“…nach allen Regeln der Kunst…”

14.07.14 MM Ferrari250GT-Auction

“Gerade im Kunstmarkt gibt es oft große Abweichungen bei der Wertein­schät­zung einzelner Künstler und Werke. „Ein Künstler ist immer dann überbewertet, wenn sich eine Gruppe von Sammlern und Händlern zusammen­schließt, abspricht und möglicherweise sogar auf Auktionen die Preise künstlich hochtreibt…”  [Helge Achenbach; 2011]

Helge Achenbach hatte ja damals so recht. Heute, rund drei Jahre und ein paar Wochen U – Haft später, lässt sich seine Bewertung des Kunstmarkts fast 1 : 1 auf den Oldtimer – Markt und nicht wenigen darin das Geschäft bedienenden Marktteilnehmern übertragen und Achenbach dürfte diesen Euphemismus wohl so leichtfertig nicht mehr formulieren. Weder er noch einige seiner milliardenschweren Kunden, die er offenbar wie Weihnachtsgänse wörtlich gemeint “nach allen Regeln der Kunst” ausnahm und zum Kauf überteuerter Kunstwerke wie ebenso überteuerter Oldtimer überredete, dürften zurzeit Glücksgefühle empfinden.

Das Handelsblatt berichtet heute vom Verdacht der Familie Albrecht, dass Achenbach kein Einzeltäter war. In der 24 – seitigen Strafanzeige ist neben einem ehemaligen Kunstexperten der Berenberg Art Advice GmbH, auch von zwei dubiosen „Zwischenhändlern“ aus Baden-Württemberg die Rede. “Diese sollen mit Achenbach beim Verkauf von Oldtimern an Berthold Albrecht zusammengearbeitet haben. In einigen Fällen, so die Strafanzeige, seien von diesen Zwischenhändlern überhöhte Rechnungen ausgestellt worden – damit Achenbach seinen Kunden Albrecht über die Höhe des Kaufpreises täuschen konnte. Außerdem mutmaßen die Albrecht- Anwälte, dass in weiteren Fällen, in denen Albrecht direkt von einem Zwischenhändler kaufte, Kick-back-Zahlungen an Achenbach flossen. Einmal bedankt sich der Händler bei Achenbach:„Sehr geehrter Herr Achenbach, zunächst vielen Dank für die erfolgreiche Vermittlung des Fahrzeugs….“

Helge Achenbach schrub auf der letzten Seite seiner Biographie “Der Kunstanstifter”: „Die Gier nach Gewinnen degradiert die Kunstwerke“. Ich ergänze: “und im Oldtimer – Geschäft der alten Karossen ab bereits 70 – 80.000,00 Euro an aufwärts, wird heute nach allen Regeln der Kunst gepusht und gedealt, was das Zeug hält und… was wollte ich noch sagen? Ach ja, genau deshalb habe ich auch kaum Zweifel daran, dass für die Spekulanten – Kutsche oben auf dem Foto, für den Ferrai 250 GTO, so wie schon 1988 jemand 500.000 D-Mark dafür hinblätterte, jetzt, ein Vierteljahrhundert später, keiner etwas aus der Vergangenheit gelernt hat bei der Auktion ein Dummer bei mehr als 50 Millionen Dollar die Hand hebt.

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[Foto]

6 Gedanken zu ““…nach allen Regeln der Kunst…”

  1. Was war den heute Vormittag mit dem MB los? Nach Seitenaufruf landete ich auf einer WordPress Installationsseite. Oder war das nur bei mir?

  2. Nachdem mein persönliches Oldtimer-Budget mindestens um den Faktor 1000 kleiner ist, juckt es mich persönlich nicht die Bohne, ob die Gierigen der Welt sich wegen solcher Fahrzeuge gegenseitig mit Mondpreisen über den Tisch ziehen. Meine alten Autos müssen fahren und Spass machen; keine Rendite bringen.

  3. Wenn man weiß, wer Berthold Albrecht seinen Mercedes Kompressor 540 K vermittelte, mit dem er beim Concour Villa D’Este 2012 auffuhr und wer danach sein uneingeschränktes Vertrauen besaß, ist der Spielraum für Spekulationen, um wen es sich bei den “zwei dubiosen Zwischenhändlern” handelt, unter Brancheninsidern und Kennern der Kompressor Szene nur noch sehr klein.

  4. Danke für den Link auf das Handelsblatt – Dossier. Ich habe selten für nur 99 Cent so viel UNterhaltung geboten bekommen.

    Um so mehr der Presse, darunter auch dem Handelsblatt, ihre PR – Geschichten von Rekordverkäufen auf Oldtimer-Messen, Auktionsrekorden und vom jede klassische Anlageform schlagenden Oldtimer-Index insbesondere von gutbetuchten Leuten abgekauft werden, um so mehr lockt das dubiose Marktteilnehmer an. Die ganz Affäre um den Berater Helge Achenbach zeigt anschaulich, wie leicht selbst die härtesten Macker wie Albrecht und Böhringer ausgenommen werden können, wenn dummes Geld auf die Chance von schnellen, hohen, zweistelligen Renditen trifft. Wem kann man überhaupt noch trauen und wem nicht?

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