Histomatismus II

Wenn ich heute Morgen eine meiner bevorzugten Webseiten Motor – Kritik lese,  wo mal grade 750.000.000 Euro in Baumüll verbraten wurden, denke ich, es geht den Politikern,  Bankstern und selbsternannter Pseudo-Elite noch immer viel zu gut, sie können anstellen was sie wollen, so viel Geld verbraten, und sich sicher sein, dass es ungesühnt bleibt.

Der Fehler, den die britische Regierung gerade macht, ist gravierend: Statt, wie es der Finanzterrorismus vorexerziert, erst den Gegner mit Dreistigkeiten a la “Leute werden gefeuert und die Kurse steigen” ihre Unmenschlichkeit zu zeigen, zieht man langsam, ja fast entschuldigend und auf Not verweisend die Daumenschrauben an. Kein Wunder, wenn die organisierte Anlagekriminalität jetzt winselt, sie hätten es gerne “tax-friendly”, wenn sie schon nach allen Regeln der Kunst steuergemindert all das kassieren, was sie im Endeffekt anderen abnehmen, gestohlen haben.

Man müsste es hier bei uns so machen, wie sie  selbst mit anderen:  Ihnen jeden Tag das Gefühl geben, dass sie nur ein verkommener, fauler Kostenfaktor für die Bürger sind, der aus Fermenten zusammengebackene Abschaum der Gesellschaft, auf den man jederzeit verzichten könnte, der nur dank Gnade der Bürger hier noch frei und mit Besitz rumlaufen darf.

Wenn man so wie sie es tun, erst Jobs vernichtet und sich durch steigende Aktienkurse mit Boni  dafür belohnen lässt, und dann arbeitslose Menschen am anderen Ende der sozialen Schlucht zwingt, erst mal ihren Besitz aufzubrauchen, bevor der Staat hilft, wäre es nur gerecht, wenn man die Kauf-Mich-Politiker, Manager und Bankster ähnliches fühlen lassen würde. Einer derartige Arroganz, nach dem Debakel der Finanzkrise von einem Staat und seinen Bürgern Sonderbehandlung und hundete Milliarden Volksvermögen zu fordern und zu kriegen, der eigentlich auch ganz anders könnte wenn er wollte, der sollte man nicht mit Nachsicht begegnen. Die sind das auch aus ihrem Beruf nicht gewohnt: Je brutaler man sie unterpflügt, desto besser wird man mit ihnen fahren. Lasst sie Kloreinigen, Hundescheisse auf Berliner Bürgersteigen mit der Hand wegputzen, Spargelstechen, alles für 1,50 Euro die Stunde und die Sorgen wegen Abgaben- und Steuererhöhungen, Funktionsfähigkeit unserer Gesellschaft auch für nachfolgende Generationen, werden nachlassen. Das ist ihr Spiel mit anderen, das sollte das Spiel mit ihnen sein.

Es ist schon interessant, Schumpeters “Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie” mal wieder aus dem Regal zu nehmen. Ich bin früher, als ich mich noch politisch in einer Partei engagiert hatte, und als ich noch mehr Bücher über Wirtschaft und Gesellschaft las, schon das eine oder andere Mal auf Zitate von Schumpeter gestoßen, hatte sie aber nie unter dem Aspekt der “bürgerlichen Moral” betrachtet.

Schumpeter verstand den Kapitalismus als evolutionären Prozess, damit ist klar, dass damit noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht war:

  • “…, dass der kapitalistische Prozess auf die gleiche Art, auf die er den institutionellen Rahmen der Feudalgesellschaft zerstörte, auch seine eigenen Institutionen unterminieren wird.”

Eine dieser Institutionen, die Schumpeter hervorhebt, ist die bürgerliche Familie: Mit ihrem Verschwinden gehe die “kapitalistische Ethik” verloren, die ein “Arbeiten für die Zukunft” erstrebenswert erscheinen ließe. Die Folgen sehen wir schon heute: Das Land der Pessimisten.   Damit würde das Bürgertum seine Funktion verlieren, der Kapitalismus seine Basis.

Ich halte das für recht interessante Gedanken; weniger vor dem Hintergrund der ökonomischen Gemengelage sondern hinsichtlich der offen zu Tage tretenden Sinnkrise des bürgerlichen Lagers. Die dröge Masse muss erst mal begreifen, dass das was die da ganz oben machen, ein Kampf nicht gegen die ganz unten, sondern gegen das Bürgertum, den Mittelstand, ist.

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9 Gedanken zu “Histomatismus II

  1. Herr Kupfer,
    eine interessante Sichtweise, die andere mit Ihnen teilen. Ich im übrigen auch und vor allem, wenn ich heute die Details über die 1,1 Millionen-Spende an die FDP lese. Der größte Feind einer freien Marktwirtschaft ist der Kapitalismus selbst und nicht die Linken, Sozis oder wem auch immer marktwirtschaftsfeindliche Tendenzen zugeschrieben werden. Lesen Sie mal:

    http://www.duckhome.de/tb/archives/1916-Der-Wirtschaftspsychologe-Erich-Witte-bitte-mal-dringend-zum-Arzt.html

    Hans W.

  2. Es ist doch heute schon so, ein kleiner Teil unserer androgynen Finanzwürmchen, also Berufsspieler, hat ausser Zocken nichts gelernt. Sie können nicht mal eine Zündkerze wechseln, keinen Schrank zusammenbauen (außer vom I*EA-Blödmarkt, keine Mauer hochziehen und auch niemanden von einer Krankheit heilen. Sie sind beruflich zum Zocken verdammt und tun es auch gerne.
    Ein weiterer kleiner Teil an Privatzocker schaut neidisch zu den Finanzwürmchen und möchte gerne auch mal reich sein ! Aber bitte schnell und richtig reich, wenns geht ohne Arbeit…wenns sein muss auch mit riesigem Hebel!

    Es wäre ja alles gut, wenn man diese beiden recht kleinen Gruppen geschlossen zum weiterspielen auf den Mond schiessen könnte (dort solls spitzenmässige Kraterfonds und super Optionsscheine auf Krater & Kometen geben). Kann man aber leider nicht.

    Und so zahlt auch in Zukunft der grosse Teil der Nichtzocker den Gewinn und den Verlust unserer spielesüchtigen Mitbürger. Irgendwie ein blödes Spiel, bei dem nur (!) der zahlt, der nicht mitspielt…. irgend wie scheint es noch genügend Leute zu geben, die eine Lohnsteuerkarte haben und nach und nach keinen Bock mehr.

  3. Ich habe am Wochenende in München übernachtet. Meine Enttäuschung war riesengroß, als ich die Rechnung bekam. Gleicher Preis wie vor Weihnachten. Nix mit billigerer Übernachtung, jetzt, wo man den Hotels die Mwst. um 12 Prozent gesenkt hat.
    Ich hätte da noch eine Idee, wo man diese Politiker die uns solchen Stuss einbrocken, grade mal wieder 1 Milliarde den Klienten in den A…. geschoben und dafür eine Million Spende kassiert, zum Kloputzen einsetzen könnte: Guantanamo.
    Und ich habe die früher mal gewählt, kaum zu glauben.
    Alfredo

  4. Für mich hat sich die Frage nach der Ethik im Oktober 2008 erledigt, nach der Lehman Pleite, als die Abzockmasche mit Zertifikaten in Deutschland die ersten Opfer forderte (CoBa), da saß Kopper in “Hart Aber fair” und liess die Katze aus dem Sack. Er habe keine Zertifikate und Ähnliches im Depot, “so was hätte er für sich selbst nie gekauft”.

    Ebenso erhellend damals seine Meinung zur IKB (deren Pleite damals schon 1 Jahr zuruecklag). Ich kann ihn leider nicht mehr wörtlich zitieren, aber sinngemaess sagte er, dass dieses Gerede von der Mittelstandsbank ein Popanz sei und weiter führte aus, als die Münchener Rück keinen Käufer für ihren Anteil an der IKB gefunden hatte, habe man die KfW gedrängt, einzusteigen.

    Ich wundere mich, dass die Herren und Damen Redakteure diese Zitate nicht in einer Endlosschleife laufen lassen vor ihren Verbrauchermagazinen z.B. ginge es um Fussball oder Karneval oder Volksmusik, dann kramte man noch Versatzstücke von vor 100 Jahren und mehr hervor.

    Der Spiegel-Artikel trifft den Nagel kopfgenau. Die von Detlef angerissenen Verwendungsmöglichkeiten für dieses Pack, finde ich zugegebenermaßen, haben Charme.

    Hartmut W.

  5. Am Wochenende die 1 Mio. Spende an die FDP und eine halbe Mio. an die CSU, alles nur Goodwill und kein Zusammenhang mit der Mwst-Senkung für die Hotelerie, ja sogar Empörung bei unserem schw…. Aussenminister über diejenigen die da etwas vermuten. Man da kommt einem die Kotzen im wahrsten Sinn des Worts hoch.
    Bernd

  6. Starker Header. Babba Hesselbach würde sagen Uffbasse.
    Aber es stimmt, je mehr wir jetzt die Folgen der Bankenkrise und der Belastungen des einzelnen mit den Kosten dafür und der historischen Staatsverschuldung zu spüren bekommen werden, um so mehr wird die Motivation “untn” sinken, mehr zu tun, als nötig.
    Rolf

  7. Das aktuell Erstaunliche ist für mich nur noch, dass die Führungspersönlichkeiten von OBEN HERUNTER Moral predigen, an die sie sich selbst in keinster Weise selbst gebunden fühlen.

    Das ist ein grundsätzliches Problem geworden, dass die OBEREN garnicht mehr wahrzunehmen scheinen. Als ob es ein Naturrecht von Abgängern von Elite-Unis und Mitgliedern elitärer Vorstands-Networks wäre, ein ganzes Volk zu leiharbeitenden Lohnsklaven zu machen.

    Friedrich H.

  8. Sie schrieben doch kürzlich einen Beitrag über “listenreiche Helden”, der mir sehr gut gefallen hatte. http://motorbloeckchen.com/?p=6762

    Mich wundert der Pessimismus der Jugendlichen in Deutschland nicht mehr. Schließlich tut der Staat und die Gesellschaft ja alles, um den Blick in die Zukunft zu trüben. Selbstbedienungsmentalität beim Schuldenmachen, wahnwitzige Subventionsspiralen, unverantwortlicher Umgang mit Steuergeldern, Reformunfähigkeit und Korruption der Politiker (Nicht nur die monetäre Käuflichkeit, sondern auch die Bereitschaft für Ideologische oder persönliche Ziele zu verkaufen und verraten).
    Eine intolerante Gesellschaft die sich nur den Gesetzen beugt, anstatt von innen heraus tolerant zu sein. Hundekot auf dem Bürgersteig ist ein geringeres Ärgernis als die Gegenwart von Kindern und Jugendlichen (da gabs doch kürzlich einen Prozess in Frankfurt einer Gräfin von …. gegen einen benachbarten Kindergarten).

    Junge Menschen sind einem Konkurrenzkampf mit den alten Generationen ausgesetzt in dem sie wegen fehlender politischer Macht chancenlos dastehen. Es ist ein großes Glück, das die allgemeine Gewaltbereitschaft in den jungen Generationen abgesehen von einzelnen Extremerscheinungen doch deutlich geringer ist als die der 68 und älteren Generationen. Sonst würde sich der Zukunftspessimismus weniger in Umfragewerten und wie in Frankreich und Griechenland mehr durch brennende Autos und Straßenschlachten manifestieren und das nicht nur in Berlin Kreuzberg.
    Klaus K.

  9. Ich habe mir den Spiegel-Artikel mehr als einmal durchgelesen. Vor allem die Diskussion darüber. Die Meinungen sind so vielfältig wie die Diskutanten. Es sind einige sehr interessante Beiträge darunter.

    Wer gestern die Debatten im Bundestag verfolgt hat um die 1,1 Mio Spende an die FDP, seit gestern die “Mövenopick-Partei”, hat ein exemplarisches Beispiel unter gegenwärtig sehr sehr vielen gesehen, warum grade auch dazu, der bürgerliche Mittelstand, der jahrzehntelang eine Bastion gegen allzu systemverändernde Politik war, zunehmend das Vertrauen verliert. Ich erlebe das selbst in meinem Bekanntenkreis, wenn sich bis dato von Jobsorgen und finanziellen Problemen weitgehend immer verschont gebliebene, sich sicher fühlende Familien heutzutage hinsetzen und über Einsparungen von Familienausgaben sprechen, dann gehen diese Nöte auch nicht an Kindern und Jugendlichen vorbei.

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