“Augmented realitiy” und 68mal “Sch…..” gesagt

14.09.09 Eissalon - Next 008

Einleitung: Von diesem Gastkommentar eines ungenannt bleiben wollenden früheren Automobil – Mänätschers, bin ich, Detlef Kupfer, gnadenloser Kritiker all derer und dessen, was share-holder-besessene Automobilmanager aus einer der besten Automarken der Welt, aus Mercedes-Benz, gemacht haben, schneller angesprochen, als mir offen gesagt lieb ist. Zur ausgerechnet am 11.09. vorgestellten und wohl dümmsten und überflüssigsten Produktneuheit der Menschheit, schrub ich grade an anderer Stelle…

“George Orwell hätte die Menschen der Zukunft für völlig verblödet gehalten, die sich eines Tages ihre elektronischen Fußfesseln selbst kaufen und ums Handgelenk binden…”

denn ich finde, die Zeit rast dahin und eben war ich doch erst noch Mitte 20 und hatte ausser ausgehen und mit schönen Autos herumfahren, eher wenig im Kopf, “PC”, “Internet” und “Handy” waren noch Fremdwörter, ein Autotelefon mit monströsem Telefonhörer kostete den Preis eines Neuwagens, keine nervige Stimmer erinnerte mich bei jedem Motorstarten daran, bei meiner 250.000 Kilometer gefahrenen Kiste (mit max. noch 4.500 Euro Zeitwert), sofort eine 1.500 Euronen teuere A – Inspektion durchführen zu lassen – und ich machte mir schon gar keine Gedanken darüber:

„Vor 125 Jahren haben wir die erste Kutsche ohne Pferde gebaut. Und jetzt kommt bald die Kutsche ohne Kutscher“ [Dieter Zetsche]

Ob Dieter Zetsche auch diesen Brief bekommen hat? Wie er das wohl machen wird? Kein Chauffeur, keine Bodyguards, die a la Super-Mario hinter ihm her schlittern? Nichts als Fragen. Was will der Autor damit sagen? Heute schneit mir ein neues Druckerzeugnis in den Briefkasten. Titel „Mercedes-Benz next“.

14.09.09 Eissalon - Next 010

Nun gut, gespannt fange ich an zu blättern. Das „Editorial“, also das Geleitwort des Herausgebers, verfasst von Thomas Weber, Vorstand verantwortlich für Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung. Früher nannte das man noch profan Konzernentwicklung oder nur Forschung. Aber englisch klingt doch alles besser.

14.09.09 Eissalon - Next 009

Beim ersten Blättern bestätigt sich dieser Eindruck, leider. Da wird schon mal das „Making-Of“ resümiert. Geht’s noch? Beiträge über „Augmented reality“? Oder von Dirk Olszewski, verantwortlich für „Use Cases und Funktionen bei Daimler“? Was denn nun? Englisch und Deutsch in einem Satz? Überhaupt, auch ich habe mal englisch gelernt. Mein persönlicher Kommentar lautet daher „You me too“. Mehr aber vor allem „Don’t waste paper and natural resources“.

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Nichts gegen ein 68seitiges Hochglanzmagazin. Aber wen hat denn da der Teufel der Selbstdarstellung geritten? Wer ist die Zielgruppe? Käufer von Mercedes-Benz Pkw, die definitiv der Ü60-Generation angehören? Smart-Fahrer, die kurz darunter liegen dürften?

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Mit dem ganzen Wischiwaschi kann doch keiner was anfangen. Ausgenommen diejenigen, die redaktionell firmenintern profitieren, respektive extern Honorare abgreifen. Wie tief kann ein Konzern noch sinken? Ist Deutschland zwischenzeitig so unattraktiv geworden? Ok, kann ich nach voll ziehen. China und USA haben wohl andere Prioritäten.

Mein Glückwunsch geht an die Redakteure von „design hoch drei GmbH & Co. KG“, die beteiligten Internen beim Daimler, die Druckerei und wem auch immer noch …

Spiegel online im Juli 2014: „Das aktuell laufende Programm “Fit for Leadership” wird die Kosten 2014 um gut zwei Milliarden Euro senken. Das reiche jedoch noch nicht, um auf die Zielrendite zu kommen, heißt es im Konzern. Der wachsende Wettbewerbsdruck, hohe Investitionen in neue Werke, Modelle und Antriebe sowie einige hausgemachte Probleme minderten die Marge.“

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Das Magazin weiter: „Konzernchef Dieter Zetsche kann für das abgelaufene Jahr inklusive Boni und Aktienprogrammen mit mehr als 8,2 Millionen Euro rechnen – rund hunderttausend Euro mehr als ein Jahr zuvor. Seine sieben Vorstandskollegen kommen dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht für 2013 zufolge im Schnitt auf gut drei Millionen Euro. Insgesamt steigt die Vergütung der Führungsmannschaft von gut 27 auf mehr als 30 Millionen Euro.“

Das macht für ihn in 2013 ein Tagessalär von über 26.000 Euro aus, der Durchschnittsbürger muss sich mit 3.500/Monat zufrieden geben. Noch Fragen? Überdurchschnittliches Engagement lohnt sich eben …

Ach so, Grüße von jemandem, der immer Kutscher bleiben wird, muss oder aber es sogar noch genießt.

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8 Gedanken zu ““Augmented realitiy” und 68mal “Sch…..” gesagt

  1. Günter Hack schrub grade dazu in der ZEIT einen Artikel, der leider von viel zu wenigen gelesen werden wird:

    “…Den aktuellen Debatten über die Zukunft des Netzes liegen oft zwei falsche Annahmen zugrunde. Die erste besteht darin, das Internet nur als Mediensystem zu betrachten, wie Telefon, Radio oder Fernsehen. Doch das Netz ist auch ein Produktionsmittel, nicht nur für Medienunternehmen. Die derzeit spürbaren gesellschaftlichen Verwerfungen lassen sich auf Schübe der Rationalisierung und Machtkonzentration zurückzuführen, welche die zunehmende Verbreitung dieses Produktionsmittels mit sich bringt.

    In dieser Krise tritt auch die Auffassung in den Hintergrund, das Internet und seine Dienste seien, unter Rückgriff auf Joseph Schumpeters Vorstellungen von der “kreativen Zerstörung” einzelner Branchen durch technische Innovationen, zuvorderst “disruptiv…”.

    http://www.zeit.de/kultur/2014-09/daten-proletariat-internet/komplettansicht?print=true

    .

  2. Der Zeit – Artikel ist großartig.

    “Das Bürgertum zeichnete sich schon zu Marx und Engels’ Zeiten zunächst dadurch aus, dass es die Produktionsmittel besaß. Die Kontrolle über diese entgleitet den Resten des Bürgertums nun, sie konzentriert sich in den Händen einiger weniger Konzerne und ihrer Satellitenorganisationen.”

    Profilanfertigendes Social Media, Amazon, PayPal, Smartphones von irgendwem und Autos die für mich das Denken übernehmen, NO!!!

  3. Top – Gastbeitrag und Links. Danke! …auch wenn da bei mir regelmäßig beim Lesen der Blutdruck steigt.

  4. Anmerkung zur Feststellung des Autors zu den “3.500 Euro pro Monat”:

    Das Statistische Bundesamt entlarvt die Jubelmeldungen der System-Presse von einem Anstieg der Reallöhne in Deutschland regelmäßig als Lüge. Eine Lüge, die aber ihren Zweck erfüllt.

    Es wäre ein ganz normaler Vorgang, wenn in einer erfolgreichen Volkswirtschaft, dem deutschen Nettoexportmeister (115 Milliarden Überschuss im August 2014) und zugleich mit dem höchsten realen BIP-Wachstum in der Eurozone, auch die Reallöhne steigen. Nicht normal hingegen ist und dies wird unisono unterschlagen, dass lt. Statistischem Bundesamt, der Reallohnindex in Deutschland, in 2013 gegenüber 2012 um 0,2 % gefallen ist und die durchschnittlichen Reallöhne preisbereinigt, mit rd. 1.450,00 Euro netto pro Monat, immer noch unter dem Niveau von 1992 liegen!

    Punkt.

  5. Die Antwort hat von Blumencron sehr gut geschrieben:

    “Tagtäglich registrieren Millionen die technischen Parameters ihres Autos, manche Fahrzeugcockpits ähneln regelrechten Datenzentren. Warum wissen wir beim Fahren mehr über den Zustand unseres Autos als über uns selbst im Sitzen? Gewiss, gesunde Menschen konnten bisher wunderbar ohne die digitale Aufzeichnung ihrer Körperfunktionen leben. Aber Daten machen neugierig, erst die Verbraucher, dann die Konzerne. Oder umgekehrt.”

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/apple-steve-jobs/apples-magie-furchtbar-genial-13145841.html

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