Pay to PRoll?

15.02.27 Software Update

“Bitte fahren Sie kurz rechts ran und bewegen sich nicht, bis das Auto das Software – Update fertig eingespielt hat”.

Ein Sebastian Heiser zeigt grade mit nacktem Finger auf die SZ Süddeutsche Zeitung, dass dort viele überaus ‘begabte Journalisten’, die doch nur mal ihre Meinung sagen sollen – eine Meinung, die dann nicht zufällig immer haargenau so klingt, wie diejenige der Presseabteilungen von dort – zufällig – anzeigenschaltenden Unternehmen und vieler anderer Journalisten ähnlichen Kalibers auch.

Sebastian Heiser grantelt daran herum, was nach meinem Gefühl in den meisten Automobilspalten derzeit zum Thema ‘Autonomes Fahren’ orchestriert abzulaufen scheint: Hierzulande wird noch nicht einmal ein solcher Verdacht redaktionell benannt, hier gilt weiterhin der größte Bullshit als glasklare ‘Volksmeinung':

Da schrub grade Hannes Stein…

“Wenn Selbstfahrer-Pkw Standard sind, werden wir kopfschüttelnd zurückblicken auf die Zeit, als Blutbäder im Verkehr selbstverständlich waren. Millionen Verkehrstote gehören dann der Vergangenheit an…” “Gewiss, das ist ein scharfer Abfall gegenüber früheren Jahrzehnten. Autos sind insgesamt sicherer geworden, die Gurtpflicht wurde eingeführt, die Unfallmedizin hat Fortschritte gemacht…” “Als Kollateralschäden des Autoverkehrs aber sind die 3340 Toten uns nicht einmal eine kleine Meldung wert, obwohl sich unter den Opfern auch Kinder befinden.Wahrscheinlich wird sich unsere Haltung dazu radikal ändern, sobald das selbstfahrende Auto zum Standard geworden ist…” “Das selbstfahrende Auto wird auch unsere Moralvorstellungen revolutionieren. Denn die Zahl der Autounfälle wird mit seiner Hilfe auf nahezu null reduziert werden können…”

Mmm – der Spott läge mir bei dieser Gehirnkrätze auf der Zunge. Dieser professorale Vollhonk schafft es doch tatsächlich, spaltenlang über Homer und die Toten der Antike, über die Kinder-Sklaven in englischen Kohlegruben bis hin zu den 3.340 deutschen Verkehrstoten pro Jahr zu phrasenisieren. Nicht ein einziges Mal dürfte dieser Schreiber dabei seinen Deetz auf den Schultern bewegt haben, und doch ist am Ende alles aufgeklärt. Davon, dass in deutschen Haushalten und auf Bürgersteigen mehr als doppelt so viele Menschen tödlich verunglücken wie auf Strassen oder hinterm Lenkrad, über 8.000 und mit steigender Tendenz, davon hat er natürlich keinen blassen Dunst. Aber davon:

“…Obwohl die Mediziner längst wissen, dass die Stirnlappen der meisten Menschen erst mit 25 Jahren voll ausgebildet sind, geben wir Führerscheine an 18-Jährige (in manchen amerikanischen Bundesstaaten gar an 15- oder 16-Jährige) aus. Ohne voll ausgebildete Frontallappen ist es aber schwer, die Folgen einer Handlung abzuschätzen oder moralische Selbstkontrolle zu üben. Dass wir Jugendlichen in der Pubertät ermöglichen, Maschinen zu steuern, die sehr schnell fahren können, ist mithin der pure Wahnsinn. Warum händigen wir ihnen nicht gleich vollautomatische Waffen aus?” “Und Führerscheine – sorry, pubertierende Jugendliche – gehören nur in die Hände von Leuten mit Stirnlappen, die einwandfrei funktionieren.”

Dieser der SZ vorgeworfene ominöse ‘Qualitätsjournalismus’, scheint längst auch unter Friede Springers warmen Rock bei der WELT untergekrochen zu sein,  … wer weiß das schon? Da macht man sich schließlich die dollsten Stories noch selber … und der Herr Stein, der ohne es hinzuschreiben, im Umkehrschluss seinen dummen Lesern damit suggestiv durch den Hinterkopf ins Auge einmassiert, gegen einen gehirnlappenunterentwickelten Jugendlichen, der seine vom Computer durch den Verkehr gelenkten 440 – AMG – C – Klasse – PS vom Computer total sicher durch den Verkehr fährt, geht dann, aber erst dann, kein Zipfelchen Gefahr mehr für Leib und Leben aus, der müsste auch noch mal einen Journalisten – Grundkurs für ein Ü25 – Gehirnlappen – Update besuchen.

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4 Gedanken zu “Pay to PRoll?

  1. Ich habe im Bekanntenkreis zwei gelernte Journalisten. Die beiden Mitfünfziger machen sich heute über ihre Jobs keine Illusionen mehr. Von echter redaktioneller Arbeit für Zeitungen könnte keiner mehr gut leben. Sie leben davon, dass sie PR-Agenturmeldungen individuell aufbereiten und bei Zeitungen platzieren dürfen. Journalistischer Anspruch ist gleich Null und eigene Inhalte gibt es schon lange so gut wie nicht mehr. Solange aber die Werbegelder fliessen, scheinen die Jobs noch halbwegs sicher.

  2. Pingback: Am 28. Februar 2015 gefunden … | wABss

  3. Die Generation Depp verdient nichts anderes als selbstfahrende Autos, die möglichst alle 4 Stunden upgedated werden müssen und kritiklose Schreiberlinge, die sich als Propagandamaschinerie für solchen Schwachsinn hergeben.

    Die Zeiten, an denen vor 52 Jahren in Genf ein Mercedes 230 SL als Meilenstein präsentiert werden konnte sind ein für allemal vorbei.

    Aber auch damals schon haben die Hersteller den Journalisten die Feder geführt, nur haben die Journalisten nicht so plump und offensichtlich gehandelt wie heute.

    BMB

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