BORGWARD “Phantom”

Borgward_Geisterstand

Gastbeitrag vom Autosalon in Genf von Johannes Hübner

Der neue BORGWARD “Phantom”

Borgward ist wieder da, jubelte die Presse schon vor dem Salon, die haben sogar einen Stand in Genf und da stellen sie den neuen Borgward vor.

Gespannt eilte die positiv gestimmte internationale Journalistenschar am Dienstag, 3. März 2015, zur Pressekonferenz. Hinter einer Isabella Coupé liegt erwartungsheischend eine große Freifläche mit dem Rhombus, von der Decke baumeln Schilder „The return of BORGWARD“, doch schnell wird deutlich: das neue Modell wird wohl Phantom heißen!

Borgward_Genf2015

Man zeige in Genf noch kein Auto, heißt es, die Fläche bleibt leer! Das Auto komme erst in Frankfurt. Man habe aber in China eine große neue Fabrik, die derzeit Doppelkupplungsgetriebe herstelle, mit deren Erlös man die 100.000 geplanten Borgward finanzieren werde. Nur 100.000… Es sei auch genug Kapital für die nächsten 10 Jahre da. Und der Firmensitz werde in Stuttgart sein. Die Entwicklung und das Design natürlich auch in Deutschland. Wo sonst!

Die Bildschirme auf Ständern fordern zum „Discover the new Borgward“ auf, doch da kommt nix. Und plötzlich wird deutlich: 12 Tage lang wird eine leere Fläche auf pole-position mitten im renommierten Genfer Salon KEINEN neuen Borgward zeigen! Die Endzeitstimmung von 1961 kommt da perfekt rüber, fehlen eigentlich nur noch Broschüren für Investoren, die Geld wegwerfen möchten.

Borgward_Phantom_Genf2015

Unglaublich: mit dem renommierten Namen Borgward haben irgendwelche großkotzigen Heuschrecken die Journalisten der Welt auf den Arm genommen! Und damit den guten Namen nach 24 Jahren nochmal so richtig in den Dreck getreten. Wer’s nicht glaubt, kann sich das PR-Desaster noch bis zum 15. März in Genf ansehen. „The return of BORGWARD“ heißt also BORGWARD im Rückwärtsgang!

Auf die Frage, warum man denn den teuren Auftritt in Genf mache, um NICHTS zu zeigen, antwortet man „Borgward habe seine wichtigen Premieren doch immer in Genf gehabt“. Frechheit. Oder nein, im Gegenteil: im Palexpo Geneve wartet bei BORGWARD doch das erste unsichtbare Geisterauto der Welt auf Harvey, Captain Spock und das Zurück in die Zukunft mit Michael Fox.

Der Messebauer sollte sich sein Geld holen, bevor der peinliche Auftritt auf dem Müllhaufen der Geschichte verschwindet.

Euer Johannes Hübner

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14 Gedanken zu “BORGWARD “Phantom”

  1. Herrn Hübner für diese Exemplifikation des Alltäglichen in der Automobilszene und von Schein & Sein meinen ehrlichen Dank.

  2. Egal, ob es jemals wieder tatsächlich ein Auto unter dem Firmenlogo von Borgward geben wird.

    Es wird niemals ein Borgward sein.

    Denn:
    Die Marke Borgward wurde seinerzeit von einem ehrlichen Bremer Kaufmann gegründet.

    Solche Personen gibt es heute im Automobil- und Heuschreckengeschäft nicht mehr.

    BMB

  3. Seriösität und Bescheidenheit sind keine Zier mehr.

    “Wer Borgward tatsächlich auf die Räder hilft, scheint ebenfalls noch unklar. Fantastisch sind allerdings auch hier die Pläne. Bereits auf der IAA 2015 soll ein SUV der Marke gezeigt werden, das schon 2016 in Serie geht. Produziert wird in Deutschland, für China und die BRIC-Staaten, wo man anscheinend auf eine deutsche Marke, die zwischen Volkswagen und Mercedes platziert werden soll – Premium-Light gewissermaßen – dringend wartet. Zwei neue Modelle pro Jahr sollen folgen. Schon 2020 will man 800.000 Fahrzeuge jährlich verkaufen, 2025 sollen es 1,6 Millionen sein.”

    http://www.t-online.de/auto/neuheiten/id_73135774/autosalon-genf-2015-schraege-zukunftsideen-von-quant-apple-und-co-.html

  4. Erstmal Danke, Johannes.

    So ist das schon immer gewesen, mit den charismatischen Namen verlorengegangener Automobilhersteller. Und bei BORGWARD wohl im besonderen.

    Walter Schätzle müsstest Du doch kennen, oder? Er, der BORGWARD-Visionär hatte seinen Betrieb hier um die Ecke in Oberhöchstadt. Ich habe ihn Anfang der 70er, damals als Kunden meines Papas, persönlich gekannt. Er wollte mir immer einmal seine alte Fabrik im Taunus zeigen, wo er ‘später’ einmal die Stückzahlen produzieren wollte (lag glaube ich, in der Nähe von Weilburg).

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46274217.html

    Na ja, andere bauen dafür mit ebensolchen charismatischen Markennamen gelabelte Autos und führen die reiche Kundschaft mit dem Ring durch die Genfer Manege, die gar keine MAYBACH’s sind.

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  5. “Chinesen” und “Ansiedlung” klingt immer gut, besonders bei im Ansehen in der Bevölkerung mit einer derartigen Negativbilanz dastehenden und um ihre Wiederwahl zitternden Politikern, wie auch in BW.

    Und weil kleinel gelbel chinesische Männel aus dem Land del aufgehenden Wiltschaftssonne ja keine x-beliebigen schwäbischen Untelnehmer sind, die hielher kommen, um um ein paal schlappe Millionen Kledite betteln, wo man als velantwoltungsbewusstel Politikl die wiltschaftlichen Velhälnisse natüllich gewissenhaft plüfen muss, bis der Doktol kommt, kriegen die Bolgwald’s mit kleinel gelbe Männel, wahlscheinlich flugs ein paal Milliönchen übel Landesbülgschaften abgesichelte Kledite… und den Lest del Geschichte können wil lesen dann walscheinlich ilgend wann in Rublik “Insolvenznachlichten von kleinel gelbe Männel”…

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  6. Hübi…da gar kein Auto zu präsentieren ist natürlich Murks.
    Allerdings ..was ist mit Jensen? Veritas? Spyker? Alles Teufelszeug?

  7. Interessante und kaum bekannte Geschichte über die Borgward Markenrechte und Claus Müller, dem designierten Präsidenten der IAK Initiative Automobiles Kulturgut:

    “Zu Wort meldet sich indessen auch ein früherer Inhaber der Marke Borgward, der Braunschweiger Jurist und CDU-Politiker Carsten Müller. Der heute 44-Jährige ist Bundestagsabgeordneter und kaufte die Markenrechte im Jahr 1997 für die „Warengruppe 12 – Fahrzeuge zu Lande, zu Wasser und in der Luft“.

    Müller erinnert sich im Gespräch mit dem WESER-KURIER: „Die Markenrechte waren damals vollkommen ungeschützt.“ Er fragte deswegen bei der Interessengemeinschaft Borgward in Essen an, einem Forum für Autoliebhaber. Doch dort zeigte man seinerzeit kein Interesse. Schließlich kaufte Carsten Müller, damals Jura-Student in Göttingen, die Rechte an der Marke Borgward für 300 D-Mark: „Das entsprach zwei Monatsmieten für meine Studenten-Bude.“ Für ihn sei es ein „Jokus“ gewesen und als Oldtimer-Fan wollte Müller verhindern, dass Dritte mit der Marke „Schindluder treiben“.

    http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadtreport_artikel,-Zwei-Monatsmieten-fuer-die-Marke-Borgward-_arid,1064854.html

  8. Spannende Story.
    “… Carsten Müller hat sich über einen Kooperationspartner mit der Familie geeinigt.”
    Hätte er gewollt, dass kein Schindluder getrieben wird, hätte er die Marke doch auch an die Familie “übergeben” können in den angemeldeten Warenklassen. Er hatte sie ja nur vorsorglich geschützt.
    Klingt tatsächlich nicht nach Harmonie….hat er sie eintragen lassen und dann der Familie verkauft, als er ahnte, dass diese sie fortbestehen lassen oder wieder beleben will? Weiss jemand etwas dazu?
    Hmmm. Wir werden sehen.

  9. Pingback: Audi 80 – Bj. 1972, als immaterielles Unesco – Weltkulturerbe | MotorBlöckchen

  10. Guckt mal…. http://www.autobild.de/artikel/borgward-suv-iaa-2015-vorstellung-5733690.html

    Aua: “Betonte Hüften, eine hohe Gürtellinie, der Firmenname in großen Lettern auf dem Heck – die Designer wollten kein Retro-Auto bauen, sondern die Grundgedanken von Firmengründer Carl F.W. Borgward in die heutige Zeit transportieren – gute technische Lösungen und ein zeitgemäßes Design.”

    Vielleicht sollte man einen kaufen…für die Techno Classica 2040….Youngtimer-Angebot…

  11. Boaaa, ein Design, dass weniger an Borgwad, als an die glorreichen Zeiten des deutschen Panzerbaus erinnert und dafür mit Motoren ausgestattet, deren Leistung vor 40 Jahren nur Sportwagen vorbehalten war, für die ökologisch bewusste obere Mittelschicht, damit die in einem Audikiachayennejeep – Klon namens Borgward BX7 mit 250 PS, ihr Bio – Happihappi im Supermarkt holen kann.

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