Geschädigten länger.

    Ganz offen: Falls im Zuge der Ermittlungen nicht auch delitktische Tatbestände betr. “Steuern” offenbart werden, empfinde ich für Helge Achenbach trotzdem so etwas wie Sympathie…

  9. Jetzt aber auch. Wie kleinlich sind denn diese Staatsanwälte? Wahre Freundschaften können doch so ein paar abgezwackte Milliönchen nicht erschüttern.

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