300SL Höllenofen darf kein Sofa werden

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Keine Panik bitte, die Anzeige ist vom Oktober 1962, die Antwort auf die Chiffre-Anzeige könnt Ihr euch also sparen. Wahrscheinlich wollte der Verkäufer seinen Flügeltürer, der am Ende seines normalen, automobilien Lebens angekommen war, damals einfach loswerden… vielleicht hatte er grade auch die ersten Erlkönig-Fotos von der ‘Pagode’ gesehen und seine Copilotin ärgerte sich sowieso schon über das Getuschel im Tennisclub über das “alte Auto von ihrem Alten” und gab Regieanweisungen “weg mit der alten Schüssel”.

Claus E. von Schmeling…

2008 - Pressefotot

ihn habe ich mal vor 3 Jahren auf dem Nürburgring erwischt. Er ist seit 25 Jahren einer der Experten für den W198 und insbesondere den ‘Flügeltürer’, aber auf jeden Fall einer der stetig größer werdenden Gemeinde derer, für die Neulack, Shizöl und Chromputzmittel ein Greuel sind.

Lesenswert:   2008-12 Oldtimermarkt – Restaurieren – Darf man das

Ich fahre keine runderneuerten Reifen, genau so sind mir Frauen ein Greuel, deren wahres Alter man nur noch nach Kenntnis der verabreichten Botox-Injektionen zu schätzen in der Lage ist. Und deshalb liebe ich auch Autos wie diese, – Lovely Touch of Original – wie die Engländer sagen, die heute zunehmend auf Auktionen Spitzenpreise erzielen, während sich ihre totrestaurierten Brüder in den Showrooms Platten in die Reifen stehen. Ob mein Freund Joseph solche Autos mag, mmmm. Der ergraute Flügeltürer und zum Wohnen das, am besten natürlich am Seeufer vom Tegernsee, was bräuchte man dann also zum bescheidenen Dasein als Prekarier noch mehr, außer einer Copilotin mit viel Verständnis, einem Langescheidt Sprachlexikon Bayerisch – Deutsch, und, klar, einer guten Konditorei in der Nachbarschaft?

…zum Vergrößern 2-mal draufklicken…

 

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15 Gedanken zu “300SL Höllenofen darf kein Sofa werden

  1. Erstklassige Story. Danke auch für den sehr interessanten Artikel aus der Oldtimer-Markt.

    Ich fürchte allerdings, mit so einem Auto darfst Du bei keinem der Schönheitschirurgen aus dem Pagodentreff zu Hause auftauchen und wenn, dann aber nur bei ihnen in der Garage parken, wegen der tuschelnden Nachbarn.

    Von Mäusen angefressene Sitze wären mir etwas zu gammelig, der Silberne könnte trotz Originalität mal etwas Wasser gebrauchen. Ansonsten sind diese “Originale” in ihrer Schönheit tatsächlich unschlagbar.

    Peter M.

  2. Weil ich die OM grundsätzlich nicht mehr kaufe, kannte ich den Artikel auch nicht. Klasse.

    Es ist komisch. Steht auf der Techno-Classica so ein unrestaurierter Flügeltürer, stehen alle drumherum, finden ihn toll und jeder findet ihn natürlich besser als die danebenstehenden vollrestaurierten gleichen Autos. Und wie man liest, erzielen diese Unrestaurierten teilw. tatsächlich höhere Preise als ihre restaurierten Pendants. Steht daneben aber zum Beispiel eine unrestaurierte Pagode, sagen alle “was für ein Schrotthaufen” “keine 5 Scheine wert” und überschlagen sich mit Ratschlägen und Pseudowissen, was alles nach ihrer Meinung an einem ordentlichen Auto gemacht gehört.

    Solche Typen wie von Schmeling müsste es viel mehr geben, um dem teilweisen Unsinn und Geldversenkerei zu beenden.

    Freddy

  3. Von Mäusen angefresse Sitze halt ich schon für etwas sehr patimert. Ich habe vor ein paar Jahren einen 190SL angefangen zu restaurieren, den Herr Schmeling bestimmt so gelassen hätte wie er war und optisch vom Zustand Klassen besser war wie sein Flügeltürer. Eineinhalb Jahre kaum Freizeit, nur am Auto, Way of no return, je mehr ich ausbaute und restaurierungswürdiges freilegte und gezwungen war weiterzumachen, um so mehr wurde aus Spass zeitweise Frust. Dieses Jahr musste ich das Auto verkaufen. Es hat sich trotz einer gutachterlich bestätigten Toprestaurierung nicht gelohnt.
    Baumännchen

  4. Danke für den sehr schönen und interessanten Artikel aus der Oldtimer-Markt, die ich mir schon lange nicht mehr kaufe. Ich fahre die alten Kisten lieber, als darüber viel Blödsinn zu lesen.

    Presseüblich wird hier natürlich ein Tred an einem sehr extremen Beispiel aufgezeigt. Aber der Trend zu Originalität, den Engländer viel mehr als Deutsche, schon seit jeher schätzen und ! pflegen, ist auch hier unverkennbar.

    Den Vergleich mit den Botoxspritzen finde ich köstlich und die Fotos von dem alten 300er, der wirklich mal eine Wäsche verdient gehabt hätte, gefallen mir auch sehr gut.

    Renatus R. (HH)

  5. Herr Kupfer,
    1972 habe ich mir nach meinem Studium einen 190SL gekauft, der schlimmer aussah, als der 300er auf den Fotos, aber dank eines Schweissers in unserer Firma, der durch mein Auto die Blech-Zwiebeltechnik perfekt erlernte (eine Zwiebel hat 7 Lagen), bekam ich ich ihn bis Mitte der 80er auch durch den TÜV. Dann stand das Auto bis vor 4 Jahren in unserer Firma herum. Es wäre ein ideales Objekt für einen Oldtimerpaparazzi wie Sie gewesen. Inzwischen habe ich ihn reapieren und das allernotwendigste restaurieren lassen. Leider habe ich mich dieses Jahr so lange bequatschen lassen, bis ich auch noch eine neue Lederausstattung eingebaut habe. Jetzt ist der Sl für mich tot, hat keine Ausstrahlung mehr. Er soll über den Winter verkauft werden.
    Ich bin dabei, eine technisch gute, fahrbereite, aber unrestaurierte Pagode zu finden. Wenn ich eine finden sollte, wird weder ein Lackierer noch ein Sattler oder Verchromer mehr näher als 1 Meter an das Auto herangelassen.
    Deshalb liebe ich solche Berichte und vor allem die Fotos. Wenn Sie haben, bitte mehr davon.
    Peter H.

  6. Kompliment Herr Kupfer für Ihr “MotorBlöckchen”. Übrigens ein Name, auf den man erst einmal kommen muss.

    Dieser Blogbeitrag ist absolute Spitze (gefunden heute über die Berührbare). Ich werde mir erlauben, Ihr Blöckchen demnächst öfters mal zu verlinken.

  7. Pingback: 300SL Spritztour mit der Berührbaren

  8. Pingback: 300SL, alte Lieben rosten nicht

  9. Pingback: 300SL Original mal ohne Geschichte

  10. Pingback: Dirt 300 SL Contest

  11. Absolut dacore mit dem was Sie schreiben. Es graust mich oft innerlich wenn ich im Bekanntenkreis mitbekomme, wie selbst englische Oldtimer, deren Original – Karrossen nie ein Beispiel für qualitativ hochwertigen Autobau waren, heute von den Spaltmaßjüngern mit viel Geld auf Besser-als-original-Zustände hochrestauriert werden.

  12. Ich glaube das Schlüsselwort heißt nicht “restauriert” oder “original”, es heißt Homogenität. Der Zustand muss durchgehend konsequent gleichmäßig sein. Dann ist es in sich harmonisch. Die perfekte Spiegelung im Lack einer handwerklich wiederhergestellten Tür ist für mich genauso berührend wie die Würde des Verfalls. Soll es doch so oder so sein- nur nicht halb gehübschtes Mittelmaß.

  13. “Ponton180″ hat es hier am 05. Dez. 2009 genau getroffen. Ich fahre einen Vorkriegsoldie (1928) im Originalzustand von 1958, damals das letzte Mal neu lackiert und von meinem Vater für kleines Geld aus der Tschechei hierher geholt. Früher wurden mir auf Veranstaltungen die dollsten Komplimente wg. des Originalzustands gemacht und hinterher bekam ich von “Öchsperten” natürlich immer nur “gutgemeinte” Angebote, na ja, falls ich doch eines Tages die nach ihren Maßstäben etwas zu reichlich sichtbaren Spuren seines Autolebens unter 5-Schichtlackierungen und feinstem Leder verschwinden lassen wolle, hier bitte, ich lasse ihnen mal meine Karte da.

  14. Pingback: Wort zum Sonntag: Nutzlosbranche Oldtimer – Sachverständiger | MotorBlöckchen

  15. Ein Top – Beitrag. 15.000 DM … ich hätte es bis vor 1 Stunde niemandem abgenommen. Ich habe mich bestens amüsiert. Danke.

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