Michael Schumacher ins Schleudern geraten

Schumacher UNfall

2006, im Sommer, grade als wir auf unseren überholten Motor  warteten, rief mich einer der Haifische an, die ich von früher her kannte und fragte, “wie ich das Interesse von privaten Investoren zu Immobilien-Fonds-Investitionen in Dubai einschätzen würde”. “Nicht dass er mir was schmackhaft machen wollte”, “nur so zur realitischen Einschätzung der Situation unter früheren Kollegen”.  Aus seiner Stimme klang eine gewisse Mischung aus Scheinheiligkeit, Frustration und Druck raus, wie ich sie von 150-Euro-Seidenkrawattenträgern-Startuppern der NewEconomy-Blase Ende der 90er her kannte, die die Milestones bis zur nächsten Finanzierungsrunde auf keinen Fall mehr schaffen. Dass ich mal darüber schreibe, hat einen verdammt guten Grund, just dieser die Dubai-Towers finanzierende Fond ist wohl pleite  und man staune, Michael Schumacher & Friends haben dabei die Haifische offenbar tatkräftig unterstützt, und, kassiert.

Wenn man kein Image hat, leiht man sich eins. Promis einspannen um die trögen Massen zu überreden hat in Deutschland Tradition. Mit Promis verkauft sich eben vieles besser. Meist gegen reichlich Couchgeld sitzen sie, von Pamela Anderson bis hin zu Ex-Bundespräsidenten, -Bundeskanzlern, –Ministern und politischen Hinterbänklern, bei Charity-Queen’s wie Ute Ohoven bis hin zu dubiosesten Kapitalanlagenanbietern, gut hör-, sichtbar auf der Bühne, schreiben auch schon mal unter ihrem Konterfei die Einleitungsworte in einschlägigen Prospekten, machen Werbefilmchen, wenn entweder dem unentschlossenen Publikum von cleveren Haifischen die Seriösität eigener Absichten, Handelns oder eben nur die Qualität von Produkten eingehämmert werden soll.

Das Spektrum reicht von Erhöhung der Spendenbereitschaft für wohltätige Zwecke, Motivation der Massen zu medinzinisch – unnützen – Vorsorgeunter-suchungen, bis hin zur Absatzförderung von Rasierwassern, Staubsaugern und Geldanlagen. Die etwas Älteren werden sich erinnern: Bernie Cornfeld hatte in den 1960er Jahren entdeckt, wie schnell sich Promis in bare Münze verwandeln lassen, als er das ausgemusterte FDP-Flagschiff und Kampflächler Erich Mende als Hardseller mit seinen wertlosen IOS-Aktien auf Deutsche los lies. Spätestens aber seit der frühere Verteidigungsminister  Ruprecht Scholz  erst kürzlich ob solchen Werbens für dubiose Kapitalvernichtungsmodelle vom Gericht zu deftigem Schadenersatz an zwei Anleger verurteilt wurde, ist den PR-Profis klar, mit Politikern, die inzwischen auf der untersten Ansehensskala in der Bevölkerung angelangt sind, lässt sich heute kein Blumenstrauß mehr verkaufen.

Das wollte Deutschlands erster und größter Immobilienfonds-Anbieter in Dubai, die Alternative Capital Invest (ACI)  aus Gütersloh in Nordrhein-Westfalen, besser machen. Nach dem der Pilotfonds der ACI 2004, der erste deutsche Fonds in Dubai überhaupt, ein Erfolg war und 2005 noch vor dem eigentlichen Baubeginn des Towers im Jahre 2006 mit großem Gewinn verkauft wurde und die Anleger einen satten Gewinn einstreichen konnten, war das Eis für die ACI bei deutschen Anlegern und arabischen Investoren gebrochen. ACI Junior-Haifisch erfand hierfür speziell das “Tower-Branding”, die Benennung von riesigen Investitionsobjekten nach lebenden Legenden.

Zuerst wurde 2007 Rennfahrerlegende Nikki Lauda mit einem Namens-Werbevertrag für zwei geplante Büro- und Wohnhochhäuser vor den Karren gespannt, ACI zahlt ihm dafür von den Anlegergeldern 1 Million Euro, 2008 wurde Tennis- und Pokerlegende Boris Becker Namenspatron für einen weiteren projektierten 23-geschossigen Tower gleich neben den Niki Lauda Twin Towers, und obwohl Bobbele nur einen Turm benannte, kassierte er das Doppelte im Vergleich zu Niki Lauda, nämlich 2 Millionen Euro. Im Sommer 2008 folgte als dritter prominenter Werbepartner Formel I-Rennfahrer Michael Schumacher.

ACI-Ausschnitt

Nach Schumacher wurde dann der vierte Promiturm benannt: Michael Schumacher Business Avenue Tower mit 35 Geschossen. Schumacher machte richtig Kasse und lies Lauda und Becker wie Trinkgeldempfänger aussehen: Sein Werbehonorar-Scheck 5 Millionen Euro.

Für drei Mann über 10% des Eigenkapitals, nur für einen Namen? Das könnte für Michael & Co-Friends teuer werden, nicht so teuer wie für die rd. 5.000 Anleger, die um ihre geschätzten 75 Millionen aus den Pleitetürme von Michael Schumacher zittern. Seit gestern haben sie auch allen Grund dazu, auch die Scheichs sollen ziemlich klamm sein. 

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15 Gedanken zu “Michael Schumacher ins Schleudern geraten

  1. Das ganze Dubai-Geschäftsmodell war so scheint mir – wie auch bei einigen osteuropäischen “Tigern” sowie in Irland und Island – auf den Fundamenten “Steuerparadies” und “Regulierungsarbitrage” aufgebaut gewesen. Ein Land ein einziger riesiger Duty-Free-Shop, eine internationale Bezahljournaille die das ganze als Tourismushiglight verkaufte und das jetzt noch mkehr tun wird wie vorher. Ein Eldorado der Neoliberalen zweifellos, aber der Rest der Welt fragt sich wie üblich vergeblich, wo da die wirtschaftliche Substanz ist. Ganz einfach: es gibt keine.

  2. Dann wird man den Urlaub im Burj Al Arab ja bald bei Neckermann buchen koennen.

    Ich war da mal vor 3 Jahren, genaugenommen im benachbarten Sharjah. Tja, die Wueste, wer diese Vegetationsform noch nie erlebt hat, die m.E. exzellente arabische Kueche mit indischen Einsprengseln, aber das war`s dann auch schon. In jeder Seitenstrasse jeder größeren europäischen Stadt wird mehr geboten. Ich würde nicht noch einmal hinfahren, nicht einmal zum Sonderpreis ins Burj Al Arab.

    Das Namensvetter Michael Schumacher, dessen sportliche Erfolge unfraglich top waren, für seine Rattenfängerei mal eine auf den S… kriegt und als Warnung für ähnliche Aktionen mit Promis dient, finde ich ausgesprochen ok. Die Geschichte mit Ruprecht Scholz kannte ich nicht, interesanter Hinweis.

    Michael

  3. Dubai war und ist eine künstliche, hochgepuschte und überhitzte Einkaufszone mitten im Nichts. Gaga-Gigantomanie & Sinnlosigkeit pur. Erinnert, wie viele andere neuzeitliche Projekte, an den Turmbau zu Babel.

    Zum Wertgehalt solcher Projekte & Produkte gibt´s immer einen ganz primitiven Test/Indikator: Wenn keiner in deinem ganzen Umfeld die Sache versteht und niemand den Hype einleuchtend erklären kann….dann ist an der Sache auch nix (!) dran. Eben heiße Luft in Tüten.

    Das der Crash zumindest bei einigen Großen kommt, war doch schon vor längerem absehbar, als bereits 2008 erste Großbauprojekte on-hold gelegt wurden und ausländische Ingenieuere nach Hause geschickt wurden. Und bei den arabischen Brüdern ist auch nichts mehr zu holen, denen gehts nicht viel besser. Ich vermute mal, man hat bis jetzt gewartet, denn die Engländer, die kreditmäßig bis oben drin hängen, hätten letztes Jahr um diese Zeit eine solche Hiobsmeldung nicht auch noch verkraftet. Und gestern ist auch noch die Elektronik der Börse ausgefallen, was’n Zufall…

    Das Pound geht runter. Gute Zeiten für englische Sportwagen.

    Alphons

  4. Da kann man für Daimler Benz nur hoffen, dass die Nachbarn der Dubaischeichs ihre 15% Beteiligung noch mit Barem bezahlen können, sonst könnte da auch bald eine nicht sehr erfreuliche Meldung kommen.
    Udo D.

  5. Na ja, falls alle Stricke reissen, dann bleibt den Wüstensöhnen ja noch das bekannte Sprichwörtlein aus Studentenzeiten, wenn nach ausgiebigem Trinkgenuss nicht restlos klar war, ob das karge studentische Budget die Zeche auch hergeben würde:

    Sagte der Scheich zum Emir:
    “Zahlen wir und gehen wir!”
    Entgegnete der Emir dem Scheich:
    “Zahlen wir nicht, und gehen wir gleich!”

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  6. Die richtig fetten Krisen kommen immer dann, wenn die neuen Wolkenkratzer anfangen langsam an der Stratosphäre zu kratzen. Vielleicht bekommt man die demnächst All-Include-Dubai-Reise beim Discounter, mit CD der “Friedhof der Luxusautos in der Wüste” als Gratiszugabe.

  7. Als Rennfahrer war Michael bestimmt ein Ass, als Mensch, im Gegensatz zu Volkes Meinung, alles andere als der nette, liebe Junge. Er und sein inzwischen mehrfach verurteilter Manager Willi Weber waren die rücksichtslosesten Absahner. Hoffentlich treten ihm ein paar ACI – Anleger die hier hier Geld total verloren haben, mal richtig in die Balls.

    Ich hatte den Beitrag garnicht mitbekommen. Klasse.

  8. Orscheler,

    nur Michael Schumacher?

    Rechtsanwalt Markus Krompa, den ich hier ja auch verlinkt habe, hatte den Tip über die Strafermittlungen gegen Carsten Maschmeyer, übrigens von mir erhalten.

    http://www.kanzleikompa.de/2011/11/30/strafanzeige-gegen-awd-machtige-in-osterreich-whistleblowing-spielte-offenbar-wesentliche-rolle/

    Interessiert mich eigentlich alles nicht mehr so sehr

    http://motorbloeckchen.com/?p=19598

    Trotzdem mal interessant zu beobachten, was bei den Ösis, die ansonsten nicht grade als Musterexemplare für die Verfolgung von Finanzschiebereien gelten, besonders dann, wenn Promis darin verstrickt sind, rauskommt? Ob unser Maschmeyer – Freund und Bundespräsi Wulff nebst Gattin hinterher doch noch mal Kreide fressen oder nicht, mer waases ned.

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  9. Ich habe durch den Kommentar im Spiegel dieses Blöckchen entdeckt.

    Schon die unappetitliche Höhe dieser Honorare spricht für mich dafür, dass Michael Schumacher & Promikollegen zumindest billigend in kauf genommen haben, dass an diesen Investments was faul ist. Für diese auch von Strafverfolgern mal zu überprüfenden Sauereien kann man eigentlich gar keine noch so deutlichen Worte finden. Interessant ist aber auch, dass der Spiegel vor 2 Jahren solche Themen mied und nach dem sich der Wind zunehmend dreht, sie jetzt aufgreift.

    Hier geht es aber ran. Klare Ansprache. Hut ab..

  10. Die mittelbare Beteiligung eines Michael schumacher an einem Kapitalanlagebtrug diesen Ausmaßes, ist fast unglaublich. Ich lese das heute das erste Mal. Den Widerspruch der Wirklichkeit mit dem Idol Michael Schumacher zu zeigen, ist Aufgabe der Satire und ist mit diesem Beitrag hervorragend gelungen. Danke dafür.

  11. Pingback: Da leggste misch abber am Aasch

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