Winterkorn removed by… or not?

Screenshot YouTube Werbefilm - 00

Bis letzten Sonntag etwa 16.00 Uhr konnte ich mir das jüngste Werbefilmchen von VW über den saubersten Diesel der Welt, mit den alten Muttchen in ihren putzigen 50er – Jahre Blümchenkleidern hinterm Lenkrad, den Golden Sisters, auf den US – Seiten wie Jalopnik und Car & Driver noch ansehen. Danach hieß es bei YouTube: “This video has been removed by the user”.

15.09.23 VW Diesel-Myths

Auf der IAA Internationalen Automobilausstellung auf dem Ausstellungsstand von VW möchte ich heute einmal Mäuschen sein. So wie ich, dürften viele sich das echt gut gemachte Werbe-Video rechtzeitig gesichert haben und es dürfte auf den Messeständen bei den Mitbewerbern für viel Erheiterung sorgen.

Screenshot You Tube Werbefilm - 00

VW hat 482.000 Autokäufer in den USA – inzwischen spricht man von bis zu 11.000.000 Autokäufern – wie man umgangsprachlich sagt, nach Strich und Faden beschissen. Ferdinand Pietch, der Porsche – Enkel, der rund 14 % Anteile an der Porsche SE hält, die wiederum gut die Hälfte der Volkswagen – Stimmrechte kontrolliert – rechnerisch können ihm damit 6,7 % der Volkswagen – Stammaktien zugerechnet werden – der Winterkorn schon vor Monaten abservieren wollte, weil er ihn für die Aufgabe “Wir sind dabei, Volkswagen ein Stück weit neu zu erfinden” für ungeeignet hielt und sich einen erbitterten Machtkampf mit Winterkorn lieferte, an dessen Ende er selbst den Hut nahm, hat Sonntagabend bestimmt eine Flasche Champagner aufgemacht.

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Eigentlich ist diese Beschiss-Affäre um den Einbau eines bei Abgastests manipulierenden Chips in Diesel-Autos, der die tatsächlichen Abgaswerte um das bis zu 40-fache heruntermanipuliert und die in Wirklichkeit Innovationsunfähigkeit exemplarisch beweist, selbst unter dem Aspekt, dass hier eiskalt ein knallharter Betrug begangen wurde, für mich kein Thema mehr, für das es sich lohnt, darüber zu schreiben. Es ist nämlich ein alter Hut. Folkher Braun, einer der mit beiden Händen hinterm Lenkrad sitzt, hat es treffend erklärt:

“Bitte den Winterkorn etwas tiefer hängen. VW-Autos haben eine Prüfstand-Erkennung wie alle anderen auch. Der Übeltäter ist das Antiblockiersystem. Auf dem Prüfstand drehen die Räder einer Achse, die der zweiten nicht. Also sagt die ABS-Logik: das Auto fährt gar nicht. Es ist also eine Prüfsituation. Das ist an sich nicht schlimm. Die Frage ist, was man mit dieser Information macht. Man kann ein Signal an die Motorelektronik senden: im Falle nur einer drehenden Achse bitte den Einspritzdruck zurücknehmen bis der Sensor für Abgasgegendruck bestätigt, dass weniger Dreck geflogen kommt. Es gibt da mehrere Möglichkeiten. Die nächste Variante ist über die Software-Erkennung. Wenn ich eine Verbindung mit einer Auto-Elektronik aufnehme, muss ich zwei Benutzercodes hinterlegen und die Elektronik erkennt das lesende Gerät. Findet es keine Werkstattsoftware, kann es genau so auf Sparmodus schalten. Die Techniken sind seit Jahren bekann. Ein schwedischer Lkw-Hersteller wurde schon vor 15 Jahren bei der Umstellung von Euro1 auf Euro2 mit der Technik erwischt. Heute ist das Unternehmen Teil des VW-Konzerns.”

Screenshot YouTube Werbefilm - 02

Aber weil man auch aus dieser Affäre ein weiteres mal lernen kann – wie der Neoliberalismus nicht nur bei libor-zins-manipulierenden Deutsch-Bankstern, sondern inzwischen auch im deutschen Aushängeschild, dem Automobilbau, nach der bei der 68er Apo geklauten Devise “legal, illegal, scheissegal” funktioniert, haben ich mich mit dem Thema beschäftigt und mir einfach die Frage gestellt, was ist schlimmer: Hütchenspielerei, Steuerhinterziehung oder vorsätzliche Täuschung von Autokäufern?

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In Deutschlands Automobil – Talkshow “Die blaue Stunde – Männerrunde” zeigen Promis wie Prof. Dr. Winterkorn grade mal wieder , dass niedrigstes Niveau bei heutigen Betrugsformen, längst kein Vorrecht der verachteten albanischen Hütchenspielern und Deutsch – Bankstern mehr ist. Immerhin ist der an der Spitze hauptverantwortliche Mänätscher dafür der Vorstandsvorsitzende des VW-Konzerns, der seit Jahren mit zweistelligen Millionenbeträgen zum Ausgleich für seine erfolgreiche Arbeit entlohnt wird, als Dienstleistler für die Familien Piech und Porsche das Familienvermögen jährlich um ein paar hundert Millionen zu vermehren und dessen Vertrag eigentlich justamente bis 2018 verlängert werden sollte, nicht irgend wer.

Winterkorn war trotz zuletzt erheblicher Wiederstände von Ferdinand Pietch, in dieser Rolle bis gestern sicherlich auch in der richtigen Art für die Zukunft eingeplant und hat darüberhinaus auch für Audi, Skoda, Bugatti, Bentley, Lamborghini, Ducati und MAN eine erhebliche Bedeutung, weshalb die Kanzlerin ihm erst vor ein paar Tagen auf der IAA ihre persönliche Aufwartung machte.

Screenshot YouTube Werbefilm - 04

Wenn angesichts drohender Milliarden – Bußgeldern in den USA und zusätzlichen Schadensersatzklagen von US – Käufern, die durch das “betrügerische” Verhalten von VW einen beträchtlichen “Wertverlust” erlitten, dann der Aktienwert um runde 40 Prozentpunkte in den Keller rauscht und sich in zwei Tagen mal eben so fast 30 Milliarden Börsenwert verpulverisieren…? na und? Die Fabrikgebäude stehen doch noch, die 600.000 Beschäftigten können weiterhin Autos produzieren und allenfalls die Aktionäre, für die sich mein Bedauern in Grenzen hält, fressen eine Zeitlang Kreide.

Meine Meinung? Ich erinnere mich da einen Artikel der gleichen Journaille, die heute Winterkorn in kleine Schnipsel zerreißt, wo es vor ein paar Monaten noch hieß:

“Warum es irrsinnig ist, Winterkorn zu entmachten” … “Alle fragen sich, warum ein Konzernchef vom Hof gejagt werden soll, der eine lange Liste von Erfolgen vorweisen kann?”   …. “Winterkorn ist seit Anfang 2007 im Amt, seither hat sich der Kurs der VW-Aktie um 350 Prozent verbessert.”   …   “In der Ära Winterkorn wurde der VW-Konzern zur Gewinnmaschine. Und auch wenn man sich daran gewöhnt hat: Das war nicht immer so. Anfang der 90er- und dann erneut Anfang der 2000er-Jahre galt Europas größter Autobauer als Sanierungsfall.”   …   “2011 erwirtschaftete VW mit einem operativen Ergebnis von 11,3 Milliarden Euro schließlich fast so viel Gewinn, wie der langjährige Konzernchef Carl Hahn Anfang der 90er-Jahre an Umsatz erzielte.”   …   “Selbst als Vorstandschef legte Winterkorn so oft wie möglich selbst Hand an. Alle zwei Wochen landen in Wolfsburg auf dem sogenannten Schadenstisch der Entwicklung Komponenten, die nicht funktionieren, wie sie sollen. Der Metallphysiker Winterkorn greift dann zum Werkzeug, dem sogenannten “Winterkorn-Besteck”. Das umfasst Feuerzeug, Nagel, verschiedene Schraubenzieher und -schlüssel. Mit solchen Utensilien traktiert der pingelige Physiker die Bauteile.”

Einen sachlichen Grund, VW-Chef Winterkorn als Bauernopfer abzusetzen, gibt es tatsächlich nicht. Winterkorn hat als “Dienstleistler” zur Vermehrung des Gewinns seinen Auftrag mehr als erfüllt. VW hat beschissen, aber die verlogene Brut, die sich heute empört zum Richter aufspielt, allen voran unser Verkehrsminister Dobrindt, haben alle davon gewusst.

Update 24.09.2015: Warum selbst eine von Rechtsexperten für möglich gehaltene 100 – Milliarden – Dollar Strafe und mehr, nicht unrealistisch ist: Idealismus pur, Gina Mc Carthy

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P.S.“Ich verlasse München, aber nicht Euch” schrub Dr. Wolfgang Porsche 2010 auf seinen Einladungskarten an seine Bussi-Bussi-Freunde von Münchens Schickeria, kurz nachdem er sich mit der Übernahme von VW verspekuliert hatte und 10 Milliarden schulden hinterließ, und bevor er München nach zwei Jahrzehnten unbeschwerten Lebens dort verließ und die Schlüssel der herrschaftlichen und schönsten Villa mit dem größten Park in Münchener Bestlage am Herzogpark an den neuen Besitzer, Prof. Dr. Martin Winterkorn, übergab.

Was Winterkorn, das höchstwahrscheinliche Bauernopfer am Ende, wohl demnächst auf seine Einladungskarten schreibt?

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16 Gedanken zu “Winterkorn removed by… or not?

  1. “Da scheppert nix”, sagt der VW-Konzernchef trocken. Das kann einem Automanager wie ihm nicht gefallen – denn Winterkorn sitzt auf der Frankfurter Autosschau IAA nicht hinter dem Steuer eines Volkswagens, sondern des Hyundai i30, des neuen Golf-Gegners aus Südkorea. Was dem Perfektionisten Winterkorn besonders bitter aufstößt: “Warum kann’s der? BMW kann’s nicht, wir können’s nicht. Warum kann’s der?” Die Lenkradverstellung klappt wieder auf und zu. Neben ihm hockt der eigens herbeigerufene Golf Designer Klaus Bischoff. Klappe auf, Klappe zu. Erklärungsversuche: “Wir hatten ja mal eine Lösung, die war aber zu teuer…”

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/da-scheppert-nix-winterkorn-wird-mit-hyundai-zum-youtube-hit/4668264.html

    In diesem Fall war es ihm das Risiko wert, 70 Euro pro Auto x 11 Millionen zu sparen.

  2. Wenn man bisher “Autohändler” sagte, assoziierte das meistens: Rosstäuscher, Lug und Betrug. Jetzt halt auch bei “Autoherstellern” und “Autoverkäufern”. Letztere tun mir echt leid.

  3. Ich find’s schon witzig, wie aufgeregt jetzt alle tun.

    Betrug bei Emissionsmessungen? Da wäre man ja NIEEEE drauf gekommen!

    Als Anfang der 70er Porsche die neuen Abgaswerte nicht schaffte, hat eine Pumpe Zusatzluft in den Auspuff geblasen. Angeblich zur Nachverbrennung, in Wahrheit aber nur, um das schadstoffbelastete Abgas soweit zu ‘verdünnen’, bis die Grenzwerte erreicht waren. Ist ja Gang und Gäbe. Hat man auch bei der Entsorgung des belasteten Bodens der ehemaligen Trafo Union ist Stuttgart Bad Cannstatt gemacht. Einfach sauberen Aushub angekauft und solang gemischt, bis es gepasst hat.

    Dann gabs ja in den 80gern den dubiosen Schalter am Fensterheber. Wenn die Seitenscheibe unten war ging ein Signal ans Steuergerät. Grund: der Californier hat nie das Fenster unten, sondern die Klimaanlage an. Aber auf dem Prüfstand…

    Und auch bei uns pfiffen es die Spatzen seit Jahren von den Dächern. Dass die Verbrauchswerte deutlich über den Prospektangaben liegen ist doch ein alter Hut. Und dass höherer Verbrauch auch mehr Schadstoffe je km bedeuten, liegt doch auch auf der Hand.

    Beschissen wurde schon immer und jeder, der es wissen wollte hats gewusst. Jetzt das arme Betrugsopfer zu spielen ist doch schon sehr opportunistisch.

    Übrigens; damit will ich VW nicht entschuldigen. Betrug ist und bleibt Betrug. Mich amüsiert nur die verlogene angebliche Ahnungslosigkeit.

    Achsoja. Bei VW stinkt der Fisch vom Kopf. Dort wurde nicht einmal eine Schraube ausgetauscht, ohne dass Piech seine Zustimmung gegeben hat. Dass also ein kleiner Ingenieur auf eigene Veranlassung eine so komplexe Software entwickeln lässt und ohne Platzet vom Vorstand in die Serie überführt, kann man vielleicht meiner Oma erzählen…

  4. Der Mensch ist sein eigener Wolf.
    Da ist es völlig egal, ob man Bankmanager, Automanager, Bischof oder Inhaber von Bayern Ei ist.

    BMB

  5. Nu hat er sich selbst “removed”. Auch wenn Winterkorn nichts davon gewusst haben sollte, hat er versagt, denn er hätte es in seiner Rolle wissen müssen. Hat er? Jedenfalls erfolgt sein Rücktritt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt für VW. Wie bedrohlich das Debakel für die 600000 Arbeitsplätze wird, darüber mag man gar nicht nachdenken.

  6. Beschissen wird schon immer, überall und von allen.

    “Mit Erfolg – am Jahresanfang hat das Landgericht Stuttgart einer Klage der DUH gegen den Autokonzern DaimlerChrysler stattgegeben. Der Konzern hatte es versäumt, in einer Zeitschriftenanzeige Angaben zum Spritverbrauch der neuen CL-Klasse zu machen. Der Konzern warb mit der leistungsstarken Motorisierung, vermied es aber, die Verbraucher über den enormen Spritverbrauch von innerorts 18,1 bzw. 21,1 Liter auf 100 Kilometer aufzuklären. Und auch im März rief der Konzern wieder nach negativen Schlagzeilen: Nochmals fiel er mit Anzeigenwerbung auf, in der die Verbrauchsangaben fehlen. Und zwar ausgerechnet beim Spritfresser SLR, der mit 348 Gramm CO2 pro Kilometer zu den Top-Klimakillern unter den Neuwagen zählt. Leider ist das ist nur ein Beispiel – viele Autohersteller versuchen in ihrer Werbung, die Verbraucher zu täuschen. Doch jeder Autokäufer hat das gesetzlich verankerte Recht, sich darüber zu informieren, wie er mit seiner Kaufentscheidung das Klima belastet. Den Autoherstellern wäre wohl der unkritische Verbraucher lieber – sind ihnen die enormen CO2-Ausstöße mancher Modelle peinlich?”

    http://www.duh.de/co2_politik.html

  7. In Amerika kursiert bereits das Wort “Golf – Krieg”. Über Russland sind umfangreiche Embargos verhängt. Nachricht vom 04.09.2015:

    “Industriepolitischer Lichtblick in düsterer Zeit: der VW-Konzern hat jetzt im russischen Kaluga ein hoch modernes Motorenwerk in Betrieb genommen. Die Fertigungskapazität liegt bei 150.000 Einheiten pro Jahr. Der Autobauer hat 250 Mio. Euro investiert.”

    http://www.automobil-produktion.de/2015/09/trotz-krise-vw-eroeffnet-motorenwerk-im-russischen-kaluga/

    Grade kommt mir das abgeleierte Zitat “Honi soit qui mal y pense” in den Sinn.

  8. @ Momo,

    Klasse. Die wachsenden Widerstände und Bedenken speziell in Deutschland gegen TTIP, könnten bei dem zweifellos berechtigten Verfahren gegen VW eine Rolle gespielt haben.

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  9. Winterkorns letzte Worte: “Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen.”

    Ist das jetzt Humor oder blanker Zynismus?

  10. “…Hütchenspielerei, Steuerhinterziehung oder vorsätzliche Täuschung von Verbrauchern?”

    Wenn man die möglichen Folgen berechnet, im besonderen für diejenigen die am Ende immer die Zeche zahlen, die VW-Beschäftigten und die Kunden, lobe ich mir die USA. Heute morgen las ich, dass Juristen nur für die ganzen zivil- wie strafrechtlichen Verfahren in Deutschland, 4 – 6 Jahre veranschlagen. In den USA geht so was in 4 Monaten über die Bühne und fertig ist und ohne mildernde Umstände .

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/urteil-150-jahre-haft-fuer-bernie-madoff-1818031.html

  11. Zufälle gibts, die gibts garnicht, oder doch?

    “Daimler hat 11.000 Mercedes-Sprinter in Deutschland für eine Software-Aktualisierung in die Werkstatt gerufen. Bei diesen Fahrzeugen können die Prüfgeräte etwa von TÜV und Dekra für die Hauptuntersuchung nicht mit den Systemen der Fahrzeuge kommunizieren, wie ein Unternehmenssprecher berichtete”.

    http://www.spiegel.de/auto/aktuell/mercedes-sprinter-software-update-sorgt-fuer-aufregung-a-1054913.html

  12. Ein guter langjähriger Bekannter, der bei einem großen Autozulieferer arbeitete und jetzt im Ruhestand ist, verriet mir schon vor mehr als 10 Jahren, dass es ein Prüfmodus-Erkennungsprogrann gibt und dass dieses von allen Deutschen Autobobilherstellern verbaut sei. Die von der Politik vorgegebenen Grenzwerte seien seriös nicht einzuhalten, bzw. keinesfalls in der geforderten Zeit, deshalb bliebe den Herstellern gar kein anderer Weg. und alle fühlten sich sicher, weil sie wussten, dass alle den selben Beschiss begingen. Soll mir keiner behaupten, die obersten Bosse und die Aufsichtsräte hätten das nicht ganz genau gewußt.

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